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Claire Lombardo - Der größte Spaß, den wir je hatten / The Most Fun We Ever Had

Der größte Spaß, den wir je hatten

4.3 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Verlag: dtv

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 720

ISBN: 9783423281980

Termin: Neuerscheinung September 2019

  • Originaltitel: The Most Fun We Ever Had (2019)


    Klapptentext
    :


    Vierzig Jahre - glücklich! - verheiratet. Für die vier erwachsenen Schwestern Wendy, Violet, Liza und Grace sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild - und eine ständige Provokation. Radikal verschieden, eint die vier doch die Angst, niemals ein vergleichbares Glück zu finden. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.


    über die Autorin:


    Claire Lombardo, 1989 geboren in Oak Park, Illinois, war Sozialarbeiterin und PR-Agentin für ein kleines Unternehmen, das Holzblasinstrumente herstellt. Sie hat in Zeitschriften veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet. Heute lebt sie in Iowa City und unterrichtet an der dortigen Universität. 'Der größte Spaß, den wir je hatten' ist ihr erster Roman.


    Meine Meinung:


    So ganz sind Familienromane ja nicht wirklich mein Genre, aber dieses opulente Werk ist tatsächlich gut und flüssig geschrieben. Vielleicht ist das Buch für ein männlichen Leser nicht ganz so genussvoll, wie für weibliche Leserinnen, aber trotzdem konnte ich einiges positives dem Buch abgewinnen. Glücklich verheiratete Eltern und die vier unzufriedenen bzw. mit Problemen behafteten vier Töchter sorgen definitiv für viel Wirbel und Wiedererkennungswert. Ich denke bei vier Kindern gibt es immer diese Problematik des Ältesten, des Sandwichkindes und des Nesthäkchen - Kindes. In diesem Fall sind es sogar vier Töchter mit ihren ganz eigenen Problemen im Leben und diese Probleme sind nicht neu und oft auch in den eigenen Familien zu finden, aber es gibt natürlich auch geschlechtsspezifische Probleme, wo ein Mann nicht allzu viel mitsprechen kann, wenn es nämlich ums Kinder kriegen geht. Gut einfühlen konnte ich mich trotzdem, am meisten natürlich mit dem zur Adoption freigegebenen männlichen Teenager Jonah. Das Buch beschreibt die Höhen und Tiefen des Lebens eindrucksvoll und zeigt trotzdem, dass das Leben weitergeht auch wenn man ein Fehler gemacht hat bzw. in einer Lebenskrise steckt. Ein Buch was man uneingeschränkt empfehlen kann auch wenn es stellenweise ein wenig langatmig daherkommt bei seinen ca. 719 Seiten.


    Fazit:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Flugangst 7A (Sebastian Fitzek) 200 / 416 Seiten

    :study: Romeo und Julius (Julius Kraft) 126 / 240 Seiten

    :study: A Textbook Case (Jeffery Deaver) 0 / 64 Seiten


    SUB: 668

  • "Der größte Spaß, den wir je hatten" hat mir wundervolle Lesestunden beschert und ich habe es so genossen, die Familie Sorensen kennenzulernen. Ich liebe dicke Wälzer, bei denen man die Gelegenheit hat, die Charaktere richtig intensiv kennenzulernen, sie ins Herz zu schließen und ganz viel Zeit mit ihnen zu verbringen. Und genau das hat mir dieses Buch ermöglicht. Charaktere gibt es hier genug, aber sehr schnell ist es mir gelungen, sie auseinanderzuhalten und einzuordnen. Weil jeder Charakter seine eigenen Erzählabschnitte hat und sie allesamt so lebendig und bildhaft gestaltet sind, dass man sich schnell in dieser großen Familie zurechtfindet. Die Handlung entwickelt sich teils in der Gegenwart, teils in der Vergangenheit und am Ende ergibt alles ein Gesamtbild. Geheimnisse werden gewahrt und dann doch aufgedeckt. Es wird geliebt, gelacht, aber auch geweint und gelitten. Die Geschichte ist ein Auf und Ab der Gefühle, so wie das Leben. Ich war während des Lesens nicht nur ein Beobachter, sondern habe mich fast als Mitglied dieser bewegten Familie gefühlt, habe mit ihr mitgefühlt und wurde dabei großartig unterhalten. Es hat mir ein sehr intensives Lesevergnügen bereitet, jedes einzelne Familienmitglied kennenzulernen, in ihre Gefühlswelt abzutauchen und zu beobachten, wie sie sich in das Familiengefüge einfügt. Teilweise geht es sehr dramatisch zu, dann wieder fröhlich und gefühlvoll. Und durchweg wird die Geschichte so mitreißend erzählt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Ich habe das Lesen sehr genossen. :love:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

  • Überzeugendes Familienepos


    Der größte Spaß den wir je hatten, Familienroman von Claire Lombardo, 720 Seiten erschienen im dtv – Verlag
    Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild.
    Nach außen hin scheint die Sorenson Familie perfekt. Doch wenn man genauer hinsieht gibt es Probleme, wie in jeder anderen Familie auch. Für die vier Sorenson Schwestern hängt die Messlatte sehr hoch, denn die Eltern David und Marylin führen die perfekte Ehe, sie scheinen so glücklich wie am Anfang ihrer Ehe. Als der Teenager Jonah, ein unehelicher Sohn der zweitältesten Schwester in die Familie kommt, bricht der schöne Schein auseinander. Können Wendy, Violet, Liza und Grace ihre Sorgen und Probleme in den Griff bekommen und sind die Eltern wirklich das perfekte Ehepaar?
    Ich bin vom Debütroman der Autorin restlos begeistert. Die 720 Seiten in Angriff zu nehmen fiel mir nicht leicht und doch habe ich den Roman in kürzester Zeit gelesen. Die letzten 400 Seiten sozusagen in einem Rutsch. Aufgeteilt war die Geschichte in vier Abschnitten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Autorin hat sich der auktorialen Erzählweise bedient, dadurch konnte der Überblick für den Leser jederzeit gewahrt werden. Das Setting war so gut beschrieben, dass man es sich stets vorstellen kann.
    Es beginnt mit der Hochzeit der ältesten Tochter Wendy. Der Hauptstrang spielt in der Gegenwart, immer wieder jedoch gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, die in chronologischer Reihenfolge mit Jahreszahlen überschrieben sind. Zu jeder Zeit war mir der Überblick in der Zeitabfolge klar. Wichtige Gedanken, Aussagen oder Liedtexte erscheinen in kursiver Schrift und sind dadurch deutlich hervorgehoben. Obwohl im Roman viele Personen agieren, war es nicht schwer, trotz dem ständigen Wechsel der handelnden Charaktere, die Übersicht zu behalten und in Lesefluss zu kommen. Überraschende Wendungen und ein unvorhersehbares Ende sorgen für stetige Spannung. Alle Figuren habe ich gemocht, denn Lombardo hat es mühelos geschafft, die anfangs eigenartigen Schwestern z. B. Wendy, so zu charakterisieren, dass man ihre Art absolut nachvollziehen kann ihre Beweggründe sind glaubhaft geschildert. Auch die scheinbar perfekte Ehe, der Eltern war bei näherem Hinsehen jahrelange Schwerstarbeit. Schicksalsschläge und freudige Ereignisse wechseln sich gekonnt ab, schnell hatte ich das Gefühl, selbst ein Teil dieser Familie zu sein. Diese Familie ist authentisch, so oder ähnlich gibt es sie sicherlich irgendwo. Ein Familienepos in klarer Sprache, alle Charaktere haben eine nachvollziehbare Entwicklung hinter sich.
    Mein Lieblingscharakter war David, der Vater, der Fels in der Brandung, so einen Ehemann, bzw., Vater wünscht sich jede Frau. Ein Wohlfühlbuch, des Öfteren habe ich geweint aber auch gelacht. Selbst die Ginko-Blätter auf dem Cover haben eine Geschichte in der Story.
    Ein Buch welches ich uneingeschränkt empfehlen möchte. Die Autorin werde ich im Auge behalten.

    Dafür von mir volle Punktzahl – fünf Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Marilyn und David Sorenson präsentieren sich nach außen hin als Traumpaar, seit sie sich in den 1970er-Jahren ineinander verliebt haben. Aus ihrer Ehe sind vier Töchter entstanden. Wendy Eisenberg wurde schon früh zur Witwe und tröstet sich über den Tod ihres Mannes mit Alkohol und jungen Kerlen hinweg. Violet Sorenson-Lowell ist von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter geworden. Liza ist mit 32 Jahren eine der jüngsten Professorinnen des Landes und erwartet ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Grace, das Nesthäkchen, lebt eine Lüge, die niemand kennt. Die vier ungleichen Schwestern eint die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Und dann platzt plötzlich der 15-jährige Jonah Bendt in ihr aller Leben, das Kind, das Violet vor 15 Jahren heimlich zur Adoption freigegeben hat...


    „Der größte Spaß, den wir je hatten“ ist der Debütroman von Claire Lombardo.


    Meine Meinung:

    Der Roman beginnt mit einem Prolog, auf den vier Teile folgen, die nach den Jahreszeiten benannt und wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Zum Schluss folgt eine Art Epilog. Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Figuren. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Schwestern, den Eltern und Jonah. Dabei wird nicht chronologisch erzählt. Neben dem aktuellen Geschehen gibt es Rückblenden, sodass die Handlung mehrere Jahrzehnte umfasst. Jahreszahlen erleichtern dabei die Orientierung.


    Der Schreibstil ist sehr detailliert und ausschweifend, aber auch flüssig. Die Geschichte kommt nur sehr langsam in Fahrt und plätschert auch im weiteren Verlauf in eher gemächlichem Tempo daher, was mir den Einstieg erschwert hat.


    Auffallend ist, dass der Roman über viele Protagonisten verfügt. Die Figuren sind psychologisch gut ausgearbeitet und reizvoll gestaltet. Aber vor allem zu Beginn macht die Vielzahl an Charakteren – in Kombination mit den häufigen Perspektivwechseln – den Roman verwirrend. Wer sympathische, liebenswürdige Personen erwartet, wird enttäuscht. Obwohl sich die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten nachverfolgen lässt, fällt mir eine Identifikation schwer.


    Inhaltlich geht es um die unterschiedlichen Facetten der Liebe – nicht nur in romantischer Hinsicht, sondern vor allem auch innerhalb einer Familie, was ich als ein interessantes Thema empfinde. Die Autorin bezeichnet ihren Roman als die Chronik einer Ehe. Dargestellt werden auch die Entwicklung einer Familie und die individuellen Lebenswege ihrer Mitglieder. Das macht die Handlung ziemlich komplex. Sie ist gespickt mit allerlei Geheimnissen und persönlichen Dramen, die mir an der einen oder anderen Stelle zu übertrieben und unrealistisch vorkamen. Zwar bedient sich der mit mehr als 700 Seiten recht umfassende Roman immer wieder Cliffhangern. Dennoch ist die Geschichte bisweilen langatmig und enthält einige Wiederholungen, sodass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass in diesem Fall weniger sicherlich mehr gewesen wäre.


    Das Cover, das sich am amerikanischen Original orientiert, greift das Symbol des Ginkgo-Baumes mit seinen Blättern auf, der im Roman eine nicht unwichtige Rolle spielt. Obwohl das Motiv thematisch stimmig ist, spricht mich die optische Gestaltung leider gar nicht an. Ähnlich verhält es sich mit dem deutschen Titel, der sehr wörtlich aus dem Englischen („The most fun we ever had“) übersetzt wurde, aber meiner Ansicht nach nicht besonders gut zum Inhalt passt.


    Mein Fazit:

    Mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ hat Claire Lombardo eine Familien-Saga geschrieben, die dem Leser einen langen Atem abverlangt. Trotz der interessanten Grundthematik konnte mich der Roman nicht durchweg gut unterhalten, weshalb ich ihn nur eingeschränkt empfehlen kann.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Claire Lombardo - Der größte Spaß, den wir je hatten


    Was für ein Spaß!???


    Ja, was für ein Spaß!??? Wobei ich beim Lesen dieser Familiengeschichte von Claire Lombardo weniger Spaß entdeckt habe, mehr im Fokus standen eher die Probleme in dieser Familie, wobei ich auch diesen Blick etwas einseitig betrachtet finde. Von 1975 bis 2017 wird das Entstehen und Bestehen der Familie Sorenson beleuchtet, einer Familie im mittleren Westen der USA, einer Familie, die in einer vergangenen Zeit/in einem anderen Land entsteht und besteht. Einer Zeit, die den Personen der Familie auch Kompromisse abfordert, wobei diese Kompromisse in meinen Augen etwas einseitig platziert sind. Aber dies empfinde ich nicht als unglaubwürdig. Ich glaube durchaus, dass es solche Familienkonstellationen gab und ich glaube auch durchaus, dass genau solche Entscheidungen dann von den Betroffenen gut geredet werden und irgendwann sogar zum größten Spaß werden, obwohl sie weiter an den Betroffenen nagen. Dadurch, dass dieser Spaß kein Spaß ist, gibt man natürlich auch Negatives weiter und dadurch, dass wir Menschen sind, passieren auch Fehler. Bis hierher ist alles erklärbar und nachvollziehbar. Der Fokus des Romans liegt auf negativen Geschehnissen und ihren Folgen, das Positive in dieser Familie wird etwas außer Acht gelassen, wobei die negativen Geschehnisse und die Folgen auch nicht lösungsorientiert in der Familie besprochen werden, eher wird hier weggeschaut/bzw. auch gar nicht wahrgenommen und alles für schön befunden. Wobei es solche Konstellationen durchaus gibt, definitiv! Aber will ich das lesen? Nein! Will ich nicht. Warum ich es trotzdem getan habe? Nun, ich habe mir hier definitiv etwas anderes versprochen/vorgestellt. Wobei man sagen könnte mein Fehler. Und damit hat man durchaus recht!

    Wer sich plätschernd unterhalten lassen möchte, ist bei der Familiengeschichte der Sorensons vollkommen richtig. Wer miterleben möchte wie sich die Eltern Marilyn und David kennenlernen und miteinander vier Töchter haben und wer lesen möchte wie die Töchter Wendy, Violet, Liza und Grace aufwachsen, ist hier vollkommen richtig. Denn dieses Buch gefällt vielen und erhält tolle Kritiken, dass sollte man nicht außer Acht lassen.

    Aber wer ein komplexeres Umgehen mit den Widrigkeiten des Lebens erwartet, wird hier enttäuscht werden. Einerseits war es die nicht differenzierte Handlung, die mich enttäuscht hat und andererseits war es die Sprache, die enttäuscht. Die Schreibe kommt schon recht einfach daher, manches Geschriebene klingt schon nach gewissen Serien im TV. Was nicht schlecht ist, aber definitiv nicht jedem gefallen kann/muss. Es kommt hier auf die eigene Erwartungshaltung an, die man an ein Buch/Lesevergnügen hat. "Der größte Spaß, den wir je hatten." ist ein schöner Unterhaltungsroman, nicht mehr. Für mich war er aber auch eine Enttäuschung. Schade!

    "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns." Franz Kafka

  • Dem Leben beim Leben zusehen


    Nicht viel anderes geschieht in diesem Buch. Aber es ist wunderschön. Wir sehen einer Familie zu, wie sie entsteht, lebt, liebt, leidet, sich entzweit, fast zerbricht, sich wieder einfindet, vor allem dies, immer wieder zueinander findet, sich gegenseitig Halt gibt, füreinander da ist.


    Ein Mann und eine Frau heiraten, haben im Laufe der Jahre vier Töchter, eine jede mit ihren Eigenheiten, Problemen, Ängsten, aber auch Lieben, Freuden, Erfüllungen. Die Eltern sind immer für sie da, bereit zu helfen, zu unterstützen. Gleichzeitig aber gelingt es ihnen, sich nicht in ihrer Töchterschar zu verlieren, sich nur noch als Eltern zu definieren. Sie bleiben gleichzeitig auch sie selbst, ein Mann und eine Frau, die sich lieben, sich nach einem Streit wieder versöhnen, so stark aufeinander ausgeprägt sind, dass sie es spüren, wenn der Partner sich entfernt und dann um ihre Liebe und Ehe kämpfen. Sie bieten ihren Töchtern ein ideales Modell einer Ehe und ein wunderschönes Elternhaus, mit all seiner Geborgenheit, Wärme und Liebe. Die Töchter wünschen sich, jede für sich, nichts sehnlicher, als das Glück, die Liebe und die Ehe ihrer Eltern im eigenen Leben wieder zu finden. Aber sie haben nicht mitbekommen, dass eine Ehe und eine langanhaltende Liebe einem nicht in den Schoß fallen. Man muss dafür kämpfen, täglich aufs Neue. Außer der Liebe gehören auch gegenseitiger Respekt und Achtung zu einer guten Ehe, ebenso wie auch die Fähigkeit und Bereitschaft dem Partner zuzuhören, ihn auch ohne Worte zu verstehen. Und das gelingt David und Marilyn, ohne viel Aufhebens, ohne große Gesten. Die Töchter wollen auch solch eine Ehe führen. Wendy, die älteste, hatte in ihrer Kindheit und Jugend das Gefühl, von ihren Eltern und Schwestern übersehen zu werden, übergangen, ja sogar unsichtbar zu sein. Sie reagiert mit unbeherrschten Wutausbrüchen, später mit Essstörungen. Wendy lernt einen Mann kennen, verliebt sich in ihn, sie heiraten, obwohl er bedeutend älter ist als sie. Es ist eine glückliche und gute Ehe, voller Liebe und Verständnis. Wendy erleidet eine Fehlgeburt, Miles stirbt an Krebs. Wendy bleibt allein zurück, tröstet sich mit Alkohol und jüngeren Männern und versucht, neben ihren schrecklichen Verlusten auch noch Verständnis für ihre jüngere Schwester Violet aufzubringen. Violet ist egoistisch, in ihrem persönlichen Glück gefangen, verdrängt sie, was Wendy für sie getan hat, wie sehr ihr Wendy geholfen hat, ihr in allen Entscheidungen beigestanden hat. Violet hat in meinen Augen große Schuld auf sich geladen, Wendy gegenüber, ihren Eltern, ihren Kindern. Dass sie es letztendlich schafft, mit allen ins Reine zu kommen, ihren ältesten Sohn voll zu akzeptieren, Wendy gegenüber ihre Schuld einzugestehen, verdankt Violet ihrem Mann Matt, der sie drängt sich mit Jonah und Wendy auszusprechen.


    Liza, die dritte Schwester, hat es auch nicht leicht. Ihr Lebenspartner Ryan ist depressiv, gefangen in seiner Krankheit steht er ihr in Nichts bei, sie findet bei ihm keinen Halt. Auch als sie schwanger ist, kann er nur für kurze Zeit seine Depression überwinden, verfällt ihr dann aber wieder. Als er von ihrem Seitensprung erfährt verlässt er sie. Das war aber für ihn anscheinend der richtige Schritt. In einer anderen Umgebung findet er Halt in seiner Arbeit, hat nun einen anderen Arzt, der ihm die Medikation wechselt und es geht ihm besser. Langsam findet eine Annäherung zwischen Liza und Ryan statt, nach der Geburt von Kitt.


    Grace, die letztgeborene Tochter, das Nesthäkchen, gibt vor in Portland zu studieren, schlägt sich aber mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs durch. Es fehlt ihr an Selbstvertrauen, an Mut. Sie hatte immer vor Augen die Eltern, die erfolgreichen Schwestern, sieht sich in ihren Schatten.


    Die Familie beginnt langsam auseinander zu driften. Die Schwestern entfernen sich voneinander, man sieht sich fast nur noch zu den Festtagen bei den Eltern. Doch dann taucht Jonah auf. Mit seinen fünfzehn Jahren stellt er das Leben von Violet auf den Kopf, bringt Wendy dazu, ihr Leben zu überdenken, trägt dazu bei, dass Liza und Gracy den Schritt nach vorne wagen, Gracy gesteht ihrer Familie ihre Lebenslüge, Liza fasst wieder Fuß nachdem Ryan sie verlassen hat, stellt sich ganz auf ihre Tochter ein. Für Marilyn und David ist Jonah eine Freude und Bereicherung ihres Lebens. Und Jonah selber? Bis er zur Familie Sorenson kam, durchlebte er ein bewegtes und schwieriges Leben, alternierend zwischen Kinderheimen und Pflegefamilien. Witzig, intelligent, humorvoll, findet er zu allen den richtigen Draht und genießt es Menschen um sich zu haben. Anfangs kann er es kaum glauben, da sind Leute, die sich tatsächlich um ihn sorgen, auf sein Wohlergehen bedacht sind. Jonah bringt intuitiv Verständnis für alle Mitglieder der Sorensen Familie auf, vereint sie wieder, hilft ihnen auf das Wesentliche zu fokussieren: die Familie, die Liebe und das Verständnis und auch das Verzeihen, ohne die eine Familie nie funktionieren könnte. Gegen Ende des Romans als die Familie wieder zusammengefunden hat, fragt Wendy im Scherz ihre Schwester Liza ob sie high sei, kontert diese schlagfertig „Ja, vom Leben“. Es drückt allgemein die Stimmung in der Großfamilie aus. Irgendwie haben die Schwestern das erreicht, was ihre Eltern haben, auch wenn es ihnen noch nicht bewusst ist: sie sind zufrieden mit ihrem Leben, akzeptieren sich und ihre Partner so wie sie sind, hören einander zu, gehen aufeinander zu.


    Der Roman setzt ein mit Wendys Hochzeit im Sommer 2000, Grace ist noch ein Kind, Violet lässt sich richtig volllaufen während Liza einen der Trauzeugen verführt. Die nächste Hochzeit ist dann Violets, auf der dann Wendy Trost im Alkohol sucht. Der Aufbau ist anfangs etwas verwirrend, die Kapitel alternieren zwischen der Gegenwart, den Stationen im Leben der Schwestern, der Jugend von Marilyn und David. Aber der Leser findet sich bald zurecht, erwartet die nächsten Etappen und Erklärungen. Die Fragen werden der Reihe nach beantwortet, neue Fragen aufgeworfen. Weshalb ist Violet betrunken und schadenfroh auf Wendys Hochzeit? Warum ist Wendy so verzweifelt auf Violets Hochzeit? Weshalb läuft Violet im Restaurant davon, als sie instinktiv erkennt mit wem Wendy da am Tisch sitzt? Wieso ist Violet zuerst so abstoßend und abweisend Jonah gegenüber und versucht seinen Kontakt zu Wyatt zu unterbinden? Weswegen verstrickt sich Gracie so in ihre Lebenslüge? Was bedeutet der Titel des Romans „Der größte Spaß, den wir je hatten“? Was hat es mit den Gingkoblättern auf dem Titelbild für eine Bewandtnis? Es hängt alles zusammen, verwebt sich zu einem großen dichten lebendigen Bild dieser Familie, mit ihren Höhen und Tiefen.


    Wahrscheinlich wird es noch Krisen geben, aber solange sie sich immer wieder zu Thanksgiving treffen können und gemeinsam essen, lachen, lieben und verzeihen können, wird alles gut.