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Thomas Mullen - Weisses Feuer / Lightning Men

Weißes Feuer

5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Band 2 der

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783832183950

Termin: November 2019

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  • Verlagstext

    Die Arbeit der schwarzen Cops Lucius Boggs und Tommy Smith wird täglich von Rassismus bestimmt. Sie haben kaum Befugnisse, und um Ermittlungen durchzuführen, sind sie auf die Hilfe weißer Polizisten angewiesen, die ihre Arbeit aber zumeist durch Schikanen und Willkür behindern. Als schwarze Familien – darunter die von Smiths Schwester – in ein ehemals rein weißes Viertel ziehen, beginnen die Rassenkonflikte in der sich rasant verändernden Stadt zu brodeln. Ein unkontrolliertes Ausbrechen der Gewalt scheint jederzeit möglich. Ausgerechnet in dieser aufgeheizten Atmosphäre werden Boggs und Smith durch eine Festnahme auf die Revierkämpfe zweier Schmugglerbanden aufmerksam. Ihre Nachforschungen führen sie nicht nur zu weißen Hintermännern, sondern auch zu ihren eigenen Familien. Bald sind beide persönlich so tief in den Fall verstrickt, dass nicht weniger als ihre moralische Integrität auf dem Spiel steht.


    Der Autor

    Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren und lebt mittlerweile mit seiner Familie in Atlanta. Der erste Band der ›Darktown‹-Reihe stand auf der Shortlist für den Los Angeles Times Book Prize, den Southern Book Prize und den Indies Choice Book Award und war für zwei CWA Dagger Awards nominiert. Mit ›Weißes Feuer‹ legt Thomas Mullen nun den von der Presse gefeierten Nachfolger vor.


    Der Hintergrund

    Die Einführung einer kleinen Truppe schwarzer Polizisten 1948 in Atlanta war ein simples Wahlgeschenk. Die Stimmen schwarzer Wähler sicherten William B. Hartsfields Wiederwahl zum Bürgermeister, im Gegenzug sollte das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung in rein schwarzen Vierteln durch die zehn „Negro Cops“ befriedigt werden. Zwei Jahre später wird die Arbeit der jungen Polizisten noch immer durch unzumutbare Arbeitsbedingungen und die Hierarchie eines rassistischen Systems boykottiert. Selbstständig ermitteln dürfen die Negro Cops nicht, Weiße verhaften sowieso nicht. Ob in einem ihrer Fälle überhaupt weiter ermittelt wird, liegt im Ermessen ihrer weißen Kollegen. Jeder Arbeitstag ist ein Kampf um den Respekt bei Bürgern und Kollegen, für die ein Schwarzer in Uniform noch immer eine unerhörte Zumutung zu sein scheint.


    Die Serie

    Um sich in die sonderbare Situation von Polizisten ohne Kompetenzen, Dienstfahrzeug und Zugang zum Archiv zu versetzen, empfehle ich hier, „Dark Town“ zuerst zu lesen und sich mit den Lebensverhältnissen zur Zeit strenger Rassentrennung im Atlanta der 50er Jahre vertraut zu machen.

    Atlantas First Black Police Officers

    Ende der Rassentrennung


    Inhalt

    Obwohl die Prohibition längst abgeschafft ist, sind kurz nach dem zweiten Weltkrieg die Spirituosen-Gesetze im Staat Georgia noch immer streng, so dass sich Schwarzbrennen und Schwarzhandel lohnen. Lucius Boggs und Tommy Smith bekommen einen Tipp aus dem Milieu. Das Ergebnis ihres Einsatzes ist ein toter Schnapsschmuggler, obwohl die beiden Polizisten keinen Schuss abgegeben haben. Boggs, Smith und ihr weißer Vorgesetzter McInnis haben offenbar in ein dichtes Nest aus krummen Geschäften korrupter Polizisten und der Unterwanderung der Polizei in Atlanta durch den Ku-Klux-Klan gestochen. Die Behinderung der Arbeit der Negro Cops durch weiße Kollegen dient ganz direkt dem Schutz deren illegaler Einkünfte.


    Parallel zu diesen Ereignissen erlebt Boggs (der aus gutbürgerlicher Pastorenfamilie stammt) privat turbulente Szenen. Ähnlich geht es dem weißen Cop Danny Rakestraw. Er bekommt privat Druck von seiner Frau, möglichst schnell aus ihrem Stadtviertel wegzuziehen, nachdem dort bürgerliche schwarze Familien Häuser gekauft haben. Wenige Schwarze schmälern dort den Immobilienwert weißer Besitzer, die als „besorgte Bürger“ mit ihren Panikverkäufen die Spekulation um den knappen Baugrund anheizen und so Spekulanten die Taschen füllen. „Rake“ kann nicht ahnen, in welche Schwierigkeiten sein Schwager Dale ihn noch mit seiner Mitgliedschaft bei den Kluxern bringen wird. Mullen führt am Ende alle Handlungsfäden zu einem verblüffenden Finale zusammen.


    Fazit

    Thomas Mullen inszeniert in seinem zweiten Band über die „Negro Cops“ keinen einzelnen Kriminalfall, sondern zeigt in Rückblenden in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, wie das komplexe Netz aus Rassismus, Korruption und Immobilienspekulation funktioniert in einer Stadt, die große Zahlen an Arbeitssuchenden kaum unterbringen kann. „Weißes Feuer“ ist zugleich Stadtgeschichte wie Kriminalroman. Der Roman eines ganzen Stadtviertels, dessen ehemals eindeutige Grenzen sich durch Zuwanderung verschieben und damit auch die Reviere von Dealern und Schutzgelderpressern in Bewegung setzen. Thomas Mullen zeigt sich als sensibler Beobachter, der Figuren differenziert charakterisieren und seine Szenen samt Geruch und Klang beeindruckend anschaulich vermitteln kann. Die ambivalenten Gefühle weißer Kollegen und schwarzer Bürger gegenüber den Negro Cops entlarvt Mullen dabei gekonnt.


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    1. Weißes Feuer

      (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


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  • Das Original

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    # Der Autorinnenschuber 2019

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  • Danke für die Rezension, der erste Band hat mir sehr, sehr gut gefallen und ich habe viel gelernt. Weisses Feuer ist gleich auf meine Wunschliste gehüpft.

    Verstehst du, was es heißt, irgendein bescheuertes kleines Musikstück oder eine Band so maßlos zu lieben, dass es wehtut?
    (Almost Famous)

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