Mark Grinsted - Coburg Darmstadt Windsor (ab 28.07.2019) (mit Autor)

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  • Für mich läuten Glocken halt einfach

    Oh nein, in England ist das Glockenläuten eine richtige Kunst, nicht einfach "Dong, Dong, Dong" wie in Deutschland. Auf http://www.inspirewebdesign.com/home/mpaw/soundindex.asp hat jemand schöne Beispiele hingestellt.

    oh, okay - dann nehmen Engländer das Läuten also definitiv ernster als wir. Ich habe mal eine Barnaby-Folge gesehen, in der es auch um einen Wettbewerb im Glockenläuten ging (mit den üblichen Abgründen hinter den so heimeligen Fassaden der kleinen Dörfer :twisted:), aber ich hab das Glockenläuten nicht als landesweites Phänomen erkannt.


    Das Kapitel um den Krieg 1866 macht mir Preußen grad nicht sehr sympathisch ](*,) So kann man seine "Ideen" natürlich auch verbreiten. Für Victoria und ihre Kinder bedeutete diese Zeit eine fürchterliche Zwickmühle, da durch ihre Heiratspolitik jetzt Kind gegen Kind kämpfen musste. Das ist eine echte Katastrophe für ihre Familie und ich frage mich, wie die Familienmitglieder damit umgehen konnten - sehr schwierig.

    Von der Intelligenz her kam sie auf ihren Vater - ich kann mir kaum vorstellen, dass Victoria an solchen philosophischen Diskussionen Gefallen gefunden hat, wie Alice sie mit David Friedrich Strauß geführt hat.

    an dieses Kapitel mache ich mich jetzt :wink:

  • Ich glaube, das geht. Ich brauche eine Email-Adresse, um eine Einladung zu schicken.

    Ich schicke Dir meine E-Mail Adresse.:wink:

    Meist verliere ich ja doch - ich weiß nur nicht, ob ich das Charles wünschen soll oder nicht.

    Ich weiß auch nicht, ob man ihm das wünschen soll. Wenn Lilibet solange durchhält wie Queen Mum, würde Charles mit 79 Jahren König. Eine solche Strapaze möchte man einem älteren Menschen doch nicht zumuten.

    Es ist keine zuverlässige Verhütungsmethode

    Zumindest muss man rund um die Uhr in kleinen Zeitabständen stillen, damit der Eisprung halbwegs zuverlässig unterdrückt wird.


    Na, das Baby lag halt einfach bei Dir im Bett und fertig.

    Das wurde wohl nicht so gern gesehen, weil manche Frauen sich unerwünschter Kinder entledigten, indem sie "im Schlaf leider auf dem Baby lagen und dieses dann erstickte".

    Aber wenn ich mich auf meinem Sofa ausruhe, dann liege ich gemütlich mit hochgelegten Beinen da. Aber wie macht man das in solchen Kleidern???

    Vor allem frage ich mich, wie man in solchen Kleidern auf die Toilette geht. 8-[

    Ich habe noch im Hinterkopf, dass Frauen das Haus bzw. sogar das Zimmer, in dem sie geboren haben, nicht verlassen durften bis zum ersten Kirchgang nach der Geburt.

    Im Mittelalter hieß das "churching", danach durften die Frauen sich wieder außerhalb der Gebärstube blicken lassen und mit dem Gatten eheliche Beziehungen aufnehmen. Allzu oft wurden sie gleich wieder schwanger, da sie (die adeligen Frauen) eben nicht selbst stillten.


    Ich habe heute ein großes Stück weitergelesen und zwar bis


    Ernst Ludwig, der letzte Großherzog von Hessen und bei Rhein (bis S. 508)

    Heute habe ich mir die Schicksale von Alices Kindern zu Gemüte geführt. Auch da ist viel Tragik dabei, der dreijährige Frittie, der aus dem Fenster stürzte und May, die im zarten Alter von vier Jahren an Diphterie starb.

    Am meisten ist mir aufgefallen, wie oft und wie lange Victoria in Darmstadt war und ihre (Enkel)kinder besucht hat - das war mir gar nicht bewusst, da die Reiserei in den Zeiten vor dem Flugverkehr doch zeitaufwendiger und strapaziöser war als heute. Man hat ja fast den Eindruck, sie sei mehr in Deutschland gewesen als in England.

    Auch wenn Victoria sehr an ihrer großen Familie hing, so muss man ihr auch einen gewissen Egoismus unterstellen. Weshalb gönnte sie ihrem verwitweten Schwiegersohn (Alices Mann) nicht, sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau wieder zu heiraten und drängte auf Annullierung der Ehe?

    Weshalb drängte sie Ernie, der zwar wohl nicht homosexuell, sondern bisexuell war, eine ungeliebte Cousine zu heiraten, mit der er überhaupt nicht zusammenpasste. Auch die Scheidung verhinderte sie, sodass diese erst nach Victorias Tod stattfinden konnte. Immerhin hat er in seiner zweiten Ehe noch persönliches Glück gefunden, das hat mich gefreut.

    Und auch der Umgang mit ihrer jüngsten Tochter Beatrice schockiert mich, sie wollte ihre jüngste Tochter bei sich behalten, deshalb konnte Beatrice erst mit 27 Jahren - als für die damalige Zeit "altes Mädchen" - heiraten und musste mit ihrem Mann bei Victoria wohnen. Das finde ich nicht in Ordnung![-(

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Das wurde wohl nicht so gern gesehen, weil manche Frauen sich unerwünschter Kinder entledigten, indem sie "im Schlaf leider auf dem Baby lagen und dieses dann erstickte".

    Ob das bei der armen Bevölkerung wirklich eine Rolle spielte? :-k

    Vor allem frage ich mich, wie man in solchen Kleidern auf die Toilette geht. 8-[

    Hochheben, langsam nach hinten bis man an die Schüssel stösst und dann setzen :loool: Erinnert mich grad an die Hochzeit einer Freundin, die daran bei der Wahl ihres Brautkleides inklusive 8m Schleier auch nicht dachte - und sie feierte in einer Gaststätte mit den typisch engen Kabinen. Ich musste ihr helfen und hab mir selbst bald vor lauter Lachen in die Hosen gemacht während wir versuchten, sie heile und unbefleckt aufs Töpfchen und wieder zurück zu bringen :totlach:

    Am meisten ist mir aufgefallen, wie oft und wie lange Victoria in Darmstadt war und ihre (Enkel)kinder besucht hat - das war mir gar nicht bewusst, da die Reiserei in den Zeiten vor dem Flugverkehr doch zeitaufwendiger und strapaziöser war als heute. Man hat ja fast den Eindruck, sie sei mehr in Deutschland gewesen als in England.

    Das ist mir schon vorher aufgefallen, dass Victoria auf einmal sehr viel reiste und oft in Deutschland war. Aber auch die geringeren Reisezeiten sind mit aufgefallen, sie war durch die Bahn entschieden schneller unterwegs als noch bei ihrer ersten Reise mit Albert.

  • Hochheben, langsam nach hinten bis man an die Schüssel stösst und dann setzen

    Es gab damals ja noch nicht mal flächendeckend WCs. Ich weiß nicht, ob die Adeligen dann Toilettenstühle hatten, man liest ja auch manchmal, dass sich zumindest die Bediensteten an allen möglichen und unmöglichen Orten erleichterten.:loool:

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  • Hochheben, langsam nach hinten bis man an die Schüssel stösst und dann setzen

    Es gab damals ja noch nicht mal flächendeckend WCs. Ich weiß nicht, ob die Adeligen dann Toilettenstühle hatten, man liest ja auch manchmal, dass sich zumindest die Bediensteten an allen möglichen und unmöglichen Orten erleichterten.:loool:

    Aber zu der Zeit, über die wir reden, waren sie schon verbreitet in adligen Kreisen :wink:

    Zitat von Wikipedia

    Wo in Deutschland die erste Toilette mit Wasserspülung installiert wurde, ist strittig. Bekannt ist, dass im Schloss Ehrenburg in Coburg 1860 eine installiert wurde. Sie wurde damals für Queen Victoria, die dort häufig zu Gast war, eigens aus England importiert. Älter ist das WC im Schloss Bad Homburg. Die Ehefrau von Landgraf Friedrich Josef VI., Elisabeth, eine Tochter des englischen Königs Georg III., ließ bereits 1820 eine Toilette mit Wasserspülung bauen. Diese ist nicht mehr erhalten, da sie späteren Renovierungen zum Opfer gefallen ist. Der Entwickler des WCs ist der englische Klempner George Jennings(1810–1882): Er stellte es auf der Great Exhibition im Jahre 1851 im Hyde Park in London aus. In Deutschland verbreiteten sich Toiletten mit Wasserspülung gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Städten, als Wasseranschlüsse in den Häusern und vor allem die Kanalisation üblich wurden. Auf dem Land blieben dagegen oft noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Plumpsklos üblich, also Abtritte mit Sickergruben (Latrinen), wie sie zuvor auch in den Städten üblich waren.

    Besonders für das Mittelalter und die frühe Neuzeit sind diese Latrinen wichtige archäologische Quellen, da außer den Exkrementen auch andere Abfälle in die Gruben gelangten und die Erhaltungsbedingungen für organisches Material wegen des Sauerstoffmangels und dadurch fehlender Oxidations- und Gärprozesse dort meist gut sind.

  • Ich habe gerade Victorias Journal für die Zeit um die Geburt der Vicky am 21. November 1840 wieder durchgelesen. Der erste Eintrag nach der Geburt ist am 1. Dezember wo sie schreibt:


    "I am taking up my Journal again, which was interrupted by my confinement, & am writing, as well as I can, from memory & short notes ... I awoke on the 22nd, having slept admirably & felt as well as if nothing had happened. Had an excellent appetite. Mama came to me for a little while & I also saw Lehzen & Stockmar for a moment. The dear little Baby was brought in to me several times & she was seen by numbers of people, Albert showing her. — The next days passed quietly & comfortably in the same way & gradually I was allowed to do a little more. I have got a Wet Nurse for the Baby, a Mrs Ratsey, a fine young woman, wife of a sail maker at Cowes, Isle of Wight ... On the 27th I was rolled unto my Dressingroom, — such a pleasant change. Mrs Lilly (my monthly Nurse) whom I like so much, is indefatigable & has looked splendidly after me. — Mama has been coming daily ... On the 30th was rolled into my large sitting room, a great pleasure, & the Baby was moved up into her new Nursery, having been till then in my large Dressingroom."


    Und erst am 5. Dezember: "For the 1rst time I sat up in a chair, with my feet down, Albert lifting me on to it ... Sat up after my dinner, & was rolled to bed in an arm chair. "


    Am 7. Dezember: "I walked for the 1rst time about the room, supported by Albert, & Mrs Lilly, & it did fairly well."


    Am 12. Dezember: "Walked to my Dressingroom, which I shall now always do in future."


    Am 17. Dezember: "Shortly before 2, I drove out with Albert, in a closed carriage, quite in private, — only a pair of horses. The ground & trees were all thickly covered with snow, but the sun was out. Felt so happy at getting out again, & all the better for it. We drove round the Park."


    Am 19. Dezember: "We took leave of Mrs Lilly, whom I like so much, & who is so sensible, & has nursed me with such care & attention."


    Und am 20. Dezember endlich wieder das "normale" Leben: "Now that I have returned to my usual habits, & no longer have a Nurse about me, it seems to me like a dream having a Child."

  • Aber zu der Zeit, über die wir reden, waren sie schon verbreitet in adligen Kreisen

    Komplizierte lange Kleider gab es dennoch schon vor der Installation von WCs.:lol: Da bleibt die Frage, wie sich die Damen früherer Jahrhunderte, z.B. Elizabeth I, mit ihren höchst aufwendigen Kleidern erleichtert haben.

    On the 27th I was rolled unto my Dressingroom,

    Sechs Tage nach der Geburt im Rollstuhl!:shock: Da hat unsereins längst wieder das normale Alltagsleben aufgenommen.

    Und erst am 5. Dezember: "For the 1rst time I sat up in a chair,

    Da es damals sicher keine Heparinspritzen gab, müssen unzählige Frauen eine Thrombose bekommen haben, ganz zu schweigen von der allgemeinen Entkräftung nach so lange Bettlägerigkeit. Unter den Umständen hätte ich garantiert kein weiteres Kind bekommen wollen!

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  • Bis Beatrice und Liko von Battenberg (bis S. 517)


    Zwei Sachen sind mir vor allem aufgefallen: Victorias Neigung, sich überall einzumischen und Ehen zu arrangieren, koste es, was es wolle - was oft gut ging, aber manchmal ging der Schuss so dermaßen nach hinten los.

    Auch wenn Victoria sehr an ihrer großen Familie hing, so muss man ihr auch einen gewissen Egoismus unterstellen. Weshalb gönnte sie ihrem verwitweten Schwiegersohn (Alices Mann) nicht, sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau wieder zu heiraten und drängte auf Annullierung der Ehe?

    Da war ich richtig erschrocken bei der Szene. Der Mann stellte sich allerdings als Weichei heraus, der nicht das Rückgrat hatte, zu seiner Frau zu stehen (Alice hatte es bereits gewusst). Aber wahrscheinlich ist es wieder so, dass wir das heute nicht mehr nachvollziehen können, unter welchen Druck er stand, da die Ehe von der gesamten Verwandtschaft (unter ihnen der deutsche Kaiser und die englische Königin) abgelehnt wurde.

    Weshalb drängte sie Ernie, der zwar wohl nicht homosexuell, sondern bisexuell war, eine ungeliebte Cousine zu heiraten, mit der er überhaupt nicht zusammenpasste. Auch die Scheidung verhinderte sie, sodass diese erst nach Victorias Tod stattfinden konnte. Immerhin hat er in seiner zweiten Ehe noch persönliches Glück gefunden, das hat mich gefreut.

    Das meinte ich damit, als Beispiel, wie der Schuss nach hinten losging.

    Und auch der Umgang mit ihrer jüngsten Tochter Beatrice schockiert mich, sie wollte ihre jüngste Tochter bei sich behalten, deshalb konnte Beatrice erst mit 27 Jahren - als für die damalige Zeit "altes Mädchen" - heiraten und musste mit ihrem Mann bei Victoria wohnen. Das finde ich nicht in Ordnung! [-(

    Und sie hat der Ehe erst zugestimmt, als Liko eingewilligt hat, bei Victoria zu wohnen. Völlig klar, dass Liko sich dann gelangweilt hat, weil Beatrice ja nur Victoria umsorgt hat, und daher an der Ashanti-Expedition teilgenommen hat.

    Expedition klingt so harmlos, dabei war das eine Strafexpedition. Ich habe mal gegoogelt, über diesen speziellen Aufstand stand hier nichts. Aber über Kolonialismus kann ich mich immer wieder aufregen. Das Aschantireich ist ja nur ein Beispiel dafür, wie die Europäer jahrtausendealte Kulturen aus Profitgier gekillt haben :cry:.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Alle Kapitel über Alice


    Das war jetzt aber sehr viel Alice :ergeben: Ganz klar war sie eine sehr interessante Frau, hochintelligent und engagiert und sehr ihrem Vater ähnlich. Sie wäre vielleicht viel glücklicher gewesen, wenn sie nicht in diese Familie, sondern in eine zwar betuchte, aber bürgerliche Familie geboren worden wäre - oder wenn ihr Vater als Partner in ihren Interessen länger gelebt hätte. Dann hätte sie evtl. mehr ihren Interessen und weniger ihren Zwängen gemäß leben können. Aber das ist alles müßige Spekulation. So musste sie durch viele Ängste und Verluste hindurch und war in großen Teilen fremdgesteuert, auch wenn sie zeitlebens versuchte, das zu ignorieren oder zu umgehen. Aber dafür bekam sie immer wieder prompt die Quittung bis hin zu dieser gehässigen Bemerkung der preußischen Königin, die damit ja nicht nur Alice, sondern auch ihre Schwiegertochter Vicky beleidigte. Wenn ich mich recht erinnere, hatte Vicky auch keinen leichten Stand in Preußen :-k

    Erschreckend ist auch die Tatsache, wie langsam sich die neuesten medizinischen Erkenntnisse verbreiteten. €nigma wir hatten uns ja erst vor kurzem an anderer Stelle darüber unterhalten (ich weiß nur nicht mehr genau, wann und wo). Jedenfalls liefern diese Kapitel leider wieder einmal den Beweis dafür, wie langsam sich die Erkenntnisse von Semmelweis und Lister durchsetzten. Tausende Menschen hätten noch leben können, wenn man diesen beiden Männern früher und genauer zugehört hätte. Aber wie MarkG richtig schreibt: es konnte nicht sein, was nicht sein darf! Aber Alice hat offensichtlich viel in dieser Richtung bewegt, Chapeau :pray: Wie traurig, dass sie dann selbst so früh an einer der schrecklichsten Infektionskrankheiten der damaligen Zeit sterben musste. Diphtherie war lange noch eine der schlimmsten "Kinderkrankheiten", die man bekommen konnte. Und selbst in späterer Zeit war wohl die Therapie dagegen nicht wesentlich gesünder. Laut Familienerzählungen verlor mein Onkel sein Gehör durch die Diphteriebehandlung - Belege dafür hab ich allerdings nicht, nur die Erzählungen der Verwandtschaft.


    Danke MarkG für die weiteren Einträge und Dokumente von Victoria - ein schöner Beleg für diese seltsame Praxis, die Frauen so lange ans Bett zu fesseln. Meine Güte, man hat ihr ja nicht mal zugetraut, vom Bett in den Rollstuhl zu steigen :shock: Ich muss €nigma beipflichten: da verloren bestimmt viele Frauen ihr Leben an Thrombosen und Lungenembolien :pale:


    Bis Ludwig von Battenberg & Victoria von Darmstadt und bei Rhein

    Ein bisschen verwirrt war ich in diesem Kapitel, da es Zeitsprünge gab zu Leopolds Tod und wieder zurück und Erinnerung etc. Aber die Knoten hielten sich in Grenzen..

    Victoria hatte ein wirklich enges und - wir mir scheint - hervorragendes Verhältnis zu ihren Enkeln und ihrem Schwiegersohn. Sie schien ja wirklich in der Lage, die emotionale Lücke der verstorbenen Mutter füllen zu können. Aber sie war ja wohl auch ein absolutes Familientier - wenn auch zu dominant, gar keine Frage. Aber die Familie war so oft gemeinsam oder in Teilen und für ziemlich lange Zeiträume bei Victoria, dass da ein echt gutes Verhältnis geherrscht haben muss. Schön für die Kinder, ein wenig schwierig für den Schwiegersohn.


    Ludwig von Battenberg war wirklich ein verdammt gut aussehender Mann! Und einer, der früh wusste was er wollte und seinen Weg ging. Mein Eindruck ist, dass die beiden eine wohl glückliche Ehe führten (oder gibt es später dazu noch einen Nachtrag?). Das ist ihnen ja auch zu gönnen nach diesem chaotischen Start in die Ehe.

    Ich kann Victoria z.T. verstehen, dass sie gegen diese Ehe ihres Schwiegersohns war, da sie so gar nicht standesgemäß war und für Louis Kinder evtl. Nachteile brachten. Für ihn selbst ganz sicher auch. Dazu war Victoria wohl nach so langer Zeit viel zu sehr Monarchin mit internationalen Beziehungen als dass sie aus ihrer Haut konnte. Und die anderen Herrscherhäuser reagierten offensichtlich gleich. Aber Ludwig ist ganz sicher und 100%ig selbst schuld an dieser Misere - blöder konnte er sich wohl echt nicht mehr verhalten.#-o Nicht nur, dass er der Scheidungsgrund für seine zweite Frau ist, nein, er ist auch noch so bescheuert, sie am Hochzeitstag seiner Tochter zu ehelichen. Dabei ist er auch noch zu feige, Victoria selbst von seinen Plänen zu erzählen und schickt seine Tochter - die Braut - vor. Tut mir leid, aber mein Mitleid hält sich da doch in gewissen Grenzen. [-( Ich hätte ihm ganz sicher eine glückliche zweite Ehe gegönnt und ja, Victoria und die geballte andere königliche Verwandtschaft mischten sich extrem in Dinge ein, die (theoretisch) recht privat waren. Aber das war doch sooooo vorhersehbar und er hatte nunmal eine Position, in der sein Verhalten Auswirkungen auf viele andere Menschen hatte, da konnte er doch echt nicht so naiv durch die Weltgeschichte stolpern. Alice tat mir im Nachhinein dann echt nochmal leid mit einem derart kindlichen Menschen an ihrer Seite. Liebe allein reicht eben doch nicht für eine glückliche Ehe auf allen Seiten.

    Auch wenn Victoria sehr an ihrer großen Familie hing, so muss man ihr auch einen gewissen Egoismus unterstellen. Weshalb gönnte sie ihrem verwitweten Schwiegersohn (Alices Mann) nicht, sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau wieder zu heiraten und drängte auf Annullierung der Ehe?

    Mal davon abgesehen, dass sie ihren Trauerstatus vermutlich am liebsten bei allen Menschen der Welt gern gesehen hätte, v.a. beim Witwer der von ihr regelrecht verehrten Tochter Alice, so glaube ich, dass sie ihm eine Ehe vielleicht gegönnt hätte, wenn er nur ein wenig intelligenter gewählt und gehandelt hätte.

    Und auch der Umgang mit ihrer jüngsten Tochter Beatrice schockiert mich, sie wollte ihre jüngste Tochter bei sich behalten, deshalb konnte Beatrice erst mit 27 Jahren - als für die damalige Zeit "altes Mädchen" - heiraten und musste mit ihrem Mann bei Victoria wohnen. Das finde ich nicht in Ordnung! [-(

    Ich bin zwar im Buch noch nicht so weit, aber die Geschichte ist mir bekannt. Leider ist sie da auch nur eine einsame Frau, die klammert - Königin hin oder her. 8-[Natürlich ist das extrem egoistisch und ich weiß nicht inwieweit Beatrice Möglichkeiten gehabt hätte, sich dem zu widersetzen. Aber leider kommen diese Dinge vor. Meine Oma mütterlicherseits war genauso. Nachdem ihr Nesthäkchen, meine Tante, trotz schwerer TB-Erkrankung nicht bei ihr blieb, sondern heiratete und sogar ins Ausland ging, drangsalierte sie meinen Onkel (den zweitjüngsten) so weit, dass er bei ihr blieb. Angeblich hat sie sogar seine Hochzeit verhindert. Das war ein (für mich im Nachhinein) extrem ungesundes Verhältnis und hat auch später die (allerdings eh sehr zerstrittene Familie) endgültig gespalten. Mir tut mein Onkel heute noch leid, zumal er wenig wirkliche Hilfe durch seine Geschwister hatte (meine Mutter eingeschlossen) - die haben sich alle gemütlich zurückgelehnt und waren froh, nicht die Verantwortung zu tragen.

    Victorias Neigung, sich überall einzumischen und Ehen zu arrangieren, koste es, was es wolle - was oft gut ging, aber manchmal ging der Schuss so dermaßen nach hinten los.

    Naja, sie hatte die Macht und die Position und war es auch über Jahrzehnte gewöhnt. Warum sollte sie es auf einmal lassen? Wir hatten aber vorher festgestellt, dass sie ihren Kindern immerhin ein paar Freiheiten bei der Partnerwahl ließ, und das war vermutlich mehr als andere Könige und Kaiser taten. Sie war neben dem Zar die Frau mit den weitreichendsten Machtverhältnissen - wir sollten nicht aus unserer Sicht heraus urteilen. Ich zumindest kann mich nicht in ihre Situation hineinversetzen, dazu bin ich zu bürgerlich und zeitlich viel zu weit weg von diesen Dingen.

    Aber wahrscheinlich ist es wieder so, dass wir das heute nicht mehr nachvollziehen können, unter welchen Druck er stand, da die Ehe von der gesamten Verwandtschaft (unter ihnen der deutsche Kaiser und die englische Königin) abgelehnt wurde.

    Wie ich oben schon sagte: er hat sich aber auch selten dämlich angestellt ](*,) Vielleicht ist er der Grund für das Sprichwort "Dummheit gehört bestraft?"


    MarkG Ich bin mal so frei und widerspreche der Königlichen Hoheit Victoria: auf S. 490 bei ihrem Besuch in Jugenheim schwärmt sie von der Aussicht über das Rheintal bis zu den Vogesen - nie und nimmer sieht man die Vogesen von Darmstadt aus [-( Da hat die hochwohlgeborene Dame wohl den Pfälzer Wald mit den Vogesen verwechselt O:-)

  • Hier hab ich übrigens ein Beispiel für einen Leibstuhl, wie er ca. 1850 in Karlsruhe gebaut wurde. Der Sitzbezug ist aus Leder, immerhin etwas hygienischer als die Bezüge aus Stoff, die es damals ebenfalls gab. Es gab diesen Stuhl auch noch verfeinert, u.a. mit Deckel dicht abschließend für die Öffnung, so dass der Raum geruchsfrei blieb. :wink:

    Ich habe das Bild aus dem Ausstellungskatalog zu "Das stille Örtchen: Tabu und Reinlichkeit bey Hofe" aus dem Deutschen Kunstverlag :wink:

  • Da war ich richtig erschrocken bei der Szene. Der Mann stellte sich allerdings als Weichei heraus, der nicht das Rückgrat hatte, zu seiner Frau zu stehen (Alice hatte es bereits gewusst).

    Er war ein gutaussehender Mann, aber kein starker Charakter und wohl auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Es wird ja auch erwähnt, dass Alice sich mit ihm zunehmend mehr intellektuell unterfordert fühlte und er sich kaum für mehr als die Jagd interessierte.

    Das meinte ich damit, als Beispiel, wie der Schuss nach hinten losging.

    Ich habe das Buch heute fertiggelesen und bin noch auf weitere Fälle gestoßen, in denen eine Prinzessin an einen Homosexuellen verheiratet wurde. Ich weiß nicht, was man sich dabei gedacht hat? Sollte das ein "Outing" verhindern? Dass aus einer solchen Ehe Kinder hervorgehen, kann man ja nicht wirklich erwarten. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man sich als Homosexueller (nicht als Bisexueller wie Ernst Ludwig) aufraffen kann, eine Frau zu schwängern.:-k

    Und sie hat der Ehe erst zugestimmt, als Liko eingewilligt hat, bei Victoria zu wohnen.

    Wie ich in den letzen Kapiteln gelesen habe, hatte sie das auch schon mit Helena vor. Schließlich musste Beatrice dran glauben, nach dem Motto: "Den letzten beißen die Hunde". Es ist auch sehr traurig, dass Beatrice, die erst so spät heiraten durfte, nach nur 11 Ehejahren schon wieder Witwe wurde und dann in diesem Stand 48 Jahre lang ihr Leben fristen musste.:(

    Jedenfalls liefern diese Kapitel leider wieder einmal den Beweis dafür, wie langsam sich die Erkenntnisse von Semmelweis und Lister durchsetzten.

    Das war ja selbst in Wien unter den Kollegen von Semmelweis der Fall - ignorant bis zum Abwinken und viele Frauen mussten ihr Leben deshalb lassen.

    Aber Ludwig ist ganz sicher und 100%ig selbst schuld an dieser Misere - blöder konnte er sich wohl echt nicht mehr verhalten.

    Wenn er schlauer gewesen wäre, hätte er gewartet und seine zweite Hochzeit nicht gerade am Hochzeitstag seiner Tochter zelebriert, als die ganze Verwandtschaft anwesend war. Ich hätte das ein paar Wochen später ohne viel Aufsehen durchgezogen.


    Es ist interessant, dass es Victoria, so dominant sie auch war, nicht gelang, ihre Enkelinnen Ella und Alicky von den unerwünschten russischen Ehemännern fernzuhalten. Sie wusste über die Zustände in Russland Bescheid und sah Probleme voraus, aber Alices Töchter ließen sich nicht beirren - und zahlten letztlich dafür mit ihrem Leben. Das musste Victoria zumindest nicht mehr mitansehen.

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    :study:
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  • Ich habe das Buch heute fertiggelesen

    Ich auch :).

    bin noch auf weitere Fälle gestoßen, in denen eine Prinzessin an einen Homosexuellen verheiratet wurde. Ich weiß nicht, was man sich dabei gedacht hat? Sollte das ein "Outing" verhindern?

    Wobei wir aber nicht vergessen dürfen, dass wir erst in den letzten Jahren mit Homosexualität recht offen umgehen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass diese hier sogar strafbar gewesen ist. Damals dürfte es ein absolutes Tabuthema gewesen sein. Ich habe hier einen interessanten Artikel über die Geschichte der Homosexualität gefunden.

    Bereits weiter oben wurde ja erwähnt, dass Victoria nicht aufgeklärt wurde, ich bezweifle daher, dass sie überhaupt wusste, was es damit auf sich hatte. Und wenn, hat sie vielleicht gehofft, dass die entsprechenden Männer durch die Heirat "geheilt" wurden.


    Mir haben "Sandro" und "Moretta" (= Alexander von Battenberg und Prinzessin Viktoria von Preußen) so leid getan. Dass da aber auch der blöde Bismarck so dazwischen grätschen musste. Der ist mir noch nie sympathisch gewesen, und die Geschichte der verhinderten Ehe zwischen den beiden hat nicht wesentlich dazu beigetragen, dass sich das geändert hat.


    Wie ich in den letzen Kapiteln gelesen habe, hatte sie das auch schon mit Helena vor. Schließlich musste Beatrice dran glauben, nach dem Motto: "Den letzten beißen die Hunde".

    In dem Brief, der ganz zu Anfang des Helena-Kapitels zitiert wird, klingt es so, als wäre sie eine arme bedauernswerte Witwe, die ohne eine verheiratete Tochter, die bei ihr lebt (immerhin steht sie ihr ja zu, dass sie heiraten darf), völlig vereinsamen würde und niemanden hätte, der ihr helfen würde - und nicht eine regierende Königin mit (ich übertreibe wahrscheinlich) Hunderten von Bediensteten.

    Wenn er schlauer gewesen wäre, hätte er gewartet und seine zweite Hochzeit nicht gerade am Hochzeitstag seiner Tochter zelebriert, als die ganze Verwandtschaft anwesend war. Ich hätte das ein paar Wochen später ohne viel Aufsehen durchgezogen.

    Aber wir sind uns ja mit Alice einig, dass "Intelligenz" nicht gerade zu seinen bevorzugten Charakterzügen gehört.



    ihre Enkelinnen Ella und Alicky von den unerwünschten russischen Ehemännern fernzuhalten

    Mit dem historischen Roman, den ich gleich beginnen werde, werde ich nach Russland zurückgehen, und dabei werde ich auch Ella und Alicky wiedersehen. Protagonistin ist jedoch Prinzessin Dagmar von Dänemark ("Minnie") :).

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
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    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

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  • Er war ein gutaussehender Mann, aber kein starker Charakter und wohl auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Es wird ja auch erwähnt, dass Alice sich mit ihm zunehmend mehr intellektuell unterfordert fühlte und er sich kaum für mehr als die Jagd interessierte.

    Das kam ja immer mehr zum Vorschein bis eben hin zu diesem eklatanten Fehlgriff seinerseits

    in denen eine Prinzessin an einen Homosexuellen verheiratet wurde. Ich weiß nicht, was man sich dabei gedacht hat? Sollte das ein "Outing" verhindern?

    Zum einen hat man den Fakt der Homosexualität vermutlich schlicht ignoriert, zum anderen evtl. nicht ernst genommen und die "Heil"-Theorie so nach dem Motto "mit der richtigen Frau wird das schon werden" trug vermutlich ihren Teil dazu bei. Die Opfer wurden danach jedenfalls nicht gefragt. Leider haben sie sich auch nicht gewehrt :(

    Wie ich in den letzen Kapiteln gelesen habe, hatte sie das auch schon mit Helena vor. Schließlich musste Beatrice dran glauben

    Und sie tat damit genau das, was sie ihrer Mutter vorwarf: sie klammerte sich an eines ihrer Kinder und ließ es nicht los, gab ihr keine Chance auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben :wuetend:

    als wäre sie eine arme bedauernswerte Witwe, die ohne eine verheiratete Tochter, die bei ihr lebt (immerhin steht sie ihr ja zu, dass sie heiraten darf), völlig vereinsamen würde und niemanden hätte, der ihr helfen würde

    So hat sie sich bestimmt auch selbst gesehen, in voller Überzeugung. :roll:


    Ich bin noch nicht durch, was mich aber nicht hindern wird, hier bis zum Ende zu schreiben :loool: Ich bin grad soweit, dass der arme Ernie mit der genauso armen Ducky verheiratet wird.

  • Da hat die hochwohlgeborene Dame wohl den Pfälzer Wald mit den Vogesen verwechselt

    Allerdings! :roll:

    Wenn ich mich recht erinnere, hatte Vicky auch keinen leichten Stand in Preußen

    Wieder "Allerdings"! Sie war die wirklich tragische Figur in der Familie.

    so glaube ich, dass sie ihm eine Ehe vielleicht gegönnt hätte, wenn er nur ein wenig intelligenter gewählt und gehandelt hätte

    Königin VIctoria sagt ja (S. 485), sie habe nichts dagegen, würde er "irgendeine nette, ruhige, vernünftige und liebenswürdige Person" morganatisch heiraten. Aber eine seinetwegen geschiedene Russin (!) wäre einfach zuviel. Ich weiß nicht, ob Victoria wirklich die bewegende Kraft war - es heißt, er sei immer ihr Lieblingsschwiegersohn gewesen, und sie hielt nach dieser Affäre unverändert zu ihm. Ich tendiere eher dazu, die Preußen zu beschuldigen. Der preußische Kronprinz Friedrich (Vickys Mann) war auf jeden Fall empört und vielleicht eher die treibende Kraft. Vielleicht war er in Sorge wegen der Auswirkungen auf die deutsch (=preußisch)-russischen Beziehungen. VIelleicht wollte er nur ein Zeichen setzen, dass die deutschen Fürsten nicht mehr tun und lassen konnten, was sie wollten, sondern dass sie jetzt dem Kaiser unterstellt sind, und dass er das letzte Wort hat.


    Ich musste bei dieser Geschichte an Prinzessin Lieven denken. Sie war ja auch die Ehefrau eines russischen Botschafters, und nützte ebenfalls ihre Position für ihre eigenen (auch romantischen) Zwecke aus. Prinzessin Lieven fand auch kein gutes Ende. Ihr Mann wurde 1837 nach Russland zurückbeordert, um die Position des Erziehers des Zarewitsch zu übernehmen. Dorothea Lieven dagegen fiel beim Zaren in Ungnaden und musste Russland verlassen. Sie lebte fortan in Paris und sah ihren Mann nie wieder.

  • Wieder "Allerdings"! Sie war die wirklich tragische Figur in der Familie.

    Magst Du nicht noch ein so hervorragend recherchiertes Buch über Vicky schreiben? :wink:

    Ich weiß nicht, ob Victoria wirklich die bewegende Kraft war - es heißt, er sei immer ihr Lieblingsschwiegersohn gewesen, und sie hielt nach dieser Affäre unverändert zu ihm. Ich tendiere eher dazu, die Preußen zu beschuldigen. Der preußische Kronprinz Friedrich (Vickys Mann) war auf jeden Fall empört und vielleicht eher die treibende Kraft. Vielleicht war er in Sorge wegen der Auswirkungen auf die deutsch (=preußisch)-russischen Beziehungen. VIelleicht wollte er nur ein Zeichen setzen, dass die deutschen Fürsten nicht mehr tun und lassen konnten, was sie wollten, sondern dass sie jetzt dem Kaiser unterstellt sind, und dass er das letzte Wort hat.

    Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen - Druck gab es ja von allen Seiten. Auch auch Victoria hatte ja große Vorbehalte gegen die Russen, wie sich immer wieder zeigt.

    Dorothea Lieven dagegen fiel beim Zaren in Ungnaden und musste Russland verlassen. Sie lebte fortan in Paris und sah ihren Mann nie wieder.

    Irgendwie glaube ich nicht, dass die alte Klatschbase und Strippenzieherin wirklich darunter gelitten hat :-,

  • Damals dürfte es ein absolutes Tabuthema gewesen sein.

    Ja, das weiß ich. Aber auch wenn man natürlich nicht offen darüber sprach, blieb ja das Problem bestehen, dass ein homosexueller "Zwangsverheirateter" keine normale Ehe führen konnte. Das brachte erstens das Problem der möglichen Kinderlosigkeit mit sich und zweitens die Gefahr, dass eine unzufriedene Ehefrau, die sich ihr Eheleben anders vorgestellt hatte, sich scheiden lassen wollte oder sogar in der Öffentlichkeit den Scheidungsgrund publik machte.

    Dass da aber auch der blöde Bismarck so dazwischen grätschen musste. Der ist mir noch nie sympathisch gewesen, und die Geschichte der verhinderten Ehe zwischen den beiden hat nicht wesentlich dazu beigetragen, dass sich das geändert hat.

    Ich habe nichts gegen Bismarck. Immerhin hat er Nützliches geleistet, wie z.B. die Einführung des Sozialversicherungssytems und die Zivilehe. Er hat in Bezug auf den Heiratswunsch politisch gedacht und nicht das persönliche Glück der Beteiligten priorisiert. Das wirkt aus heutiger Sicht unsympathisch, bzw. unempathisch, ist aber vor dem Hintergrund der damaligen Zeit ganz normal.

    Mit dem historischen Roman, den ich gleich beginnen werde, werde ich nach Russland zurückgehen, und dabei werde ich auch Ella und Alicky wiedersehen. Protagonistin ist jedoch Prinzessin Dagmar von Dänemark ("Minnie")

    Was für ein Roman ist das denn?

    und die "Heil"-Theorie so nach dem Motto "mit der richtigen Frau wird das schon werden" trug vermutlich ihren Teil dazu bei.

    Ich werde nie verstehen, wie man auf die Idee kommen konnte, dass es möglich sei, Homosexualität zu "heilen". Man muss sich nur einmal vorstellen, man wolle versuchen, sich Heterosexualität, bzw. Sexualität überhaupt, abzuerziehen. Gerade Kirchenfürsten, die ihre Finger nicht von Chorknaben lassen konnten, hätten begreifen sollen, dass die "Heilung" von Homosexualiät aussichtslos sein würde.

    VIelleicht wollte er nur ein Zeichen setzen, dass die deutschen Fürsten nicht mehr tun und lassen konnten, was sie wollten, sondern dass sie jetzt dem Kaiser unterstellt sind, und dass er das letzte Wort hat.

    Das könnte ich mir gut vorstellen.

    Dorothea Lieven dagegen fiel beim Zaren in Ungnaden und musste Russland verlassen. Sie lebte fortan in Paris und sah ihren Mann nie wieder.

    So ungut war ihr Ende ja eigentlich nicht. Sie hat es in Paris noch ziemlich mit diversen Liebhabern krachen lassen. Der englische Wikipedia Artikel gibt - wie so oft - wesentlich mehr her als der deutsche.:wink:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Was für ein Roman ist das denn?

    Dieser hier. Ella und Alicky habe ich noch nicht kennen gelernt, dafür habe ich aber ein Wiedersehen mit Queen Victoria gefeiert.

    Ich mag die historischen Romane von Görtner sehr gern. Entgegen dem Cover und dem Titel sind sie überhaupt nicht schmonzettig, sondern meiner Meinung nach recht gut recherchiert.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Ich mag die historischen Romane von Görtner sehr gern. Entgegen dem Cover und dem Titel sind sie überhaupt nicht schmonzettig, sondern meiner Meinung nach recht gut recherchiert.

    Ich habe noch nichts von ihm gelesen, hatte aber schon mal nach seinen Tudor-Romanen Ausschau gehalten.

    Das von Dir genannte Buch ist sogar in unserer Onleihe vorhanden, allerdings derzeit verliehen. Ich warte mal Deine Beurteilung ab und bestelle es mir dann eventuell vor.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Magst Du nicht noch ein so hervorragend recherchiertes Buch über Vicky schreiben?

    Ich befürchte, das wäre wie Eulen nach Athen (oder coals to Newcastle) - es gibt doch schon so viele Biografien, glaube ich. Ich muss mal schauen, ob es noch Platz gäbe für eine neue.

  • MarkG


    Vielen Dank für den Zugang zum Stammbaum auf ancestry.com!:thumleft:


    Da ich der Meinung bin, dass "Coburg Darmstadt Windsor" einem breiteren Publikum bekanntgemacht werden sollte, habe ich im Sachbuchbereich eine Rezension erstellt und diese auch bei amazon eingereicht.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
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