Andreas Pflüger - Geblendet

Geblendet

4.2 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

Band 3 der

Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 508

ISBN: 9783518428955

Termin: August 2019

  • Kurzmeinung

    Irrlicht
    die ganze Reihe ist auf einem sehr hohen Niveau, für mich stimmte alles
  • Kurzmeinung

    Smoke
    starker Abschluss der Trilogie, aufwühlend und auch ein bisschen anstrengend
  • Kurzbeschreibung


    Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron setzt alle Hoffnungen in eine Therapie, die ihr das Augenlicht zurückgeben soll. Doch die Männer, die im letzten Winter für sie starben, lassen sie nicht los. Aaron weiß, was sie ihnen schuldet und muss sich die Frage stellen, was schwerer wiegt: ihr Seelenheil oder Gerechtigkeit für die Toten.


    Jenny Aaron musste viele Male über Leben und Tod entscheiden, oft in Sekundenbruchteilen. Nie hat sie gezögert. Doch jetzt steht sie an einem Scheideweg. Was ist wichtiger: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen?


    Es ist niemals leicht lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Denn es ist nur noch ein Hauch bis zu ihrer Auslöschung.

    Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?


    Andreas Pflügers neuer Thriller um die blinde Heldin Jenny Aaron ist eine adrenalingeladene Achterbahnfahrt durch die Finsternis und die gnadenlose Bilanz eines Lebens, das womöglich auf einer Lüge aufgebaut ist.



    Autor


    Andreas Pflüger wurde im Oktober 1957 in Thüringen geboren. Er wuchs im Saarland auf und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Zu seinen Werken gehören Theaterstücke, Drehbücher für Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele und Romane. Zuletzt erschien von ihm »Niemals« - der zweite Band seiner Trilogie um die blinde Polizistin Jenny Aaron.



    Meine Meinung


    Nach ENDGÜLTIG und NIEMALS ist GEBLENDET der letzte Band der Trilogie mit der Elitepolizistin Jenny Aaron. Die Aufmachung eines jeden Bandes hebt sich positiv von anderen Neuerscheinungen ab. Die farbliche Gestaltung und dazu die Braille-Schrift, hier hat sich ein Verlag besonders viel Mühe gegeben. Im Bücherregal ein echter Hingucker.


    Gleich vorneweg - um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, empfiehlt es sich hier auf jeden Fall die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn es gab u. a. ausführliche Erläuterungen zur Blindheit und Aarons Umgang damit, die nicht mehr wiederholt werden.


    In diesen Band beschäftigt sich Aaron sehr viel mit sich selbst. Sie hat die Chance, durch eine spezielle Therapie ihr Augenlicht wieder zu bekommen, allerdings muß sie sich mit den Nebenwirkungen auseinandersetzen, daß ihre anderen Sinne darunter leiden werden. Das ist nicht einfach und erfordert sehr viel Kraft und Energie von ihr, die sie eigentlich anderweitig bräuchte. Gleichzeitig hat sie in diesem Band mit Malin eine Gegnerin, die ihr sehr ähnlich ist – sowohl im positiven als auch im negativen Sinn und vor allem, sie ist genauso kampfstark wie sie. Die beiden verbindet viel mehr als auf Anhieb zu erkennen ist. Sie hatten eine ähnlich gelagerte Ausbildung durch den jeweiligen Vater, wurden beide in asiatischer Kampfkunst unterwiesen, gehen bis zum Äußersten und waren bzw. sind blind. Aaron und Pavlik stehen in diesem Band vor großen Herausforderungen, die sie gemeinsam bewältigen müssen, denn Malin will sie töten, weil sie davon ausgeht, daß die beiden Schuld an dem Tod ihres Vaters trugen.


    Der Lesefluß kam bei mir dieses Mal nicht so recht zustande. Das war zum einen bedingt durch die Rückblenden und zum anderen trugen die Gespräche zwischen Kisho und Aaron dazu bei. Nicht, daß diese uninteressant waren, aber in dem Moment wurde der Fokus in eine andere Richtung gelenkt.


    Sehr gut gefiel mir das Vertrauensverhältnis zwischen Aaron und Pavlik und am Ende der feinfühlige Umgang mit den Verwandtschaftsbeziehungen von Malin (detaillierter möchte ich nicht werden). Auf den letzten Seiten wird klar Jenny Aaron ist fertig erzählt!


    Natürlich fehlt es in diesem Thriller nicht an Action, Gewalt, Blut und Leichen. Für mich schreibt der Autor intelliegent und komplex, fern von 08/15-Thrillern. Er hat eine sachliche, ruhige und schnörkellose Sprache und seine intensiven Recherchen auf vielen Gebieten merkt man in jedem Satz. Trotzdem wird dieser Abschluß der Trilogie nicht mein Lieblingsband werden.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Jenny Aaron ist eine taffe Frau, die sich nach ihrem Einsatz in Barcelona viel verloren hat. Sie verlor nicht nur das Augenlicht, sondern auch ihren Geliebten. Aber sie hat sich ins Leben zurückgekämpft und da sie nicht sehen kann, ihre anderen Sinne trainiert. Ihren neuen Job kann sie genauso effektiv ausüben, wie ihren früheren. Als Verhörspezialistin und Fallanalytikerin beim BKA erspürt sie nun das, was nicht so offensichtlich ist. Sie ist intelligent und sensibel.

    Doch nun steht sie vor einer Entscheidung. Entweder macht sie die Therapie, die ihr das Augenlicht zurückbringen könnte, oder sie kehrt zurück in ihre Abteilung, wo ihre Hilfe dringend benötigt wird, wenn die Abteilung weiter bestehen soll. „Es ist niemals leicht“ lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt in diesem Moment ganz besonders für Aaron. Aber das Spezialkommando bedeutet ihr sehr viel und so trifft sie ihre Entscheidung.

    Dieses Buch ist nach "Endgültig" und "Niemals" das Finale der Reihe um die blinde Jenny Aaron, die Verhörspezialistin und Fallanalytikerin beim BKA ist. Es ist empfehlenswert, alle Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Auch dieser Band ist wieder sehr spannend.

    Schon am Anfang geht es beklemmend los, als ein Vater seine Tochter zur Killerin ausbildet, dabei ist sie noch ein Kind.

    Malin will Jenny töten, weil sie Jenny dafür verantwortlich macht, dass der Vater tot ist. Ihre Gedankengänge sind gut beschrieben. Aber besonders interessant fand ich es mitzuerleben, wie Jenny mit sich ringt, um ihre Entscheidung zu treffen. Man kann sich gut in sie hineinversetzen.

    Der Schreibstil ist anspruchsvoll, aber gut zu lesen. „Geblendet“ hat mich wieder von Anfang an gepackt.

    Ein sehr spannender und packender Abschluss der Trilogie, die mir gut gefallen hat.

  • Jenny Aaron ist vor fünf Jahren in den Kopf geschossen worden und ist dabei erblindet. Sie hat ihre anderen Sinne dermaßen geschärft, sodass sie fast ohne fremde Hilfe durchs Leben kommt. Eine unerwartete 'Erbschaft' von 2 Milliarden Euro könnte ihr das Leben versüßen. Nun hat sie von einer Methode gehört, die ihr eventuell das Augenlicht zurückgibt und sie beginnt mit der Behandlung; stellt bald aber fest, dass ihre geschärften anderen Sinne wohl wieder auf das alte Niveau zurücksinken. Was ist, wenn sie weiter macht? Kann sie dann eventuell doch nicht richtig sehen? Als ein neuer Fall ihre Hilfe verlangt, muss sie sich entscheiden, das Risiko der Augen OP oder ihren Kollegen und Freunden zu helfen. Sie entscheidet sich für den Fall und trifft auf Malin eine ebenbürtige Gegnerin.

    Dies ist der dritte und Abschlussband der Trilogie um Jenny Aaron. Ich habe die drei Bände der Reihe nach gelesen und kann das nur weiterempfehlen, da einem sonst einiges an Vorwissen fehlt. Mir persönlich hat der dritte Band am besten gefallen. Herr Pflüger hat sich sehr viel Mühe mit seinen Recherchen gegeben, denn die Begebenheiten fühlen sich alle real an, sodass das Lesen Freude gemacht hat. Die Gestaltung des Buches ist Geschmackssache. Der gelbe Einwand, der in verschwommenen Buchstaben und zusätzlich in Braille Schrift abgebildet ist, passt gut zu der Reihe. Der schwarze Buchschnitt hat mich zwischendurch etwas irritiert, denn manche Seiten sahen mit dem schwarzen Rand aus wie Traueranzeigen. Von anderen Büchern weiß ich, dass die Buchschnitte nach mehrmaligen Lesen unschön aussehen. Weniger ist manchmal mehr.

    Ich bedanke mich bei Vorablesen und dem Suhrkamp Verlag, die mir ein Exemplar zeitnah und kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

    4,5* und Lesempfehlung für die Trilogie

  • Hoffnungsschimmer für Aaron


    Nach ,,Endgültig“ und ,,Niemals“ ist ,,Geblendet“ der dritte Band um die erblindete Elitepolizistin Jenny Aaron. Sie lässt sich endlich auf eine Therapie ein, die ihr das Augenlicht zurückgeben könnte. Tatsächlich beginnt Jenny Aaron bald, Schatten und einzelne Punkte zu sehen. Allerdings leiden Aarons andere Sinne wie Gehör und Geruchssinn unter den neuen Eindrücken. Diese Sinne sind bei ihr so stark ausgeprägt und verfeinert, dass sie damit ,,sehen“ gelernt hat. Die neuen, optischen Eindrücke sind extrem anstrengend und verwirrend für Jenny Aaron, was der Autor Andreas Pflüger in seinem telegrammartigen Stil dem Leser direkt und hautnah vermittelt. Ihr Arzt Dr. Reimer ist überzeugt, dass die Therapie nur gelingen kann, wenn Aaron keinem Stress ausgesetzt ist. Doch die Elitepolizistin kann nicht loslassen. Als dann auch noch ihre ehemalige Spezialeinheit, die ,,Abteilung“ und sozusagen Aarons eigentliche Familie bedroht ist, ist ihre Entscheidung schnell gefallen.

    In diesem dritten Band ist Jenny Aaron zwar nach wie vor eine Kampfmaschine, hart, eisern und äußerst diszipliniert. Doch immer wieder scheint auch ihre zerbrechliche und emotionale Seite durch, was sie etwas nahbarer, menschlicher und sympathischer macht. Nun setzt sie sich auch stärker mit ihrem Vater auseinander, der selbst Elitepolizist war und Aaron stark geprägt hat.

    In diesem dritten Band werden auch die anderen Protagonisten immer wieder ins Licht gerückt, z.B. Aarons engster Vertrauter Pavlik, ihre Chefin Demirci, Flemming, für den Aaron mehr als nur Kollegialität empfindet....

    Die Vorgängerbände sollte man gelesen haben, um den Durchblick über die komplexen Handlungsfäden und die zahlreichen doppelbödigen Verhältnisse nicht zu verlieren. Und man sollte Andreas Pflügers schnellen, stakkatoartigen Stil mögen.

    Wer es mag, wird mit einem Thriller der Extraklasse belohnt.

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  • 3 Sterne


    Erst verwirrend, dann spannend


    Bei "Geblendet" handelt es sich nach "Endgültig" und "Niemals" um den dritten Band über die blinde Polizistin Jenny Aaron.


    Ich habe die ersten beiden Teile nicht gelesen und erst einmal nur Bahnhof verstanden. Die sehr vielen Namen konnte ich nicht zuordnen und wusste nicht, was vorher geschehen ist. Für mich waren die ersten knapp 200 Seiten verwirrend, was das sprunghafte Erzählen von Andreas Pflüger nicht besser gemacht hat. Plötzlich war man an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit und konnte das in den Kontext der gegenwärtigen Geschichte nur schwer einordnen.


    Doch wenn man sich an den Erzählstil des Autors gewöhnt hat und weiß, wer wer ist, ist das Buch fesselnd. Denn der Thriller wird nach einer Verfolgungsjagd richtig spannend. Aaron und ihre früheren Kollegen müssen um ihr Leben fürchten. Das Ende aber ist für mich nicht ganz verständlich.


    Interessanter als die Bedrohung Aarons und der Spezialeinheit, der sie früher angehörte, finde ich Jenny Aaron selbst. Sie hatte aufgrund ihres Vaters eine ungewöhnliche Kindheit und viele Fertigkeiten und Fähigkeiten in Bezug auf das Kämpfen und Töten. Ihre sympathische, selbstsichere und kämpferische Persönlichkeit ist fesselnd. Ihr Umgang mit dem Blindsein und ihr Versuch, wieder sehen zu können sind sehr authentisch beschrieben und faszinierend.


    Fazit:

    Ich kann das Buch nur denen empfehlen, die die Vorgänger kennen und mehr über das Blindsein, der Bewältigung des Alltags und das Kämpfen ohne Sehsinn wissen wollen.

  • Ich hatte 3 Gefühle/Gedanken, nachdem ich gestern das Buch zugeschlagen hatte:

    Danke, Andreas Pflüger, für diese Reihe (und dass sie zu mir gefunden hat) - es war soo unglaublich intensiv, dass ich froh bin, es nun beendet zu haben - ich könnte ewig weiterlesen.


    Es ist kein normaler Krimi/Thriller mit Fällen und Ermittlern, sondern es geht um die Arbeit der "Abteilung", deren Mitarbeiter dort eingesetzt werden, wo andere nicht weiterkommen oder -dürfen (es werden Verbrecher in hohen und höchsten Kreisen zur Rechenschaft gezogen, deren Schuld nachzuweisen meistens sehr, sehr schwierig ist).

    Es geht um unglaubliche Fähigkeiten, Einsatz bis über Grenzen hinaus, Lebenskonzepte, Freundschaft, Mitgefühl, zueinander stehen, Zusammenhalt, Emotionen, Politik und deren ganze Verwicklungen (wie nach der Echtzeit-Reihe finde ich die Politik und ihre Politiker inzwischen ganz furchtbar).


    Ich fand die Story sehr intelligent, durch ihre Komplexität den Leser fordernd, unglaublich spannend, überraschend und mit einem tollen Schreib-/Erzählstil. Die guten Recherchen merkt man (siehe Nachwort). Man muss sehr konzentriert lesen.

    Die Zeichnung und Entwicklung der Protas ist so, wie es auf einem hohen Level sein sollte, auch die Nebencharaktere blieben nicht blass. Gerade zum Ende stand ich ziemlich unter Wasser.

    Begeistert hat mich der Grund, warum sie "Helmchen", die Sekretärin eingestellt hatten.

    Die Reihe hat mich geflasht, ich habe nix daran auszusetzen.

    Irrlicht und Hexe (7. Hexenregel: Unterschätze nie die Kraft des Wortes - es hat eine besondere Kraft, es kann befreien, anstoßen und verändern, aber auch verletzen und zerstören)