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Isaac Bashevis Singer - Die Gefilde des Himmels. Eine Geschichte vom Baalschem Tow / Reaches of Heaven. A Story of the Baal Shem Tov

Die Gefilde des Himmels

3.5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: dtv

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 128

ISBN: 9783423252201

Termin: Juni 2004

Klappentext / Inhaltsangabe: Eine Annäherung an das Leben des Begründers des Chassidismus im 18. Jahrhundert in Polen und seiner Tochter, die gegen die traditionelle Rolle der Frau rebellierte. Er ist arm, verliert früh Vater und Mutter – doch er findet Menschen, die ihn fördern. Schon als Knabe beschäftigt er sich mit der Kabbala und versucht den Geheimnissen von Himmel und Erde auf die Spur zu kommen und Antworten auf seine vielen Fragen zu finden. Aus dem Wunderkind wird ein gelehrter junger Mann, dessen Rat man alsbald sucht, und er verliebt sich ... Man weiß wenig Authentisches über diesen Israel ben Elieser, genannt Baalschem Tow, der als Begründer des Chassidismus im 18. Jahrhundert in Wolhynien lebte, sich gern in der Natur aufhielt und als religiöser Führer Fröhlichkeit und Tanz predigte. Demnach »handelt sich hier um nichts anderes als die Impressionen oder Phantasiebilder des Autors von Rabbi Israels Art zu denken, seinen Gefühlen, seinen spirituellen Triumphen und Enttäuschungen«, wie Isaac B. Singer schreibt.
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  • Zum Inhalt:


    Eine Annäherung an das Leben des Begründers des Chassidismus im 18. Jahrhundert in Polen und seiner Tochter, die gegen die traditionelle Rolle der Frau rebellierte.


    Er ist arm, verliert früh Vater und Mutter – doch er findet Menschen, die ihn fördern. Schon als Knabe beschäftigt er sich mit der Kabbala und versucht den Geheimnissen von Himmel und Erde auf die Spur zu kommen und Antworten auf seine vielen Fragen zu finden. Aus dem Wunderkind wird ein gelehrter junger Mann, dessen Rat man alsbald sucht, und er verliebt sich ...


    Man weiß wenig Authentisches über diesen Israel ben Elieser, genannt Baalschem Tow, der als Begründer des Chassidismus im 18. Jahrhundert in Wolhynien lebte, sich gern in der Natur aufhielt und als religiöser Führer Fröhlichkeit und Tanz predigte. Demnach »handelt sich hier um nichts anderes als die Impressionen oder Phantasiebilder des Autors von Rabbi Israels Art zu denken, seinen Gefühlen, seinen spirituellen Triumphen und Enttäuschungen«, wie Isaac B. Singer schreibt.



    Über den Autor:


    Isaac Bashevis Singer wurde am 14. Juli 1904 in Radzymin in Polen geboren und wuchs in Warschau auf. Er erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung. Mit 22 Jahren begann er, für eine jiddische Zeitung in Warschau zu schreiben, erst auf hebräisch, dann auf jiddisch. 1935 emigrierte er in die USA und gehörte dort bald zum Redaktionsstab des ›Jewish Daily Forward‹. 1978 wurde ihm für sein Gesamtwerk der Nobelpreis für Literatur verliehen. Für Aufsehen sorgten auch die Verfilmungen seiner Werke ›Freinde, die Geschichte einer Liebe‹ und ›Jentl‹. Am 24. Juli 1991 starb Singer in Miami.


    (Quelle: amazon.de)



    Meine Meinung:


    Ich habe diese Geschichte gern gelesen, wünschte mir aber (wie so oft), der Autor hätte stattdessen einen Roman geschrieben. Nun kann ich natürlich einer Erzählung schlecht vorwerfen, dass sie eine Erzählung ist; höchstens dem Autor, dass er den Umfang, die Tiefe und das erzählerische Potenzial der Geschichte in seinem Werk nicht ausgeschöpft hat. Gleichzeitig muss ich respektieren, dass er das eben offenbar nicht wollte, und versuchen, mich dennoch an der Geschichte zu erfreuen, wie sie nun einmal vorliegt...


    Und das konnte ich in diesem Fall durchaus. Die Erzählung ist, was den Gehalt an biografischen Fakten enthält, weitgehend frei erfunden - das verdeutlicht Singer wohlweislich schon in seiner Vorbemerkung. Man nähert sich in der Lektüre also nur einem möglichen Leben dieses Mannes an, der als Begründer des Chassidismus gilt, einer mystisch geprägten Bewegung im osteuropäischen Judentum. Wohl aber gelingt es Singer, in seiner Erzählung das Gegankengut, die theologischen Fragen und die Alltagssorgen der Jüdinnen und Juden im Polen des 18. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen, die den Boden bereiteten für eine Bereitschaft der Menschen, sich auf Gottesbegegnungen in mystischer Schau und ekstatischem Tanz einzulassen, begleitet von dem intensiven Wunsch, dass doch endlich der Messias erscheinen und dem (jüdischen) Leid auf Erden ein Ende bereiten möge.


    Das sensible, meditativ ausgerichtete Wesen des Helden Israel ben Elieser zeichnet Singer dabei einfühlsam nach; alle anderen Figuren kommen hoffnungslos zu kurz. Dies gilt v.a. für die im Verlagstext als weitere Hauptfigur angekündigte Tochter Hodel. Gerade einmal auf den letzten 15 Seiten findet sie nähere Aufmerksamkeit und dient hier dank ihres an Studium und Gebet orientierten, somit "unweiblichen" Wesens als Anknüpfungspunkt für einige kritische Reflexionen des Baal Shem Tov hinsichtlich der untergeordneten Rolle der Frauen im Judentum, die in der Kürze des Textes leider nicht weiter ausgeführt werden. Wie schon oben angedeutet, hätte mich das allerdings sehr interessiert. :lol:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Lg Sarange :cat:


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  • Vielen Dank für die Rezi Sarange ! Noch so ein Autor, von dem ich seit langem mal etwas lesen möchte, und doch kommt jedesmal ein anderes Buch dazwischen. Dieses hier spricht mich thematisch sehr an und ist trotz der bemängelten Kürze eventuell ein guter Einstieg, um Singers Schreibstil mal kennen zu lernen. Ich setze es mal auf die Merkliste.

  • (...) um Singers Schreibstil mal kennen zu lernen.


    Gut, dass du das erwähnst - ich wollte eigentlich vorhin noch ein paar Worte dazu verlieren, aber dann haben die Kinder nach Essen gekräht und es ist mir untergegangen... :lol:


    Ich weiß nicht, ob diese Geschichte typisch für Singers Stil ist, denn sie bleibt auch sprachlich ganz Erzählung, wie ich es eher von "älteren" Autoren gewöhnt bin: kaum Dialog, viel Betrachtung, Zusammenfassung, auktoriale Distanz... Ich bin ja, wie man sicher merkt, nicht so ein Fan von Erzählungen :lol: , aber eine, die ich sehr mag, ist "Die Waage der Baleks" von Heinrich Böll - daran hat Singers Geschichte mich vom Duktus her ein wenig erinnert.


    Das Büchlein lässt sich entspannt an ein bis zwei Abenden lesen und deine Meinung dazu würde mich sehr interessieren. :winken:

    Lg Sarange :cat:


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  • Und das Original, wobei ich mir nicht sicher bin ob es vorher in jiddisch geschrieben wurde: Reaches of Heaven: A Story of the Baal Shem Tov


    Dazu weiß Wiki:


    Isaac Bashevis Singer verfasste seine Romane und Geschichten ausschließlich zuerst auf Jiddisch und veröffentlichte sie zunächst in Fortsetzungen in jiddischen Literaturzeitschriften und im Forverts, worauf er sie in Teilauswahl für die amerikanische Fassung, die den weiteren Übersetzungen zugrunde lag, überarbeitete und lektorierte (er sprach von seinem „zweiten Original“). Anfang der 1950er Jahre begann er konsequent mit der Übersetzung seiner Werke ins Englisch. Dieser Schritt machte ihn international dann sehr bekannt. Me fregt mich oft, sagte er dazu, far woß schrajbßte jiddisch? Und er antwortete: Doß is majn schprach. In der dosiker schprach wil ich gewinen oder farlirn.


    EDIT: Die jiddische Version des Wiki-Artikels verzeichnet "Reaches of Heaven" unter Singers wenigen Texten, die direkt auf Englisch erschienen sind. :-k

    Lg Sarange :cat:


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