Anika Decker - Wir von der anderen Seite

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Wir von der anderen Seite

4.1|8)

Verlag: Ullstein Hardcover

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783550200373

Termin: Juli 2019

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  • Auch wenn ich ein Mann bin, hatte mich das Buch schon bei der Leseprobe angesprochen und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht.Vorab es war eine wunderbare Unterhaltung mit einem wirklich sinnvollen Hintergrund aber zunächst einmal ….

    Geschichte : Rahel erwacht im Krankenhaus und weiß zunächst einmal gar nicht was passiert ist. Sie weiß nur, dass sie zu ihren Eltern an Weihnachten gefahren ist und mehr nicht. Die Phasen in denen sie wach ist, sind nur kurz und Ihre Besucher tauchen in kurzen Dialogen auf, wie Ihre Eltern, Ihr Freund, Ihr Bruder die lachen, weinen und sich große Sorgen machen. Doch Rahel bekommt langsam immer mehr mit und stellt fest, dass Ihr Dr. Held das Leben gerettet hat, sie aber immer noch nicht über den Berg ist. Mit dem eigenen Humor, als Drehbuchautorin und einer wirklich starken Familie versucht sie aus dem absoluten Tiefpunkt Ihres Lebens herauszukommen und entdeckt erst einmal, wie wertvoll die kleinen Dinge des Lebens sind...

    Personen: Wunderschön bis ins Detail gezeichnete Personen, wie Ihr Bruder, Ihre Eltern, Schwester Meral und alle die sie auf ihrem Leidensweg kennen und lieben lernt. Olli Ihr Freund mit dem Sie zusammen lebt, alles ist super dargestellt und sind klasse gezeichnet.

    Meinung: Dieses Buch ist wirklich absolut superleicht geschrieben obwohl das Thema kein leichtes ist und wie ich finde auch der gesamte Weg perfekt mit allen Tiefschlägen und Höhen , wie als auch kleinen Erfolgen dargestellt ist. Die Situationskomik ist nicht überzogen und es ist kein Buch, bei dem von vorne herein um Mitleid geheischt wird. Es ist wirklich total witzig, aber selbst als Mann kann ich mit Rahel leiden und mich über die Dinge mit ärgern, die ihr die Schamesröte ins Gesicht treibt. Ohne diese perfekte Familie, vor allem die Mutter, sehe das ganze natürlich nicht so toll aus, aber alle zusammen kämpfen, helfen sich und versprühen so viel positive Energie, dass es eine Freude ist, das Buch zu lesen. Alleine schon das Eichörnchen, dass Ihr in ihrem Drogenvernebelten Kopf zuwinkt und mit dem das Buch auch endet... einfach Klasse und stark zubereitet.
    Da ich Kitsch nicht ausstehen kann und überzogenen Geschichten schon gar nicht, kann ich garantieren, dass dieses Buch auch ohne überzeugen kann.


    Fazit: Ich war überrascht, dass es mich gepackt hat und ich liebe diese Geschichte, die mir einerseits etwas zum nachdenken gibt ( aber nicht mit erhobenen Zeigefinger, was gut ist) auf der anderen Seite aber auch unendlich viel positive Energie vermittelt. Zielgruppe sind eigentlich alle, die Gefühle zulassen können und eine unverkitschte Geschichte zu einem aktuellen Thema, mit viel Humor geschrieben, mögen. Absolute Empfehlung! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Tefelz

    Hat den Titel des Themas von „Anika Decker - Wir von der Anderen Seite“ zu „Anika Decker - Wir von der anderen Seite“ geändert.

  • Rahels Kampf

    Cover:

    Schön gestaltet - finde die Farbauswahl mit schwarzem Hintergrund gut passend zum Roman.


    Inhalt:

    Kurz vor Weihnachten muss Rahel ins Krankenhaus - Nierenkolik die Diagnose. Rahels fällt ins Koma und ihre Organe versagen; der Roman beginnt mit ihrem Aufwachen danach und ist in der Ich Perspektive geschrieben. Sie weiß nach dem Aufwachen nicht, was los ist und was passiert war. Desweiteren ist sie auch verwirrt - was war mit ihrem Freund Oli?

    Auch im Reha Aufenthalt hat sie es nicht leicht... ihr steht ein harter Kampf zurück in ihr Leben bevor.


    Fazit:

    Da der Roman in der Ich Perspektive geschrieben ist, bekommt man als Leser die Möglichkeit, sich in Rahel hineinzuversetzen und bekommt einen umfassenden Einblick in ihre Gefühlslage und Wahrnehmungen - das hat mir besonders gut gefallen. Rahel ist eine bemerkenswerte Person - sie ist stark und lässt sich nicht unterkriegen. Ich lese gerne über sie.

    Toller Roman.

  • Wir von der anderen Seite - Anika Decker


    Als die Drehbuchautorin Rahel Wald langsam erwacht, kann sie gar nicht einordnen, was los ist und wo sie sich überhaupt befindet. Es ist unfassbar laut, sie kann nicht sprechen und überall sind Schläuche. Ihr kommt der Gedanke, dass sie sich von einer kleinen Operation erholt, doch die Realität sieht anders aus. Denn Rahel war und ist krank. Und zwar richtig! Sie lag im Koma und schwebte tagelang zwischen Leben und Tod. Doch mit der Rückkehr aus dem Koma, hat Rahel es noch längst nicht geschafft. Denn sie muss sich von der anderen Seite aus wieder ins richtige Leben kämpfen. Einfache Handlungen, wie atmen, essen, stehen und gehen sind keine Selbstverständlichkeit mehr und müssen neu erlernt werden. Es gibt immer wieder Rückschläge. Auch wenn Rahel tief betroffen ist und lernen muss, worauf es im Leben wirklich ankommt, versucht sie, ihre Geschichte mit Biss und einem Augenzwinkern zu erzählen....



    Die Geschichte wird in der Ich-Form, aus der Sicht von Rahel, geschildert. Auch wenn ihr Körper ihr nicht mehr gehorcht und man vom ersten Moment an das Gefühl hat, dass Rahels Leben gerade völlig auf den Kopf gestellt wurde, spürt man, was für ein sympathischer, kämpferischer und humorvoller Mensch sie ist. Man kann sich von Anfang an mit ihr identifizieren und sich deshalb ganz darauf einlassen, gemeinsam mit ihr in den Kampf um die Rückkehr in ein normales Leben zu ziehen.



    Der Schreibstil ist äußerst locker und humorvoll. Rahel versteht es, den Leser zu unterhalten. Obwohl das Thema sich normalerweise nicht dazu eignet, es so witzig darzustellen, trifft Rahel genau den richtigen Ton. Man kann gemeinsam mit der sympathischen Erzählerin ganz unterschiedliche Gefühle durchleben. Dabei schmunzeln, lachen, zornig oder fassungslos werden, aber sich auch manchmal verstohlen ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln wischen. Auch wenn Rahel versucht, alles mit Humor zu nehmen, merkt man doch, dass es oft ganz anders in ihr aussieht und dass der Humor wohl nur ein Versuch ist, nicht ganz die vermeintliche Kontrolle zu verlieren. Rahel wirkt lebendig, sodass man sich ganz auf ihre Geschichte einlassen und mit ihr mitfiebern kann.



    Ich habe mich bei diesem Roman, der eigentlich ein recht ernstes Thema hat, ausgesprochen gut unterhalten. Denn ich konnte mich ganz auf Rahels Schilderungen einlassen. Ich habe mit ihr gelacht, geweint, bin wütend geworden und musste mir, zugegebenermaßen, dass ein oder andere Tränchen aus den Augen wischen. Dabei ist es der sympathischen Erzählerin außerdem gelungen, mich ganz nebenbei zum Nachdenken anzuregen und deshalb empfehle ich dieses Buch sehr gerne weiter.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


  • Erfahrungen auf der anderen Seite


    Diese Rezension enthält Spoiler!


    Kurzbeschreibung


    „Zum ersten Mal sehe ich mich im komplett im Spiegel. Ich bin dünn und bucklig,
    meine Muskeln sind verschwunden, meine Haut ist gelb von der angeschlagenen
    Leber. Irgendjemandem sehe ich ähnlich. Wem denn nur? Dann fällt es mir ein:
    Ich sehe aus wie Mr. Burns von den Simpsons! Immerhin immer noch Körbchengröße
    C. Ihr seid die echten Survivor!“



    Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall? Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie
    lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird
    Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.

    (Quelle:Lovelybooks)



    Cover/Aufbau



    Das Cover ist ein echter Hingucker und ist mir direkt ins Auge gesprungen. Abgebildet ist ein bunt winkendes Eichhörnchen auf schwarzem Hintergrund.

    „Wir von der anderen Seite“ wird aus der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Rahel
    erzählt.



    Protagonisten



    Rahel als Hauptprotagonistin erlebt in diesem Buch sehr viele Höhen und Tiefen. Sie wirkt auf mich tapfer, mutig und entschlossen, gegen die Erkrankung anzukämpfen und wieder gesund zu werden. Man fiebert von Anfang an mit ihr mit, verfolgt gespannt den weiteren Verlauf ihrer Behandlung, lacht, weint, hofft und fühlt mit ihr mit. Aber auch die Nebencharaktere, beispielsweise ihre verrückte Familie, allen voran ihre Mutter mit ihren Ratschlägen und teilweise sehr humorvollen und witzigen, aber auch ernsten und zu Tränen rührenden Dialogen, haben mir sehr gut gefallen.

    Mit Olli,Rahels Freund, konnte ich mich jedoch von Anfang an nicht anfreunden und auch
    während der Geschichte nicht warmwerden, weil ich das Gefühl hatte, dass er etwas
    zu verbergen hatte und sich auch teilweise komisch verhalten hat.


    Meine Meinung



    „Wir von der anderen Seite“ ist ein Auf und Ab unterschiedlichster Emotionen wie Freude,
    Hoffnung, Lachen bis zum Umfallen, Trauer und Mut.
    Dieses Buch erzählt die Geschichte von Rahel, die sich zwischen Leben und Tod befindet und sich von der anderen Seite zurück ins Leben kämpft und es selbst wieder in die Hand nimmt.

    Der Schreibstil von Anika Decker ist wunderbar leicht und direkt, mit viel Witz und
    Schlagfertigkeit und tollen Dialogen.
    Mir hat „Wir von der anderen Seite“ sehr gefallen, vor allem auch deshalb, dass nicht nur die ernste Thematik beschrieben wurde, sondern vielmehr, dass dieses Buch soviel
    Humor, Witz und auch Leichtigkeit rüberbringt, welches Menschen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, beispielsweise Angehörige und/oder Patienten mit ähnlichen Krankheitsbildern, Mut, Stärke und Hoffnung geben kann oder sich vielleicht auch allgemein mehr mit der Thematik auseinanderzusetzen.



    Mein Fazit


    „Wir von der anderen Seite“ ist aus meiner Sicht ein sehr gelungenes Debüt geworden, was ich
    gerne gelesen habe und welches mich berührt hat.
    Ein großes Lob an die Autorin für dieses wundervolle Buch.


    Von mir gibt es :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: Sterne.

  • Berührend, erschütternd, aber trotzdem unterhaltsam

    Rahel wacht eines Tages auf und befindet sich an einem unerwarteten Ort. Nach und nach erkennt sie, dass es die Intensivstation eines
    Krankenhauses ist und rekonstruiert aus den Informationen der Ärzte und ihrer Familie, was passiert ist. Ihren eigenen Körper muss sie erst wieder
    kennenlernen und lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Neben den Einschränkungen, mit denen sie zu kämpfen hat steht immer die Unsicherheit,
    wann und ob überhaupt sie vollständig gesund werden wird. Dazu stellt sich das Gefühl ein, dass es irgendetwas in ihrer Beziehung gibt, das zwischen ihr und
    ihrem Freund steht.

    Das Buch von Anika Decker fand ich sehr spannend zu lesen. Durch die Ich-Erzählung nimmt sie die Leser direkt hinein in die Erlebniswelt der Protagonistin, in ihre Herausforderungen, ihre Verwirrungen und ihre Fragen. Trotz der schweren Situation, in der sich Rahel befindet, geschieht dies aber immer auch auf eine unterhaltsame, teilweise lustige Art und Weise und hat mich als Leser zwischen Trauer, Bestürzung und Belustigung schwanken lassen. Nur an einzelnen Stellen fand ich die Handlung etwas unlogisch oder nicht ganz nachvollziehbar. Auf jeden Fall regt das Buch dazu an, das Leben und die eigene Gesundheit nicht als selbstverständlich zu nehmen und auch einmal darüber nachzudenken, was im eigenen Leben wichtig ist. Dies aber immer auf eine angenehme, unterhaltsame Art und Weise.

    Ich finde das Buch empfehlenswert für alle, die sich auf unterhaltsame Art und Weise mit einer etwas anderen Lebenswelt auseinandersetzen wollen und bereit sind, Krankheit nicht nur als Katastrophe, sondern als neue Chance zu betrachten.:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Rahel wacht im Krankenhaus auf und kann so gut wie nichts: Sie kann sich nicht erinnern, sie kann sich kaum bewegen, sie kann nicht einmal allein essen. Es ist laut, einsam und furchtbar anstrengend. Nach und nach erfährt sie, dass sie im Koma lag und es ein Problem mit ihrem Herzen gibt. Nur langsam werden alle Zusammenhänge klar, aber das ist auch im ersten Moment nicht wichtig. Ihre Eltern und ihr Bruder besuchen sie, stehen an ihrer Seite – zumindest während der Besuchszeiten den Krankenhauses. Wir begleiten Rahel auf ihrem Weg zum ersten Jogurt nach der künstlichen Ernährung, wir erleben ihre ersten Schritte mit und empfinden gleichzeitig Freude und Scham als sie wieder die Toilette benutzen darf (allerdings nur in Begleitung eines Zivis). Es ist ein langer Weg, der schwer ist und Kampf erfordert. Gleichzeitig sind die ersten Wochen geprägt von Müdigkeit, Schlaf und Anstrengung. Und dann sind da noch die Lücken in ihrem Gedächtnis, die sie mit Hilfe ihres Lebensgefährten füllen will – was nicht gelingt. Aber es fehlen wichtige Puzzleteile.

    Rahel ist so sympathisch und lustig, dass ich sie sofort in mein Herz geschlossen habe. Sie hat eine wunderbare Familie, besonders ihr Bruder Juri ist ein echter Held. Spannend ist außerdem Rahels Beruf, denn sie schreibt Drehbücher. Hier hat die Autorin sicher auch aus dem privaten bzw. beruflichen Nähkästchen geschrieben. Ein toller Einblick hinter die Kulissen.


    Fazit: Anfangs war ich mir nicht sicher, ob mich das Thema wirklich interessiert. Aber der Stil der Autorin hat mich überzeugt und nun bin ich froh, etwas mehr über das Leben nach dem Koma zu wissen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


  • Die 35-jährige Rahel Ward verdient ihr Geld als Drehbuchautorin für Komödien und versieht ihre teils recht skurrilen Figuren mit schrägem Humor und jeder Menge Situationskomik. Aufgrund von Nierenproblemen erleidet Rahel ein Organversagen und fällt ins künstliche Koma. Als Rahel nach fünf Wochen im Krankenhaus daraus erwacht, liegen eine Operation und der Medikamentenentzug bereits hinter ihr, doch die Nachwirkungen sind noch spürbar. Rahel kann sich an nichts erinnern, nichts ist mehr, wie es einmal war. Erst langsam begreift Rahel, dass die nächste Zeit für sie ein Kampf werden wird. Zum Glück hat sie eine liebenswerte Chaosfamilie sowie enge Freunde, auf die sie sich immer stützen kann und die ihr helfen, wieder in das normale Leben zurückzukehren und sich zu erinnern, auch wenn es ein harter Kampf ist. Aber mit Humor geht bekanntlich alles besser, oder?


    Die Drehbuchautorin Anika Decker hat mit „Wir von der anderen Seite“ einen sehr unterhaltsamen und komischen Debütroman vorgelegt, der ab und an auch mal melancholische Töne anschlägt, aber zu keiner Zeit mutlos wirkt. Der Schreibstil ist locker-flüssig und mit jeder Menge Humor für ein doch recht ernstes Thema gespickt, hier fehlt es nicht an Selbstironie, aber auch der Realitätssinn ist jederzeit präsent. Der Leser darf während der Lektüre nicht nur Rahel begleiten, sondern auch Teile der Autorenlebensgeschichte miterleben, denn Decker weiß durchaus, wovon sie schreibt, das wird in jeder Zeile deutlich. Gnadenlos und doch mit gewissem Feingefühl beschreibt die Autorin, wie sehr sich das Leben von einer Minute auf die andere ändern kann, die Erinnerungen fehlen und man abhängig von seinen engsten Vertrauenspersonen ist, die einen nicht nur mit Mitgefühl, sondern auch mit Unterstützung und Optimismus versorgen. Dabei muss nicht nur Rahel sich mit viel Mut unter Schmerzen wieder neu ins Leben zurückkämpfen, auch das Leben der Angehörigen ändern sich von Grund auf, der gewohnte Mikrokosmos aus Familie und Freunden ist einer Extremsituation ausgesetzt, in dem man nun erkennen kann, wer Freund und wer Feind ist, wer es ernst meint und wem man nicht so wichtig ist. Während der Handlung wird nicht nur Rahel, sondern auch der Leser immer wieder von dem winkenden Eichhörnchen abgelenkt, dass für Optimismus und Ausdauer steht.


    Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, sie sind dem realen Leben regelrecht entsprungen, so dass der Leser sich unter ihnen gleich wie zuhause fühlt und ein Teil von ihnen wird, der ebenso mit Rahel bangt, hofft, zweifelt und die Zähne zusammenbeißt. Rahel ist ein Ausbund an Phantasie, die absolut nötig ist, um den Stars ihrer Komödien Leben einzuhauchen. Doch während ihrer Gesundungsphase und Rekonvaleszenz muss Rahel beweisen, dass sie nicht nur Humor besitzt, sondern auch stark, stur und unbeugsam ist, sie keine Blick zurück wirft, dafür vorwärts schreitet, um sich ihre „alte“ Form zurückzuerobern, sei es die Gesundheit oder auch ihren Beruf betreffend. Ihr Bruder Juri ist einmalig, man möchte ihn ständig knuddeln, denn er ist so besorgt und gleichzeitig ein Fels in der Brandung ebenso wie Rahels Freund Kevin. Dagegen macht Lebensgefährte Olli keine gute Figur, ganz im Gegenteil, er ist ein oberflächlicher Typ, der irgendwie so gar nicht in die Szenerie passt und den sie hoffentlich bald loswird. Aber dafür ist Rahels restliche Familie wunderbar bunt und liebenswert.


    Mit „Wir von der anderen Seite“ ist Anika Decker ein wundervolles Romandebüt gelungen, das den Leser sowohl mit einem lachenden als auch einem weinenden Auge zurücklässt. Ganz nah an der Realität hat sie eine Geschichte gezaubert, die mit Leichtigkeit ein ernstes Thema verpackt. Absolutes Highlight und mehr als verdiente Leseempfehlung! Einfach wunderbar!


    Sehr schön für :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2018: 326/ 128525 Seiten

  • Der lange, steinige Weg zurück

    Inhalt & Handlung:

    Die Komödienautorin Rahel erwacht aus einem tagelangen Koma auf einer Intensivstation, sie kann sich jedoch vorerst an nichts mehr erinnern. Erst nach und nach stellen sich bruchstückchenhaft ihre Erinnerungen ein. Rahel muss nun alles neu lernen - nicht mal einen Löffel vermag sie mehr selbständig zu halten, geschweige denn hat sie ihre körpereigenen Funktionen im Griff. Zudem leidet sie unter Medikamentenentzug und hat Halluzinationen von winkenden Eichhörnchen. Doch sie will sich mit diesem Zustand nicht abfinden und kämpft sich langsam aber bestimmt in ihr Leben zurück. Dabei erlangt sie zu so mancher Erkenntnis über sich und ihre Umwelt.


    Schreibstil:

    Das Ganze ist zum größten Teil als eine Art innerer Monolog aufgebaut, dh ähnlich wie die Protagonistin selbst, erfährt auch der Leser erst so nach und nach – gleichsam den Erinnerungsfetzen Rahels- häppchenweise die Vorgeschichte, die zum jetzigen Zustand Rahels geführt hat.


    Charaktere:

    Als Leser/Hörer schließt man die Protagonistin Rahel sofort in sein Herz: denn trotz ihrer misslichen Lage und aller Rückschläge, die sie während ihres Krankenhausaufenthaltes und danach erleiden muss, verliert sie nie ihren einzigartigen Sinn für Humor. Man ist völlig auf ihren Charakter fixiert und kann auf diese Weise sämtliche Höhen und Tiefen Rahels nachempfinden.

    Als Nebenfiguren treten Rahels Familienmitglieder auf, die kompromisslos zu ihr stehen und sie in dieser schweren Zeit begleiten. Auch Olli, Rahels Lebensgefährte tritt dabei in Erscheinung, auch wenn er nicht so zu ihr zu stehen scheint wie ihre restliche Familie.


    Cover:

    Auf dem Cover erkennt man das Bild eines winkenden Eichhörnchens, welches wie durch ein Kaleidoskop betrachtet erscheint. Dieses Eichhörnchen begleitet Rahel durch ihre schwere Zeit als Halluzination und steht hier als Symbol für „die andere Seite“, der Welt der Komapatienten, über die von außen bestimmt wird, und die erst lernen müssen, jegliches Schamgefühl und jeglichen Sinn für Selbstbestimmung hintenanzustellen.


    Autorin:

    Dies ist das Erstlingswerk von Anika Decker, welche sich davor einen Namen als Drehbuchautorin und Regisseurin gemacht hat. Mit dem Film „Keinohrhasen“ schaffte sie ihren großen Durchbruch.

    Anika Decker weiß, wovon sie schreibt, denn mit diesem Buch verarbeitet sie eigene Erfahrungen, die sie während eines längeren Klinikaufenthaltes gemacht hat, bei dem sie selbst wiederbelebt werden musste. Das verleiht dem Buch große Authentizität.


    Sprecherin:

    Das Hörbuch bekommt noch eine zusätzliche Lebendigkeit durch die Performance einer wunderbaren Katja Riemann. Allein ihre erfrischend komische Art zu lesen haucht dem Ganzen sehr viel Leben ein!


    Meinung:

    Als ich mit dieses Hörbuch begann, hatte ich mich noch kaum mit dessen Inhalt befasst und wusste dementsprechend nicht, worauf ich mich hier einließ. Doch schon nach wenigen Momenten hatte es mich in seinen Bann gezogen, ich war verblüfft, wie positiv und wie komisch man ein an sich trauriges Thema behandeln konnte. Selbst tragischsten Momenten rang Anika Decker hier noch eine unglaublich witzige Situationskomik ab, die einen trotz allem herzlich auflachen ließ. Das Ganze driftete jedoch niemals in Klamauk ab, im Gegenteil, es gewann immer mehr an Tiefe, sodass ich mich an etlichen Stellen dabei ertappen musste, verstohlen die eine oder andere Träne wegzuwischen, da mir die Erzählung so zu Herzen ging. Etwa die Szene, in welcher Rahels Vater seiner Tochter Mut machen wollte und ihr von seiner heldenhaften Rettung Rahels als kleines Mädchen erzählte, um ihr zu demonstrieren, dass man sich manchmal überwinden musste, um über sich hinauswachsen zu können. Anka Decker schaffte es hier durch ihre treffende Beschreibung einmal mehr, ein Wechselbad an Gefühlen hervorzurufen, Gänsehautgefühl ging in herzliches Lachen über!

    Trotz aller Heiterkeit birgt dieses Buch jedoch eine klare Botschaft: Jede Veränderung, jeder Umbruch bedeutet für jeden in erster Linie Angst vor dem Ungewissen! Aber wie sehr man auch zu kämpfen hat, am Ende werden einen seine Bemühungen weiterbringen!


    Fazit:

    Ein tolles Buch, das Einblicke in die tiefsten Untiefen des menschlichen Daseins gewährt und das auch so manchem Angehörigen eines Schwerkranken/Komapatienten die Augen öffnen kann, was der Patient durchmacht, denn oft sind es die kleinen Dinge, die dem Betroffenen so zu schaffen machen, und denen ein Außenstehender vielleicht gar keine so große Bedeutung beimisst!

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    "Wir von der anderen Seite" erzählt vom Krankenhaus- und Reha-Aufhalt einer 35jährigen Frau, deren lästiger Nierenstein zu einer Blutvergiftung mit multiplem Organversagen führte bis sie letztendlich ins Koma versetzt wurde. Nun muss sie sich auf den schmerzhaften Weg zurück zu einem normalen Leben machen. Dabei kann sie anfangs noch nicht mal einen Löffel halten...


    Obwohl das Buch mehr ein 'Bericht' als ein Roman ist, so fand ich es extrem lesenswert. Trotz der Schwere des Themas hat Anita Decker, ihres Zeichens Drehbuchautorin für Komödien, einen leichten Ton gefunden (gespickt mit etwas schwarzem Humor) - ohne dass sie irgendetwas verharmlost oder übertrieben witzig darstellt! Aber es liest sich einfach super, und man fühlt mit Rahel auf jedem ihrer Schritte mit.


    Das ist wohl auch deshalb so, weil ich beim Lesen immer im Hinterkopf hatte, dass die Autorin ihre eigenen Erfahrungen niedergeschrieben hat. Wobei man nicht weiß, wo sie sich dichterische Freiheiten genommen hat und wo etwas genau so passiert ist. Eine schreckliche und erschreckende Erfahrung ist es ganz bestimmt gewesen. Zum Glück hat sie eine so tolle Familie an ihrer Seite, die hatte ich sofort ins Herz geschlossen! Über ihre Tätigkeit als Drehbuchautorin, so ein bisschen "Hinter den Kulissen", hätte ich zu gerne noch mehr erfahren. Dafür hätte ich den ganzen Beziehungskram, der im letzten Drittel des Buches im Mittelpunkt steht, nicht in diesem Umfang gebraucht. Den Anfang, wo es allein um Rahel und ihre Genesung ging, fand ich deutlich interessanter. Aber es gehört wohl alles zum Prozess, den unsere Protagonistin durchlaufen ist, dazu.


    "Lacht laut und heult leise!" - diesen 'Tipp' (oder ist es vielmehr eine Aufforderung?) von Bora Dagtekins Testemonial zu diesem Buch kann ich zu 100% weitergeben.

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