Maxim Leo - Haltet euer Herz bereit: Eine ostdeutsche Familiengeschichte

Haltet euer Herz bereit

4.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Heyne

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 272

ISBN: 9783453408074

Termin: Januar 2011

Klappentext / Inhaltsangabe: Der preisgekrönte Journalist erzählt kritisch, liebevoll und unsentimental Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentriert sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften.
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  • Kurzmeinung

    Studentine
    Familienportrait und gleichzeitig Bild eines ganzen Landes - DDR-Geschichte lebendig und authentisch erzählt.
  • Inhalt (Quelle: Amazon)
    Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentriert sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften.


    Über den Autor (Quelle: Buch)
    Maxim Leo wurde 1970 in Ostberlin geboren. Er studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und am Institut d‘Études Politiques de Paris. Seit 1997 ist er Redakteur der Berliner Zeitung, seit 2001 im Ressort Seite Drei. 2002 war er für den Egon-Erwin-Kisch-Preis nominiert, im selben Jahr erhielt er den Deutsch-Französischen Journalistenpreis und 2006 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Für Haltet euer Herz bereit bekam er den Europäischen Buchpreis. Maxim Leo schreibt mittlerweile auch Kriminalromane und Drehbücher für den Tatort. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


    Mein Leseeindruck:
    Anhand der Geschichte seiner Familie begibt sich der Autor auf die Spuren seines Geburtslandes DDR und läßt dieses durch die Schilderung unterschiedlicher Ereignisse, Personen und Alltagsbegebenheiten durch drei Generationen lebendig werden.


    Da war sein Großvater mütterlicherseits, dessen Familie wegen ihrer jüdischen Herkunft vor den Nazis floh, der sich der französischen Résistance anschloss und in der DDR hochangesehen war. Auf der anderen Seite sein Großvater väterlicherseits, der es verstand, sich allen Umständen anzupassen - sei es als Soldat der Wehrmacht, als Kriegsgefangener oder eben als überzeugter Stalinist in der noch jungen DDR. Trotz der unterschiedlichen Charaktere und Biographien verband beide Großväter der Wille, das Vergangene hinter sich zu lassen und einen besseren Staat aufzubauen, in dem es solche Gräuel wie die im 2. Weltkrieg erlebten nie wieder geben sollte.


    Da war seine Mutter, die zu ihrem Vater, dem Résistance-Helden aufblickte, an das Land glaubte und die Welt verbessern wollte. Und deren Illusion von der DDR beginnend mit den Geschehnissen um den Prager Frühling und dem damit einhergehenden Umgang mit dagegen Protestierenden Stück für Stück zu bröckeln begann. Oder sein Vater, der Künstler und Grafiker, der für den Staat Plakate und Bücher illustrierte und sich doch innerhalb der Gesellschaft kleine Freiräume schaffte und sich immer ein Stück Unabhängigkeit bewahrte.


    Da war der Autor selbst, der in einem eher bildungsbürgerlichen und liberalen Umfeld aufwuchs, sich aber innerhalb des Systems zunächst ganz gut arrangierte. Obwohl ich einige Jahre jünger als der Autor bin, erkannte ich meine Kindheit öfter in dem beschriebenen Schul- und Unterrichtsalltag wieder (das Feindbild „Goldener Westen“ und der gute „Große Bruder Sowjetunion“ wurde vermutlich uns allen einheitlich beigebracht). Heftig wurde es, als ihm das Abitur verwehrt wurde und er einen Beruf unter den hart arbeitenden Werktätigen erlernen musste. Diese Erfahrung musste ich zum Glück nicht machen, da mir die Wende "dazwischen" kam.


    Sehr interessant erzählt er die Stimmung und Ereignisse rund um die Wende 1988/1989 aus eigener Sicht. Ich fand es bemerkenswert, wie er sich noch an seine damaligen Emotionen und Gedanken als Heranwachsender erinnern konnte und diese so eindringlich niederschreiben konnte, dass ich Gänsehaut hatte. Unheimlich berührt hat mich auch folgendes Zitat: „Ich glaube, ich habe mich der DDR nie so nahe gefühlt, wie nach ihrem Untergang.“, was seine Gefühle nach der Wende beschreibt, als hauptsächlich nur die Diktatur DDR im Vordergrund stand, ohne die vielen Menschen zu sehen, die einfach ihr normales Leben gelebt haben. Wie sagt mein eigener Papa so schön: „Auch wir im Osten haben ganz normal mit Messer und Gabel gegessen.“ :wink:


    Das Buch wirkt auf mich wirklich so wie im Klappentext geschrieben: die kleine DDR in der Familie mit allen möglichen Meinungen, Personen, Positionen, Absichten, Erfolgen und auch Fehlern. Der Autor zeichnet ein sehr interessantes Familienportrait und gleichzeitig das Bild eines ganzen Landes - DDR Geschichte lebendig und authentisch, ohne Anklage oder Urteil. Die zahlreichen Fotos innerhalb des Textes bringen die beschriebenen Familienmitglieder beim Lesen noch näher. Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und das mir große Lust auf sein anderes Familienbuch machte. Von mir gibt es :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Liebe Grüße,
    Tine



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