Regina W. Egger - Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski

Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski

3.6 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Verlag: FeuerWerke Verlag

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 201

eISBN: 9783945362587

Termin: September 2019

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    Eine sehr spezielle Geschichte


    Ewa ist krank, todkrank. Für sie jedoch kein Grund, Trübsal zu blasen. Ganz im Gegenteil! Sie verkauft ihre Wohnung und begibt sich gemeinsam mit ihrem guten Freund Lukas und ihrem Yorkshire-Terrier Zizou auf eine Reise quer durch Europa. Der Wohnmobil-Roadtrip ist geprägt von Ewas Erinnerungen an ein langes, erfülltes Leben und alles, was sie je geliebt hat. Sie bringt Lukas ihr Faible für alte Kinofilme, Musik und polnische Speisen näher und erzählt von ihrem Großvater, der in ihrer Kindheit immer für sie da war und sie dennoch schließlich bitter enttäuscht hat. Ihr Humor, ihre Lebensweisheiten sowie die Geschichten aus ihrer Heimat Polen begleiten das ungleiche Trio auf diesem großen Abenteuer. Für Lukas wird Ewas vorletzte Reise schließlich zur schwersten Herausforderung seines Lebens. Und für Ewa wird es Zeit, sich vom letzten, großen Geheimnis ihres Lebens zu befreien...


    Als ich den Klappentext zu diesem Buch gelesen habe, habe ich einen etwas ungewöhnlichen Roadtrip erwartet. Bekommen habe ich eine sehr spezielle Abschiedsreise, einer sehr außergewöhnlichen Frau.

    Speziell ist, vor allem in der ersten Hälfte, der Erzählstil. Wie auch Ewas Gefühle springen die Erzählungen, Gedanken, Orte und Beschreibung. Wie ein Vogel verweilt die Autorin nicht lange bei einem Thema. Damit habe ich mich etwas schwer getan. Ich hätte mir öfter ein wenig mehr Details gewünscht. Auch fiel es mir dadurch schwer, Nähe zu den Figuren aufzubauen.

    Ab der Hälfte des Buches wird es jedoch ruhiger. Je mehr es in Richtung Ende der Reise geht, werden die Beschreibungen und Erzählungen ruhiger und ausführlicher. Die Nähe zu Ewa und Lukas wird tiefer. Die Entwicklungen der Beiden sind spürbar. Das gefiel mir dann schon besser.

    Mit Ewa hat die Autorin eine sehr außergewöhnliche Figur geschaffen, die sich darauf versteht außergewöhnliche Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Lukas ist ihr sympathischer Begleiter und ergänzt sie ziemlich gut.

    Alles in allem eine schöne Geschichte, die tiefgründiger ist, als ich angenommen habe. Leider war die Geschichte nicht ganz mein Ding, was aber definitiv Geschmacksache ist.

  • Ewa ist todkrank, Sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, aber sie will es noch einmal wissen. Sie überredet ihren Freund Lukas, mit ihr eine Reise durch Europa zu machen. Die Wohnung ist schnell verkauft und das passende Wohnmobil wird auch gefunden. So machen sich die drei, denn Yorkshire-Terrier Zizou gehört auch dazu, auf die Reise. Für Lukas wird diese Tour eine Herausforderung, denn Ewa hat ein Ziel, aber es geht ihr immer schlechter.

    Ich habe mich anfangs recht schwer getan mit der Geschichte. Ich konnte Ewa verstehen, die nicht zu Hause Trübsal blasen will, sondern noch einmal an die Orte reisen, die mit Erinnerungen an ihre große Liebe, ihren verstorbenen Mann Jakub, verbunden sind. Dass sie das machte, ohne ihrer Tochter von der Krankheit zu erzählen, habe ich nicht verstanden. Natürlich war das das Risiko, dass Lena Ewa zurückgehalten hätte, doch es hätte genauso sein können, dass ihnen die Zeit des Abschiednehmens nicht möglich gewesen wäre.

    Es ist ein sehr ungleiches Paar, das da durch Europa unterwegs ist. Ewa ist sechsundsechzig Jahre alt und todkrank. Lukas ist ungefähr vierzig Jahre jünger und verhält sich sehr unreif. Trotzdem verbindet die beiden eine Freundschaft.

    Unterwegs erinnert sich Ewa an Früheres und erzählt immer wieder von ihrem Großvater, der ihr so wichtig war und sie dann so sehr enttäuscht hat. Sie erzählt über das, was sie ein Leben lang geheim gehalten hat. Manchmal waren die Aussagen recht heftig, wenn sie so bewusst lustig sein wollte, aber damit wollte sie das Unangenehme verdrängen. Sie unterhalten sich aber auch über andere Dinge, die so in der Welt geschehen.

    Lukas war mir überhaupt nicht sympathisch. Er hat ein abgeschlossenes Studium, lebt aber nur in den Tag hinein und auf Kosten anderer. Sein ewiges Spielen und seine Kifferei gingen mir auf die Nerven. Verantwortung war für ihn ein Fremdwort. Doch unter dem Einfluss von Ewa und der Verantwortung, die ihm diese Reise aufbürdet, entwickelt er sich weiter und denkt nach. Am Ende trifft er Enya, die hoffentlich dafür sorgen wird, dass der nun eingeschlagene Weg auch weiterverfolgt wird.

    Manches ist langatmig, einiges wiederholt sich und trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Es regt zum Nachdenken an und man fragt sich, wie man sich selbst verhalten würde, wenn man so krank ist.

    Ein ernstes Thema, das auf eine lebensbejahende Art, behandelt wird. Ich habe Ewa gerne begleitet auf ihrer Reise.

  • Dieses Buch ist sehr berührend und
    kann die Leser_innen dazu motivieren, sich auch selbst auf eine Reise
    zu machen. Eine Reise in die eigene Vergangenheit und zu dem, was sie
    für sich selbst als Sinn des Lebens erkennen können. Anhand der
    beiden Protagonist_innen Ewa - einer humorvollen todkranken alten
    Frau - und des jungen Lukas, der noch nicht so wirklich weiß, wo es
    im Leben hingehen soll, wird vordergründig eine Reise durch
    verschiedenste Orte Europas beschrieben, im Kern geht es aber darum
    eine Reise zu sich selbst zu machen, bei sich selbst anzukommen und
    Frieden für sich selbst finden zu können (Ewa) oder einen
    Lebenssinn für sich zu finden (Lukas).

    Das Buch ist lebendig und
    auch humorvoll geschrieben und lädt die Leser_innen mitzulachen,
    mitzuweinen und sich auf den eigenen inneren Weg zu sich selbst zu
    machen. Ein sehr gelungenes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen
    kann.

  • Es wäre wirklich schön, wenn Du beim Einkopieren aus anderen Schreibprogrammen hier im Editor links oben auf das Kästchen klicken könntest, damit die Zeilenumbrüche aus dem anderen Programm hier nicht mit übernommen werden. Das sieht stellenweise doch ein wenig seltsam aus ;)


    Außerdem wurde dieser Beitrag an den bnereits bestehenden Thread angehängt.

  • Ein überaus buntes und fröhliches Cover, das auf den ersten Blick mit der Inhaltsangabe des Romans nicht übereinstimmt.


    Ewa ist 66 Jahre alt und todkrank, aber sie lässt sich nicht unterkriegen. Für sie ein Grund Haus und Hof zu verkaufen und sich mit ihren 28jährigen Freund Lukas und Hund auf eine Reise durch Europa zu begeben. Es soll eine Erinnerungs-Reise in die Orte werden, die für Ewa eine besondere Bedeutung hatten. Ihre Entscheidung für Lukas entpuppt sich letztendlich als ihre richtige Begleitung.


    Dies ist der Debütroman von Regina W. Egger, der auf eine lebensbejahende Weise von einem schwierigen Thema erzählt. Eine Geschichte, die zum Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit anregt. Ich habe Ewa sehr gerne auf ihrer Reise begleitet.

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Ein Roadtrip mit Startpunkt in Wien und Ziel in Irland - das hat mich sofort angesprochen. Die Konstellation der Protagonisten - todkranke Frau in den 60ern und ein Mann in den 20ern als Freund, Chauffeur und Reisebegleiter - ebenfalls. In beiden Punkten hält das Buch auch, was es verspricht. Die einzelnen Stationen der Reise sind wunderbar beschrieben, und ich habe richtig Lust bekommen, auch mal Straßburg oder die Kathedrale von Winchester zu besuchen, von der Lukas so begeistert ist.

    Dennoch konnte mich das Buch leider nicht so recht begeistern. Den Figuren - besondersn Ewa - wird zwar durch Hintergrundinfos und Geschichten aus der Kindheit Tiefe gegeben, aber ich fühlte trotzdem nicht so recht mit ihnen mit. Womöglich lag es auch am Schreibstil. Die Autorin ist sehr genau, und erwähnt für jeden Reisetag wo es hingeht, was Lukas gemacht hat (Ewa hat größtenteils geruht), was Lukas zu den jeweiligen Mahlzeiten gegessen hat und vor allem auch wann und wo er wieviele Joints geraucht hat. Das mag die Geschichte für die einen plastischer und besser nachvollziehbar machen, für mich fühlte es sich zu 'technisch' an. Wie eine Auflistung im Krankenhausblatt. Es fehlte irgendwie der Pfiff und der Humor im Schreibstil, dann hätte ich dieselbe Geschichte gleich viel unterhaltsamer gefunden.

    Am wenigsten gefiel mir das Buch dann, als die zwei in Irland ankommen und sich Lukas im Handumdrehen mit einer kompletten irischen Familie anfreundet. Das wirkte eher befremdlich auf mich.

  • Ein emotionaler Roadtrip


    Inhaltsangabe:

    Ewa ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und weiß, dass sie nicht mehr lange leben darf. Anstatt ihrer Tochter über ihren Gesundheitszustand zu informieren, beschließt Ewa eine Reise quer durch Europa zu machen und das mit einem Wohnmobil. Da sie aber keinen Führerschein besitzt und nicht alleine reisen möchte, fragt sie ihren Freund Lukas, ob er sie begleiten möchte. Da dieser momentan keinen festen Job hat, entschließt er sich, Ewa auf ihre vorletzte Reise zu begleiten. Zu diesem Zeitpunkt wissen beide noch nicht, wie hart sie an die (Gefühls-) Grenzen stoßen werden.


    Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski ist der Debütroman von Regina W. Egger. Eigentlich ist der Markt schon reichlich bestückt mit Romanen über krebserkrankten Menschen und einige davon habe ich auch schon gelesen. Als ich aber diesen Klapptext gelesen hatte, wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Eine Frau, die den Tod vor Augen hat, erfüllt sich mit dieser Reise noch ihren letzten Wunsch. Das dies nicht emotionslos über die Bühne geht, ist von vornerein klar.


    Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht und angenehm zu lesen. Ab der ersten Seite findet sich der Leser in Ewas und Lukas Leben wieder. Beide Charaktere können unterschiedlich gar nicht sein. Ewa, die sich, ganz egal welche Schicksalsschläge das Leben für sie bereithielt, nicht unterkriegen lassen hat. Sie hat jede Lebenslage getrotzt und auch jetzt, tritt sie selbstbewusst diese Reise an. Lukas hingegen, hat zwar sein Studium beendet, aber im Leben angekommen ist er nicht. Er schlägt sich mit diversen Jobs durchs Leben, konsumiert Drogen und vertrödelt seine Zeit mit Computerspielen. Eine Lebensplanung sucht man bei ihm vergeblich.

    Der Roadtrip der beiden führt den Leser durch diverse Städte von Europa. Dank der detaillierten Kulissenbeschreibungen erhielt ich zahlreiche Eindrücke und Informationen über die einzelnen Stationen. Es macht großen Spaß, die beiden auf ihrer Reise zu begleiten und hier und da hätte ich am liebsten meinen Koffer gepackt und wäre ihnen nachgereist.

    Die Handlung ist eigentlich leicht zu erzählen. Anstatt sich ihrem Schicksal hinzugeben, erfüllt sich Ewa ihren allerletzten Wunsch: sie möchte noch einmal zu den Orten, die für sie eine große Bedeutung haben. Allerdings weiß sie auch, dass dies ihre vorletzte Reise sein wird und demzufolge auch keine leichte. Auf dieser Tour versucht sie auch die Vergangenheit ihres Großvaters zu verarbeiten, indem sie Lukas, in die Geheimnisse, um ihn einweiht. Lukas, der nie Verantwortung für sein Leben übernommen hat, muss jetzt diese für Ewa übernehmen. Allerdings gelingt ihm das nicht so recht und statt über sein Leben mal nachzudenken., hält er an seinem alten Lebensmotto fest. Wird Ewa ihre Reise noch beenden können? Was wird aus Lukas? Wird er sein Leben noch in die richtige Bahn lenken können?

    Dieser Roman zeigt dem Leser, dass man trotz Schicksalsschlag, dennoch an seinen Wünschen und Träume festhalten sollte und wenn eben möglich ist, sich auch noch den einen oder anderen zu erfüllen.



    Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski ist ein sehr emotionaler und nachdenklicher Roman, der mich sehr bewegt zurücklässt. Danke für diesen außergewöhnlichen Roadtrip. Ich würde mich freuen, wenn ich noch weitere Bücher von Regina W. Egger lesen zu dürfen.

    4 von 5 Sterne und dieses Buch würde ich weiterempfehlen!