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Marie Lacrosse - Tage des Schicksals

Tage des Schicksals: Das Weingut 3

4.5 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Band 3 der

Verlag: der Hörverlag

Bindung: Audible Hörbuch

Laufzeit: 00:21:40h

ASIN: B07Y5DZ37P

Termin: September 2019

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  • Inhalt (Quelle: Amazon)

    Der dramatische Abschluss der »Weingut«-Trilogie.

    Schweighofen in der Pfalz, 1877. Das ehemalige Dienstmädchen Irene und ihr Mann, der Weinguterbe Franz Gerban, führen eine glückliche Ehe. Dennoch fühlt Irene sich fremd in seiner Welt der besseren Kreise. Als Franz häufig auf Reisen ist, leidet sie zunehmend unter der Einsamkeit und sucht sich eine Aufgabe. Sie beginnt, sich für die Rechte der Arbeiterfrauen einzusetzen - und trifft dabei ihren ehemaligen Geliebten, den Arbeiterführer Josef, wieder. Franz reagiert mit glühender Eifersucht, ihre Beziehung droht zu zerbrechen. Und dann erfährt Franz ein Geheimnis, das ihrer beider Leben vor eine große Herausforderung stellt.


    Die Autorin (Quelle: homepage der Autorin maritaspang.de)

    Marie Lacrosse ist das Pseudonym der Autorin Dr. Marita Spang-Fitzek. Sie wurde 1959 im Hunsrück geboren und wuchs in Trier auf. Zunächst arbeitete sie als klinische Psychologin, dann als Unternehmensberaterin und Autorin. 2015 gewann sie den Literaturpreis HOMER für ihren Roman Hexenliebe. Marita Spang ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.


    Die Sprecherin (Quelle: Wikipedia)

    Katrin Fandrych ist unter dem Namen Katrin Fröhlich als Synchron- und Hörbuchsprecherin tätig Sie wurde 1968 in Berlin geboren und ist seit ihrem 7. Lebensjahr ‚im Geschäft‘. Als Synchronsprecherin leiht sie ihre Stimme u.a. den Filmstars Gwyneth Paltrow und Cameron Diaz. Katrin Fröhlich lebt in München, ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.


    Das Hörbuch

    Verlag: Der Hörverlag

    ASIN: B07Y5DZ37P

    Erscheinungsjahr: 2019 als Hörbuchdownload

    Laufzeit: 1.300 Minuten (21 Stunden, 40 Minuten) als ungekürztes Hörbuch


    Inhalt und eigene Meinung:

    Während in Teil zwei die Zustände in Fabriken und Irrenhäusern beschrieben wurden, ging es in diesem Band um die Verhältnisse in Waisenhäusern und die Situation der Dienstboten in gutbürgerlichen und hochherrschaftlichen Häusern.


    Ob es um die hygienischen Zustände in den Arbeiterwohnungen, die Pflege von Säuglingen (die mit in Alkohol und Zucker getränkten Sauglappen ruhiggestellt werden), die schlechte Verpflegung und die daraus resultierenden Krankheiten wie Rachitis oder die Schwindsucht/Tuberkulose, die Trunksucht und Gewalttätigkeit überforderter verzweifelter Männer gegenüber ihren Frauen und Kindern oder die sexuellen Übergriffe männlicher Vorgesetzter geht: all dies erzählte die Autorin anschaulich und sehr kurzweilig. Betroffen machte mich die Schilderung der Abhängigkeit der Frauen von ihren Ehemännern, die vom Gesetz gewollt ist und gedeckt wird: Misshandlungen wurden nicht geahndet, selbst wenn sie tödlich endeten. Schwer vorstellbar ist, dass Mitarbeiter der Fürsorge (wohl der Vorgänger des heutigen Jugendamtes) Kinder alkoholkranken arbeitslosen Witwern überließen und sie mit Gewalt aus liebevollen und fürsorglichen Familien entfernten, ohne dass Rechtsmittel eingelegt werden konnten. Sehr informativ waren auch wieder die Schilderungen der Arbeiten rund um die Weinherstellung.


    Obwohl Irenes Mann ihre Tätigkeitswünsche verständnisvoll und materiell großzügig unterstützte, setzte er ihr auch Grenzen, als er den Ruf seiner Firmen und den Wohlstand seiner Familie gefährdet sah. Auch für Verstöße gegen geltende Gesetze und Vorschriften hatte er kein Verständnis. Da Irene nicht einsah dass sie untätig sein sollte, während ihr Mann neben seinen beruflichen auch noch seine politischen Ambitionen ausleben konnte, kam es zu einer ernsten Ehekrise.


    Höhepunkte der Geschichte waren für mich die Begegnungen der Protagonistin mit realen Personen der Epoche, z.B. die Treffen Irenes mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht und ihre Verbindung zu Gertrude Guillaume-Schack.


    Sehr interessant fand ich auch den Ausflug ins Erbrecht der damaligen Zeit, sowohl was den deutschen und österreichischen Adel betraf (ist dieses ungeteilte Vererben auf den ältesten Sohn auch heute noch machbar?) als auch die Möglichkeiten der Versorgung bzw. Nichtversorgung kinderloser Ehefrauen im Testament (seit wann gibt es denn die Pflichtteilsregelung?).


    Während ich Irene im Vorgängerband wegen ihrer Sozialarbeit neben der beschwerlichen Arbeit in der Fabrik sehr bewundert habe, musste ich mich über ihr Verhalten in dieser Geschichte nun sehr wundern. Meiner Meinung nach hat sie es mit ihren Tätigkeiten und ihrem Sturkopf übertrieben und sich und andere sehenden Auges mehrmals großen Gefahren ausgesetzt, ohne an ihre Kinder und das Wohl der Familie zu denken, ganz zu schweigen von der fortwähreden Unehrlichkeit ihrem Mann gegenüber: für mich ein absolutes No-go. Mit diesem kompromisslosen undiplomatischen Verhalten belastete sie ihren Ehemann sehr und auch den Bedürftigen ist dadurch manche Unterstützung entgangen. Sehr unglaubwürdig waren ihre Reuebekundungen, wenn sie gerade mal wieder aus einer brenzligen Situation von Ehemann oder Anwalt ‚herausgehauen‘ wurde oder sie trotz vorheriger Zusagen oberpeinliche Eklats verursachte.


    Franz tat alles, um seiner Familie ein schönes Leben zu bieten. Leider hatte er seine eifersüchtigen Anwandlungen nicht unter Kontrolle und trug damit dazu bei, dass Irene in sehr heikle Situationen geriet. Wenn Franz immer wieder sein Gutmenschentum auslebte, musste ich die Augen rollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sich immer wieder von seinen materiell von ihm abhängigen Verwandten beleidigen und in persönliche Schwierigkeiten bringen lässt, ohne da die Reissleine zu ziehen, zumindest deren Leben wie die Made im Speck mal auf ein bescheideneres Maß zurechtzustutzen.


    Sehr weit an der Realität vorbei ging mir auch von Band eins bis drei die Geschichte der Abstammung der beiden. Jede einzelne Situation ist zwar durchaus denkbar,

    aber im Zusammenspiel

    gehört dieser Teil für mich ins Reich der Märchen.


    Die Autorin hat mich auch im Schlussband der Trilogie, die die Anfänge der heutigen Sozialdemokraten am Beispiel der Südpfalz sehr anschaulich und spannend schildert, sehr gut unterhalten. Das Hörbuch wurde von Katrin Fröhlich wunderbar vorgelesen. Ich habe :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:Sterne vergeben

    Ich würde mich freuen, wenn es weitere Romane der Autorin gäbe, die das Leben der ‚kleinen Leute‘ im 19. und 20. Jahrhundert realitätsnah beschreiben, beispielsweise den bäuerlichen Alltag, das Leben der Bergleute, die Geschichte des Genossenschaftswesens, die Entstehung der Kindergärten oder die Geschichte pädagogischer Bildungskonzepte (Waldof, Montessori usw.). Ich bin gespannt, welches Thema ihr für ein neues Buch einfallen wird.

    Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte (Victor Hugo).

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