Ha Jin - Nanking Requiem / Nanjing Requiem

Nanking Requiem

5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: List Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 352

ISBN: 9783548611914

Termin: März 2014

  • Kurzmeinung

    Squirrel
    Ein Denkmal für Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten um andere zu retten. Lesenswert trotz aller Grausamkeiten

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  • Über den Autor:
    Ha Jin, eigentlich Jin Xuefei, wurde 1956 in der nordchinesischen Stadt Jinzhou geboren. 1985 ging er zum Studium in die USA, heute ist er Professor für englische Literatur an der Boston University. Für seinen 1999 erschienenen Roman Warten erhielt er im selben Jahr den National Book Award und 2000 den PEN/Faulkner Award sowie eine Nominierung für den Pulitzer-Preis für Literatur. Es folgten die Romane Verrückt (2002) und Kriegspack (2004), für letzteren erhielt Ha Jin 2005 erneut den PEN/Faulkner Award. Auf Deutsch erschien zuletzt sein Einwanderungsromn Ein freies Leben (2010). Ja Hin lebt mit seiner Familie in der Nähe von Boston. Im Herbst 2008 war er Stipendiat der American Academy in Berlin.
    (Quelle: Klappentext)


    Übersetzt wurde das Buch von Susanne Hornfeck, Germanistin und Sinologin, Autorin und Übersetzerin. Fünf Jahre lebte und lehrte sie in Taipei. 2007 wurde sie mit dem renommierten C.H. Beck Übersetzerpreis ausgezeichnet.
    (Quelle: Amazon)


    Buchinhalt:
    Nanking, Dezember 1937: Die japanische Armee verübt ein unvorstellbares Massaker an der chinesischen Zivilbevölkerung. Die amerikanische Missionarin Wilhelmine „Minnie“ Vautrin ist eine von wenigen Mitarbeitern ausländischer Einrichtungen, die sich entschließen, zu bleiben. Gemeinsam mit ihrem kleinen Team verwandelt sie das amerikanische College, das sie leitet, in ein Flüchtlingslager für Frauen und Kinder – und rettet Tausenden von Menschen das Leben.
    Der preisgekrönte Autor Ha Jin erzählt in seinem neuen Roman die tragische Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau. Er hat ihre Tagebücher sowie zahlreiche Zeitdokumente ausgewertet und daraus ein feines Geflecht verschiedener Schicksale und Konflikte geknüpft. Entstanden ist ein ergreifender Antikriegsroman, der dem Leser von heute das Grauen von damals spürbar macht.
    (Quelle: Amazon)


    Das Buch umfasst 339 Seiten und ist unterteilt in 4 Teile und einen Epilog. Daran angehängt sind zwei Seiten mit einer kurzen Anmerkung des Autors und einer ausführlichen Liste der genutzten Materialien, die belegt, wie sorgsam der Autor sich mit dem Thema auseinandergesetzt und recherchiert hat.
    Vorn und hinten im Umschlag ist eine von Suping Lu gezeichnete Karte des Jinling College abgebildet, die 2007 erstmals in Terror in Minnie Vautrin's Nanjing: Diaries and Correspondence, 1937-38, by Minnie Vautrin, edited by Suping Lu, erschien.


    Meine Meinung:
    Seit ich den Film „John Rabe“ vor Jahren sah, wollte ich mehr über dieses Thema wissen – wollte wissen, inwieweit der Film durch andere Quellen bestätigt wird. Diese Bestätigung habe ich in diesem biografischen Roman gefunden, in einem Ausmaß, wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Bereits im „Ich-lese-gerade“-Thread habe ich die Vorwarnung ausgesprochen, dass sich jeder Leser genau überlegen sollte, wie viel Grausamkeiten er aushalten kann, bevor er/sie das Buch aufklappt und zu lesen beginnt. Diese Vorwarnung behalte ich bei und spreche sie auch explizit aus für den Link zum „Massaker von Nanking“. Wer auch nur ein wenig vor Kriegshandlungen und Misshandlungen zurückzuckt, sollte die Finger von diesem Buch lassen, denn er wird es nicht aushalten.


    Wer aber damit umgehen kann (oder es zumindest glaubt), hat einen immensen Roman vor sich. Der Autor hat sich intensiv mit den Personen in Nanking und mit dem Thema des Massakers und der Zeit danach auseinandergesetzt. Dabei werden nicht ausschließlich die Bilder Gut-Böse in schwarz-weiß gezeichnet, sondern er versucht durchaus, auch den wenigen Japanern gerecht zu werden, die versuchten, die Folgen des Massakers zu mildern, den Gräueln etwas entgegenzusetzen soweit es in ihrer Macht stand. Auch kommt nicht jeder Ausländer automatisch gut weg, besonders in der Zeit nach dem Massaker, wenn so mancher zurückkehrte und dachte, über die vergangenen Monate urteilen zu dürfen.


    Geschickt setzt Ha Jin seiner Protagonistin Minnie Vautrin eine fiktive chinesische Kollegin und Vertraute als Erzählerin zur Seite, so dass er – als Mann der heutigen Zeit – nicht als Ich-Erzählerin in Person der Dekanin des Jinling College denken und schreiben muss, aber gleichzeitig immer nah an seiner Protagonistin und dem Geschehen dran bleibt. Minnie Vautrin wandelte das damals angesehene Jinling College zu einem Flüchtlingslager für Mädchen und Frauen um und rettete so mehreren Tausend Frauen das Leben. Das bedeutete aber leider nicht, dass sie all diese Menschen vor Misshandlungen und Vergewaltigung, Verschleppung und mehr schützen konnte – eine Tatsache, die sie nie verarbeiten konnte. In diesem Roman wird der Frau, die Zeit ihres Lebens als Missionarin in China lebte und arbeitete und Nanking als ihre Heimat betrachtete, ein Denkmal gesetzt. Es wird geschildert, wie sie zusammen mit John Rabe, John Magee und einigen anderen alles daran setzte, die chinesische Zivilbevölkerung zu schützen und wie sie nachher versuchte, den Frauen in Nanking ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen, indem sie ihnen weiterhin Zuflucht und eine Art Ausbildung ermöglichte. Minnie Vautrin ging dabei weit über ihre Kräfte hinaus, denn sie blieb in Nanking, nachdem alle anderen die Stadt hatten verlassen müssen. Im Epilog wird geschildert, wie sie nach ihrem Zusammenbruch in die Vereinigten Staaten zurückkehrte.

    Wie John Rabe musste auch Minnie Vautrin erfahren, dass ihr Einsatz für die Menschen in Nanking nur von einer Bevölkerungsgruppe geschätzt wurde: den Menschen in Nanking. Beiden ist gemein, dass sie von anderen dafür wenig Wertschätzung erfuhren. Auch waren beide sehr lange in Vergessenheit geraten, erfahren aber heutzutage die Hochachtung und Wertschätzung, die ihnen und ihren Leistungen gebührt.


    Fazit:
    Ein Mahnmal, ein Denkmal, ein Antikriegsroman höchster Klasse! Ein absolut lesenswertes Buch, das einen allerdings fassungslos zurücklässt aufgrund des Grauens und der Gräuel, aber auch aufgrund des Mutes einzelner Menschen, sich diesem Grauen wieder und wieder entgegenzustellen.

    1. Nanking Requiem

      (Ø)

      Verlag: List Taschenbuch


    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Die dunkle Seite der Liebe

    :study: Sasa Stanisic - Herkunft


  • Wer auch nur ein wenig vor Kriegshandlungen und Misshandlungen zurückzuckt, sollte die Finger von diesem Buch lassen, denn er wird es nicht aushalten.

    Vielen Dank für diese eindrucksvolle Buchvorstellung inkl. Warnung. Nichts für empfindliche Gemüter wie mich!

    Liebe Grüße von der Wintersonne :flower:


    "Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält." (William Somerset Maugham)

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