Elizabeth H. Winthrop - Mercy Seat / The Mercy Seat

  • Buchdetails

    Titel: Mercy Seat


    Verlag: C.H.Beck

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 251

    ISBN: 9783406719042

    Termin: Neuerscheinung März 2018

  • Bewertung

    4.5 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

    90% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Mercy Seat"

    Louisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes. Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.
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  • Über den Autor:
    Elizabeth Hartley Winthrop, 1979 geboren, lebt mit ihrer Familie in Massachusetts. Sie studierte englische und amerikanische Literatur an der Harvard University und erwarb ihren Master of Fine Arts in Fiction an der University of California in Irvine. Sie hat Erzählungen und bislang drei Romane veröffentlicht.
    (Quelle: Amazon)


    Buchinhalt:
    Louisiana 1943: ein elektrischer Stuhl wird in eine kleine Stadt gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, doch niemand stemmt sich dagegen. Was macht das mit den Menschen dort, was mit dem Delinquenten?
    Ich habe bewusst weder den Klappentext noch Amazons Inhaltsangabe genutzt sondern eine eigene, sehr knappe Inhaltsangabe geschrieben, da beide Texte ziemlich viel verraten – für manchen zu viel.

    Das Buch umfasst 250 Seiten unterteilt in vier Teile mit mehreren Kapiteln, die jeweils mit dem Namen desjenigen überschrieben sind, aus dessen Sicht die Dinge gerade erzählt werden. Die Erzählperspektive ist stets in der 3. Person gehalten.
    Übersetzt wurde das Buch von Hansjörg Schertenleib, geboren 1957 in Zürich, der gelernter Schriftsetzer und Typograph ist. Seit 1981 veröffentlicht er Prosa, Lyrik und dramatische Texte. Seine Romane wie der Bestseller Das Regenorchester wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Zwanzig Jahre lang lebte Schertenleib, der auch aus dem Englischen übersetzt, in Irland. Heute pendelt er zwischen der Schweiz und Spruce Head Island in Maine, USA. Zuletzt erschien sein viel gepriesener Roman Jawaka.


    Meine Meinung:

    Elizabeth Winthrop hat den wahren Fall von Willie Francis, der 1946 zum Tode verurteilt wurde, als Grundlage für ihren Roman genommen. Der titelgebende „Mercy Seat“ ist der transportable elektrische Stuhl, der von Ort zu Ort gefahren wird, damit die Vollstreckung des Urteils am Ort des Verbrechens erfolgen kann, damit die Menschen vor Ort die Ausübung der „Gerechtigkeit“ bezeugen und erleben können.
    Erzählt wird der Tag um die Vollstreckung des skandalösen Urteils im tiefen Süden der Vereinigten Staaten im Kriegsjahr 1943 aus Sicht von mehreren Personen. Teils sind diese Menschen direkt von Beginn an in die Vorgänge verstrickt wie z.B. Wills Vater oder der Staatsanwalt Polly, teils sind es zunächst unbeteiligte Personen, die trotzdem in die Vorgänge verwickelt werden. Aber alle Beteiligten sind am Ende nicht mehr die gleichen wie davor, die Vorgänge verändern sie selbst und ihren Umgang mit den anderen. Diese Verflechtungen der erzählenden Personen offenbaren sich über den Verlauf der Geschichte, sind anfangs nicht immer erkennbar und bilden doch am Ende ein rundes Ganzes.

    Die erzählte Geschichte ist ein einziger Weckruf an die Gesellschaft, ein Aufruf aufzustehen gegen Rassismus in der Welt und gegen die Todesstrafe. Das Schicksal Wills lässt den Leser nicht kalt, man wird automatisch in die Geschichte eingesogen und kann nicht unbeteiligt einfach lesen, denn immer wieder bäumt sich die eigene Seele auf gegen die Ungerechtigkeiten, die hier vor Augen geführt werden, und gegen den (noch immer) vorherrschenden Rassismus, der zwangsläufig und unvermeidbar auf das Ende der Geschichte zielt. Besonders am Ende ist das Buch nicht unbedingt etwas für zart besaitete Leser, denn man kann einfach nicht ausblenden, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Aber trotzdem kann ich einfach nicht anders als eine absolute Leseempfehlung auszusprechen – traut Euch, auch wenn der ein oder andere vielleicht lieber gleich einen Stapel Taschentücher oder einen Sandsack neben sich liegen haben sollte.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen

    :study: Irène Némirovsky - Meistererzählungen


  • Das Original :wink: Und es ist einer der wenigen Fälle, wo ich das Cover als wirklich absolut gelungen und passend zur Geschichte empfinde.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen

    :study: Irène Némirovsky - Meistererzählungen


  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Elizabeth Winthrop - Mercy Seat / The Mercy Seat“ zu „Elizabeth H. Winthrop - Mercy Seat / The Mercy Seat“ geändert.
  • Elizabeth H. Winthrop - Mecy Seat


    Will & Grace


    Elizabeth H. Winthrop hat hier in meinen Augen ein wunderbares Werk geschaffen, welches zum Nachdenken anregt. Ich empfand es als einen Aufruf zur Menschlichkeit, und obwohl sich in den letzten Jahrzehnten vieles zum Besseren verändert hat, ist es in meinen Augen immer noch sehr wichtig, dass Menschen zum Nachdenken bewegt werden. jedes harte Herz, welches hoffentlich durch die Lektüre eines Buches, das Anschauen eines Filmes etc. … erweicht wird, ist ein immenser Gewinn.



    Bei diesem Buch besticht in meinen Augen die Handlung, dieses Schwere und Dunkle im Geschriebenen, die Sichtweisen der verschiedenen Personen zu diesem heftigen Thema, alles erzeugt bei mir einen sehr starken Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Wenn man einmal mit diesem Buch angefangen hat, kann man es nicht mehr weglegen.



    Nun ist dieses Buch ein historischer Roman, es spielt 1943 in Louisiana und behandelt den Rassismus in den Südstaaten der USA. Gleichzeitig ist dieses Buch aber auch in die heutige Zeit übertragbar. Der Rassismus in den Südstaaten existiert vielleicht nicht mehr in dieser offenen Form, ist aber trotzdem weiterhin spürbar. Und genauso nehmen diese rassistischen Umtriebe in der ganzen westlichen Welt wieder zu. Die Angst vor dem Fremden grassiert momentan, leider! Dieses Buch zeigt den Menschen hinter den ganzen Vorurteilen und gleichzeitig zeigt es auch, dass es Menschen gab und gibt, die nicht rassistisch denken und bestehendes Gedankengut hinterfragen. Etwas was Mut macht und optimistisch stimmt. Und deshalb kommt dieses Buch auch zu einem sehr günstigen und richtigen Zeitpunkt und ich wünsche ihm viele Leser!



    Zur Handlung: Der junge schwarze Will und die junge weiße Grace lieben sich, in den 40er Jahren in Louisiana. Eine Liebe die zum Scheitern verurteilt ist. Ein bedeutender Faktor für dieses Scheitern ist auch die Tatsache, dass der Vater von Grace ein Mitglied des Klans ist. Die beiden Liebenden werden vom Vater von Grace entdeckt, daraufhin bringt sich Grace um und Will wird wegen Vergewaltigung zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Dieses Situation und die Gedanken zu dieser werden von vielen verschiedenen Personen geschildert, aus vielen Perspektiven beschrieben. Die Mehrzahl der Personen zweifelt an dem Sinn des Urteils und bringt durch deren Überlegungen auch die Menschlichkeit von uns in den Vordergrund. Etwas was mir sehr gefällt, weil wir alle in einer Gesellschaft mit Anderen zusammenleben und empathisch auf unsere Mitmenschen blicken sollten und diese anklagenden Tendenzen klar überdenken sollten. Wie heißt es so schön?: Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Ein Satz über den nachgedacht werden sollte!



    Der Roman ist nicht gefühlsüberfrachtet geschrieben, ist eher in einer ruhigen und beschreibenden Art verfasst, erzeugt aber gerade dadurch bei mir eine ungeheure Tiefe.



    Ich kann nur sagen, unbedingt lesen!

  • Dieses Buch hat durchgehend positive Bewertungen erhalten, sowohl hier als auch beim Amazon. Meiner Meinung nach auch mehr als verdient. Ich habe das Buch geliebt, obwohl es der Thematik nach, nicht das Einfachste war, es zu lesen. Es nimmt den Leser ganz schön mit, und geht an ihm auch nicht vorbei. Emotional gesehen, braucht man schon Kraft um mit solchen Themen wie Todesstrafe, elektrischer Stuhl, Diskriminierung, Rassenfrage, Ungerechtigkeit und Verlust klar zu kommen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mich sehr bewegt hat, und ich musste auch schon mal das Buch weglegen, weil ich erst verarbeiten musste, was ich gelesen habe. Für mich ein ausgesprochen gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle. Ich glaube so schnell, vergisst man die Lektüre nicht. :thumleft:

    2020: Bücher: 75/Seiten: 33 796
    2019: Bücher: 164/Seiten: 66 856
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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