Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann / Il mare dove non si tocca

  • Autor: Fabio Genovesi

    Titel: Wo man im Meer nicht mehr stehen kann

    Seiten: 409

    ISBN: 978-3-570-10349-4

    Verlag: C. Bertelsmann

    Übersetzerin: Mirjam Bitter


    Autor:

    Fabio Genovesi wurde 1974 in Italien geboren und hat schon als Bademeister, Radsporttrainer und Kellner gearbeitet, bevor er als Übersetzer tätig wurde. Heute schreibt er Drehbücher und Romane und wurde mit dem "Premio Viareggio" ausgezeichnet. Er lebt in Forte dei Marmi.


    Inhalt:

    Der sechsjährige Fabio ist der Mittelpunkt einer exzentrischen Großfamilie in der Toskana. Als Liebling seiner "zehn Großväter" - der schrulligen unverheirateten Brüdern seines Opas - wird er zu den kuriosesten Unternehmungen mitgenommen, die selten kindgerecht, aber dafür unvergesslich sind. Dies wapnet den Jungen für die Abenteuer und Gefahren, mit denen er beim Heranwachsen zu kämpfen hat. Denn eine Lebensweisheit hat Fabio früh erkannt: Schwimmen lernt man nur dort, wo man im Meer nicht mehr stehen kann. (Klappentext)


    Rezension:

    Familie und andere Katastrophen. Ungefähr so könnte der Untertitel dieses großen Romans lauten, in dem Fabio Genovesi sein jüngeres Ich die Welt entdecken lässt. Aufgewachsen ist der Autor inmitten einer schrulligen Großfamilie, genauer gesagt, den Brüdern seines bereits früh verstorbenen Großvaters. Getrieben von der Angst, dass ihm mit dem vierzigsten Lebensjahr der berüchtigte Familienfluch befällt, entdeckt er die Welt um sich herum, die sich anfangs nur auf den Straßenzug, den ausschließlich seine Familie bewohnt, später auf das Dorf und die Umgebung erstreckt. Alleine, zusammen mit seinen Eltern und noch viel mehr mit den zehn Großvätern, die Fabio unter sich per Wochenplan herumreichen. Ausgang, einer mehr als turbulenten Kindheit.


    Der Leser begleitet den zu Beginn imk Vorschulalter befindlichen Ich-Erzähler bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr durch die Höhen und Tiefen des Heranwachsens. Genovesis Stärke ist es hier, die genaue Beobachtungsgabe des Kindes herauszustellen und diese den gesamten Roman tragen zu lassen. Die anderen protagonisten sind mehr oder weniger unwichtig, bleiben an manchen Stellen zu schwach gezeichnet, was eine Wohltat in dem Sinne ist, da besonders die antreibenden Großväter ein gewisses Nervpotenzial haben. Macht nichts, vieles macht der Sprachwitz wieder wett.


    Formulierungen wie phantastische Titelüberschriften, wie "Die Regenwürmer des heiligen Fabio", machen diesen Roman zu einem kleinen Juwel und so mag man sich an seine eigene Kindheit erinnern oder an Familiengeschichten, die als Anekdoten immer wieder erzählt werden und längst ein Eigenleben entwickelt haben. Zwar kann auch Genovesi mit dem großen Knall einer Familientragödie aufwarten, doch tut er dies behutsam und lässt sein Vergangenheits-Ich daran wachsen. erzählt werden die Bande unserer engsten Vertrauten, aber auch die Entdeckung zur Liebe der Literatur und das ist vielleicht auch einer der schönen Aspekte dieses Romans. Wobei Fabio Genovesi mit vielen ganz wunderbaren Momenten aufwarten kann.


    Dieser Roman erzählt von Liebe und Hoffnung, Ängsten und Mut, Zuversicht und Scheitern, Freundschaft und Familie. Einfach eine liebevolle Geschichte.

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann“ zu „Fabio Genovesi - Wo man im Meer nicht mehr stehen kann / Il mare dove non si tocca“ geändert.
  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Eine schöne Geschichte aber lang


    Fabio ist der Mittelpunkt seiner verrückten Großfamilie in der Toskana. Als Liebling seiner zehn »Großväter« – den schrulligen, unverheirateten Brüdern seines Opas – wird er zu den seltsamsten Unternehmungen mitgenommen. Die sind zwar selten kindgerecht, aber dafür immer unvergesslich. Doch als sein Vater nach einem Unfall im Koma liegt, muss Fabio sich dem richtigen Leben stellen. Er beginnt, seinem Vater selbst verfasste Geschichten vorzulesen. Denn was kann jemanden besser ins Leben zurückholen, als all die Abenteuer mit seinen zehn Großvätern.


    Fabio Genovesis Schreibstil muss man mögen. Nach dem ich nun das zweite Buch von ihm gelesen habe stelle ich fest, ich werde mit ihm nicht ganz warm.

    Er schreibt ohne allzu sichtbaren roten Faden und erzählt eben eine Geschichte. Hier die von dem jungen Fabio, der ziemlich merkwürdig aufwächst. Er erzählt, wie Fabio langsam das Leben entdeckt und dabei merkt, dass er nicht so normal ist, wie alle dachten aber er versucht, das Beste daraus zu machen.

    Die Geschichte an sich ist wirklich schön. Ich kann die ganzen positiven Kritiken durchaus nachvollziehen und sehe, was die anderen Leser meinen. Doch leider ist dies nicht meine Art Buch. Mir ist es zu langatmig. Es passiert mir zu wenig Wichtiges. Denn, wenn alles wichtig ist, ist dann überhaupt etwas wichtig? Die Geschichte läuft so vor sich hin, wie eine leichte aber schöne Hintergrundmusik. Ich bin wohl mehr der Typ für direkte Beschallung.

    Gegen Ende hin, habe ich mich öfter dabei erwischt, wie ich Passagen nur überflogen habe. Als ich nur noch 50 Seiten zu lesen hatte, habe ich 40 davon übersprungen und festgestellt, dass ich nichts Großes verpasst hatte. Ich konnte die letzten Seiten weiterhin so verstehen, als hätte ich alles gelesen.

    Ich denke, es gibt viele Leser, die mögen Geschichten, die einfach nur so vor sich hin erzählen und Genovesis Erzählstil in seiner Besonderheit, ist bestimmt auch das Lesen wert. Aber, wie oben erwähnt, man muss es mögen und meins ist es leider nicht. Trotz schöner Idee und im Prinzip guter Umsetzung.