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Peternelle van Arsdale - Tief im Wald / The Beast is an Animal

Tief im Wald

3.8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783453319912

Termin: Mai 2019

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  • Alys ist sieben, als die Seelenesser eines nachts in ihr Dorf kommen. Am Morgen danach sind alle Erwachsenen tot. Alys und die anderen Kinder müssen fortan in einem Nachbardorf leben, wo die Menschen gläubig sind und das Biest fürchten, das tief im Wald lebt. Doch das Biest ist nicht das, was es zu sein scheint – ebenso wenig wie Alys. Das Mädchen spürt, dass es in seinem Inneren mit den Seelenessern verbunden ist. Als Alys älter und ihre geheime Gabe stärker wird, sehnt sie sich immer mehr nach der Freiheit jenseits des Dorfes. Da schlägt das Schicksal erneut zu, und Alys macht sich auf die gefährliche Reise in den dunkelsten Teil des Waldes … (Klappentext)


    ✴✴✴✴✴

    "Sie waren zu etwas anderem geworden und merkten, dass sie kaum noch ein Bedürfnis nach Essen oder Wasser hatten. Es gab so viele furchtsame, verunsicherte Seelen auf der Welt, die nur darauf warteten, gegessen zu werden. Alles, was die Schwestern tun mussten war, sie einzuatmen."
    (S. 22)


    Alys ist ein siebenjähriges Mädchen, welches mit seinen Eltern in einem Dorf namens Weizheim lebt. Schon immer wusste sie, dass sie anders war als die anderen Kinder. Sie verspürte keine Angst, weder vor den Wölfen, noch vor den Seelenesserinnen und der Bestie, welche sich im Wald herumtreiben. Einzig vor der Nacht fürchtet sich Alys, denn sie konnte nicht schlafen ... niemals.

    Eines Nachts beschloss sie nicht mehr einfach still und wach in ihrem Bett auf den Morgen zu warten. Sie schlüpfte leise aus dem Bett und ihre kleinen Füße trugen sie wie von selbst auf das große Feld neben dem Wald. Plötzlich standen zwei Frauen vor ihr, die äußerst seltsam aussahen. Sie solle schlafen, sagten sie zu ihr und das erste Mal überkam Alys Müdigkeit und sie fiel in einen tiefen Schlaf, mitten auf dem Feld.

    In dieser Nacht starben in Weizheim alle Erwachsenen, während die Kinder in einen tiefen Schlaf verfielen. Die Bewohner des Dorfes Schafsdorf nahmen sich der Kinder an. Es waren strenggläubige Menschen, die zum Hirten beteten, die Bestie und deren Seelenesserinnen fürchteten und den Wald mieden.

    Doch seit dieser Nacht fühlte sich Alys dem Wald und dessen Kreaturen nah und verbunden, während sie sich in diesem Dorf immer fremder fühlte. Gehört sie etwa zu den Bösen? Ist sie verflucht? Und was hat es mit der Bestie und den Seelenesserinnen wirklich auf sich?


    "Wäre sie nämlich nicht so ungehorsam gewesen, dann gliche sie allen anderen Kindern in Weizheim. Sie wäre zwar immer noch eine Waise, aber wenigstens nicht böse.
    'Wenn etwas Besonderes an mir ist', überlegte sie, 'dann, dass etwas mit mir nicht stimmt'."
    (S. 70)

    Hier eröffnet sich einem eine wunderbare und düstere Geschichte zugleich. Eine Geschichte über ein Mädchen, welches sich nirgends zugehörig fühlt, nicht weiß, ob es gut oder böse ist und welches versucht Antworten zu finden. Es ist auch eine Geschichte über das Gute und das Böse, das Schönheit hässlich sein kann und das Gut und Böse nicht immer dort zu finden sind, wo man sie vermutet. Dies in einem Erzählstil, der an die ursprünglichen Grimms Märchen erinnert und einen ganz eigenen Sog entwickelt.

    Es ist kein Fantasy- und kein Horror-Roman, sondern ein Märchen, welches eher ruhig daherkommt, durchzogen mit Passagen, die an einen Schauerroman erinnern, begleitet von Spannungsmomenten, Melancholie und zwischen den Zeilen eine wunderbare Message beinhaltet.


    "Es war der Wald, von dem Mütter und Väter ihre Kinder fernhielten. Von ihm handelten all die Geschichten, es war der Ort, an dem Albträume geboren wurden.
    'Es ist ein Wald wie jeder andere', sagte sich Alys. Und doch schien er ihr dunkler als alle, in denen sie bisher gewesen war."
    (S. 239)


    Es wird aus der Sicht von Alys erzählt, hin und wieder unterbrochen von Passagen, welche den Leser in die Perspektive der Seelenesserinnen blicken lässt.

    Während man Alys von Anfang an ins Herz schließt, mit ihr leidet, mitfiebert und ebenso wie sie die Antworten finden möchte, weiß man nicht so recht was man von den Seelenesserinnen halten soll. Man empfindet für sie Mitleid, findet sie faszinierend und zugleich auch abstoßend. Ebenso verhält es sich mit der Bestie, welche in den Wäldern lauert und immer wieder die Nähe von Alys sucht, bzw. fühlt sich Alys zu der dunklen Gestalt hingezogen.

    Im Verlauf der Geschichte kann man beobachten, wie sich Alys entwickelt und mit ihr entwickelt sich die Story, wird erwachsener, düsterer und auch spannender. Und so huscht man an der Seite dieses Mädchens durch das Buch und kann erst mit dem Lesen aufhören, wenn man die Antworten kennt und am Ende angelangt ist.


    "Ihr Haar war lang und schwarz und wild, voller Blätter und Zweige. Ihre Kleider schienen ebenfalls aus Blättern und Zweigen zu bestehen ... oder aus Erde, falls man aus Erde Kleider fertigen konnte."
    (S. 118)


    Fazit:

    Kaum zu glauben, dass dies ein Debüt einer jungen Autorin ist, denn der Schreibstil konnte mich von Anfang an begeistern und entführte mich in eine ganz besondere Welt eines Schauermärchens.

    Schaurig, düster, ruhig und fesselnd zugleich und eine Geschichte, welche sich mit der Protagonistin weiterentwickelt und wächst.

    Kurz - es bescherte mir herrliche Lesestunden und wurde für mich zu einem kleinen Lesehighlight. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    "Die Bestie ist bös
    Flüstert nachts in dein Ohr
    Schlüpft in deine Träume
    Hat noch was mit dir vor.

    Du glaubst, in deinem Bett bist du sicher
    Dich wird sie nicht fressen
    Hat deine Mama nicht g'rad deine Wange geküsst?
    O nein, die Bestie war's ... sie freut sich auf's Essen!"
    (S. 328)



    © Pink Anemone (inkl. Leseprobe)

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Peternelle van Arsdale - Tief im Wald - The Beast is an Animal“ zu „Peternelle van Arsdale - Tief im Wald / The Beast is an Animal“ geändert.
  • Vielen Dank für deine Rezenstion, Ambermoon:winken: Und die Bilder dazu. :thumleft: Wie immer sehr inspirierend. Das Buch kommt auf die Wunschliste. Da das Buch bei meiner Onleihe gibt, denke ich, dass ich recht bald in Genuss des Lesens komme. Danke noch mal.

    2019: Bücher: 151/Seiten: 61 897
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Etzold, Veit - Seelenangst

  • Emili Vielen Dank! Ich bin schon gespannt, wie es Dir gefallen wird. :lechz:

    Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
    :twisted:

  • Da das Buch bei meiner Onleihe gibt, denke ich, dass ich recht bald in Genuss des Lesens komme.

    Wie gedacht, kam ich recht schnell dazu, das Buch zu lesen. :winken:Die Kurzbeschreibung und auch die Rezension haben mich doch sehr neugierig gemacht.

    Leider, war diese Geschichte nicht mein Fall. [-( Ich konnte es gar nicht so richtig einordnen, denn so richtig Horror war es nicht, dafür ist es zu seicht und gar nicht schaurig (zumindest für mich) . Als Fantasy konnte ich es auch nicht einordnen. In Rezensionen wird der Roman als Märchen bezeichnet, doch ich würde das Buch keinem Kind vorlesen. Dann wäre bloß ein Märchen für Erwachsene mit Schauerelementen passend. Aber wie auch immer, das Genre ist auch nicht ausschlaggebend für meine Abneigung dem Roman gegenüber. Ich fand den Erzählstil viel zu simple. Liest sich wie eine Geschichte für Kinder, wobei ich noch mal sagen muss, keinem Kind würde ich die Story vorlesen, denn da gibt es Elemente, die einem Kind Unbehagen bereiten könnten. Auch der Plot war nicht gerade originell. Die Idee auf jeden Fall interessant und man könnte mehr daraus machen. Aber das ist, meiner Meinung nach, nicht geschehen. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Autorin die Geschichte in die Länge zog und mit unbedeutenden Passagen füllte. Die gesamte Handlung könnte man auf wenigen Seiten unterbringen. Mir hat die Story, leider, nicht so gut gefallen.

    2019: Bücher: 151/Seiten: 61 897
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

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