Raphaela Edelbauer – Das flüssige Land

  • Buchdetails

    Titel: Das flüssige Land


    Verlag: Klett-Cotta

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 350

    ISBN: 9783608964363

    Termin: Neuerscheinung August 2019

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Das flüssige Land"

    »Unheimlich, spannend, aberwitzig und kaum zu fassen – einfach fantastische Literatur« Jurybegründung Deutscher Buchpreis (Shortlist) Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund. Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind. »Raphaela Edelbauer überschreitet Grenzen und rückt in unerforschte Gebiete der Literatur vor.« Jurybegründung Rauriser Literaturpreis
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  • Verlagstext

    Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund.

    Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.


    Die Autorin

    Raphaela Edelbauer, geboren 1990 in Wien, wuchs im niederösterreichischen Hinterbrühl auf. Sie studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst, war Jahresstipendiatin des Deutschen Literaturfonds und wurde für ihr Werk »Entdecker. Eine Poetik« mit dem Hauptpreis der Rauriser Literaturtage 2018 ausgezeichnet. Beim Bachmannpreis in Klagenfurt gewann sie 2018 den Publikumspreis. 2019 wurde ihr der Theodor-Körner-Preis verliehen.


    Inhalt

    Ruth Schwarz ist Physikerin und habilitiert sich gerade. Die Nachricht vom Unfalltod ihrer Eltern konfrontiert sie – mitten in der Arbeit an ihrer Antrittsvorlesung - damit, dass sie deren Heimatort Groß-Einland nicht kennt und der Ort in Österreich nicht zu existieren scheint. Um die Beisetzung in der Heimat der Eltern zu organisieren, packt die junge Frau wie für eine Expedition in feindliches Terrain. Durch den plötzlichen Todesfall gerät ihr Leben förmlich ins Rutschen, als würde ein Schiff im Sturm hin- und hergeworfen. Ähnlich einer Mindmap entsteht allmählich vor Ruth ihre Familiengeschichte als an den Rändern weiterwucherndes Lebewesen. Bäume spielten eine wichtige Rolle darin. Der Großvater nahm als Holzfäller noch direkt wahr, ob ein Baum krank oder gesund ist, ihr Vater, der in diese Welt eingeführt wurde, kaum dass er laufen konnte, interessierte sich schon als Kind ganz wissenschaftlich dafür, was im Innern einer Pflanze passiert. In der Fantasie ihrer Mutter existierte eine Welt, in die man mit einer Leiter hinabsteigen und dort Dinge finden konnte. Wie Ruth in der dritten Generation als Physikerin die Dinge sieht, ist Thema des Romans. Groß-Einland schließlich, (der Ort, der angeblich nicht existiert) konfrontiert die Besucherin mit einem realen Berg, der offiziell und illegal jahrhundertelang ausgehöhlt, nach Bodenschätzen durchsucht, verfüllt und wieder bebaut wurde. In der Gegenwart senkt sich das Gelände in rasantem Tempo, Spalten bilden sich, Gebäude zerfallen, ein gewaltiges wirtschaftliches Problem. Es gibt in Groß-Einland kaum Beobachtungen, denen durch Erinnerungen der Einheimischen, Legenden oder Dokumente nicht weitere Facetten hinzugefügt werden können. So wurden die Bergwerksschächte im Nationalsozialismus genutzt und dienten anschließend dazu, Dinge und Spuren zu verbergen, derer man sich schämte. Man könnte sich fragen, ob dieses Loch ein Lebewesen ist, das die Menschen versklavt, was wiederum ein starkes Symbol sein könnte für reale Probleme außerhalb der Puppenstuben-Welt von Groß-Einheim. Auch wenn Ruth ein Arbeitsplatz angeboten wird, fühlt sie sich für die Probleme der Stadt nicht qualifiziert, schließlich ist sie keine Geologin.


    Fazit

    Raphaela Edelbauer lässt ihre Leser stets spüren, dass zu Ruths Wahrnehmung als Icherzählerin weitere Facetten existieren, abweichende Erinnerungen, Erzählungen verschiedener Zeitzeugen, unterschiedliche Interpretationen. Ruth könnte sich in einem fantastisches Szenario befinden, das nur in ihrem Kopf existiert, sie könnte ebenso gut an Wahnvorstellungen leiden – und sie wird aus ihrer Welt immer wieder herausgeholt und in eine andere Realität gestellt. Aus Ruths Sicht ist die Landschaft ständig aktiv, verflüssigt sich, durchdringt Gegenstände. Wie jemandem Dinge entgleiten, Zeitabläufe sich verselbstständigen und Proportionen sich verschieben, das beschreibt die Autorin sprachlich originell wie beängstigend. Neben der Gratwanderung zwischen Ruths psychischer Angeschlagenheit und realen Ängsten um Heimat, die wohl jeder empfindet, bietet das ehemalige Bergwerk eine reiche Symbolik um Mythen, das Verbergen, sich Opfern, Versklaven und die Gier nach Reichtümern. Icherzähler im Roman sind ein Wagnis, das komplett scheitern kann. Edelbauers Icherzählerin Ruth, als Physikerin eher nüchtern im Urteil und mit einem Missmut gegenüber Perlenketten, erlebe ich als spröde Person, die mir die Augen für erstaunlich viele Facetten von Heimat, Landschaft und Zeit geöffnet hat. Ein grandioser Roman.


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    :study: -- Volders - Norden

    :study: -- Schnetzer - Wenn Haie leuchten

    :musik:-- Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: Wahr, falsch, plausibel. Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Mit diesem Roman hatte ich meine Mühe und fand ihn doch am Ende recht gut, wenn auch nicht sehr gut. Als LeserIn muss man sich darauf einlassen, das absurde Geschehen, das die Protas einfach als gegeben hinnehmen, ebenfalls ein Stück weit hinzunehmen - und dennoch dabei nicht die kritische Distanz zu verlieren, um das mögliche Anliegen des Buches im Blick zu behalten.


    Hierin besteht nun direkt einer meiner Kritikpunkte: Wenn in einem dystopischen Roman schon Bezüge zu historischen Ereignissen hergestellt werden, dann würde ich mir wünschen, dass diese entweder so deutlich werden, dass es am Ende auch zu etwas Konkretem führt, oder vage genug bleiben, dass man als LeserIn komplett seine eigenen Parallelen hineininterpretieren kann. Wie das in diesem Roman gehandhabt wird, hat mich am Ende unzufrieden zurückgelassen.


    Es ist der Autorin m.E. sehr gut gelungen, eine surreale Atmosphäre zu schaffen, in der Realität und Psychosen verschwimmen und teils aberwitzige, aber meist pointierte Dialoge dem Geschehen rund um das grausige "Loch" verblüffende Wendungen geben. Die impliziten Fragen danach, was Realität und was Konstrukt ist, wer Wahrheit und Lüge, Geschichte und Gegenwart definiert und wie man am Ende Probleme löst oder "unter den Teppich kehrt", fand ich auf spannende Weise aufgegriffen und musste oft traurig schmunzeln, denn so weit ist das Absurdistan Groß-Einlands ja manchmal gar nicht von den realen Verhältnissen in Politik und Wirtschaft entfernt - eine Erkenntnis, die die Autorin natürlich beabsichtigt.


    Mit den vielen physikalischen Erörterungen konnte ich leider nichts anfangen und hatte auch Mühe, das oft unrealistische Verhalten der Ich-Erzählerin zu ertragen. Andererseits hat das surreale Setting auf mich auch eine Sogwirkung entfaltet, die dazu geführt hat, dass ich den Roman flott ausgelesen habe. Was er mir sagen möchte, frage ich mich allerdings auch mit etwas Abstand immer noch:



    Die Sprache des Romans und die oft ungewöhnlichen Bilder haben mir gefallen, wenn auch manche begrifflichen Besonderheiten des Österreichischen meinen Lesefluss gehemmt haben und ich mich ein wenig nach einem Glossar gesehnt habe. Noch mehr aber hätte ich mir gewünscht, dass das Korrektorat an passenden Stellen ein paar Kommas verteilt und Tippfehler ausgemerzt hätte. Man sollte sich bei einer Folgeauflage vielleicht auch entscheiden, ob die Gräfin nun Ulrike oder Ursula heißt... :lol:



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    Lg Sarange


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