Peter Prange - Am Ende die Hoffnung

Eine Familie in Deutschland: Am Ende die...

4.7 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

Band 2 der

Verlag: Fischer Scherz

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 816

ISBN: 9783651025028

Termin: September 2019

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    […] Groß war die Hoffnung im Wolfsburger Land, als auf Hitlers Befehl das Volkswagenwerk aus dem Boden gestampft wurde. War dies der Anfang einer neuen Zeit? Aufbruch in eine wunderbare Zukunft? Während die Welt der Familie Ising sich von Grund auf verwandelt, geht die Saat der falschen Verheißungen auf. Der Krieg bricht aus, und nun muss ein jeder sich zu erkennen geben, im Guten wie im Bösen ...
    Während Horst in der Partei Karriere macht, begleitet Edda mit dem Sonderfilmtrupp Riefenstahl den Polen-Feldzug der Wehrmacht. Georg bricht mit seinem VW zu einer Testfahrt auf, die ihn kreuz und quer durch das umkämpfte Europa bis nach Afghanistan führt. Zu Hause bangen die Eltern um ihr Sorgenkind, den kleinen Willy. Und Charly wartet auf Nachricht von Benny, der Liebe ihres Lebens. Doch er scheint in den Wirren von Krieg und Zerstörung verschollen.
    Was wird für sie alle in den Zeiten der Bewährung am Ende übrig bleiben - von ihren Träumen, von ihrer Hoffnung? […]


    Autor (Quelle: Verlagsseite)
    Peter Prange ist als Autor international erfolgreich. Seine Werke haben eine Gesamtauflage von über drei Millionen erreicht und wurden in 24 Sprachen übersetzt. Mehrere Bücher, etwa sein Bestseller ›Das Bernstein-Amulett‹, wurden verfilmt. Nach seinem Erfolgsroman ›Unsere wunderbaren Jahre‹ folgt nun der große Roman in zwei Bänden, ›Eine Familie in Deutschland‹. Der Autor lebt mit seiner Frau in Tübingen.


    Allgemeines
    Zweiter Band zu „Eine Familie in Deutschland - Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“
    Erschienen am 25.09. 2019 bei Fischer Scherz als HC mit 816 Seiten
    Gliederung: Roman in drei Hauptteilen mit jeweils nummerierten Kapiteln – Epilog - Danksagung – Personenverzeichnis der Familie Ising sowie weiterer Romanfiguren
    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven
    Handlungsorte und -zeit: Fallersleben, Wolfsburg („Stadt des KdF-Wagens“), Berlin, Paris, Niederlande, 1939 bis 1945, bzw. 1955 (Epilog)


    Inhalt
    Der zweite Band setzt die Geschichte um die fiktive Familie Ising aus „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ fort, es ist sowohl wegen der komplexen historischen Entwicklungen als auch wegen der Vielzahl an historischen und fiktiven Romanfiguren unbedingt empfehlenswert, diesen Roman erst im Anschluss an den ersten Band zu lesen.


    Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geht nach wie vor ein Riss durch die Familie Ising: Hermann und sein Sohn Horst sind überzeugte Nationalsozialisten, die erst sehr spät die Einsicht gewinnen, dass die Nationalsozialisten gewissenlose und größenwahnsinnige Schlächter sind. Die älteste Tochter Edda gelangt an der Seite von Leni Riefenstahl schon wesentlich früher zu dieser Einsicht, sie trennt sich von Leni und geht nach Paris, wo sie als Botschaftssekretärin arbeitet und Kontakte zur Résistance knüpft.
    Georg Ising, der eigentlich nur als Ingenieur an der Konstruktion des Volkswagens arbeiten will, wird gegen seinen Willen an die Front geschickt und gerät in de Hexenkessel bei Stalingrad. Charlotte, die zur Scheidung von ihrem jüdischen Mann Benny gezwungen wurde, ist immer noch eine entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus; während sie täglich um das Leben Bennys fürchtet, der in einem Arbeitslager in den Niederlanden lebt, arbeitet sie im Hospital des Fallerslebener Arbeitslager und kämpft für ein halbwegs menschenwürdiges Leben der zwangsverpflichteten Ostarbeiterinnen und ihrer Kinder.


    Beurteilung
    Auch der zweite Band ist hervorragend recherchiert, die Geschichte der fiktiven Familie Ising ist in den realen historischen Gesamtzusammenhang der Kriegsjahre eingebettet. Trotz des gewaltigen Umfangs lässt sich das Buch zügig lesen, was nicht nur am äußerst bildhaften Erzählstil, sondern auch am häufigen Wechsel der Erzählperspektive liegt. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz und oft mit einem Cliffhanger versehen.
    Der Autor hat die Charaktere seiner Romanfiguren sehr differenziert und ohne Schwarzweiß-Malerei ausgearbeitet. Selbst die überwiegend „negativen“ Charaktere werden nicht ausschließlich als Unmenschen dargestellt und sympathische Romanfiguren werden unter dem Druck der Umstände zu Verrätern, wenn es darum geht, ihr Leben zu retten. Der Leser kann sich fragen, ob er selbst als Jude untergetauchte jüdische Mitbürger verraten hätte, wenn er oder seine engsten Angehörigen dadurch dem Transport ins Todeslager hätte entgehen können.
    Sehr eindringlich schildert der Autor die Angst der Juden in den Arbeitslagern, die im Wochentakt fürchten müssen, mit dem montäglichen Zug „auf Transport“ (nach Auschwitz ins Todeslager) geschickt zu werden. Der brutale Umgang der Wächter mit Gefangenen und das Schicksal der Juden in Auschwitz werden dem Leser schonungslos in ihrer unfassbaren Menschenverachtung vor Augen geführt. Auch wenn diese Vorgänge jedem bekannt sind, ist diese Lektüre inhaltlich schwere Kost.

    Dem Roman ist ein Verzeichnis der fiktiven und realen Romanfiguren angefügt, dieses hätte besser vorn platziert werden sollen.


    Fazit
    Gründlich recherchiert, informativ und erschütternd – uneingeschränkt empfehlenswert!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • 1939. Der Krieg schlägt seine Schneisen durch die deutsche Bevölkerung und verschont auch die Familie Ising in Fallersleben bei Wolfsburg nicht. Während Hermann mit seiner Frau Dorothee um den am Down Syndrom erkrankten Willy bangt, den sie in einer Heimeinrichtung untergebracht haben, fürchtet Charly um ihren jüdischen Mann Benny. Georg, der älteste Sohn der Isings, hat sich in Ungnade gebracht und wird daraufhin an die Front strafversetzt. Edda ist einige Zeit mit Leni Riefenstahl für die Dokumentation des Polen-Feldzuges unterwegs, geht dann aber nach Frankreich und schließt sich dort dem Widerstand an. Derweil bekommt Horst als eingefleischter Anhänger der Nazis immer mehr Macht und Befugnisse, wobei ihn seine Frau Ilse tatkräftig unterstützt. Wer von der Familie wird am Ende des Krieges noch am Leben sein und die Möglichkeit haben, seine Träume in die Tat umzusetzen?


    Peter Prange hat mit „Eine Familie in Deutschland-Am Ende die Hoffnung“ die Fortsetzung über die Familie Ising im Wolfsburger Land vorgelegt, der an Spannung, Dramatik sowie exzellent recherchiertem historischen Hintergrund dem Vorgänger „Eine Familie in Deutschland-Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ in nichts nachsteht. Während der erste Teil sich mit der Familie zur Vorkriegszeit beschäftigte, so nimmt er den Leser nun mit in die Zeit des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945, wo dieser den einzelnen Mitgliedern der Isings folgt und währenddessen das komplette Gefühlsbarometer durchlaufen wird. Prange, der sich immer wieder durch eine akribische Recherche in seinen Romanen auszeichnet, legt auch in dieser Geschichte wieder besonderen Wert auf Genauigkeit des historischen Hintergrunds. Durch den mitreißenden und bildhaften Erzählstil erlebt der Leser während der Lektüre nicht nur wahres Kopfkino, sondern hat auch das Gefühl, Geschichte mitzuerleben, obwohl ihn von der damaligen Zeit 80 Jahre trennen. Alles wirkt so glaubhaft und real, die Angst der Bevölkerung ist greifbar, die Unterdrückung und Verfolgung durch die Nazis nahezu furchtbar, die Bespitzelung unter Freunden, Nachbarn, selbst unter Familienmitgliedern geradezu unerträglich. Neben der wachsenden Verzweiflung blitzt aber immer wieder ein winziger Hoffnungsschimmer auf, sei es durch eine helfende Hand oder eine gute Nachricht, an denen die Menschen sich festklammerten, um irgendwie zu überleben.


    Die Charaktere wurden vom Autor weiter entwickelt und wirken so real und glaubwürdig, als würde der Leser sie persönlich kennen. Gerade ihre Differenziertheit erlaubt es, dass der Leser sich den einen so nahe fühlt und mit ihnen leidet, hofft und bangt, während er bei anderen für ihr Verhalten und Tun keinerlei Verständnis aufbringen kann, aber trotzdem immer wieder ihre Beweggründe hinterfragt. Besonders Charly und Ehemann Benny sowie Edda ragen als Protagonisten besonders heraus, deren Schicksal dem Leser besonders ans Herz geht. Dafür kann er dann seine ganze Abneigung auf Horst und seine Frau Ilse übertragen, die als getreue Nazis für einige Situationen sorgen, bei denen einem die Luft wegbleibt. Gilla ist eine Figur für sich, eine Jüdin, die alles tut, um ihre Liebsten zu retten, doch sich vom Weg abbringen lässt und alles verliert. Man würde heute auch sagen, sie hat sich verzockt. Die Gefühle für sie sind ambivalent, denn als Leser kann man leicht urteilen, solange man nicht in der Situation steckt. Aber auch die Schicksale von Carl, Georg, Adolf, Dorothee und Hermann gehen unter die Haut und lassen diese Geschichte so authentisch wirken wie sonst keine andere.


    „Eine Familie in Deutschland-Am Ende die Hoffnung“ ist ein würdige Fortsetzung. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man zu schätzen, wie gut es uns heutzutage geht und dass wir uns das durch niemanden zerstören lassen sollten. Die damalige Geschichte darf sich einfach nicht wiederholen. Prange hat hier ganze Arbeit geleistet und wieder ein Meisterwerk abgeliefert, niemanden kalt lässt, sondern mitnimmt in die dunkelste deutsche Geschichtszeit. Absolute Leseempfehlung – Chapeau, besser geht es nicht!


    Tolle :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • Im zweiten Band dieser beeindruckenden Familiensaga begleitet der Leser die Isings durch die furchtbaren Kriegsjahre. Peter Prange hat so großartig recherchiert und versteht so eindrucksvoll zu erzählen, dass man hoffend und bangend mitten im Geschehen zu sein meint. Fantasievoll wird das Schicksal der bereits bekannten Familienmitglieder weitergesponnen, wobei mir die charakterliche Veränderung der Protagonisten durch die für alle schreckliche Zeit besonders ans Herz ging.

    Peter Prange verzichtet bei allen seinen Figuren auf Schwarzweißmalerei, und lässt auch bei den übelsten Gestalten immer wieder einen Funken Menschlichkeit durchdringen. Dennoch ist sich jeder selbst der nächste, jeder kämpft um das eigene Überleben und das seiner engsten Angehörigen. Verrat und Intrigen, Angst und Verzweiflung bestimmen das Geschehen ebenso wie immer wieder aufkeimende Hoffnung, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

    Gebannt bin ich den Ereignissen gefolgt, um erfreut festzustellen, dass der Autor das hohe Niveau des ersten Bandes mühelos halten konnte. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch hat mich der Roman, bei dem mir nicht der geringste Kritikpunkt einfallen will, vollkommen überzeugt.

    Liebe Grüße von der Wintersonne :flower:


    "Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält." (William Somerset Maugham)