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Innere Stimme – Das Loch im Charakterprofil?

  • Wenn man den Begriff „Innere Stimme“ liest, denkt man vielleicht zuerst an sehr abstrakte bis metaphysische Dinge oder an Leute, die „Stimmen hören“ oder an das Klischee der Engelchen und Teufelchen auf der Schulter des Protagonisten. Hinter dem Begriff verbirgt sich aber auch etwas, das für die lebendige Darstellung einer Figur viel wichtiger sein könnte, weil sie die grundlegende Art wie jemand denkt betrifft.


    Denken kann verbal (in Wörtern und Sätzen) ablaufen, aber auch in Mustern oder über Visualisierungen ablaufen. Welche Methode jemand verwendet ist offenbar nicht nur situationsabhängig, nein, es gibt Menschen, die überhaupt nicht verbal oder visuell denken können und bei denen, die es vermögen, werden die Denkarten sehr unterschiedlich stark verwendet.

    Mehr noch: Wer tatsächlich in einem inneren Monolog denkt, kann diesen „hören“ oder auch nicht. Und bei inneren Dialogen (also dem Durchdenken von Wörtlicher Rede) kann die Audioerfahrung fehlen, sie kann stets in der eigenen inneren Stimme ablaufen, ein einheitliches Repertoire von Fremdstimmen verwenden oder auch differenziertere für bestimmte Personen.


    Als ich heute Morgen ein Youtubevideo zu dem Thema sah, war mir sofort klar, dass ich zwar manches davon schon intuitiv berücksichtigt haben dürfte, dass die bewusste Befassung damit, wie es mit der „Inneren Stimme“ der Charaktere aussieht und deren Aufnahme in Charakterprofile einen enormen Qualitätsgewinn erlauben müsste. Bei allen Hinweisen, was man über Charaktere wissen sollte (vom Aussehen über die Einstellung zu politischen Fragen und süßen Katzenvideos bis hin zur kompletten Lebensgeschichte wird einem da ja zu praktisch allem geraten) fehlt dieser Aspekt aber regelmäßig, obwohl er in allen Romanen, die direkte Einblicke in die Gedankenwelt von Charakteren erlauben eine Rolle spielen müsste und sich sicherlich oftmals auch indirekt widerspiegeln sollte.


    Wie sieht das bei euch aus? War euch das Ausmaß der Unterschiede im Bereich der inneren Stimme (im hier beschriebenen Sinne) bewusst und nehmt ihr sie bereits gezielt in Charakterprofile (sofern ihr welche erstellt – vielleicht wäre ein eigener Thread zu diesem übergeordneten Thema auch interessant) auf?

  • Das Thema hat mich einmal in meinen Büchern suchen lassen. Ich fand dazu: Friedemann Schulz von Thun - Miteinander Reden (Das "Innere Team" und Situationsgerechte Kommunikation).


    In meinem Erstling habe ich wichtige Gedanken und Entscheidungsprozesse der Hauptfiguren kursiv dargestellt. Grundsätzlich halte ich eine solche Herangehensweise für notwendig, um den Charakteren Tiefe zu geben. Haben wir doch alle mehrere Stimmen in uns, nicht nur Engelchen und Teufelchen, sondern auch die Rationale Stimme und die Emotionale Stimme, die fast immer lauter ist. Dazu gesellt sich noch ein ganzer Chor weiterer Stimmen.


    Doch um den Leser nicht zu ermüden, sollte man das nicht übertreiben. Allerdings könnte man durchaus auch die Zerrissenheit einer Person darstellen, die sich nicht entscheiden kann, da sie zu viele Stimmen "hört".


    Manche Menschen "hören" die Gedanken und Warnungen aber nicht. Das darzustellen, dürfte schwierig werden.


    Dieses Thema ist aber so vielschichtig, das es hier nicht abschließend behandelt werden kann.

  • Das darzustellen, dürfte schwierig werden.

    Mehr oder weniger, würde ich sagen. Ein paar Mittel sehe ich da schon. Im einfachsten Fall kann man schreiben "In seinen Gedanken hörte er die Stimmen von x und y. ..." Das gleiche kann man für eigene Gedanken machen. Oder für jemanden, der nur visualisieren kann, beschreibt man eben nur Visualisierungen. Es in Kursiv zu setzen ist ja so oder so in der Schriftstellerei Usus (wenn auch nicht alternativlos).
    Was mich an der Fragestellung mehr bewegt hat, ist die Tatsache, dass ich das bei der Charaktererschaffung bisher überhaupt nicht bewusst berücksichtigt habe. Ich kenne Wortwahl, Bildungsstand und Satzbaupräferenzen meiner Charaktere und dazu ihre Meinungen und Emotionen. Aber WIE sie denken und dass es da überhaupt derartige Unterschiede gibt, das stand nicht auf dem Plan.

  • Es in Kursiv zu setzen, scheint mir momentan die beste Methode zu sein. Ich überlegte auch, hier eine andere Farbe zu verwenden. Doch das wäre dann beim Drucken wieder schwieriger geworden.


    WIE sie denken, also in welcher Form, meinst du? Das kann sicher sehr unterschiedlich sein. Stimmen hören kann ja auch ein Befund sein :D


    Dazu müsste ich mich in diese Menschen hineinversetzen können und z. B. deren Bilder oder Träume sehen. Vielleicht nehmen manche Menschen Dinge auch in Farben wahr oder Melodien und Harmonien.


    Wichtiger erscheint mir die Frage zu sein, WAS sie denken. Das kommt dann wieder auf das Genre an. Schreibe ich einen historischen Roman, dann sollten die Handlungen und die sie auslösenden Gedanken und Triebfedern, auch in den geschichtlichen Kontext passen. Dies wiederum setzt ein intensives Studium der Epoche und Kultur voraus, über die man schreiben möchte. Beschreibe ich einen römischen Soldaten, dann sollte sein Handeln auch in diese Zeit passen. Wähle ich eine Cheyennefrau, dann muss ich mich mit ihrer damaligen Kultur auseinandersetzen. Dies ist für mich unerlässlich, wenn ich einen ernsthaften historischen Roman verfassen wollte.


    Im Bereich der Fantasy oder Science Fiction bin ich da freier, aber auch da muss dies im Kontext meiner beschriebenen Welt stehen. Naturgesetze gelten für mich auch in der Fantasy. Wähle ich ein Alienvolk, dann gilt auch für dieses ein bestimmter Handlungsrahmen, wie z. B. die Erhaltung ihrer Art oder das Streben nach Körperlosigkeit. Ich meine das Fortbestehen als reine Energie/Bewusstsein.


    Hinzu kommen auch gewisse religiöse Aspekte usw.


    Ich finde es gut, dass du eine solche Frage hier gestellt hast, weil sie mich wieder zum Nachdenken gebracht hat. Als ich mit meinem Roman begann, waren es eben diese Fragen, die mich nicht mehr losgelassen haben. Eine andere Welt zu schaffen, welche in sich realistisch ist und eben doch nicht immer dem menschlichen Beispiel folgt, war in der Tat eine Herausforderung. Dazu gehören auch die inneren Prozesse in einer Figur, eben der innere Rat mit den verschiedenen Stimmen (der Warner, der Vorsichtige, der Tapfere, die Zweifler, der Optimistische usw.). Am Ende setzt sich dann eine der Stimmen durch. Nicht zu vergessen die sogenannten niederen Instinkte, also das "Tier" in einer Figur und der Grad des höheren Bewusstseins.

  • Schönes Thema, vor allem interessant und komplex.

    Interessant ist dein Thema aus dem Grund, Martin, da ich gerade an einer solchen Geschichte schreibe, in der die Thematik "innere Stimme, Intuition, rationales oder emotionales Denken" indirekt aufgegriffen wird.


    Wo fängt die innere Stimme an, wo hört sie auf?

    Komplexes Thema in der Hinsicht, dass jeder Mensch die innere Stimme anders definiert, sie - wie ihr beide schon sagtet - auf verschiedene Weise wahrnimmt. Das Abwägen bestimmter Situation, gerade in der Belletristik, kann daher auch auf zweierlei Art aufgegriffen werden. Das Denken dahinter, das Fühlen halte ich für ein gelungenes Element, um den Partner im Rollenspiel oder den Leser einer Geschichte tiefer blicken zu lassen. Ein Hineinfühlen in einen Charakter, um sich für den Moment mit ihm identifizieren oder sich von ihm zu differenzieren zu. Dank der Wortgewalt der Sprache, der umfassenden Möglichkeiten der Linguistik generell, nutze ich selbst dabei mehrere Möglichkeiten, dabei die Handlung der Geschichte selbst berücksichtige.


    Das sachliche Überdenken einer Situation wird von mir in den Text eingebunden, nicht einmal groß angekündigt, wird jedoch, meiner Meinung nach, deutlich ersichtlich, dass es sich um inneres Abwägen, um gedankliche Vorgänge handelt. Dabei verwende ich auch die typische Umgangssprache, da ich es für angemessen und menschlich halte.

    Beispiel:

    Seine Brauen rücken zusammen und seine Hand legt sich ein wenig stockend auf sein Herz. Was, bei allem Respekt zu den Göttern, war das, was sich da in ihm ausbreitete? Dumpf, hohl und zugleich erfüllt es den gestandenen Viking mit einem Gefühl von Leere, lässt ihn fast darin ertrinken. Konnte es die gleiche Empfindung sein, die er sonst bei „seinen“ Frauen hinterließ, wenn er sich nach einer leidenschaftlichen oder auch langweiligen Nacht von einer Frau verabschiedete in dem Wissen, dass sie nicht noch einmal sein Lager oder seine Nähe teilen würde? Wurde ihm hier gerade ein göttlicher Spiegel seines eigenen Verhaltens vorgehalten?

    Zudem empfinde ich es als Möglichkeit, mich selbst tiefer in den von mir erdachten Charakter einzufinden, ihn näher kennenzulernen und ihm Tiefe zu geben.


    Engelchen und Teufelchen bekommen hingegen eine indirekte wörtliche Rede, ebenso das "mit sich selbst reden", das "lauter denken".

    Beispiel:

    ‚Du bist nicht normal‘, flüstert das kleine Teufelchen in ihr daraufhin und wird vom Engelchen abgelöst, das ein verteidigendes ‚…und das ist auch gut so, normal kann ja jeder‘ anbringt. Innerlich zufrieden, grinst Julia vor sich hin...


    Ein guter Freund sagte vor langer Zeit zu mir, dass es für ihn ein Erlebnis ist, wenn er in einen meiner Charaktere eintauchen darf, etwas von seinen Gefühlen wahrnimmt, als wären sie für ihn greifbar. Seine Äußerung hat mich berührt, weshalb ich seine Worte lebendig halte, indem ich sie weiterhin beherzige.Auf jeden Fall ist es - für mich - gerade äußerst entspannend, diese Geschichte zu schreiben und auch interessant im Sinne von "den eigenen Stimmen lauschen", um realitätsnah zu bleiben. Es bringt mich bisweilen ehrlich zum Lachen oder führt im Gegenzug zum Kopfschütteln.


    Daher nochmal: Ein sehr schönes Thema, weshalb es mich gleich in den Fingern gejuckt hat, um eine Antwort zu verlassen.

    Danke :)

    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
    sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


    Jean-Jacques Rousseau

  • Zwar ist es richtig, dass jeder Mensch anders denkt - aber es gibt, wie eingangs geschrieben, auch Menschen ohne 'innere Stimme'.

    Die keinen inneren Monolog führen.

    Die noch nicht mal Sätze denken, sondern einfach 'sagen', was sie bewegt.

    Für diese gibt es beim Lesen nur die innere Struktur des Satzes und damit erschliesst sich ihnen der Sinn des Textes.

    Es ist schwer es sich vorzustellen!

    Ich bin auch eher durch Zufall auf diesen Umstand gestoßen, und selber überrascht, dass es sowas gibt.


    https://www.youtube.com/watch?v=YxVFjX4qxC4 (deutsch)

    https://www.youtube.com/watch?v=u69YSh-cFXY (englisch)

    Statistik 2020: Bücher: 3 <:~:> PR-Classics: 19 <:~:> ATLAN: 49/850 <:~:> Perry-Rhodan: 3057/3058
    Perry Rhodan EA Aufholgjagd: akt. Stand: 699 / 2874 << 2015: 73 << 2016: 215 << 2017: 159 << 2018: 152 << 2019: 79 << 2020: 19

    :study:: Martin Windrow - Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank (~85%) <:~:> Kristallmond-Zyklus (~16%)

    "Du kannst nicht den ganzen Tag lesen, wenn du nicht morgens schon anfängst!" -BookCushion

  • Ich bin auch eher durch Zufall auf diesen Umstand gestoßen, und selber überrascht, dass es sowas gibt.

    Das sind dann die Menschen, die bei der Frage »Was denkst du gerade?« antworten: »Nichts.« Mein Mann gehört dazu :lol:

    "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt." (Simon Stiegler)

    Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein

  • Das sind dann die Menschen, die bei der Frage »Was denkst du gerade?« antworten: »Nichts.« Mein Mann gehört dazu :lol:

    Ja, meine Tochter gehört auch dazu.^^

    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
    sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


    Jean-Jacques Rousseau

  • Achtsamkeit beginnt dort, wo das Eigeninterview aufhört, wo der Blick sich ungeteilt auf das Gegenüber richtet, wertungsfrei und konzentriert.

    Hrm... und ich denke, nicht zu urteilen, ist da um einiges wichtiger, auch wenn's teilweise schwer fällt.

    Ist jedoch nur meine persönliche Meinung. :)

    Achtsamkeit erfordert auch einmal, seine Gedanken und Sinne auf sich oder die Umwelt zu konzentrieren.

    "Nichts" zu denken, ist dabei schon wichtig. :-,

    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
    sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


    Jean-Jacques Rousseau

  • Achtsamkeit beinhaltet beide Seiten. Der Blick nach innen, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und inneren Frieden zu schließen. Dies ist gewissermaßen Voraussetzung für Achtsamkeit nach außen, der Umwelt gegenüber und dem Gesprächspartner gegenüber.

    “Der erste Friede, der wichtigste ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihre Harmonie mit dem Universum einsehen und wissen, daß im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt und dass diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns – dies ist der wirkliche Friede, alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon. Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird, und der dritte ist der zwischen Völkern. Aber vor allem sollt ihr sehen, dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann, wenn nicht der erste Friede vorhanden ist, der, wie ich schon sagte, innerhalb der Menschenseelen wohnt.”

    Zitat von Hekaka Sapa, Black Elk

  • Achtsamkeit beinhaltet beide Seiten. Der Blick nach innen, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und inneren Frieden zu schließen. Dies ist gewissermaßen Voraussetzung für Achtsamkeit nach außen, der Umwelt gegenüber und dem Gesprächspartner gegenüber.

    Daher sagte ich, dass Achtsamkeit dort beginnt, wo das Eigeninterview aufhört.

    Wer mit sich selbst beschäftigt ist, nicht im Reinen mit sich, der kann seine ungeteilte Aufmerksamkeit nicht auf sein Gegenüber legen. Wer sich selbst kennt, der muss sich nicht interviewen und ich bin der Auffassung, dass ein ausgeglichener, mit sich zufriedener Mensch einzig seine innere Stimme befragt oder ihr zuhört. Intuition befragen und entscheiden, ob letztlich Herz oder Verstand entscheiden soll. Eine gesunde Mischung, die sich zumeist bewährt.

    Eine Entscheidung ist letztlich nur dann falsch, wenn man nicht mit den Folgen leben kann oder will. Es gibt kein Handeln, dass ohne Folgen bleibt.


    Liebe Grüße

    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
    sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


    Jean-Jacques Rousseau

  • :-k Ich weiß ja nicht, ob Ihr Autoren hier nur für Euch selbst oder so vor Euch hinschreibt (nicht böse gemeint!!!), aber ich kapiere nichts.

    Wörter wie "Achtsamkeit", "Eigeninterview" oder ähnliches sind für mich Worthülsen. Irgendwann in den letzten Jahren sind sie entstanden, man hört sie hier und da, aber sie drücken für mich nichts aus. [-( So geht es mir mit etlichen Vokabeln, mit denen man sich um die eigene Befindlichkeit dreht.


    Aber lasst Euch von mir, einer maulenden Leserin, nicht Euren Spaß verderben. :)

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Achtsamkeit bedeutet im Hier und Jetzt zu sein. Oft befinden sich die Menschen in der Vergangenheit oder denken in die Zukunft.

    Das finde ich, ist nicht immer so einfach.

  • :-k Ich weiß ja nicht, ob Ihr Autoren hier nur für Euch selbst oder so vor Euch hinschreibt (nicht böse gemeint!!!), aber ich kapiere nichts.

    Wörter wie "Achtsamkeit", "Eigeninterview" oder ähnliches sind für mich Worthülsen. Irgendwann in den letzten Jahren sind sie entstanden, man hört sie hier und da, aber sie drücken für mich nichts aus. [-( So geht es mir mit etlichen Vokabeln, mit denen man sich um die eigene Befindlichkeit dreht.


    Aber lasst Euch von mir, einer maulenden Leserin, nicht Euren Spaß verderben. :)

    Ich kann nur für mich reden, aber ich schreibe nicht nur als Autorin vor mich hin, bin beruflich im psychologischen Bereich tätig, wo diese Wörter recht häufig und mit Hintergrund Anwendung finden, weshalb mich die aufgegriffene Thematik "Innere Stimme" gleich mehrfach angesprochen hat.

    Achtsamkeit ist für mich kein hüllenloses Worte, gebe ich seit Jahren meiner Tochter mit auf den Weg, ob zu Schule, in die Freizeit oder hin zu sonstigen Aktivitäten. Selbst in meiner Schwangerschaft war es für mich von großer Bedeutung, auf das entstehende Leben in mir zu achten und selbst als aktive Autofahrerin hat es für mich eine große Relevanz.

    Und nein, Diskussionen haben, meiner Meinung nach, nie einen bösen Hintergrund, begründen eher berechtigtes Interesse. :)


    P.S.: Das Wort Achtsamkeit findet bereits im Buddhismus Verwendung. *zwinker*

    Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
    sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


    Jean-Jacques Rousseau

  • :-k Ich weiß ja nicht, ob Ihr Autoren hier nur für Euch selbst oder so vor Euch hinschreibt (nicht böse gemeint!!!), aber ich kapiere nichts.

    Wörter wie "Achtsamkeit", "Eigeninterview" oder ähnliches sind für mich Worthülsen. Irgendwann in den letzten Jahren sind sie entstanden, man hört sie hier und da, aber sie drücken für mich nichts aus. [-( So geht es mir mit etlichen Vokabeln, mit denen man sich um die eigene Befindlichkeit dreht.


    Aber lasst Euch von mir, einer maulenden Leserin, nicht Euren Spaß verderben. :)


    Ob "Achtsamkeit" und "Eigeninterview" Fachworte sind, die für das Schreiben eine Bedeutung haben, möchte ich nicht beurteilen. Eigentlich ging es im Thread jedenfalls um andere Fragen:

    Wer tatsächlich in einem inneren Monolog denkt, kann diesen „hören“ oder auch nicht. Und bei inneren Dialogen (also dem Durchdenken von Wörtlicher Rede) kann die Audioerfahrung fehlen, sie kann stets in der eigenen inneren Stimme ablaufen, ein einheitliches Repertoire von Fremdstimmen verwenden oder auch differenziertere für bestimmte Personen.

    Das sind Eigenheiten von Personen, also auch von Charakteren in Büchern und sollten sich folglich in der Darstellung der Figuren niederschlagen. Im Kern ging es darum, ob und inwieweit andere Autoren sie bereits berücksichtigen, ob das systematisch und gezielt oder eher intuitiv geschieht, welche Relevanz dem Beigemessen wird oder ob es ein dahingehendes Problembewusstsein vielleicht gar nicht gibt.
    Immerhin können Autorinnen und Autoren nicht in andere Köpfe schauen. Dass Menschen Unterschiedliche Dinge denken und meinen und unterschiedliche Emotionen haben oder dass sie dümmer, klüger, gebildeter oder auch selbstbezogener oder offener sein können, ist wohl allgemein im Bewusstsein angekommen und gehört zu Charakterprofilen dazu.
    Die Art und Weise, wie Denkprozesse sich gestalten, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mich zum Beispiel nicht erinnern, jemals ein Buch gelesen zu haben, bei dem die Gedankenwelt eines Charakters mehr oder weniger ausschließlich in Bildern funktioniert. Ich würde auch mutmaßen, dass diese Denkweise für Schriftsteller regelmäßig fremd sein muss, weil der Schreibprozess ein Denken in Sprache erfordert.
    Die Auswirkungen sind, wie gesagt, ganz praktischer Natur. Über den gleichen Gedanken müsste man für einen Charakter schreiben: "Klaus dachte: ´Der Typ ist aber Blöd´", für einen anderen hieße es "Das Gesicht von XY blitzte in Peters Geist auf und Peter sah sich selbst, wie er sich mit dem Finger an die Stirn tippte" oder aber auch: "Peter sah YX in Gedanken mit einer Narrenkappe auf dem Kopf".

  • Eigentlich ging es im Thread jedenfalls um andere Fragen:

    Das dachte ich auch. :idea:

    Eigenheiten von Personen, also auch von Charakteren in Büchern

    Es geht also um einen Bereich, der für das Schreiben und die Personenzeichnung wichtig ist, und den jeder Autor beherrschen sollte. Soweit kann ich folgen und bin der gleichen Meinung.


    Aber was dieses handwerkliche und literarische Können jetzt im einzelnen mit Achtsamkeit und Eigeninterview zu tun hat, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht bin ich einfach nur in den falschen Genres unterwegs. :(


    (Falls "Eigeninterview" dasselbe ist wie "Selbstgespräch" weiß ich natürlich, was das ist.:) )

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