Hayley Barker - Grausame Spiele / Show Stopper #1

Die Arena: Grausame Spiele

4 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Band 1 der

Verlag: Wunderlich

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783805200486

Termin: September 2019

  • Kurzmeinung

    Cocolina
    Fesselnd, doch auch sehr heftig und brutal.
  • Kurzmeinung

    Lunara
    Eine gute Geschichte mit etwas sehr konstruiertem Ende.
  • Mensch stelle sich eine Welt vor, wo ein herrschendes Volk ein Sklavenvolk knechtet, wo das Leben der Sklaven keinen Wert hat, wo diese gar nicht mehr als Menschen betrachtet werden. Woran denkt mensch dabei als erstes? An den Umgang der Kolonialmächte mit den Sklaven? An die Bezeichnung anderer Menschen als "Untermenschen" durch die Nazis? An die jahrhundertelange Knechtung von Schwarzen in den USA? An den Umgang heutiger neuer Faschist_innen mit Migrant_innen?

    Die möglichen Assoziationen sind so vielfältig, das wahrscheinlich jeder_m recht schnell dazu was einfällt und dabei deutlich wird, wie erschreckend aktuell ein solches Denken immer noch ist.

    Hayley Barkes erster Teil der Duologie "Die Arena" entführt die Leser_innen in genau eine solche Welt ins London des 22 Jahrhunderts. Die Pures - die Reinen (die Weißen, die "Übermenschen" etc.) - sind das herrschende Volks, die Dregs - die Unreinen (die Dreckigen, die "Untermenschen" etc.) werden verfolgt, versklavt, aus Zeitvertreib ermordet und ihnen wird jegliches Menschsein abgesprochen. In einem Zirkus sterben Dregs unter dem Johlen der Pures und niemand stört sich daran. Bis auf Ben, einer der zwei Söhne der Ministerin für Dreg Verfolgung, sich in Hoshiko verliebt, eine der versklavten Artist_innen des Zirkus. Wird es für beide eine Zukunft geben und können sie gemeinsam die Welt ändern?

    Hayley Barker gelingt mit diesem erschreckend brutalen aber auch realistischen Buch ein sehr berührendes Werk, was die Leser_innen schnell gefangen nimmt, sie aber auch zum Nachdenken über das eigene Verhalten bringt? Wie gehe ich selbst damit um, wenn wieder gegen Flüchtlinge, Andersdenke, Andersliebe oder Andersglaubende gehetzt wird? Halte ich still den Mund oder erhebe ich wie Ben meine Stimme, obwohl vielleicht Angst da ist?

    Ein sehr empfehlenswertes Buch, das aber nichts für schwache Gemüter ist.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Hayley Baker: Die Arena - Grausame Spiele“ zu „Hayley Baker - Grausame Spiele“ geändert.
  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Hayley Baker - Grausame Spiele“ zu „Hayley Baker - Grausame Spiele / Show Stopper #1“ geändert.
  • Inhalt (Quelle: Amazon);

    London in der nahen Zukunft. Die Gesellschaft hat eine Spaltung vollzogen: Die Pures leben komfortabel und luxuriös, während die Dregs ausgegrenzt, geächtet und unterdrückt werden. Manchen Familien der Dregs werden ihre Kinder entrissen und zum "Zirkus" gebracht, wo die jungen Artisten zum Amüsement der Pures hungrigen Löwen begegnen oder waghalsige Hochseilakte liefern.

    Hoshiko ist der Star auf dem Hochseil - sie vollbringt jeden Abend Unglaubliches, 15 Meter über dem Boden, ohne Fangnetz. Jede Vorführung könnte ihre letzte sein - und genau darauf lauern sensationslüstern und mit fasziniertem Grauen ihre Zuschauer. Doch dann begegnet Hoshiko dem Sohn einer hochrangigen Pure-Politikerin, Ben, der den Zirkus besucht - und verliebt sich in ihn, gegen alle Regeln. Ben begreift erst nach und nach die Realitäten, die hinter seinem komfortablen Leben stehen und wendet sich gegen seine eigene Klasse - für Hoshiko, das Mädchen, das er liebt. Um sie zu retten, begibt er sich in tödliche Gefahr.



    Meine Meinung:


    Wow, was für ein Buch.

    Was ich erwartet hatte: eine Dystopie in Form eines Jugendbuchs ähnlich der Tribute von Panem.

    Was ich bekommen habe: eine sadistische und grausame Dystopie, die ich keineswegs Jugendlichen unter 16 empfehlen würde und weiter keine Gemeinsamkeiten mit den Tributen von Panem.


    Warum die Gesellschaft in England gespalten ist, hat man nicht erfahren. Doch sie ist es, und die sogenannten Dregs haben extrem unter den Pures zu leiden. Sie gelten als Abschaum, als minderwertige Lebewesen, sie gelten nichtmal als Menschen zweiter Klasse sondern noch weniger als das. Sie leben eingepfercht in Ghettos, dürfen nicht mehr arbeiten und leben von der Hand in den Mund. Na, kommt dieses Szenario jemandem bekannt vor? Mir schon, und das war bereits gleich zu Anfang der erste Moment, bei dem ich schlucken musste. Aber von diesen Momenten kamen noch so einige.


    Zur Erheiterung und zum Amüsement der Pures gibt es einen Dreg-Zirkus. Dieser zieht durch's Land und wählt regelmäßig unter den 5jährigen (!) Kindern der Dreg-Bevölkerung Nachwuchsartisten aus, welche dann den Eltern entrissen werden und fortan im Zirkus leben und arbeiten müssen. Natürlich ohne Bezahlung und unter täglichem Einsatz ihres Lebens. Denn in diesem Zirkus geht es nicht darum, den Pures "nur" eine gute Show zu liefern, sondern vielmehr darum, die Gier der Pures nach Blut und - im "besten" Fall für die Pures - nach Menschenleben zu befriedigen. Somit sind die Nummern mehr als nur heikel, sie sind jedes Mal lebensgefährlich für die Zirkusleute und nicht selten sterben sie live während der Show, was zu großem Jubel unter den Pures führt.

    Der Zirkusdirektor, eine widerwärtige Person, denkt sich dafür stets neue, spektakulärere, gefährlichere und riskantere Nummern aus, um sein Publikum zufriedenzustellen.


    Was man hier zu sehen bzw. zu lesen bekommt, geht unter die Haut. Denn die Artisten sind zu einem sehr, sehr großen Teil Kinder und Jugendliche (da in diesem Zirkus selten jemand lange genug überlebt, um "alt" zu werden), und was diesen Kindern angetan wird, in der Manege und auch dahinter, ist unfassbar und hier musste ich einige weitere Male schlucken. Teilweise gingen die Beschreibungen sehr ins Detail und immer wenn ich persönlich dachte, schlimmer kann es nicht mehr kommen, kam es aber doch noch schlimmer.


    Eine der Artistinnen, Hoshiko, lebt ebenfalls seit sie ein kleines Mädchen war im Zirkus. Durch einen Zufall lernt sie Ben, den Sohn einer hochrangigen Pure-Politikerin kennen, die beiden verlieben sich ineinander und nun steht Hoshiko auf Platz 1 der Abschussliste des Zirkusdirektors und der Politikerin.


    Ich habe noch nicht viele Dystopien gelesen, deshalb kann ich nicht sagen, ob die Ideen alle neu sind. Mir hat es gefallen. Die Charaktere sind interessant gewählt. Doch am Schreibstil habe ich zu bemängeln, dass die Geschichte manchmal nicht recht vorankam, weil die Autorin immer wieder und wieder die Gedanken der Protagonisten dazwischen schiebt, anstatt in dem Moment die spannende Story weiter voranzutreiben. Und spannend war es tatsächlich. Die "Liebe" zwischen Hoshiko und Ben ging mir jedoch zu schnell und kam nicht ganz glaubwürdig rüber, andererseits will Ben aus seinem Pure-Leben ausbrechen, als ihm bewusst wird, welchen Lügen er bisher Glauben geschenkt hat, und da ist Hoshiko vielleicht eben der Strohhalm, an den er sich klammert bzw. klammern will. Er ist teilweise noch sehr naiv - man merkt hier sehr deutlich, dass er bisher in einem wohlbehüteten Heim groß geworden ist, während Hoshiko bereits ein hartes, entbehrungsreiches Leben hinter sich hat - hat aber auch viel Glück im Unglück.


    Ich würde dieses Buch eher nicht für Menschen unter 16 Jahren empfehlen und auch danach nicht den Sensibleren. Erinnerte es mich von der Grundidee her anfangs ein wenig an die Tribute von Panem, war es doch um ein vielfaches brutaler und heftiger. Die Ideen des Zirkusleiters, um sein blutgieriges Publikum zufrieden zu stellen und seine "Angestellten" zu quälen, sind unfassbar grausam und widerwärtig. Auch, was mit den Dregs nach deren Tod passiert ist absolut unglaublich, noch schlimmer war, was mit ihnen bei der großen Halloween-Vorstellung gemacht wurde.

    In großen Teilen erinnerte mich die Geschichte der Dregs an die Judenverfolgung und führte mir damit vor Augen, dass die Menschheit schon mindestens einmal nicht allzuweit von einem solchen Szenario entfernt war. Deswegen kann ich das Lesen dieses Buches durchaus nicht als angenehm bezeichnen. Aber dennoch ist es meiner Meinung nach ein gutes Buch, sehr spannend, leider auch sehr heftig und brutal, mit einem kleinen Cliffhanger, der Lust auf Band 2 macht (es handelt sich hierbei um eine Dilogie).


    Wer explizit Probleme mit Gewaltdarstellung an Kindern und Jugendlichen hat, sollte nicht zu diesem Buch greifen. Für Leser von Dystopien ansonsten zu empfehlen. Von mir gibt es :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Hayley Baker - Grausame Spiele / Show Stopper #1“ zu „Hayley Barker - Grausame Spiele / Show Stopper #1“ geändert.