Karsten Dusse - Achtsam morden

  • Buchdetails

    Titel: Achtsam morden


    Band 1 der

    Verlag: Heyne

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 416

    ISBN: 9783453439689

    Termin: Neuerscheinung Juni 2019

  • Bewertung

    3.9 von 5 Sternen bei 39 Bewertungen

    77,4% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Achtsam morden"

    Björn Diemel wird von seiner Frau gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen, um seine Ehe ins Reine zu bringen, sich als guter Vater zu beweisen und die etwas aus den Fugen geratene Work-Life-Balance wieder herzustellen. Denn Björn ist ein erfolgreicher Anwalt und hat dementsprechend sehr wenig Zeit für seine Familie. Der Kurs trägt tatsächlich Früchte und Björn kann das Gelernte sogar in seinen Job integrieren, allerdings nicht ganz auf die erwartete Weise. Denn als sein Mandant, ein brutaler und mehr als schuldiger Großkrimineller, beginnt, ihm ernstliche Probleme zu bereiten, bringt er ihn einfach um — und zwar nach allen Regeln der Achtsamkeit. Achtsam morden ist die Geschichte eines bewussten und entschleunigten Mordes, der längst überfällige Schulterschluss zwischen Achtsamkeitsratgeber und Krimi, vor allem aber ein origineller Unterhaltungsroman.
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    Juliannah
    Brutal und fast eine Verhöhnung der Achtsamkeitstips
  • Kurzmeinung

    Cordi
    Sehr humorvoll erzählter Krimi der gut unterhält.

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  • Björn Diemel bekommt von seiner Frau Katharina ein Ultimatum gestellt: Wenn er ihre Ehe retten will, muss er das Achtsamkeits-Coaching von Joschka Breitner absolvieren. Der auf seinem Gebiet brillante Strafverteidiger im Dauerstress soll dort lernen, sich zu entspannen und seine Lebenseinstellung achtsam zu optimieren, um so Beruf und Familie in Einklang bringen zu können.

    Trotz reichlicher Vorbehalte lässt sich Björn – vor allem im Interesse seiner geliebten Tochter Emily – darauf ein und findet erstaunlich schnell Gefallen an der neuen Achtsamkeit. Er verinnerlicht die ihm vermittelten Thesen so gut, dass er sich kurzer Hand einiger störender Faktoren entledigt:

    Sein Bäh-Mandant Dragan Sergowicz, ein brutaler Zuhälter, Großdealer und Waffenhändler, segnet im Kofferraum von Björns Wagen das Zeitliche, als sich dieser mit Töchterlein auf den Weg ins Wochenende befindet. Zuvor hatte Dragan auf einem Autobahnrastplatz den „Mitarbeiter“ seines größten Konkurrenten Boris angezündet und mit einer Eisenstange erschlagen. Dumm nur, dass er währenddessen von einer auf Busreise befindlichen Schulklasse gefilmt wird und nun erwartet, von seinem Anwalt aus dem Schlamassel gezogen zu werden. Was ja wohl prächtig gelingt.

    Björn ist so achtsam, dass er zudem seinen in den letzten Jahren ungeliebten Job kündigt, nicht ohne allerdings gleichzeitig eine ansprechende Abfindung auszuhandeln.

    Obwohl ihm das alles bereits eine wohlige Gelassenheit verschafft, liegen weitere Probleme auf dem Tisch: Björn wird nicht nur von der Polizei beobachtet, sondern auch vom rivalisierenden Bandchef Boris, der aus Rache durchaus zu einem Krieg bereit ist. Deshalb muss Björn dafür sorgen, dass niemand mitbekommt, dass Dragan die Luft ausgegangen ist und er in kleine Einzelteile zerlegt wurde. Hilfreich dabei dürfte auf jeden Fall der Daumen sein, der schon zu Dragans Lebzeiten als Siegel zum Einsatz kam.

    Und wäre das nicht schon schlimm genug, muss Björn schnellstens einen Kindergartenplatz für Emily auftreiben, nahezu unmöglich angesichts der desaströsen Situation in der Stadt.

    Wie gut, dass Björn inzwischen gelernt hat, wie er sich den Herausforderungen stellen kann. Denn angesichts der Tatsache, dass es um nichts geringeres geht als um sein und das Leben seiner Familie, ist nicht nur Achtsamkeit gefragt...


    „Achtsam morden“ ist kein klassischer Kriminalroman. Zwar gibt es reichlich Tote, da jedoch von Anfang an bekannt ist, wer hier achtsam mordet, ist dies ziemlich unwichtig. Vielmehr darf Karsten Dusses Held, der gestresste Anwalt Björn Diemel, in einer sympathischen Art und Weise agieren, die dank eines lebhaften Bilderreigens einen hohen Unterhaltswert hat, aber hinsichtlich des Spannungsfaktors entschleunigt ist. Obwohl der Leser im Grunde Mörder verabscheuungswürdig findet, lässt er seinen moralischen Kompass wohlwollend in Richtung Björn ausschlagen, ja wünscht ihm sogar, dass seine unkonventionellen Vorhaben von Erfolg gekrönt sein mögen und er nicht entdeckt wird.

    Karsten Dusse, selbst Rechtsanwalt, balanciert seine Geschichte geschickt aus und mischt niveauvoll schwarzen, bitterbösen Humor und überzogene Klischees des Bandenmilieus mit kritischen, satirischen Anmerkungen zu bürgerlichen Alltagsproblemen sowie politisch inkorrekten Meinungsbildern.

    Daneben hat „Achtsam morden“ auch das Potential zum Ratgeber. Denn die Wirksamkeit der Weisheiten des Achtsamkeitscoaches Joschka Breitner in "Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte" dürfte auf einigen Widerhall treffen und ab und an in der realen Welt ebenfalls nicht von der Hand zu weisen sein...


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der Humor hat gepasst. Ich musste zwar nicht laut lachen, aber oft schmunzeln. Ich fand es auch nicht in erster Linie lustig, sondern mehr verrückt, makaber und zynisch. Mir kamen besonders immer wieder die Worte irre und irrwitzig in den Sinn. Die Hinweise zur Achtsamkeit und ihre folgende Anwendung sind für mich das besondere am Buch. Auf die Idee muss man im Zusammenhang mit diesen Verbrechen erstmal kommen. Und ja, gerade gegen Ende konnte ich noch manches neue über Achtsamkeit mitnehmen und fand die Äußerung besonders interessant, dass man mittlerweie zu jedem Problem eine Achtsamkeitsübung googeln kann. Das muss ich ausprobieren!

    Das Ende fand ich relativ offen, es lässt für Spekulationen Raum. Es ist eines der wenigen Bücher, in denen ich mit dem Bösewicht sympathisiere. Schon erstaunlich!

  • Anwalt Björn Diemel ist gestresst – von seiner Arbeit, von seiner Ehe – nur seine kleine Tochter liebt er heiß und innig. Ein Achtsamkeitsseminar verändert schließlich sein Leben, auf ganz unerwartete Weise.


    Ich gestehe, mit Achtsamkeit habe ich mich bisher kaum beschäftigt, wusste noch nicht einmal genau, was es ist. So war das erste, das ich aus dem Roman mitnehmen konnte, diese Definitionn: „Achtsamkeit ist die wertfreie und liebevolle Wahrnehmung des Augenblicks“ (S. 10). Jedes Kapitel ist zudem mit einer Achtsamkeitsübung überschrieben, die wirklich nützlich sein kann. Auch der Protagonist weiß sie zu nutzen, und wendet sie ziemlich unkonventionell an. Dass der Autor ihn selbst in Ich-Form erzählen lässt, passt prima dazu und lässt den Leser die Geschehnisse aus Björns Sicht heraus erleben, was den (schwarzen) Humor der Geschichte noch verstärkt.


    Sympathischer wird Björn einem dadurch nicht, immerhin ist er ein Anwalt, der für seine kriminellen Mandanten das Gesetz beugt, soweit es geht, und manchmal auch darüber hinaus. Dennoch ist er ein guter Protagonist (man muss sie ja immer mögen), dessen Sicht der Welt sich durch das Seminar auf interessante und unerwartete Weise verändert hat. Je weiter ich gelesen habe, umso öfter musste ich schmunzeln, ich mag schwarzen Humor sehr. Auch die weiteren Charaktere sind keine wirklichen Identifikationsfiguren, manche sogar echte Ekel.


    Auch das Ende hat mir gut gefallen, so hatte ich es mir vorgestellt und so finde ich es auch für diesen Roman am passendsten. Für mich ist die Geschichte hier aber abgeschlossen, ich hoffe nicht, dass es eine Fortsetzung geben wird. Empfehlen kann ich den Roman allen, die schwarzen Humor mögen und auch mit einem weniger sympathischen Protagonisten klar kommen.

  • Hm, dieses Buch einem Genre zuzuordnen ist gar nicht so einfach. Der Autor mischt munter und überaus unterhaltsam Elemente aus Krimi, Satire und Achtsamkeitsratgeber.

    Um seine Ehe zu retten bzw. in erster Linie den Kontakt zu seiner kleinen Tochter zu behalten, besucht der mega-gestresste Strafverteidiger Björn Diemel ein Achtsamkeitsseminar – und mit den dort gewonnenen Einsichten verändert er sein Leben, – nachhaltiger und anders als man gemeinhin annehmen würde. Ihn auf diesem Weg zu begleiten, hat mir vergnügliche Lesestunden bereitet.

    Diemels Interpretationen der Achtsamkeitsregeln, die ihm sein Coach an die Hand gibt, sind böse – sehr böse. Krass und durchaus auch blutig im Ergebnis, entbehren sie aber nicht einer gewissen Logik. Tatsächlich erschienen die Ereignisse nicht nur dem Ich-Erzähler Björn Diemel, sondern auch dem Leser (jedenfalls mir) irgendwie folgerichtig.

    Die Figuren wirkten auf mich in erster Linie „unterhaltsam“. Besondere Sympathie oder Empathie habe ich eigentlich bei keinem verspürt. Tiefgang oder große Emotionen hätten hier auch überhaupt nicht gepasst. Karsten Dusse spielt gerade bei seinen „Protas“ gekonnt mit diversen Klischees, verbindet reale Problematik und gesellschaftskritische Aspekte mit leichter Hand. Und bringt das Ganze mit einer ordentlichen Portion sarkastischem Zynismus oder zynischem Sarkasmus :geek: rüber.


    Darüber hinaus gibt er detaillierte Einblicke in die organisierte Kriminalität und ihre Strukturen. Ob glaubwürdig oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Es wirkte auf mich allerdings manchmal eher persiflierend als realitätsnah, aber was in „diesen Kreisen“ de facto abgeht, übersteigt wahrscheinlich mein Vorstellungsvermögen. Am meisten hat mir hier zu denken gegeben, wie tief und wie nachhaltig sich so ein Anwalt in dieses Milieu verstricken kann. Diese Ausgangssituation von Diemel klang für mich glaubhaft.


    Eine ziemlich coole Romanidee, diese gerade ziemlich angesagte „Achtsamkeit im Alltag“ mit der Frustration eines Strafverteidigers zu verbinden. Das war jetzt der zweite von einem Anwalt geschriebene Krimi der etwas anderen Art, den ich in letzter Zeit gelesen habe und obwohl inhaltlich ganz verschieden, haben mich beide gleichermaßen überzeugt.

  • Der 42-jährige Björn Diemel ist Anwalt für Strafrecht und Wirtschaft und immer sehr eingespannt. Auch zu Hause ist er gedanklich nicht so recht anwesend. Daher verlang seine Frau von ihm, dass er ein Achtsamkeitsseminar besucht. Er fügt sich, weil er seine Tochter liebt und Angst hat, sie zu verlieren. Björn verinnerlicht die Ratschläge seines Coachs Joschka Breitner und wendet sie an, aber auf eine etwas unkonventionelle Art und Weise. Als erstes bekommt das sein Klient Dragan Sergowicz zu spüren. Als Dragan seinen Vater-Tochter-Nachmittag stört, ist dieser plötzlich tot – ganz achtsam ermordet.

    Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Als Krimi würde ich es allerdings nicht bezeichnen, auch wenn viel Kriminelles darin vorkommt. Die Geschichte ist voller schwarzem Humor, über den ich mich anfangs sehr amüsiert habe, doch zunehmend gefiel mir das immer weniger. Aber da lag wohl eher an mir. Es werden durchaus ernsthafte Themen angeschnitten, die dann aber sehr überspitzt dargestellt sind. Außerdem gab es recht drastische Szenen, die mir wirklich zu heftig waren. Da wäre doch mal Achtsamkeit angesagt gewesen.

    Die Personen sind alle sehr individuell dargestellt und nicht einer davon war mir wirklich sympathisch. Björn ist beruflich sehr eingespannt, was seiner Ehe nicht besonders bekommt. Seine Frau Katharina mag das gar nicht. Sie findet es zwar toll, gut versorgt zu sein, aber ansonsten nörgelt sie nur rum. Sie hätte sich eine Aufgabe suchen sollen. Aber auch Björn gefällt mir nicht, ich fand ihn ziemlich arrogant. Skrupel kennt er auch keine. Aber seine Tochter ist sein ein und alles. Die meisten Typen aus dem kriminellen Milieu waren ziemlich unterbelichtet, nur Sascha macht da eine Ausnahme.

    Die Kapitel werden jeweils mit einer Achtsamkeitsregel eingeleitet und man sollte sie sich ruhig mal zu Gemüte führen.

    Dieser Krimi macht Lesern Spaß, die schwarzen Humor lieben. Mich konnte das Buch nicht so packen.

  • Buchmeinung zu Karsten Dusse – Achtsam morden


    „Achtsam morden“ ist ein Roman von Karsten Dusse, der 2019 im Heyne Verlag erschienen ist.


    Zum Autor:
    Karsten Dusse ist Rechtsanwalt und seit Jahren als Autor für Fernsehformate tätig. Seine Arbeit wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet sowie für den Grimmepreis nominiert.


    Klappentext:
    Björn Diemel wird von seiner Frau gezwungen, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen, um seine Ehe ins Reine zu bringen, sich als guter Vater zu beweisen und die etwas aus den Fugen geratene Work-Life-Balance wieder herzustellen. Denn Björn ist ein erfolgreicher Anwalt und hat dementsprechend sehr wenig Zeit für seine Familie. Der Kurs trägt tatsächlich Früchte und Björn kann das Gelernte sogar in seinen Job integrieren, allerdings nicht ganz auf die erwartete Weise. Denn als sein Mandant, ein brutaler und mehr als schuldiger Großkrimineller, beginnt, ihm ernstliche Probleme zu bereiten, bringt er ihn einfach um ― und zwar nach allen Regeln der Achtsamkeit.


    Meine Meinung:
    Dieses Kriminalgroteske hat mich vor allem zu Anfang überzeugt. Mit viel schwarzem Humor und Einfallsreichtum wird die Anwendung der Achtsamkeitsregeln durch den Anwalt Björn Diemel beschrieben. Sein Wohlbefinden steht im Mittelpunkt und die Umsetzung der Achtsamkeitsregeln fordert das ein oder andere Opfer in seinem Umfeld. Die Figuren sind meist nur skizziert und der Erzählstil ist eher locker gehalten und recht unterhaltsam. Reichlich vorhandener Gewalt wird du den humorigen Stil viel ihrer Schärfe genommen. Aber leider trägt diese Grundidee den Roman nur eine begrenzte Zeit, der Autor hat den rechten Zeitpunkt für das Ende verpasst. Das Ende selber hat mich voll überzeugt und bei mir Erinnerungen an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geweckt.


    Fazit:
    In weiten Teilen eine sehr gelungene Kriminalgroteske, die mir großes Lesevergnügen brachte, aber einfach zu lang geraten ist und zu viel Gewalt nutzt. Trotzdem gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung.

    :Hörbuch Hans Rosenfeldt - Wolfssommer

    :lesend Wolfgang Schorlau - Kreuzberg Blues

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    :lesend Matthias Riedl - Mein Weg zur gesunden Ernährung

  • Zitat

    Für mich sah russisches Essen immer so aus, als hätte ein Chinese beim Italiener gegessen und dann über einen Teller mit deutschen Spezialitäten erbrochen.

    Zitat

    Der erste gute Schritt zu einer Lösung ist, überhaupt erst einmal ein Problem zu haben. Viele tolle Lösungsansätze scheitern bereits daran, dass es kein Problem gibt, zu dem sie passen.

    Das Buch lässt sich gut lesen, ist amüsant und hat einige überlegenswerte Ansätze. Da könnte ein neues Genre entstehen.

  • Für das Hörbuch eine klare Empfehlung von meiner Seite. Sehr gut gelesen, pointiert und in achtsamer Stimmlage, herrlich schwarzer Humor, so konnte ich sogar mit den Szenen der Gewalt leben. Achtsamkeitsregeln mal anders. So extrem muss es in der Realität nicht sein, doch, um wirklich achtsam zu sein, muss die ein oder andere Grenze, wenn auch nicht des Gesetzes so doch mancher Konvention, überschritten werden (kleines Beispiel: die verhassten Schwiegereltern, die Björn nicht mehr mit Frau und Tochter besucht und seitdem lieben kann; so sind alle Beteiligten glücklich) Von mir 5 Sterne :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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