Bücherwichteln im BücherTreff

Margaret Atwood - Die Zeuginnen / The Testaments

Die Zeuginnen

3.8 von 5 Sternen bei 10 Bewertungen

Band 2 der

Verlag: Berlin Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 576

ISBN: 9783827014047

Termin: September 2019

  • Kurzmeinung

    Sushan
    Zu wenig Margaret Atwood, zu viel TV Serie, vor allem im letzten Drittel. Sehr schade!
  • Kurzmeinung

    findo
    Wie funktioniert eine Theokratie und wie zerfällt sie in ihre Bestandteile? Interessante Frage, aber ansonsten Nonsens.

Anzeige

  • Produktvorstellung bei amazon.de:


    »Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.« - Als am Ende vom »Report der Magd« die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds »Report« zuschlug, blieb ihr Schicksal für uns Leser ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit »Die Zeuginnen« nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead. »Liebe Leserinnen und Leser, die Inspiration zu diesem Buch war all das, was Sie mich zum Staat Gilead und seine Beschaffenheit gefragt haben. Naja, fast jedenfalls.Die andere Inspirationsquelle ist die Welt, in der wir leben.«

    Eigene Beurteilung:


    Zunächst einmal ist die Vorstellung so, wie sie hier steht ein wenig irreführend, denn über Desfred erfahren wir in diesem Buch herzlich wenig. 15 Jahre nach den Ereignissen in "The Handmaid's Tale" stehen andere Personen im Mittelpunkt der Beobachtung. Obwohl wir zumindest eine davon bereits sehr gut kennen.


    Zum Einen ist da nämlich Tante Lydia, die wir in dem Buch in erster Linie als Desfreds Nemesis kennengelernt hatten. [ab hier Eigenzitat aus amazon.de]:


    15 Jahre nach den Ereignissen in "The Handmaid's Tale" besteht der Staat Gilead immer noch und die ersten Mädchen, die in ihm geboren worden sind erreichen ein Alter, in dem sie ihre jeweiligen Positionen in dieser Gesellschaft zugeordnet werden sollen. Mädchen, die nicht lesen und schreiben lernen durften und auch die Mathematik ist ihnen weitestgehend fremd, Landkarten sind für sie unverständliche Bilder und Gebete, Hymne und regelmäßige Teilnahme an öffentlichen Hinrichtungen bestimmen ihren Alltag.


    Eines dieser Mädchen ist die Zeugin 369A, die im realen Leben Agnes heißt, ist bisher als Tochter eines Kommandanten aufgewachsen und musste gerade den Tod ihrer Mutter verkraften. Nun is tmit Paula eine neue Gemahlin im Haus, die das Kind einer anderen ungefähr genauso schätzt, wie ein neuer König eines Löwenrudels den Nachwuchs seines Vorgängers. Und so sieht Agnes nicht nur ihren Status in der Schule sinken, sondern auch einer baldigen Verheiratung entgegen, der sie auf eher unerwartete Weise entkommt.


    Dann ist das die Zeugin 369B, auch bekannt als Daisy, die als die Tochter zweier politisch aktiver Second-Hand-Kleidungshändler aufwächst und in Kanada in der Schule eine Menge über die Schrecken des Lebens in Gilead gelernt hat. Kurz nachdem sie an einer Demonstration gegen die Zustände im fanatischen Nachbarstaat teilgenommen hat, sterben die beiden durch eine Autobombe und auf einmal sieht sich die junge Frau in der Obhut von Mayday, die Organisation, die Frauen aus Gilead herausschmuggelt und für die ihre Eltern anscheinend tätig gewesen sind. Daisys Leben wird sich dadurch grundlegend verändern.


    Tief in der Bibliothek des Hauses der Tanten in Gilead ist es Tante Lydia selbst, die ein heimliches Tagebuch schreibt, in dem sie davon berichtet, was sie vor der Einrichtung Gileads getan hat, wie sie diese Entstehung einer religiösen Diktatur erlitten hat und wie sie es dann geschafft hat, ihre jetzige sehr wacklige Machtposition zu erlangen. Gerade durch ihren Bericht bekommen wir eine Menge Hintergrundsinformationen - und lernen vor allen Dingen auch ihre Motive kennen. Und ihre Ziele.


    Wie schon im ersten Buch und der Fernsehserie wird auch hier nichts präsentiert, was es nicht irgendwo auf der Welt - oder auch in der Menschheitsgeschichte allgemein - schon gibt bzw. gegeben hat. Durch die drei Reflektionsfiguren Agnes, Daisy und Lydia bekommt man ein noch umfassenderes Bild als man dies etwa zur Mitte der zweiten Staffel der Fernsehserie haben kann und durch die Unterschiedlichkeit der Perspektiven auch viele Anreize bestimmte Vorurteile und Vorüberlegungen, die man beim Lesen entwickelt immer wieder zu hinterfragen.


    Ein überaus würdiger Nachfolger des Ursprungswerks.

  • Ein überaus würdiger Nachfolger des Ursprungswerks.

    dann wird es wohl bei mir einziehen :)

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Die dunkle Seite der Liebe


  • Ein überaus würdiger Nachfolger des Ursprungswerks.

    dann wird es wohl bei mir einziehen :)


    Bei mir auch. :D

    Lg Sarange :cat:


    :study: Hajar Taddigs - Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes

    :study: Jørn Lier Horst - Winterfest / Vinterstengt

    :study: Astrid Lindgren - Madita


    :musik: Maja Lunde - Die Geschichte der Bienen (letztes oder vorletztes Jahr schonmal gelesen)

  • dann wird es wohl bei mir einziehen :)


    Bei mir auch. :D

    Hat bei mir nicht lange gedauert - hab gerade meine Geburtstagsgutscheine eingelöst :lol:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Die dunkle Seite der Liebe


  • Und ich habe es mir bei NetGalley gewünscht. :lol:

    Lg Sarange :cat:


    :study: Hajar Taddigs - Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes

    :study: Jørn Lier Horst - Winterfest / Vinterstengt

    :study: Astrid Lindgren - Madita


    :musik: Maja Lunde - Die Geschichte der Bienen (letztes oder vorletztes Jahr schonmal gelesen)

  • Autorin: Margaret Atwood

    Titel: Die Zeuginnen

    Seiten: 576

    ISBN: 978-3-8270-1404-7

    Übersetzerin: Monika Baark

    Verlag: Berlin Verlag


    Autorin:

    Margaret Atwood wurde 1939 in Ottawageboren und ist eine kanadische Schriftstellerin und Dichterin. Merfach ausgezeichnet, schrieb sie zahlreiche Romane, Essays und vielseitige Lyrik. "Der Report der Magd" wurde vielfach ausgezeichnet und als Serie verfilmt. 2017 erhielt Atwood den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie Ist Mitglied des Schriftstellerverbandes PEN.


    Inhalt:

    Fünfzehn Jahre nach "Der Report der Magd" erzählt die Autorin Margaret Atwood die Geschichte weiter. Drei Zeugenaussagen dreier Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead zeigen, wie eines zum anderen führte und welchen Verlauf Desfreds Schicksal nahm. (eigene Inhaltsangabe)


    Rezension:

    Wenn ich von Verlagen offensichtliche Fortsetzungen von Erzählungen angetragen bekomme, erkundige ich mich danach, ob diese auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes zu lesen sind? Wenn dies der Fall ist, teste ich es gerne aus, mich in die Geschichte hinein zu finden, mit den Protagonisten Bekanntschaft zu schließen und ihren Weg zu verfolgen. Nur dann macht ein vollständiges Eintauchen in das Geschehen Sinn. Auch hier hatte ich darum gebeten, mir nur dass Rezensionsexemplar zukommen zu lassen, wenn dies möglich sei. Ich bekam es.


    Mit "Die Zeuginnen" legt Margaret Atwood die von vielen Fans ersehente Fortsetzung zum "Report der Magd" hin, deren Geschichte serienmäßig erfolgreich verfilmt wurde. fünfzehn Jahre nachdem die Buchdeckel zugeklappt sind, erfahren die Leser nun, was nach Handlungsende passierte. Der rote Faden aus dem totalitären theokratischen Phantasiestaat Gilead wird wieder aufgenommen und in Form von drei Zeugenaussagen, die einen stetigen Perspektivwechsel ergeben, weiter erzählt.


    Das funktioniert für alle Leser von Beginn an, so sie mit dem Vorgänger-Werk vertraut sind, jedoch nicht für Leser, die erst jetzt auf das von Atwood geschaffene Konstrukt stoßen. Nur schwer gelingt dann der Einstieg, nur schwer die Zuordnung und Benennung, auch Einordnung der einzelnen Protagonisten. Erst im weiteren Verlauf gibt es eine kleine Auffrischung, für Neuleser Einführung in die Welt Gileads. Viel zu spät, auch im Vergleich mit anderen Fortsetzungsromanen.


    Am ehesten liest sich "Die Zeuginnen" noch als Parabel auf das Leben und Funktionieren einer theokratischen Diktatur, wie es sie in verschiedenen Formen in der realen Welt noch gibt. Die Autorin konstruiert eine Welt aus Lügen, Intrigen und Verrat und erzählt, was passieren kann, wenn einzelne Karten aus dem Kartenaus verschoben oder gar entfernt werden. Eine Lawine ungeahnten Ausmaßes wird losgetreten, die alles im Weg stehende mit sich reißt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die gibt es auch hier.


    Der Perspektivwechsel trägt zur Verwirrung bei Erstlesern bei, denen unbedingt empfohlen sei, den Vorgängerband zuerst zu lesen. So, wie ich das getan habe, ist die Geschichte nicht zu konsumieren und dabei stellt sich dann auch kein Lesegenuss ein. Ich kann praktisch nur auf die Beschreibungen der Diktatur als die von Atwood geschaffene Welt mich beziehen. Die Protagonisten indes blieben mir fremd und auch Hanndlungs- und Spannungsbögen, waren zwar erkennbar, doch für mich mit allzu großen Lücken durchsetzt.


    Das reicht nicht aus, um mich bei Stange zu halten. Wahrscheinlich müssen jetzt erst einmal ein paar Jahre vergehen, ehe ich es wieder mit Margaret Atwood versuche. Vielleicht bleibt es aber auch nur bei diesem einen, erfolglosen Versuch. Andere Autoren teilen dieses Schicksal. Auch dafür gibt es Zeuginnen.

  • Andere Autoren teilen dieses Schicksal. Auch dafür gibt es Zeuginnen.

    Mrs Atwood befindet sich also mit Zsuzsa Bánk und Günter Grass in bester Gesellschaft. Ich stelle mich gern als Zeugin zur Verfügung. :lol:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Inhalt:


    Das Buch setzt ca. 15 Jahre nach den Ereignissen von "The handmaids tale/Report der Magd" ein und schildert rückblickend die Ereignisse der Entstehung von Gilead, aber gibt auch Einblicke in das alltägliche Leben des finsteren Gottesstaates Gilead.

    Die Geschichte(n) wird aus Sicht von drei Frauen in unterschiedlicher gesellschaftlicher Position erzählt und das anhand von Vernehmungsprotokollen bzw. Tagebucheinträgen.


    Meine Meinung:


    Beim Kauf hatte ich ein bisschen Bauchweh, da ich den ersten Band wirklich sehr geliebt und seitdem natürlich auch die TV Serie verfolgt habe.

    Meine Befürchtung war einerseits das die Fortsetzung nur auf Grund der großen Popularität geschrieben wurde bzw. aus monetären Absichten heraus.

    So etwas geht ja oftmals daneben.

    Andererseits habe ich mich auch gefragt wie die Autorin mit der Serie umgeht und ob sie nicht vielleicht zu sehr beeinflusst wird.

    Hier kann ich Entwarnung geben, leider aber nur teilweise!

    Zunächst war einmal war ich sofort erneut vollkommen gefesselt von den Gesellschaftsstrukturen des Gottesstaates Gilead und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

    Diesen Teil des Buches fand ich wirklich gelungen, auch weil wir von einer der Frauen, die zu in Gilead zu großer Macht gelangt ist, mit zu den Anfängen genommen werden und erfahren wie sie zu dieser Position gekommen ist.

    Aber eben auch wie verlogen und bigott dieses brutale System ist und wie viel Schmutz und Blut an der Flügeln der sogenannten Diener Gottes klebt.

    Hierbei gelingt M.Atwood auch sehr gut, Elemente der Serie mit einzubringen und mit ihrem Plot zu verweben.


    Allerdings muss ich sagen das dies nur für zwei der Frauen zutrifft, denn die Geschichte der dritten Frau bezieht sich ebenfalls auf die Serie, wirkte aber von Anfang an wie ein Fremdkörper auf mich.

    Obwohl ich sie zwischendurch interessant gefunden habe, wurde sie nach und nach immer unglaubwürdiger für mich.

    Aus meiner Sicht wäre es ein wesentlich besseres Buch geworden, hätte man diese Geschichte anders gestaltet oder sogar weggelassen.

    Was dieser jungen Frau widerfährt wirkt anfangs erschütternd, wird dann sogar spannend, aber irgendwann einfach leicht hahnbüchen und ich hatte den Eindruck, hier hat sich die Autorin verzettelt.

    Ich denke, hier hat die Serie schlechten Einfluss ausgeübt, denn auf mich wirkte es, als sei dieser Teil nur als eine Art Fansservice entstanden, weil es in der Serie derart prominent behandelt wurde das Atwood es nicht ignorieren konnte.

    Deshalb hat mir auch das Ende nicht gefallen, welches nur angedeutet wird und irgendwie nebulös bleibt.

    Die Autorin wollte vielleicht der Eintönigkeit des Schauplatzes begegnen und einen Konflikt schaffen. Die klassische Heldenreise also, aber das war für meinen Geschmack zu viel Fanservice und Diktat der Serie, die ich nicht gebraucht hätte.



    Fazit:

    Zitat

    "Terrorregime, sagte man einst, dabei regiert der Terror gar nicht. Er lähmt. Daher die unnatürliche Stille."

    Zitat aus dem Buch Seite 230


    "Die Zeuginnen" ist genau dann am besten wenn die Autorin auf die Gesellschaftsstrukturen von Gilead blickt und wir den grauen Alltag erleben, die Bigotterie der allmächtigen Kommandanten, die Hierarchien, finsteren Rituale und die verschämte Sexualität, sowie kaum gezügelte Begierden, Mord und Totschlag und die Angst vor allem Weiblichen.


    "Unter seinem Auge!"


    Ein ganz gewöhnliches Terror Regime, nach außen hin rein und heroisch, aber innen morsch und verfault.

    Genau davon wollte ich lesen, zu Hause auf dem Sofa, mit einer wohligen Gänsehaut, die jeden Demokraten nur warnen kann, die Augen offen zu halten.

    In seinen besten Momenten schafft der Roman genau das.

    Leider verliert er diese großartige Spannung irgendwann und das Düstere macht der gewöhnlichen Heldenreise Platz, die wir schon tausendmal in Film und Fernsehen erlebt haben. Und darin ist die Autorin leider nicht sonderlich gut!

    Dem Roman fehlt eindeutig die Wucht des ersten Bandes und das liegt nicht nur daran das wir Gilead schon so gut kennen, sondern aus meiner Sicht eben am viel zu großen Einfluss der Serie.
    Hier hat Margaret Atwood zu sehr versucht etwas zu sein was sie eigentlich nicht ist und das ging soweit das ich mich hinterher gefragt habe, ob die Geschichte im ersten Buch wirklich so toll gewesen ist, oder eben nur das world building.

    Aber ich denke damit würde man ihr Unrecht tun. Denn auch im zweiten Band merkt man immer wieder wie verbunden die Autorin ihren Figuren ist, dass sie eine Demokratin ist, die angewidert - aber nicht moralisierend - auf das blutige Treiben schaut und das sie mich selbst zum Schaudern bringt, mich nachdenklich macht.

    Diese aufgesetzte Flucht bzw. Agentenstory passt einfach nicht richtig rein.

    Jedenfalls nicht auf diese Art, dass hätte sie ganz anders lösen können, denn die Werkzeuge dazu hat sie.

    Aber hier hat die Serie eindeutig einen unguten Einfluss genommen, was ich sehr schade finde!


    Ich war versucht dem Buch trotzdem 5 Sterne zu geben, am Ende werden es aber nur 3.5.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, wurde ich auf hohem Niveau enttäuscht und im letzten Drittel hat mich nur noch das grausige Gilead bei der Stange gehalten.

    Denn zu diesem Zeitpunkt wirkte die Story schon wie Versatzstücke, die nicht nur M. Atwoods Kopf entsprungen sind.

    Ganz zum Schluss hadere ich noch mit dem nebulösen Ende, was gewaltig nach Fortsetzung klingt. Damit war ich leider auch überhaupt nicht zufrieden.

    Und ich bin mir nicht mal sicher ob ich noch einen Band sofort nach Erscheinen kaufen würde.

  • Ich kannte von Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ noch nicht und habe es daher noch vor diesem Buch gelesen – und das war gut so, denn sonst wäre es wohl sehr schwierig geworden. Am Ende des Vorgängerbandes sind sehr viele Fragen offengeblieben, die Atwood nun, nach 35 Jahren, beantworten wollte. Auch dieses Mal ist der Schreibstil flüssig zu lesen, die Atmosphäre aber bleibt bedrückend und düster.

    Es sind eine Reihe von Jahren vergangen und nun berichten drei Erzählerinnen aus ihrer Sicht über den totalitären Schreckensstaat Gilead. Tante Lydia kennen wir ja schon aus dem Vorgängerband. Die beiden andere sind Agnes, die in besseren Kreisen in Gilead aufwächst und Daisy, die in Toronto aufwächst. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt in Gilead.

    Diese unterschiedlichen Sichtweisen ermöglichen einen guten und tiefergehenden Einblick in die Verhältnisse von Gilead und es werden offene Fragen aus dem Vorgängerband beantwortet. Ich habe mich gefragt, wie gebildete Menschen sich einfach so in diesem Regime unterordnen konnten. Das ist mir bei Desfred im vorigen Buch so ergangen und auch jetzt wieder bei Lydias Sicht. Aber um am Leben zu bleiben, wird man wahrscheinlich vieles tun. Die nachfolgenden Generationen denken schon ganz anders, da sie ein anderes Leben nie kennen gelernt haben. Die Frauen finden Wege sich in dem System einzurichten, auch wenn ihnen ihre Rechte abgesprochen sind.

    Alle sind in diesem System gefangen und müssen sich unterordnen, ganz gleich, in welcher Position sie sich befinden. Aber wenn man die Sicht der Protagonisten kennenlernt, betrachtet man das System nicht mehr ganz so schlecht. Das Leben bietet nicht nur schwarz und weiß, es gibt doch eine Menge Grautöne.

    Obwohl sich in diesem Roman so vieles klärt, hat mir „Der Report der Magd“ dennoch besser gefallen.

    Auch dieses Buch macht mich wieder wütend, denn ich finde die Geschichte auch weiterhin sehr bedrückend.

  • Ein fesselnder Roman, der von seinen drei Erzählerinnen getragen und spannend vorwärts getrieben wird. Zweifellos eine unterhaltsame Lektüre. Wenn man „Der Report der Magd“ gelesen hat.

    Andersfalls, fürchte ich, kann man weder die Personen noch ihre Funktionen noch ihren besonderen Status einordnen. Und dass man es kann, ist ab der ersten Zeile wichtig, sonst verpuffen eingestreute Verweise auf den 1. Band und die Brisanz vielen Handlungen, v.a. von Tante Lydia.


    Man sollte nicht erwarten, dass das Buch dort beginnt, wo der Report endet, denn inzwischen sind 15 Jahre ins Land gegangen, in denen sich die Verhältnisse in Gilead stabilisiert haben, und das, was damals geplant war (z.B. Frauen das Lesen und Schreiben vorzuenthalten), ist inzwischen gängige Praxis und gesellschaftlich akzeptiert. Nur noch die Männer und die Tanten beherrschen die Schrift.

    Das war damals noch anders, denn die Magd Desfred hatte die Schule besucht, man hatte ihr lediglich jegliche Art der Lektüre entzogen.


    Lesen- und Schreibenkönnen als Mauer zwischen den Mächtigen und Einflussreichen auf der einen Seite und den Untertanen auf der anderen - selten wird dieser Umstand so leicht erzählt und dadurch so deutlich ausgedrückt, denn indem man die Frauen von der Schrift ausschließt, nimmt man ihnen die Möglichkeit sich zu entwickeln und eigenständige Gedanken zu entwickeln. Während die Magd das Lesen schmerzlich vermisste, haben die Frauen der zweiten Gilead-Generation wie Agnes kein Bedürfnis nach Büchern oder Zeitungen, nach Briefschreiben oder Dichten.


    Der Erzählstrang aus Kanada mit Zeugin Daisy entwickelt sich in Richtung einer Agentenstory, büßt gegenüber den Schilderungen der beiden anderen Zeuginnen Glaubwürdigkeit ein. So solls gehen? So simpel?


    Wer kann so was glauben, wenn tagtäglich dasselbe auf der Welt passiert und kein Hahn danach kräht. An dieser Stelle hätte ich von Atwood mehr erwartet.


    Was mit der Magd Desfred tatsächlich geschah, wird durch die „Protokolle des Symposiums über Gileadstudien“ im Anschluss an die Erzählung bekannt. Auch hier die Anknüpfung an Band 1, der auch mit den Protokollen beendet wird.


    Besonders gelungen: Das Vexierbild auf den Innenklappen mit Magd und Mädchen. (Bilder bei Amazon, dritte Reihe, zweites von links)

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



Anzeige