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Amélie Nothomb – Soif

Soif

3.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Albin Michel

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 151

ISBN: 9782226443885

Termin: August 2019

  • Kurzmeinung

    tom leo
    Jesus erzählt sein Leiden, Sterben, Leben. Oft originell und bereichernd, hier und da etwas fragwürdig. Aber anregend!

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  • Original : Französisch, 2019


    KOMMENTAR eines franz Literaturkritikers :

    Amélie Nothomb publiziert einen ehrgeizigen, harten, philosophischen Roman, in dem sie sich selbst etwas in Gefahr bringt durch einen erzbekannten Protagonisten : Jesus Christus. Das Buch ist so unerwartet und gelungen, dass es eins der literarischen Ereignisse des Spätherbstes sein wird. (Bernard Pivot)


    BEMERKUNGEN :

    Ja, das kommt für viele, gerade auch in der religions- oder glaubensfeindlichen Gegenwart, etwas überraschend daher, dass die notorische Nothomb in diesem neuen Roman diesen Protagonisten wählt. Und ihn zum Ich-Erzähler macht. Das Erzählen setzt ein mit dem Prozeß vor Pilatus. Jesus scheint aus dem Kerker zu sprechen, der der Veruteilung hier folgt, in Erwartung des frühen Morgens, der Geißelung etc. Im Präsenz begleiten wir ihn dann auf dem Weg zum Golgotha und bis in den Tod, ins neue Leben hinein.


    Der Roman bringt viele erstaunliche Perspektiven, die auch anzeigen, dass die Autorin sich mehr als nur oberflächliche Gedanken gemacht hat. Oft wird es auch – vielleicht mitten im Leiden etwas seltsam daherkommend – nahezu philosophisch, distanziert. Wie nicht anders zu erwarten bei solch einem brennendem Thema, wird das ein oder andere viele sehr (positiv) nachdenklich machen. Welch schöne Perlen! Jedoch findet man auch durchaus von Nothomb ignorierte Bibelaussagen, bzw hergerichtete « Wirklichkeiten », die etwas verärgern oder verwirren können. Meines Erachtens hätte sie nicht auch noch in die allgemeine (und bei weitem nicht verifizierbare) Kerbe schlagen müssen, dass Maria Magdalena und Jesus ein heißes Liebespaar waren. Nun ja ! So kommt auch Nothomb – wie wohl wir alle – nicht daran vorbei, eine Wahl zu treffen aus dem, was sie halt akzeptiert oder versteht, bzw proiziert. Gefährlich wird es halt, wenn wir dies als allgemein gültig hinstellen ?


    Was Nothomb ihren Jesus sagen läßt, sollten wir alle hören, und letztlich auch sie selbst :

    « Nichts ist ärgerlicher als die Menschen, die unter Vorwand, dass sie dich lieben, behaupten, dich in und auswendig zu kennen. »


    Jedoch ist der Ansatz, die Menschwerdung, und damit eben auch wirkliche Freude, wirkliches Leid, ernstzunehmen einfach gut. Auch der Buchtitel weist in diese Richtung : « Durst ». Nähmen wir ihn doch ernst als Grunderfahrung und vielleicht Voraussetzung einer folgenden Labung… !


    « Um Durst zu verspüren muss man lebendig sein . » (A.N.)

    AUTORIN :

    Fabienne-Claire, genannt Amélie Nothomb (* 9. Juli 1966 in Kobe/Japan) ist eine belgische Schriftstellerin. Sie verbrachte als Tochter eines belgischen Diplomaten ihre ersten fünf Lebensjahre in Japan. Nach weiteren durch den Beruf des Vaters bedingten langjährigen Aufenthalten in China, New York, Burma und Laos kam sie im Alter von 17 Jahren erstmals nach Europa. Sie studierte Romanistik an der Université Libre de Bruxelles. Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Tokio zurück und arbeitete in einem Großunternehmen. Die Erfahrungen dieser Zeit dienten ihr später als Grundlage für ihren Roman « Mit Staunen und Zittern » (1999).


    1992 kehrte Amélie Nothomb nach Belgien zurück und veröffentlichte ihr erstes Buch Die Reinheit des Mörders. Bereits mit diesem Erstlingswerk begann ihre Erfolgskarriere als Schriftstellerin, der sie sich fortan hauptberuflich widmen konnte. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit legt sie jedes Jahr zumindest einen Roman vor und sagt dabei, dass auf jedes veröffentlichte Buch mehrere nichtveröffentlichte Manuskripte in der Schublade kommen.

    (wikipedia.de, leicht erweitert)


    Hier im BT sind schon viele ihrer Bücher besprochen worden : http://www.buechertreff.de/rezensionen/uebersicht-autoren/Amélie%20Nothomb-index1.html



    Broché : 162 pages

    Editeur : Albin Michel; Édition : 01 (21 août 2019)

    Collection : A.M. ROM.FRANC

    Langue : Français

    ISBN-10 : 2226443886

    ISBN-13 : 978-2226443885

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