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Ildikó von Kürthy - Es wird Zeit

Es wird Zeit

3.5 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Verlag: Wunderlich

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783805200431

Termin: August 2019

  • Kurzmeinung

    Steffi
    Ich habe das Buch sehr gern gelesen.
  • Kurzmeinung

    hennie
    Judith Rogge ist eine Dramaqueen. Kann mich mit der Protagonistin nicht identifizieren.

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  • Kurzbeschreibung:

    Sie wird bald fünzig, und die Lüge, mit der sie schon so lange lebt, fühlt sich fast an wie die Wahrheit. Dann stirbt ihre Mutter. Mit der Urne auf dem Beifahrersitz kehrt Judith in ihre Heimat zurück.

    Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es war. Ihre beste Freundin ist todkrank und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist.

    Ihre Jugendliebe macht verlockende Zukunftspläne, ihr Man schnarcht seit Jahren, und ihr bester Freund sagt: "Es kann nicht mehr so weitergehen wie bisher." Ist es zu spät, neu anzufangen? Noch nicht.

    Aber es wird Zeit.


    Über die Autorin:

    Ildikó von Kürthy ist Rheinländerin, Mutter von zwei Söhnen, Journalistin und Kolumnistin bei der Brigitte. Sie lebt mit ihrem Mann und den Kindern in Hamburg, und besonders an Karneval hat sie schlimme Sehnsucht nach ihrer alten Heimat. Ildikó von Kürthys Romane wurden mehr als sechs Millionen Mal gekauft und in 21 Sprachen übersetzt. Sie ist eine der meistgelesenen deutschen Schriftstellerinnen, ihr erster Roman «Mondscheintarif» wurde fürs Kino verfilmt, und auch ihre Sachbücher, «Unter dem Herzen», «Neuland» und «Hilde» waren allesamt Bestseller.


    Meine Meinung:

    Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Judith nach vielen Jahren wieder in ihre alte Heimatstadt zurück. Dort trifft sie ihre Jugendfreundin, die todkrank ist, aber die Hoffnung nicht aufgibt, eine alte Jugendliebe und ihre Erinnerungen und Geister der Vergangenheit, die sie ihr Leben lang verfolgt haben.


    Das ist wirklich ein wunderbares Buch, es ist berührend und traurig, es zeigt auf, dass sich Hoffnung immer lohnt und es ist auch lustig. Immer wieder musste ich laut lachen über einige Szenen, die so herrlich komisch geschildert sind. Ich kannte die Autorin ja schon von ihren Kolumnen in der Brigitte, aber hier ist ihr eine tolle Mischung gelungen aus Ernst und Humor.


    Judith ist sympathisch, ich kann sie so gut verstehen. So wie ihr geht es wohl vielen Frauen in dem Alter. Auch wenn zum Glück nicht jede eine "Leiche" im Keller hat. Anne wird in ihrer ganzen Zerrissenheit dargestellt, sie will stark und mutig sein in ihrer Krankheit und trägt doch die Angst in sich. Über Erdal habe ich mich auch köstlich amüsiert. Obwohl er schon fast klischeehaft dargestellt ist, wirkt es nicht übertrieben und ich mochte ihn gleich.


    Die Sprache ist sehr direkt, heiter und ich konnte so manche Szene vor meinem inneren Auge sehen. Es gibt so herrlich trockenen Humor, der mir sehr oft ein Lachen entlockt hat. Zum Beispiel am Grab, als Judith Anne vor sich stehen sieht:

    Zitat:

    "Ich sage: "Hallo. Lange nicht gesehen."

    Und für diesen Satz habe ich zwanzig Jahre gebraucht."

    Das trifft genau meinen Geschmack an Humor.


    Fazit: eine wunderschöne Geschichte zum Lachen, zum Weinen und zum Wohlfühlen. Von mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    2019 gelesen: 59 Bücher / 23669 Seiten


    :study: Der Lehrmeister - Oliver Pötzsch

    :study: Das Echo dunkler Tage - Dolores Redondo

    :study: Schmutzige Seelen - Mark Franley (LR)

  • JUDITH ROGGE IN DER MIDLIFE-CRISIS


    Ich kann leider nicht in den allgemeinen Tenor der größtenteils euphorischen Zustimmung zum Inhalt des Buches einstimmen.


    „Was soll jetzt noch kommen?" So fragt sich Judith Rogge, bald 50, Zahnarztgattin aus Wedel bei Hamburg, drei erwachsene Söhne, nach dem plötzlichen Ableben ihrer Mutter. Durch den Tod kommt sie wieder in ihre Heimat ins Rheinland zurück und wird mit der Zeit ihrer Kindheit und Jugend konfrontiert. Sie kümmert sich um die Beerdigung und um ihr Elternhaus, trifft nach 20 Jahren wieder auf ihre beste Freundin Anne, auf eine Jugendliebe und auf das Geheimnis, das sie streng gehütet hatte. Da sie sich eh schon in einer Midlife-Crisis befindet, tragen die Ereignisse dazu bei, dass plötzlich ihr Leben aus den Fugen zu geraten scheint...


    Nach der Leseprobe wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, weil die Zeilen so witzig, so interessant in einer lockeren, leichten Art des Erzählens daherkamen. Nun stellte sich heraus, dass die Textstellen (ab S. 131) mitten aus dem Buch stammten und ich mich bis dahin durch das ewige Jammertal der Judith Rogge kämpfen musste. Ich konnte mich überhaupt nicht mit der Hauptperson, der "übertherapierten Hausfrau“ [S. 319] in ihrer „handelsüblichen Partnerschaft“ [S. 175] identifizieren, obwohl ich noch um einiges älter bin. Was sind das nur für Probleme? Judith ist ein schwieriger Charakter und ihre larmoyante Art ging mir auf die Dauer auf die Nerven. Was hatte Judith eigentlich auszustehen? Sie kam mir vor wie eine Pubertierende in den Wechseljahren, dazu noch grenzenlos naiv. Zum Glück hatte sie solche Charaktere wie Anne, Martina, Erdal und nicht zuletzt ihren zugegebenermaßen etwas unterkühlten Ehemann Joachim an ihrer Seite.

    Das Ende und der Epilog konnten mich begeistern. Das ist sehr einfühlsam geschrieben. Und für die bald 50jährige Judith wurde eine Lösung gefunden, die mir ebenfalls gefiel, und die ich als realistisch empfunden habe.


    Einige Textstellen, die viel über die Hauptfigur Judith aussagen:

    [S. 57] „Ich bin Rheinländerin, wir vertragen es nicht, wenn man uns die Wahrheit sagt.“ Die pragmatische Martina kritisiert Judith. Die will die Wahrheit aber gar nicht wissen, sondern getröstet werden.

    [S. 64] Judith resümiert über die selbstbewußte, zielgerichtete Anne „Sie setzte sich Ziele, sie verfolgte Ziele, sie erreichte Ziele.“

    [S. 77] Judith: „Ich brauche den sicheren Hafen. Ich habe Rückenschmerzen, Birkenpollenallergie, zwei wurzelbehandelte Zähne und entsetzliche Angst, allein zu sein, wenn es anfängt, wirklich bergab zu gehen.“


    Ildikó von Kürthy schreibt gut. Ich habe an einigen Stellen geschmunzelt, manchmal auch laut gelacht. Gelangweilt habe ich mich nicht. Ich würde „Es wird Zeit“ als typischen Frauenroman bezeichnen. Jedoch ist es nicht meine Art der Lektüre.

  • Ein Buch zum Lachen und Weinen

    Judith wird demnächst fünfzig, Grund genug für sie, auf ihr bisheriges Leben zurückzublicken und ein Resümée zu ziehen. Eigentlich hat sie alles: einen Gatten, der Zahnarzt ist und gut verdient, ein schönes Eigenheim vor den Toren Hamburgs, drei erwachsene Söhne. Sie ist gesund und es fehlt ihr an nichts. Doch eine richtige Aufgabe im Leben hat sie auch nicht.

    Der Tod ihrer Mutter führt sie zurück in ihre Heimat im Rheinland. Eigentlich will sie nur so schnell wie möglich das Elternhaus verkaufen und ihre Mutter begraben, aber dann trifft sie Anne wieder, ihre beste Freundin aus Jugendtagen, zu der sie den Kontakt verloren hatte. Judith hat ein großes Geheimnis, deshalb ist sie Anne aus dem Weg gegangen. Doch nun steht sie vor ihr und Judith muss sich sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart stellen. Die Wahrheit ist, dass sie ihren Ehemann Joachim nur aus praktischen Gründen – sie war damals schwanger – geheiratet hat. Nun ist sie sich nicht sicher, ob sie in dieser nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichteten Ehe weiterleben kann. Zu allem Überfluss tritt auch noch ihr Jugendschwarm wieder in ihr Leben. Judith glaubt, eine zweite Chance zu bekommen. Aber ist es wirklich eine gute Idee, ihren Ehemann zu verlassen oder ist es nur die Midlife Crisis, die ihr zusetzt?

    Für mich war dies das erste Buch der Autorin und ich bin wirklich sehr positiv überrascht. Ich hatte mir eine locker-leichte Lektüre vorgestellt, und ein Stück weit ist es das auch, aber nicht nur. Ildiko von Kürthy nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Zeit, als es noch keine Handys gab und man sich wünschte, das Telefonkabel wäre länger, um in Ruhe telefonieren zu können. Ich habe mich in so vielem wiedererkannt: die erste Liebe, das unbedingt gefallen wollen, der Drang, der engen Kleinstadt zu entkommen, wilde Nächte und der Kater am nächsten Tag...

    „Es wird Zeit“ ist eines jener Bücher, von denen man sich wünscht, sie mögen nicht zu Ende gehen. Man begleitet die sympathischen Protagonisten ein Stück ihres Lebens und sie wachsen einem mit all ihren Macken und Eigenheiten ans Herz. Ich habe das Buch schweren Herzens beiseite gelegt und freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin.:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Warum bist du nicht endlich mal glücklich?


    Es wird Zeit, Frauenroman von Ildikó von Kürthy, 320 Seiten, erschienen im Wunderlich-Verlag.


    Eine Geschichte von Schuld und Freundschaft, vom Älterwerden und vom Jungbleiben, es geht um die Heimat, die Liebe und den Tod und darum, dass am Ende nichts verlorengehen kann.


    Die 50jährige Zahnarztgattin Judith Rogge hat schon fast 30 Jahre mit einer Lüge gelebt. Nun ist sie unterwegs in ihre Heimat, im Gepäck die Urne ihrer verstorbenen Mutter, die in ihrem Heimatort eine letzte Ruhestätte finden soll. Außerdem will sie ihr Elternhaus verkaufen. Plötzlich verändert sich ihr ganzes Leben. Ihre beste Freundin Anne ist todkrank. Ihre Jugendliebe macht ihr ein unmoralisches Angebot, ihre Söhne sind erwachsen und ihr Mann schnarcht. Ist es zu spät, noch einmal neu anzufangen?
    Das Buch gliedert sich in übersichtliche Kapitel in der idealen Leselänge, die mit einem zusammenfassenden Titel überschrieben sind. Dazwischen bunte Zeichnungen von Peter Pichler, die mir ausnehmend gut gefallen haben. Die Autorin bedient sich des Erzählstils in der Ich-Form aus Sicht der Protagonistin, somit sind deren Gefühle und Gedanken dem Leser verfügbar, dadurch entsteht die Möglichkeit jederzeit ganz nah dran am Geschehen zu sein. Tagebucheinträge und Briefe sind kursiv dargestellt und sofort erkennbar.
    Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und mich gut unterhalten, doch dieses Werk hat mich leider enttäuscht. Richtig genervt war ich von der Protagonistin ein übertherapiertes Luxusfrauchen mit zu viel Zeit zum Jammern, bezeichnend für ihre Einstellung sind wohl folgende Sätze auf S.51: „Ich bin verlassen worden. Erst von meinen Kindern und jetzt von meiner Mutter. Nur mein Mann, der bleibt, ausgerechnet. Undankbar, obwohl sie sich nie zwischen Arbeit und Kindern zerreiben musste, in einem schönen Haus und sonstigem Luxus lebend, mit Zugehfrau, ohne materiellen Sorgen und viel Zeit sich selbst zu bedauern. Dabei hat ist ihr Mann immer gut zu ihr gewesen. Obwohl ihre Freundin Anne um ihr Leben kämpfen muss, sind ihr die eigenen kindischen Sorgen und Nöte am wichtigsten. Dazu passend ihr bester Freund Erdal, die gleiche „Dramaqueen“, nur in männlich. Die Szene bei der Fernsehpreisverleihung die sie zusammen mit Erdal besuchte und für beide in der Notaufnahme endete fand ich hanebüchenen Klamauk. Meine Lieblingsfigur war Anne, eine starke Frau trotz ihrer Krankheit. Gestört hat mich auch, dass die Szenen oft abrupt wechselten, dass ich nicht mehr wusste wo sich die Geschichte aktuell abspielt. Mir war auch ein Rätsel warum Ehemann und Söhne von Judith nicht bei der Beerdigung der Oma dabei waren. Nicht immer waren der Plot und die Handlungen der Charaktere für mich nachvollziehbar. Die Handschrift der Autorin konnte ich zwischendurch jedoch immer wieder erkennen, z.B. in Lebensweisheiten die von Kürty mit auf den Weg gibt, manchmal musste ich schmunzeln und auch laut lachen, am Ende aber auch weinen. Der Epilog ist der Autorin gut gelungen. Was die Ängste der Protagonistin, z. B. um ihre Kinder betrifft konnte ich sogar meine eigenen Gefühle darin wiederfinden. Das Zitat auf S. 38: „ Wer keine Angst hat, der hat bloß zu wenig Phantasie“, habe ich mir notiert.

    Ergibt von mir gutgemeinte 3 Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

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