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Jess Kidd - Die Ewigkeit in einem Glas / Things in Jars

Die Ewigkeit in einem Glas

4.7 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 370

ISBN: 9783832181055

Termin: November 2019

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  • Den Kriminalroman Die Ewigkeit in einem Glas von Jess Kidd habe ich eher zufällig als beabsichtigt gewonnen. Trotzdem habe ich mich gefreut. Das Buch erscheint am 08. November 2019 beim Dumont-Verlag und umfasst 370 Seiten.

    Christabel, ein junges Mädchen mit außergewöhnlichen Eigenschaften, wird entführt. Mit der Suche nach dem Mädchen wird aber nicht die Polizei, sondern die merkwürdige Detektivin Bridie Devine beauftragt. Diese fühlt sich von ihrem neuen Begleiter Ruby - der zwar schon tot ist, aber wen stört das schon - beschützt. Plötzlich taucht ein tot geglaubter Widersacher auf und wird ihr größter Gegner bei der Suche nach dem verschwundenen Mädchen.

    Zugegeben, das Cover erscheint für einen Kriminalroman eher unpassend. Anfangs dachte ich, dass es sich hierbei um ein Jugend-Fantasy Buch handelt, denn die Gestaltung mit dem zu einem Tropfen geschliffenen Edelstein, der fliegenden Kutsche (hat mich irgendwie an E.T. erinnert) und dem Big-Ben im Hintergrund wirkt auf mich eher nach einer Art Märchen oder Abenteuer. Völlig überflüssig und deplatziert empfinde ich das Skalpell im oberen Bereich. Dadurch wird die ansonsten harmonisch wirkende Gesamtkomposition zerstört.

    Da ich von der Leseprobe durchaus angetan war, ging ich davon aus, dass die Geschichte ähnlich spannend fortgeführt werden würde. Allerdings wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Gefreut hatte ich mich auf einen spannenden London-Krimi, der im 19. Jahrhundert spielt, zu lesen bekommen habe ich allerdings tatsächlich einen Fantasy-Roman, wobei ich diesem Genre gar nichts abgewinnen kann. Am Schreibstil habe ich nichts auszusetzen, im Gegenteil, der hat mir sehr gefallen: ansprechend und detailreich, so wird auch die Atmosphäre des Schauplatzes hervorragend beschrieben und man fühlt sich zeitlich tatsächlich in das Viktorianische Zeitalter zurück versetzt, allerdings bin ich mit der Geschichte als solche nicht warm geworden. Es wird zwar eine mystische Spannung aufgebaut, die mir allerdings zu fantastisch erschien. Die Charaktere empfand ich alle recht merkwürdig, überzogen skurril bis unsympathisch und die Handlung völlig surreal.

    Fantasy-Fans werden bestens unterhalten, eingefleischte Krimi-Fans wie ich werden nicht auf ihre Kosten kommen. Trotzdem vergebe ich 4 Sterne, weil der Schreibstil wirklich lobenswert ist und ich die positiven Pressestimmen wirklich nachvollziehen und bestätigen kann. Einen Punkt ziehe ich ab, weil mich die Geschichte nicht begeistern konnte.

    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


    © 10/2019 Die-Behütete | Diese Rezension wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig. :-k  :totlach:

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Surrealistischer Fantasy-Krimi“ zu „Jess Kidd - Die Ewigkeit in einem Glas“ geändert.
  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Jess Kidd - Die Ewigkeit in einem Glas“ zu „Jess Kidd - Die Ewigkeit in einem Glas / Things in Jars“ geändert.
  • Ein echtes Talent!


    Was bin ich froh, dass diese Frau zu schreiben begonnen hat! Schon ihre beiden vorherigen Bücher haben mich rundum begeistert und mit diesem ist es kaum anders, obwohl es dieses Mal eben doch ganz anders ist. Denn zum ersten Mal versetzt Jess Kidd uns in die Vergangenheit...


    Bridie Devine ist Privatdetektivin im London des Jahres 1863. Einen speziellen Auftrag erhält sie vom Hausarzt eines Adligen, dessen Tochter Christabel unter mysteriösen Umständen entführt wurde. Überhaupt ist alles um Christabel mysteriös, denn außer dem Arzt und dessen Tochter hat noch niemand der Angestellten sie je zu Gesicht bekommen. Bridie verschafft sich unerlaubten Zutritt zu ihrem Trakt und erkennt, dass diese ein ganz besonderes Kind ist und in großer Gefahr schwebt.
    Bridies Kindheit verlief recht turbulent und abwechslungsreich. Das Buch wechselt immer in verschiedenen Erzählsträngen der Gegenwart des Jahres 1863 und verschiedenen Zeiten ihrer Vergangenheit, was jedoch als Kapitelüberschrift klar zu ersehen ist. Parallel verläuft die Geschichte aus Bridies Perspektive und der der Entführer. Ein Beteiligter erzählt zudem Christabel während der Flucht Märchen, die mit und mit einiges klarer erscheinen lassen.

    Jess Kidd hat das Talent, Bücher zu schreiben, die man so wirklich keinem Genre zuordnen kann. Eine wundervolle Mischung aus Kriminalfall, Mystery und ein wenig Fantasy. Wobei beides nicht im Übermaß anklingt, sodass auch schlichte Krimifans noch auf ihre Kosten kommen. Es ist der gelungene Versuch, die Gratwanderung der viktorianischen englischen Gesellschaft zwischen beginnendem Fortschritt und trotzdem noch vorherrschendem Aberglauben abzubilden.

    Der Roman besitzt außerordentliche Lebendigkeit, auch wenn wie gewohnt wieder einmal ein Toter mit von der Partie ist. Gerade er bringt ordentlich Schwung und auch eine gute Prise Humor in die Story.
    Ich bin überhaupt kein Anhänger von Fantasy oder gar Mystery, aber Jess Kidd reißt mich bereits nach den ersten Seiten mit in die Geschichte und mir ist völlig einerlei, ob das alles realistisch ist oder nicht. Es ist einfach gut!

    Genug der Worte - selbst lesen ist hier mein finaler Tipp ;-)


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Die Privatdetektivin Bridie Devine soll im Jahr 1863 die offenbar entführte Christabel, Tochter des Adligen Sir Edmund Berwick, suchen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn Christabel ist ein ungewöhnliches Mädchen und an dem Fall ist so einiges merkwürdig. Birdie wird von dem Geist des verstorbenen Boxers Ruby Doyle begleitet und bekommt es bei ihren Recherchen noch mit anderen merkwürdigen Wesen zu tun. Außerdem versucht ein grausamer Sammler das Mädchen in die Finger zu bekommen. Es wird eine gefährliche Suche nach Christabel.

    Ich hatte von der Autorin Jess Kidd bereits das Buch „Der Freund der Toten“ gelesen und wusste daher, dass mich ein sehr poetischer und bildhafter Schreibstil erwarten würde und eine Geschichte mit vielen kuriosen Gestalten. Genauso ist es gekommen.

    Die Charaktere sind alle ausführlich und sehr fantasievoll beschrieben. Ich konnte mir jeden einzelnen gut vorstellen. Bridie Devine selbst ist auch eine seltsame, aber blitzgescheite Person, die sich auch mit werkwürdigen Leuten umgibt. Dazu gehört neben dem erwähnten Geist auch die Haushälterin Cora, welche eine ungewöhnliche Erscheinung ist.

    Als sich Bridie das Zimmer von Christabel anschaut, erkennt sie die Besonderheit des Mädchens und weiß, dass sie in Gefahr ist. Bei ihrer Suche trifft auf Gideon Eames, den sie für tot gehalten hat. Bridies Vergangenheit holt sie ein und es gibt einige, die sehr gefährlich sind.

    Diese märchenhafte Geschichte entwickelt sich langsam, dennoch ist sie unterhaltsam und spannend und am Ende gibt es einen fulminanten Showdown.

    Es ist eine tolle skurrile Geschichte, eine Kombination aus Krimi und Fantasy, die ich mit viel Vergnügen gelesen habe.

    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


  • Viktorianischer Schauerroman - parodiert


    Was für eine vergnügliche Melange: das schauerliche London des 19. Jahrhunderts mit Laster und Schmutz, eine gute Portion Spannung, die aus Bridies - Verzeihung, Mrs. Devines - beruflicher Tätigkeit erwächst, da sind die Figuren, die allesamt einem Tollhaus entsprungen scheinen, da ist dieser kräftige Hauch des Mysteriösen, Übersinnlichen, verkörpert durch das unirdische kleine Mädchen. Großartig, wie Jess Kidd den Erzählfaden immer wieder neu verwirbelt. Die Zeitsprünge erzeugen einen stringenten Spannungsbogen, der das Handlungsgefüge kontinuierlich vervollständigt. Behaglich-abstrus-pittoresk-verquere Lektürestunden erwarten den Leser. Lustvoll spielt die Autorin mit allen Versatzstücken, die uns aus dem originalen Schauerroman des Viktorianischen Zeitalters vertraut sind, und parodiert das Genre meisterlich!


    Mein Urteil: 5 Sterne

  • Inhalt

    Die ehemalige Straßengöre Bridie/Bridget Devine arbeitet im viktorianischen London als Privatermittlerin und trägt die für eine Witwe vorgeschriebenen Kleidung. Die damaligen Sitten sehen berufstätige oder gebildete Frauen zwar ungern, aber Bridie muss als Witwe schlicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Obwohl sie wiederholt versichert, dass sie nicht an Geister glaubt, ist sie sie in Londons Gassen und Hinterhöfen mit ihrem fiktiven Begleiter Ruby Doyle unterwegs, dem Geist eines legendären verstorbenen Boxers mit ausdrucksvollem Oberkörper-Tattoo. Andere Menschen können Ruby nicht sehen, wie er Bridie begleitet und beschützt, sie erleben nur eine dralle, rothaarige Person, die angeregt Gespräche mit einem Unsichtbaren führt. Ruby jedoch sieht Dinge, die anderen verborgen bleiben. Bridies aktueller Auftrag ist im Jahr 1863 die Suche nach der entführten Tochter eines britischen Adligen, die von ihrer Familie in einer Villa „wie eine Mischung aus Kriegsschiff und Hochzeitstorte“ sorgsam vor der Öffentlichkeit verborgen wurde. Das Schicksal der verschwundenen Christabel führt Bridget in die Welt der Varietes, wandernden Menagerien und Kuriositätensammlungen, wo missgebildete Wesen konserviert in Glasbehältern ausgestellt werden und einen hohen Handelswert haben. Bridies Recherche konfrontiert sie damit, dass nicht alle Ärzte es mit dem hippokratischen Eid halten und dass ihr Interesse an Medizin und Obduktionen eine kleine rundliche Witwe in große Gefahr bringen kann …


    Rückblicke in Bridies Kindheit in den 40ern des 19. Jahrhunderts erzählen von einem Straßenkind, das von einem Arzt und Anatomen gefördert wurde, der sich vermutlich ungern damit abfinden wollte, dass ein so kluger Geist als Frau nicht zum Medizinstudium zugelassen ist und ihm nur heimlich assistieren darf. Erkannt wurde Bridies Intelligenz und gesunder Menschenverstand von ihrem ersten Boss, der Leichen aus der Themse fischte und für Sektionen verkaufte. Arme Menschen, deren Beisetzung niemand bezahlen konnte, interessierten damals niemanden.


    In Jess Kidds Romanen aus der Zeit der Kutschen und Gaslampen – mitten zwischen viktorianischen Schauerroman, historischen Krimi und die Fantastik geworfen - muss man sich als Leser damit abfinden, dass die Welt des Übersinnlichen existiert. Wer würde sich im Zeitalter gestreamter Serien auch darüber wundern, dass die auf Rubys breiten Brustkasten tätowierten Figuren ein filmreifes Eigenleben führen?


    Fazit

    Als gewitzte, detailverliebte Erzählerin lässt Jess Kidd ihre Leser die Welt mit Bridies exzellenter Beobachtungsgabe wahrnehmen, ein Talent, das mich tagelang in dieser skurrilen Welt versinken ließ. Bridie wirkt zwar äußerlich fest ins Korsett des Witwenstandes gezwängt, zeigt sich als Pionierin der Gerichtsmedizin und der Kriminaltechnik jedoch als hinreißende Person. Wer sie unterschätzt, darf meinetwegen gern gehörig auf die Nase fallen oder eins übergezogen bekommen. Auf zwei Zeitebenen (1863 und 1841) entfaltet sich hier eine skurrile Geschichte über Lebewesen in Glasgefäßen, Aberglauben, Straßenkinder, Einwanderer aus Irland, soziale Vaterschaft, die Verhinderung des Frauenstudiums – und das viktorianische England.


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