Mark Grinsted - Coburg Darmstadt Windsor (ab 28.07.2019) (mit Autor)

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  • Aber andererseits, wenn sie ihm "privat" geschrieben hätte, ob das wirklich was genutzt hätte?

    Sie hat ihm später auch "privat" geschrieben, als es um die Erziehung der Charlotte ging, bekam aber den Brief ungeöffnet zurück, weil ihr Mann nur durch die Hände seiner Minister Briefe empfangen würde. Daraufhin hat sie diesen Brief in den Zeitungen veröffentlichen lassen. Menschlich mehr als verständlich aber taktisch unklug. Wie bei Diana auch.

  • muss somit diese Aussage revidieren. Georg IV wollte also die Scheidung, aber ich verstehe nicht warum. Egal, er bekam sie nicht durch.

    Ich kann mit vorstellen, ihm war der Gedanke zuwider, dass die Tochter seiner verhassten Frau ihm einmal als Königin nachfolgen würde. Ein Sohn aus einer zweiten legitimen Ehe wäre doch die Lösung gewesen. Es gab beispielsweise Gerüchte, die verwitwete Herzogin von Oldenburg sei zu Besuch in England wegen einer möglichen Heirat mit Georg, falls er die Scheidung durchgebracht hätte.

  • muss somit diese Aussage revidieren. Georg IV wollte also die Scheidung, aber ich verstehe nicht warum. Egal, er bekam sie nicht durch.

    Ich kann mit vorstellen, ihm war der Gedanke zuwider, dass die Tochter seiner verhassten Frau ihm einmal als Königin nachfolgen würde. Ein Sohn aus einer zweiten legitimen Ehe wäre doch die Lösung gewesen.

    Das wäre vorstellbar :-k

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Stephan Thome - Pflaumenregen MLR


  • Das hat gar nichts mit Grammatik zu tun, sondern mit übertriebener political correctness, so richtig typisch deutsch

    Ich finde das auch schrecklich und muss auch sagen, dass Deutschland, bzw. deutsche Politiker mir immer unsympathischer wird/ werden. Statt Energie auf dieses ganze Gegendere und Themen wie das dritte Geschlecht zu verschwenden, wäre es schön, wenn man sich endlich mal um die immer gravierenderen Probleme im Land kümmern würde.

    Ohne Scheidung konnte er fröhlich weitermachen wie bisher und die Thronfolge war ja durch seine Tochter gesichert.

    Weibliche Thronfolger wurden eigentlich immer als suboptimal angesehen, das war schon zu Zeiten von Matilda versus Stephen ("Anarchy" im 12. Jahrhundert) und von Elizabeth I so. Insofern hätte George sich scheiden lassen oder die Ehe unter einem Vorwand annullieren lassen können, eine Begründung dafür hätte man schon gefunden. Dann hätte er in seiner zweiten Ehe, falls auch diese nicht nach seinem Geschmack gewesen wäre, nur so lange durchhalten müssen, bis er einen oder zwei männliche Thronerben gehabt hätte.

    aber sie war auch extrem undiplomatisch in ihrem Verhalten - wie naiv kann man denn sein?

    Sie war undiplomatisch, aber was hätte sie schon tun können? Ihr Mann hat sie doch von Anfang an abgelehnt.

    Und mir fielen auch sofort die Parallelen zu Diana auf. Mit dem Unterschied allerdings, dass Caroline weitaus weniger Möglichkeiten hatte, an ihrer Situation was zu ändern als Diana,

    Diana hatte den Vorteil, dass es moderne Medien gab und sie in diesen sehr präsent war, jeder kannte ihr Gesicht und ihre Geschichte. Sie verstand es ja auch, sich als "Königin der Herzen" zu entwickeln. Damit hatte sie Millionen mehr "Fans" als die arme Caroline, deren Geschichte vermutlich nur im näheren Umfeld des Hofes bekannt war - zumindest bis zu den Offenen Briefen.

    Bei ihren "offenen Briefen" an ihren Mann habe ich gleich gedacht, ob das wohl eine so gute Idee gewesen ist.

    Das war sicher keine so gute Idee, aber es blieb ihr wohl nichts Anderes übrig, nachdem ihr Mann sie ignorierte und zu feige(?) für eine persönliche Konfrontation war.

    Das glaube ich nicht. Scheidungen waren bei "Königs" immer sehr verpönt. Da sind wir wieder beim Thema "Diana": Wie lange hat das gedauert, bis sie und Charles geschieden waren?

    Wie gesagt, eine Scheidung oder Annullierung wäre meiner Meinung nach machbar gewesen. Das hätte auch diskreter stattfinden können als bei Diana. Bei Diana, die so omnipräsent und beliebt war, hat man lange gezögert, um dem zu erwartenden "Shitstorm" zu entgehen, zumal das Ansehen der Königsfamilie seinerzeit schon auf dem Nullpunkt war.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Insofern hätte George sich scheiden lassen oder die Ehe unter einem Vorwand annullieren lassen können, eine Begründung dafür hätte man schon gefunden. Dann hätte er in seiner zweiten Ehe, falls auch diese nicht nach seinem Geschmack gewesen wäre, nur so lange durchhalten müssen, bis er einen oder zwei männliche Thronerben gehabt hätte.

    Wie im restlichen Teil bis S. 93 zu lesen war, hat er ja offensichtlich nach Scheidungsgründen gesucht, aber keine belegbaren gefunden. Das ist jetzt Spekulation, aber vielleicht waren seine Eltern dann doch zu konservativ-puritanisch, um ihrem Sohn völlig nachzugeben und irgendetwas fingiertes als Grund zuzulassen? Noch war Georg IV ja nicht König....

    Sie war undiplomatisch, aber was hätte sie schon tun können? Ihr Mann hat sie doch von Anfang an abgelehnt.

    Mit etwas mehr Diplomatie hätte sie aber evtl. etwas mehr Unterstützung gewinnen können? Aber das ist alles nur spekulativ, wer weiß das schon genau. Jedenfalls tut sie mir mittlerweile richtig leid. Und die nächste, die mir leid tut, ist ihre Tochter


    Charlotte, Prinzessin von Wales (S. 94 bis 107)

    Der ergeht es ja genauso wie ihrer Mutter. Und da sie ganz klar erkennt, wo der Grund des Übels liegt und ihre Mutter unterstützt, geht es ihr im Prinzip fast noch schlechter. Wenigstens ist sie intelligent genug zu erkennen, dass ihr Vater sie abschieben will, und wehrt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Die natürlich wiederum sehr eng begrenzt sind, aber immerhin. Bei einem solchen Mann und Vater brauchen die beiden Frauen echt keine anderen Feinde mehr :wuetend:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Stephan Thome - Pflaumenregen MLR


  • Das ist jetzt Spekulation, aber vielleicht waren seine Eltern dann doch zu konservativ-puritanisch, um ihrem Sohn völlig nachzugeben und irgendetwas fingiertes als Grund zuzulassen?

    Das ist natürlich möglich, aber ich wundere mich dennoch, dass man das Problem der Thronfolge so locker gesehen hat. Selbst wenn Charlotte ein Mann gewesen wäre, wäre die Befürchtung, dass ein einziger Thronfolger jung sterben könnte, nicht unrealistisch gewesen. Angesichts der großen Zahl von Kindern/ Jugendlichen/ jungen Leuten, die plötzlich verstarben, wäre es sinnvoll gewesen, wenigstens zwei oder drei potenzielle Thronfolger zu zeugen.

    Charlotte, Prinzessin von Wales (S. 94 bis 107)

    Charlotte hat mir auch leidgetan. War ihre Kindheit schon durch die dauernden Trennungen von ihrer Mutter misslungen, sollte sie auch noch in die Ehe mit einem ihr nicht genehmen Mann verschachert und von ihrem Vater ins Ausland "entsorgt" werden. Aber sie hat auf jeden Fall Respekt verdient, wie sie sich dagegen gewehrt , Bedingungen ausgehandelt und Wilhelm von Oranien ausgetrickst hat.

    Man hätte ihr wirklich ein längeres, glückliches Leben mit Leopold gewünscht und es wäre auch interessant, wie die Geschichte dann verlaufen wäre: keine Queen Victoria als Königin und als "Großmutter Europas" und keine Elizabeth II auf dem Thron...

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  • Sie hat ihm später auch "privat" geschrieben, als es um die Erziehung der Charlotte ging, bekam aber den Brief ungeöffnet zurück, weil ihr Mann nur durch die Hände seiner Minister Briefe empfangen würde. Daraufhin hat sie diesen Brief in den Zeitungen veröffentlichen lassen. Menschlich mehr als verständlich aber taktisch unklug. Wie bei Diana auch.


    Ich kann mit vorstellen, ihm war der Gedanke zuwider, dass die Tochter seiner verhassten Frau ihm einmal als Königin nachfolgen würde. Ein Sohn aus einer zweiten legitimen Ehe wäre doch die Lösung gewesen.

    Andererseits hat er sich ja ohnehin gefragt, ob die Ehe mit Karoline legitim war, hatte er doch zuvor Mary Fitzherbert geheiratet (S. 95). Dann hätte eine Scheidung von Karoline und Wiederheirat nichts genützt, denn die Ehe mit Mrs. Fitzherbert wäre immer noch in der Welt gewesen.

    Ich hatte in einem anderen Buch (ich glaube, es war in dem Buch von Thea Leitner, "Skandal bei Hof") gelesen, dass er zum Ende seines Lebens noch immer von "Mary Fitzherbert, seinem Weib vor Gott" gesprochen hat.


    Das war sicher keine so gute Idee, aber es blieb ihr wohl nichts Anderes übrig, nachdem ihr Mann sie ignorierte und zu feige(?) für eine persönliche Konfrontation war.

    Es war also vollkommen egal, was sie machte, es wäre alles verkehrt gewesen. Und eine stumme Dulderin war sie weiß Gott nicht!

    aber vielleicht waren seine Eltern dann doch zu konservativ-puritanisch, um ihrem Sohn völlig nachzugeben und irgendetwas fingiertes als Grund zuzulassen? Noch war Georg IV ja nicht König....

    Aber Georg III. war geistig umnachtet und wusste nicht, was mit ihm geschweige denn anderen geschah, und Königin Charlotte stand auf der Seite ihres Sohnes, wenn ich das richtig verstanden habe.


    Charlotte, Prinzessin von Wales (S. 94 bis 107)


    Eine Königin Charlotte wäre wirklich interessant gewesen. Mich fasziniert, dass sie, obwohl sie in so schlechten Verhältnissen aufgewachsen ist, nicht wie so viele andere Frauen die erstbeste Gelegenheit ergreift, durch eine Heirat diesen Verhältnissen zu entfliehen. Und zwar so weit weg wie irgendwie möglich, in diesem Fall in die Niederlande. Dass sie es nicht getan hat, zeigt meiner Meinung nach ihr Verantwortungsbewusstsein und meinetwegen auch ihre Sturheit.

    Bei einem solchen Mann und Vater brauchen die beiden Frauen echt keine anderen Feinde mehr :wuetend:

    Du sagst es ](*,).


    Ich werde dann mal weiterlesen mit Leopold :).

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • hatte er doch zuvor Mary Fitzherbert geheiratet (S. 95)

    War das denn wirklich eine gültige Ehe oder eher so ein Spektakel, das er Mary vorgespielt hat, da sie nicht seine Geliebte werden wollte? Da sie katholisch war, hätten George III und seine Frau die Ehe wohl kaum anerkannt? Sie war außerdem auch nicht (hoch)adelig genug.

    Aber Georg III. war geistig umnachtet und wusste nicht, was mit ihm geschweige denn anderen geschah,

    Ich dachte, dass er anfangs noch den Durchblick hatte und allmählich der Umnachtung anheim fiel. Ich habe mal in einem medizinhistorischen Buch gelesen, dass seine fortschreitende Umnachtung mit seiner Porphyrie in Verbindung gebracht wurde.

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  • War das denn wirklich eine gültige Ehe oder eher so ein Spektakel, das er Mary vorgespielt hat, da sie nicht seine Geliebte werden wollte?

    Objektiv war sie absolut nicht gültig, weil er in zweierlei Hinsicht gegen die "Ehegesetze" verstoßen hat: Mary war katholisch, und der König hat der Heirat nicht zugestimmt.

    Aber in seinen eigenen Augen war sie wohl gültig, bzw. er hatte zumindest ernsthafte Zweifel, ob die Ehe mit Mary gültig war und damit die Ehe mit Caroline ungültig.

    Ich dachte, dass er anfangs noch den Durchblick hatte und allmählich der Umnachtung anheim fiel.

    Das hatte er auch, und da hatte er seinen Sohn auch noch einigermaßen im Griff (siehe, dass er zu der Ehe mit Caroline "gezwungen" wurde, damit seine Schulden beglichen werden). Als der Prinzregent dann ernsthaft über Scheidung nachdachte, war Georg III. bereits geistig umnachtet (daher ja auch der Prinzregent).


    Ich habe dann mal weitergelesen, das war so spannend.


    Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld, Carolines Reisen, Leopold und Charlotte (S. 107 - 130)

    Charlotte entpuppt sich immer mehr als faszinierende Persönlichkeit. Ich finde es so schön, dass sie es durchsetzen konnte, den Mann heiraten zu dürfen, den sie liebt, und mit ihm auch in England bleiben zu können. Das ist keine Kleinigkeit bei einem solchen Vater! Das i-Tüpfelchen wäre natürlich die Anwesenheit ihrer Mutter bei der Hochzeit gewesen.


    MarkG , ist das auf S. 111 ein Fehler mit dem neu eingesetzten König Louis XVII.? Denn Louis XVII. war der im Temple verstorbene Sohn von Louis XVI. und Marie Antoinette. Bei dem erwähnten König müsste es sich um Louis XVIII., den Bruder von Louis XVI., handeln.


    Die Schilderung der Hochzeit und des jungen Ehelebens von Charlotte und Leopold finde ich sehr schön.

    Die zitierten Verse aus Heinrich VIII., die anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten dargebracht wurden, waren ja sehr passend. Und mir waren auch schon die Parallelen aufgefallen zwischen der Geschichte von Heinrich VIII. mit seinen Töchtern und Georg (IV.) mit Charlotte.


    Währenddessen reist Caroline in der Welt herum.

    Übrigens, es wird ein Baron Ompteda erwähnt, der Botschafter Hannovers am Wiener Hof, der Caroline während ihrer Reise ausspioniert und Beweismaterial sammelt (wofür?). In Hannover gibt es eine Omptedastraße. Da muss ich mich mal informieren, ob die Straße tatsächlich nach diesem Baron Ompteda benannt wurde.

    Diese ganzen Reisen waren sehr faszinierend. Und sie ist ja richtig weit gekommen, bis in den Orient, ins Heilige Land und Alexandria :shock:. Da war sie bestimmt glücklich und stand nicht so unter Druck (wenn auch trotzdem unter Beobachtung) wie in England. Sie konnte frei sein.


    Das waren jetzt insgesamt sehr positive, schöne Kapitel. Aber ich fürchte, dabei bleibt es nicht.

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    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Hier sind zwei zeitgenössische Anekdoten über die Geisteskrankheit des Königs, die den Weg ins Buch nicht gefunden haben (ich musste kürzen, und Georg III gehört ohnehin nicht zum Kernthema des Buchs) aber es sind schöne Geschichten, die ich Euch nicht vorenthalten wollte:


    "Einige Zeit bevor diese Krankheit den König, damals in Windsor, befiel, rief er seinen Oberstallmeister und fragte ihn nach dem Zustand seines Lieblingspferds: „Wird es jemals wieder zu was zu gebrauchen sein? Es war ein schwerer Sturz. Ich dachte, es wäre um mich geschehen.“ Der Mann wurde in Erstaunen versetzt, und unfähig zu verstehen, was sein königlicher Meister meinte, sagte nichts. Der König, von seinem Zögern überrascht, fragte ungeduldig, „Warum geben Sie mir keine Antwort? Es ist nicht Ihre Schuld, wenn das Pferd verdorben ist.“ Der Diener antwortete; „Herr, ich habe Sie nicht verstanden; noch weiß ich welches Pferd oder welche Umstände Sie meinen.“ „Was!“ rief seine Majestät, „Sie erinnern sich nicht an das Pferd, das mich gestern bei der Jagd abgeworfen hat? Was! Sie wissen nichts von dem Unfall, als Sie mich hochgeholfen, und das Pferd mit aufgeschnittenen und blutenden Knien weggeführt haben?“ Der Mann war noch mehr durcheinander, denn es hatte keine Jagd gegeben, noch hatte es einen solchen Unfall gegeben. Der König, der seine Verlegenheit bemerkte, schien nicht weniger perplex zu sein; und, mit der Hand an der Stirn, murmelte er in einem pathetischen Ton, „Guter Gott! Kann dieser starker Eindruck doch nur die Wirkung eines Traums sein? Gab es wirklich keine Jagd?“ Der Stallmeister, durch die Empfindlichkeit seines Meisters wieder belebt, sagte: „Nein, Herr, gewiss nicht; es gab keine Jagd; und Gott sei Dank, Sie hatten keinen Sturz.“ Daraufhin wurde der König sehr blass und sagte: „So, so, um so besser, und passen Sie auf, dass Sie niemandem davon erzählen; denn wenn Sie es tun, werden mich die Leute für verrückt halten." (Aus einer englischen Biografie des Herzogs von York von 1827)


    Und


    „Der König fuhr mit der Königin im Großen Park von Windsor, als er plötzlich ausrief: „Da ist er ja!“, und stieg von seinem Phaeton ab … Seine Hoheit ging jetzt auf eine ehrwürdige Eiche zu, die die Einsamkeit dieses Teils des Parks seit fast eineinhalb Jahrhunderten belebt hatte. Ein paar Meter davor, zog er den Hut und schritt mit Verbeugungen und mit dem größten Respekt vor; und dann nahm er einen der tieferen Äste und schüttelte ihn mit der größten Freundschaft und Respekt – genau so wie man einem Freund die Hand schüttelt … Als ich näher kam sah ich, dass der König in einer ernsthaften Unterhaltung vertieft war. Es war der König von Preußen mit dem der König dieses ländliche Interview führte. Kontinentale Politik war das Thema.“ (Aus einer Biografie von Georg IV aus dem Jahr 1831)

  • Dann hätte eine Scheidung von Karoline und Wiederheirat nichts genützt, denn die Ehe mit Mrs. Fitzherbert wäre immer noch in der Welt gewesen.

    Man stelle sich vor, Charlotte wäre tatsächlich Königin geworden, aber ihre Legitimität wäre dann wegen der Bigamie ihres Vaters in Frage gestellt worden. Das hätte zu einem Bürgerkrieg und dem Ende der Monarchie führen können. Auch wenn das alles erst nach seinem Tod geschehen würde, muss für Georg IV der Gedanke daran ein ständiger Albtraum gewesen sein. Das erklärt vielleicht auch zum Teil sein nicht sehr väterliches Verhalten. Charlotte konnte natürlich nichts dafür, aber in seinen Augen personifizierte sie sein Versagen.

  • aber ich wundere mich dennoch, dass man das Problem der Thronfolge so locker gesehen hat. Selbst wenn Charlotte ein Mann gewesen wäre, wäre die Befürchtung, dass ein einziger Thronfolger jung sterben könnte, nicht unrealistisch gewesen.

    Das ist mir auch aufgefallen, die Unbekümmertheit - das ist allerdings ungewöhnlich.

    von ihrem Vater ins Ausland "entsorgt" werden.

    Wobei sich hier ja auch wieder die Frage nach der Thronfolge stellt: wenn Charlotte ins Ausland entsorgt würde, wer würde Georg IV auf den Thron folgen? :scratch:

    Es war also vollkommen egal, was sie machte, es wäre alles verkehrt gewesen.

    Echt blöde Lage ](*,)

    Königin Charlotte stand auf der Seite ihres Sohnes, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Ja, tat sie, aber vielleicht hat sie doch nicht alles gut geheißen. Es gab ja sogar eine Untersuchungskommission, die aber keinen Scheidungsgrund finden konnte.

    War das denn wirklich eine gültige Ehe oder eher so ein Spektakel, das er Mary vorgespielt hat, da sie nicht seine Geliebte werden wollte? Da sie katholisch war, hätten George III und seine Frau die Ehe wohl kaum anerkannt? Sie war außerdem auch nicht (hoch)adelig genug.

    Vor der katholischen Kirche war diese Heirat wohl gültig, nach englischem Recht natürlich nicht. Aber immerhin hat Georgs Nachfolger Mary rehabilitiert und zurück nach England geholt (ich weiß auf Anhieb nicht die Seite, auf der das steht, aber Mark hat es so geschildert)

    Ich dachte, dass er anfangs noch den Durchblick hatte und allmählich der Umnachtung anheim fiel. Ich habe mal in einem medizinhistorischen Buch gelesen, dass seine fortschreitende Umnachtung mit seiner Porphyrie in Verbindung gebracht wurde.

    Aber wann er noch wie viel mitbekam oder noch einen geringfügigen Einfluss auf die Vorgänge hatte, lässt sich wohl kaum mehr rekonstruieren.

    Hier sind zwei zeitgenössische Anekdoten über die Geisteskrankheit des Königs, die den Weg ins Buch nicht gefunden haben (ich musste kürzen, und Georg III gehört ohnehin nicht zum Kernthema des Buchs) aber es sind schöne Geschichten, die ich Euch nicht vorenthalten wollte:

    Danke :)

    viele Grüße vom Squirrel


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  • Aber in seinen eigenen Augen war sie wohl gültig,

    Es wäre besser gewesen, die "freiwillige" Ehe mit Mary zu akzeptieren, auch wenn sie nicht den Vorstellungen des Schwiegervaters entsprach. In dieser Ehe hätte es zumindest vermutlich ausreichend Thronfolger gegeben und Prinz George wäre den Kindern ein liebevoller(er) Vater gewesen.

    Dazu gibt es auch eine heutige Parallele: Wenn man Charles gleich erlaubt hätte, seine Camilla zu heiraten statt einer Frau, mit der ihn nichts verband, wäre der Königsfamilie auch einiges erspart geblieben.

    Das i-Tüpfelchen wäre natürlich die Anwesenheit ihrer Mutter bei der Hochzeit gewesen.

    Das war für mich der finale Affront, dass Caroline nicht mal an der Hochzeit ihrer einzigen Tochter teilnehmen durfte.

    Die zitierten Verse aus Heinrich VIII., die anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten dargebracht wurden, waren ja sehr passend.

    Das kann man wohl sagen. Immerhin hatte Heinrich VIII Katharina von Aragon freiwillig geheiratet und die Ehe war auch gut, bis er sich in Anne Boleyn verliebte und unter dem Fehlen eines legitimen Sohnes litt. Caroline hatte dagegen keinen einzigen schönen Tag in ihrer Ehe, schon die Hochzeitsnacht, die der betrunkene Bräutigam vor dem Kamin verbrachte, war misslungen. Man fragt sich, wie die beiden zumindest eine Tochter zustande brachten.

    Hier sind zwei zeitgenössische Anekdoten über die Geisteskrankheit des Königs,

    Das ist sehr erschütternd und mitleiderregend. Heute kann man bei Demenz auch nicht wesentlich mehr tun, zumindest nicht bei Alzheimer. Porphyrie kann man wohl mit bestimmten Ernährungsregeln kontrollieren.

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  • Wobei sich hier ja auch wieder die Frage nach der Thronfolge stellt: wenn Charlotte ins Ausland entsorgt würde, wer würde Georg IV auf den Thron folgen? :scratch:

    Ich vermute, dass er darüber gar nicht nachgedacht hat (nach dem Motto "Nach mir die Sintflut), dass ihm das, was nach ihm war, völlig egal war, Hauptsache, diejenige, die ihn an die verhasste Ehefrau erinnert, wird es nicht.

    Es wäre besser gewesen, die "freiwillige" Ehe mit Mary zu akzeptieren, auch wenn sie nicht den Vorstellungen des Schwiegervaters entsprach.

    Nicht nur den Vorstellungen des Schwiegervaters. Nach dem Act of Settlement durfte er sie gar nicht heiraten!

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  • "Der Tod der Prinzessin Charlotte" bis Prinz Leopold als Witwer" (bis S. 158)


    Das Kapitel über Charlottes Tod ist sehr traurig, vor allem, wenn man bedenkt, wie überflüssig und sinnlos dieser viel zu frühe Tod nach kurzer, glücklicher Ehe war. Es scheint so, als hätten die Ärzte mit ihrer Aderlasserei und strikten Diät sie auf dem Gewissen, weil sie Charlotte dadurch extrem geschwächt hatten. Lediglich, dass sie in der Schwangerschaft keinen Wein mehr trinken durfte, hätte sich auf das Kind eher günstig ausgewirkt, wenn es überlebt hätte.:wink:


    Im Zusammenhang mit Leopold und seinem Leben als Witwer wird auch ausführlich über Christian Friedrich von Stockmar berichtet, der aus späteren Zeiten als Heiratsvermittler zwischen Victoria und Albert bekannt ist. Hier tritt er zunächst als Militärarzt und Leibarzt Leopolds auf, um dann den Arztberuf an den Nagel zu hängen und als Leopolds Sekretär und Hofmarschall tätig zu werden.

    Von den "dummen Liebschaften" des verwitweten Leopold hielt er nichts, stattdessen führte er ihm seine eigene Cousine, die Schauspielerin Karoline Bauer als Geliebte, bzw. morganatische Ehefrau zu. Stockmar selbst war nicht gerade ein Beziehungsversteher, er heiratete seine Cousine Fanny Sommer aus finanziellen Gründen und überließ diese dann sich selbst. Sie spielte offenbar in seinem Leben gar keine Rolle und wird in Stockmars Wikipedia-Artikel nicht mal erwähnt!:shock:


    Die Frauen, mit denen man es in diesem Buch bisher zu tun bekam, sind wahrlich nicht zu beneiden!

    In diesen Abschnitten haben mir die vielen Originalzitate von Karoline Bauer über Stockmar und Leopold gefallen, dadurch hat man den Eindruck, gewissermaßen ein Zeitzeuge gewesen zu sein.

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  • "Der Tod der Prinzessin Charlotte" bis Prinz Leopold als Witwer" (bis S. 158)



    wie überflüssig und sinnlos dieser viel zu frühe Tod nach kurzer, glücklicher Ehe war

    Die arme Charlotte. Sie hat mir so unendlich leid getan. Sie hatte wirklich kein schönes Leben. Wenigstens konnte sie die Heirat mit Leopold durchsetzen und ein kurzes Eheglück genießen. Gedankenspiele... was wäre gewesen, wenn sie irgendwann den Thron Englands bestiegen hätte? Wäre sie vielleicht verbittert? Das möchte ich irgendwie nicht glauben, denn ich hatte den Eindruck, dass sie eine sehr starke Frau gewesen ist, die sich nicht so leicht unterkriegen ließ. Das hätte bestimmt zu erbitterten Kämpfen zwischen ihr und ihrem Vater geführt.


    Bei Stockmar bin ich noch unentschlossen. Mir gefällt nicht, wie er mit seiner Ehefrau umgegangen ist (obwohl das damals mehr oder weniger üblich war und die Idee einer "Liebesheirat" sich allmählich durchgesetzt hat).

    Andererseits muss man ihm zugutehalten, dass er sehr loyal und auch gerissen war. Dass Leopolds zweite Ehe "nur" morganatisch war, hat ja nicht nur damit zu tun, dass Karoline Bauer ihm nicht ebenbürtig war. Dadurch ist er in den Augen der Öffentlichkeit (die jetzt immer wichtiger wird; die Zeiten sind vorbei, in denen die Adligen, Könige usw. tun und lassen konnten, was sie wollten) der trauernde Witwer der verehrten Prinzessin Charlotte geblieben.

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  • Ich meld mich morgen wieder - mich hat's heut nacht mit einer Erkältung gründlich zerlegt und ich hab den ganzen Tag mehr oder weniger verschlafen :ergeben:

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  • Wir dürfen ruhig mal spekulieren, ob Prinzessin Charlotte eines natürlichen Todes gestorben ist oder nicht. Wurde sie eventuell vergiftet? Das Verhalten ihres Vaters - und ihrer Großmutter, der Königin Charlotte - war schon verdächtig. Die Begleitumstände auch. Nur Stockmar scheint ihren Tod nicht hinterfragt zu haben. Oder war der bloße Gedanke daran für ihn - zumal als Ausländer - einfach zu gefährlich? Später im Buch gibt es einen weiteren Tod, wo möglicherweise ebenfalls Gift im Spiel war. Auf jeden Fall, damals gingen natürlich solche Gerüchte um - wie bei Dianas Autounfall.

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