Mark Grinsted - Coburg Darmstadt Windsor (ab 28.07.2019) (mit Autor)

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  • Bis Marie Louise Victoria, Herzogin von Kent (S. 200)

    Vielleicht gibt es irgendwann mal ein weiteres Buch "Berlin Hannover Windsor" ..... :|

    … dann bin ich die erste, die das kauft.


    Königin VIctoria mochte und bemitleidete ihren Vetter Georg.

    Georg V. wird hier im "allgemeinen Gedächtnis" auch durchaus positiv bewertet, nicht zuletzt auch, weil er seine Frau Marie so sehr geliebt hat, dass er für sie Schloss Marienburg errichtet hat. Das kann ich euch übrigens als Ausflugstip empfehlen, wenn ihr mal in der Gegend seid. Ich bin schon mehrfach dort gewesen, zuletzt vor drei Jahren, da haben wir unseren jährlichen Betriebsausflug dorthin gemacht.



    Nun, jetzt muss doch ich eine Lanze für das Parlament brechen. Napoleon hatte jahrelang versucht, den britischen Außenhandel zu blockieren. Das Volk hungerte, die Wirtschaft war am Ende. Und jetzt kommen die zahlreichen Prinzen, die es nicht einmal geschafft haben "ordentlich" zu heiraten und einen Thronfolger zu produzieren, sondern stattdessen ständig Skandale und Scharen von unehelichen Kindern produzieren, und erwarten, dass sie alle vom Steuerzahler durchgefüttert werden sollen!

    Das ist natürlich richtig. Diesen "großen Zusammenhang" verliert man leicht aus den Augen (und dabei haben wir im Geschichtsunterricht bis zum Abwinken die "Kontinentalsperre" durchgekaut :puker:).

    Wenn ich mir die Entstehung Belgiens anschaue, dann ist mir klar, warum das Land bis heute so zerrissen und uneins im Inneren ist.

    Ist das nicht immer so, wenn Staaten künstlich gebildet werden, ohne Rücksicht auf die in ihnen versammelten "Volksstämme"? Wenn man sich ansieht, wie das z.B. in Jugoslawien, in der Sowjetunion oder in den diversen Staaten Afrikas ausgegangen ist, läuft es in Belgien doch verhältnismäßig gut! Und ich kann mir vorstellen, dass das nicht zuletzt am Königshaus liegt, das eine einigende Wirkung zeigt (auch wenn sich Leopold II. nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, was die Kolonien anbelangt).



    Das ganze "Wettrennen zum Thron" war ja wirklich grotesk und tragisch. Mir haben die ganzen Frauen, mit denen die Brüder vorher mehr oder weniger offiziell zusammengelebt haben, so leid getan. Kaum gab es eine Chance auf den Thron, wurden die mehr oder weniger entsorgt.

    Die richtig arme Socke war seine Lebensgefährtin, die ins Kloster abserviert wurde. Unfassbar! :thumbdown:


    Sie und die arme Irin, die dem Duke of Clarence 10 Kinder gebar und dann verarmt in Paris starb, sind natürlich die, die am meisten gekniffen wurden :wuetend:

    Da wurden die noch nicht mal abgefunden oder gut versorgt (was eigentlich kein Wunder ist bei der Vermögenslage des Staates im allgemeinen und des Königshauses im besonderen bzw. der Prinzen selbst, die ständig verschuldet waren), sondern wurden einfach entsorgt. Dazu fällt mir auch kein anderes Wort ein ](*,). Das ist wirklich schäbig.


    Ich habe jetzt auf S. 198 - 200 mitverfolgt, dass die Herzogin von Kent schwanger wurde (heute wissen wir, mit Victoria) und dass die Geburt, wie von ihr und ihrem Mann gewünscht, in England stattfinden soll. Der Artikel aus dem The Morning Chronicle ist dazu sehr interessant: "Diese Idee" wird von "hoher Stelle als Affront" aufgefasst. Dieser Georg IV. ist doch tatsächlich ein Stinkstiefel. Wenn mal jemand eine Liste der unbeliebtesten Monarchen Englands aufstellt, wird der sich auf einem der vordersten Plätze wiederfinden.

    Die Reise nach England, die ganze Zeit in der Hoffnung, dass Victoire nicht zu früh niederkommt, fand ich wieder sehr spannend. Gerade noch rechtzeitig sind sie im Kensington-Palast angekommen (der olle Geizkragen hat ja tatsächlich ein paar zusätzliche Räume herausgegeben).


    Und morgen mache ich dann bei Victorias Geburt und Kindheit weiter.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Staaten in seinem Staatsgebiet enthielt - das alles wusste ich schlicht nicht. Und ich bezweifle sogar, dass wir das in der Schule jemals lernten. 8-[ Ich war ja auf einer integrierten Gesamtschule und wir hatten von der 5.-10. Klasse das Fach Gesellschaftslehre, das Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde etc in sich vereinigte. Damit reduzierte sich natürlich die Zeit, in der diese Fächer unterrichtet werden konnten, und wir sind mit dem D-Zug durch Diverses hindurchgeschossen. Wie ging es Euch denn mit gerade diesen beiden Kapiteln?

    Also, ich musste bei der Recherche feststellen, dass meine Wissenslücken scheunentorgroß waren. Also keine Sorge! Ich war auf einem (katholischen) Gymnasium in England. In Geschichte hatten wir eigentlich nur kontinentaleuropäische Geschichte von der Französischen Revolution über Bismarcks Kulturkampf bis zum 1. Weltkrieg. Ich habe Geschichte als Fach gehasst (wie €nigma hätte ich mich bestimmt mehr für die Menschen interessiert, aber das war nicht auf dem Lehrplan), und nach der mittleren Reife (in England O-Levels) habe ich Geschichte abgewählt. Von Königin Caroline wusste ich vorher nichts. Schlimmer noch: Ich bin in Blackheath aufgewachsen und zur Schule gegangen - all die Orte: Greenwich Park, Charlton, Shooters Hill, sind mit Kindheitserinnerungen verbunden, Montpellier Row (wo Lady Douglas lebte) war auf meinem Schulweg. Aber, wie gesagt, totale Ahnungslosigkeit. Aber das ist das Faszinierende am Leben - es wartet immer etwas Neues und Unerwartetes auf einen.


    Über Montague House gibt es einen schönen Wikipedia-Eintrag unter https://en.wikipedia.org/wiki/Montagu_House,_Blackheath

  • Dieser Georg IV. ist doch tatsächlich ein Stinkstiefel. Wenn mal jemand eine Liste der unbeliebtesten Monarchen Englands aufstellt, wird der sich auf einem der vordersten Plätze wiederfinden.

    Das Schlimme ist, er war anscheinend ein recht erfolgreicher und einflussreicher Regent und König. Man begegnet ihm in London überall: Eine Reiterstatue auf Trafalgar Square, Regent Street, Regent's Park, Regency Style ... Seine Verschwendungssucht und Protzigkeit scheinen den Menschen damals etwas gegeben zu haben, was sie nach den Entbehrungen der napoleonischen Kriegen (und nach der Sparsamkeit von Georg III) vermisst hatten. Das macht ihn natürlich nicht zu einem besseren Menschen, aber wenigstens audiatur et altera pars ...

  • und davon (in späteren Kapiteln) nichts davon verwendete, seine verwitwete Schwester Victoire zu unterstützen, finde ich ziemlich schrappig.

    Da ich mittlerweile in diesen Kapiteln stecke, kann ich Dir nur recht geben: da hat er sich echt geizig und schäbig gezeigt. Und die Kritik an ihm war echt gerechtfertigt. Aber dann später seine Nichte im Brief darauf hinweisen, wie sehr es sie und ihre Mutter unterstützt habe und blablabla

    … dann bin ich die erste, die das kauft.

    und wir machen wieder eine gemeinsame Leserunde :tanzen:

    Ist das nicht immer so, wenn Staaten künstlich gebildet werden, ohne Rücksicht auf die in ihnen versammelten "Volksstämme"? Wenn man sich ansieht, wie das z.B. in Jugoslawien, in der Sowjetunion oder in den diversen Staaten Afrikas ausgegangen ist, läuft es in Belgien doch verhältnismäßig gut!

    Ja, ist es, das zeigt uns die Geschichte weltweit immer wieder auf. Wie gut es in Belgien wirklich läuft, finde ich schwierig zu beurteilen - Flamen und Wallonen können sich doch bis heute nicht wirklich leiden, habe ich so den Eindruck. :scratch:

    Das ganze "Wettrennen zum Thron" war ja wirklich grotesk und tragisch.

    Grotesk trifft es ziemlich gut, finde ich. #-o Dass ihr eigenes Verhalten den Prinzen nicht peinlich war? Ich würde mich ja in Grund und Boden schämen.

    Der Artikel aus dem The Morning Chronicle ist dazu sehr interessant: "Diese Idee" wird von "hoher Stelle als Affront" aufgefasst. Dieser Georg IV. ist doch tatsächlich ein Stinkstiefel. Wenn mal jemand eine Liste der unbeliebtesten Monarchen Englands aufstellt, wird der sich auf einem der vordersten Plätze wiederfinden.

    Der ist zum K.... und nein, ich schreib es nicht aus :-# Er gibt einfach keine Ruhe, auch später nicht - und ich an Victoires Stelle hätte vermutlich richtig Angst um mein Leben und auch um das meiner Kinder

    Ich war auf einem (katholischen) Gymnasium in England. In Geschichte hatten wir eigentlich nur kontinentaleuropäische Geschichte von der Französischen Revolution über Bismarcks Kulturkampf bis zum 1. Weltkrieg.

    Jetzt hast du grad meine Klischee-Vorstellung des englischen Geschichtsunterrichts zerstört :totlach: Und ich dachte immer, Euch wird gnadenlos die tausendjährige gloriose Geschichte des UK von William the Conqueror bis heut eingetrichtert. Wieder nix, wieder ein Weltbild vernichtet :loool:

    er war anscheinend ein recht erfolgreicher und einflussreicher Regent und König.

    Das mag ja durchaus stimmen, dem Kingdom ging es ja auch prinzipiell ziemlich gut und er hat es durch schwierige Zeiten durchlaviert, aber ein Sympathieträger wird er deswegen echt nicht.

    Seine Verschwendungssucht und Protzigkeit scheinen den Menschen damals etwas gegeben zu haben, was sie nach den Entbehrungen der napoleonischen Kriegen (und nach der Sparsamkeit von Georg III) vermisst hatten.

    Auch das ist eine gute Erklärung, warum er zumindest zum Teil angesehen war. Sein Verhalten seiner Frau gegenüber wurde aber sehr wohl kritisch gesehen und kann es nicht sein, dass auch viele schlicht Angst vor ihm hatten? Damit meine ich jetzt adlige Kreise, Parlamentsangehörige - also all die Menschen, denen er direkt durch seine persönliche Macht schaden konnte?

    Kannst du einschätzen, wie er in deiner Heimat heute im Rückblick wahrgenommen und charakterisiert wird?

  • und dabei haben wir im Geschichtsunterricht bis zum Abwinken die "Kontinentalsperre" durchgekaut :puker: ).

    Die Kontinentalsperre fand ich sogar ganz interessant, weil mir aus den Unterlagen zu unserer Familiengeschichte bekannt ist, dass der Urgroßvater meines Urgroßvaters "ein berüchtigter Schmuggler zur Zeit der Kontinentalsperre" war. Die Vorfahren meiner Mutter waren allesamt Kapitäne und dieser Herr schmuggelte immer wieder Waren nach England. :wink:

    Mir haben die ganzen Frauen, mit denen die Brüder vorher mehr oder weniger offiziell zusammengelebt haben, so leid getan. Kaum gab es eine Chance auf den Thron, wurden die mehr oder weniger entsorgt.

    Es waren nicht unbedingt diese Brüder, die ihre Lebensgefährtinnen entsorgt haben - oft wurden sie dazu gezwungen und ihnen hätten vermutlich ernste Konsequenzen gedroht, wenn sie sich geweigert hätten.

    Die Reise nach England, die ganze Zeit in der Hoffnung, dass Victoire nicht zu früh niederkommt, fand ich wieder sehr spannend.

    Ich finde es überaus bemerkenswert, dass sie diese Rumpelei in einer schlecht gefederten Kutsche ohne Frühgeburt überstanden hat. Heutzutage darf man zum Ende der Schwangerschaft nicht einmal mehr fliegen, obwohl das bequemer und sicherer ist als eine Kutschfahrt über Stock und Stein.

    Ich habe Geschichte als Fach gehasst (wie €nigma hätte ich mich bestimmt mehr für die Menschen interessiert, aber das war nicht auf dem Lehrplan), und nach der mittleren Reife (in England O-Levels) habe ich Geschichte abgewählt.

    Früher war der Geschichtsunterricht auch ganz anders als jetzt. Ich fand Geschichte als Schulfach so öde (nur Jahreszahlen, Kriege, Politik, nichts über das Leben der einfachen Menschen), dass ich es beim Eintritt in die Oberstufe abgewählt habe. Erst nach dem Abitur habe ich über den Weg guter und seriöser(!) historischer Romane mein Interesse dafür entdeckt. Der Geschichtsunterricht unserer Söhne war dagegen sehr interessant und sie hatten sehr schön gestaltete Lehrbücher:thumleft:, die ich dann auch gelesen habe. Bei zweien unserer Söhne wurde Geschichte sogar neben Englisch zum Lieblingsfach.

    Eine Reiterstatue auf Trafalgar Square,

    Da kann ich Anfang September, wenn ich wieder in London bin, ein faules Ei drauf werfen. :totlach:

    die tausendjährige gloriose Geschichte des UK von William the Conqueror

    Mich hat englische Geschichte, besonders um die Plantagenets und die Tudors, schon immer wesentlich mehr fasziniert als deutsche Geschichte. Besondere Highlights sind es für mich immer, den Tower und Westminster Abbey zu besuchen, nachdem ich weiß, was dort alles vorgefallen ist.:wink:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Es waren nicht unbedingt diese Brüder, die ihre Lebensgefährtinnen entsorgt haben - oft wurden sie dazu gezwungen und ihnen hätten vermutlich ernste Konsequenzen gedroht, wenn sie sich geweigert hätten.

    Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass die Brüder ihre Lebensgefährtinnen entsorgt haben - mir taten die Frauen nur so leid (und da sind wir uns ja alle einig). Es wäre auch zu einfach, wenn man sagen würde, "sie hätten doch zu ihnen stehen können". Ich bin sehr vorsichtig mit solchen Urteilen. Was wäre gewesen, wenn einer gesagt hätte, dass er sich nicht getrennt hätte? Die von dir erwähnten ernsten Konsequenzen, von denen ich denke, dass es noch das mildeste gewesen, den Geldhahn zuzudrehen.

    In der Haut der Brüder hätte ich auch nicht stecken wollen. Einerseits, wenn ich mich nicht von der geliebten Frau trenne, erwartet mich jede Menge Ärger. Andererseits erwartet mich aber auch Ärger, wenn ich mich trenne und eine dynastisch "richtige" Frau heirate und diese das erwartete Kind bekommt. Wir haben ja am Herzog von Kent gesehen, wie Prinzregent darauf reagiert hat.

    Da kann ich Anfang September, wenn ich wieder in London bin, ein faules Ei drauf werfen. :totlach:

    :twisted::thumleft:.


    @Geschichtsunterricht: ich hatte das Glück, dass meine Mutter mir von Kindheit an schon das Interesse an Geschichte eingeimpft hat. Noch in der Grundschule habe ich diverse Geschichtsbücher gelesen, u.a. das Schulbuch meiner Mutter.

    In der Realschule wiederum hatte ich über fast die gesamten 6 Jahre das Glück, einen hervorragenden Geschichtslehrer zu haben. Wenn wir ein neues Thema angeschnitten haben, sollten wir erstmal alle Bücher zulassen und er hat uns mit viel Temperament was über den entsprechenden Abschnitt erzählt. Ich sehe noch heute das Tafelbild vor mir, mit dem er uns die Bündnispolitik von Bismarck erklärt hat :totlach:.

    In der 8. Klasse hatten wir einen Geschichtslehrer - also danach habe ich verstanden, wie manchen der Geschichtsunterricht verleidet werden kann. Die gesamte Französische Revolution hatte er auf die Schlagworte Legislative - Judikative - Exekutive reduziert - wenn ich nicht zu der gleichen Zeit verschiedene Bücher über Marie Antoinette gelesen hätte, hätte ich kaum gewusst, dass sie und Ludwig XVI. geköpft wurden. Und Napoleon wurde reduziert auf die Kontinentalsperre. Was ich im Vergleich zu "Wunderbare Josephine", eine Biografie über seine Frau, ehrlich gesagt ziemlich langweilig fand.


    Mich hat englische Geschichte, besonders um die Plantagenets und die Tudors, schon immer wesentlich mehr fasziniert als deutsche Geschichte. Besondere Highlights sind es für mich immer, den Tower und Westminster Abbey zu besuchen, nachdem ich weiß, was dort alles vorgefallen ist.

    Genauso ging es mir mit der französischen Geschichte. Angefangen mit der Romanreihe Angelique (ich weiß, eigentlich eine Schmonzette), da hat der Königshof um Ludwig XIV. so sehr interessiert, dass ich mich gleich mit den verschiedenen Ludwigs beschäftigt habe. Und genauso war es für mich ein Highlight, als ich vor 32 Jahren in Paris war und dort Notre Dame besichtigt habe, den Louvre, Versailles, usw.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Kannst du einschätzen, wie er in deiner Heimat heute im Rückblick wahrgenommen und charakterisiert wird?


    Und ich dachte immer, Euch wird gnadenlos die tausendjährige gloriose Geschichte des UK von William the Conqueror bis heut eingetrichtert.

    Ich glaube, das was ich damals über englische Geschichte wusste, hatte ich hauptsächlich von Shakespeare ... :-?


    In den Kreisen in denen ich als Kind verkehrte (Familie, Schule) wurde die Monarchie eher als "notwendiges Übel" betrachtet, nicht etwas, wofür man sich als "normaler Bürger" interessieren sollte. Mein Vater (Beamter im Landwirtschaftsministerium) hat mir beigebracht, wie das Volk in jahrhundertelangen Kämpfen der Monarchie Stück für Stück die Macht entrissen hat. Das ging nicht ohne Blutvergießen - Charles I wurde ja vom Parlament hingerichtet, es gab ein Intermezzo als Republik unter Cromwell. Heute dient die Existenz der Monarchie nur als ständige Erinnerung und Mahnung an diesen fast tausendjährigen Kampf des Volkes gegen die Obrigkeit und für die Demokratie. Gerade ihre Machtlosigkeit ist heute ihre Existenzberechtigung. Ich finde es immer Schade, dass in Deutschland die Revolutionen von 1917 und die Abschaffung der ganzen Monarchien, Fürsten, usw. von den nachfolgenden Ereignissen (Weimarer Republik, 3. Reich) so überschattet wurden, dass kein richtiger Stolz auf diese Befreiung entstehen konnte.


    Von der Politik abgesehen, ist die königliche Familie natürlich noch der Kristallisationspunkt der nationalen Identität und als Personen im Mittelpukt des öffentlichen Interesses spielen sie natürlich noch eine Rolle im gesellschaftlichen Wandel.


    Ich glaube, man kann sagen, Königin Victoria war die erste Monarchin, die diese konstitutionelle Rolle richtig verinnerlicht hatte - und das hat sie hauptsächlich Albert zu verdanken (mit Hilfe von Leopold und Stockmar). Alleine wäre sie gleich am Anfang schon gescheitert.


    Kein Wunder, dass die Engländer später von Victorias harmonischem Familienleben begeistert waren!

    Gerade aus diesem Grund habe ich mit den Erzählungen über Georg IV und Caroline so weit ausgeholt. Diese Geschichten gehören eigentlich nicht zum Thema "Coburg Darmstadt Windsor", aber nur vor diesem Hintergrund kann man die Bedeutung von Victoria und Albert verstehen, aber auch wie sehr in Victorias ersten Regierungsjahren die Monarchie am seidenen Faden hing.

  • Die von dir erwähnten ernsten Konsequenzen, von denen ich denke, dass es noch das mildeste gewesen, den Geldhahn zuzudrehen.

    Da wäre es interessant zu wissen, ob die mittelalterliche Strafe für "Hochverrat" (hanging, drawing, quartering) im 18. Jahrhundert noch angewandt werden durfte, falls man die Weigerung eines Prinzen, zur Sicherung der Thronfolge standesgemäß zu heiraten oder eine unstandesgemäße Beziehung aufzugeben, als Hochverrat definieren konnte?

    eine dynastisch "richtige" Frau heirate und diese das erwartete Kind bekommt.

    Ich frage mich immer, wie man es als Mann (physisch) überhaupt schafft, eine Frau zu schwängern, die einem absolut zuwider ist - so wie z.B. Georg IV und Caroline. Es ist sicher keine Liebe erforderlich, aber eine gewisse körperliche Anziehungskraft ist doch wohl vonnöten?

    In der 8. Klasse hatten wir einen Geschichtslehrer - also danach habe ich verstanden, wie manchen der Geschichtsunterricht verleidet werden kann.

    Solche Geschichts- (und andere) Lehrer gab es früher viele...:-,

    Ich glaube, das was ich damals über englische Geschichte wusste, hatte ich hauptsächlich von Shakespeare ...

    Das war keine sachliche Berichterstattung, wenn man z.B. die Hetze gegen den armen Richard III im Sinne der Tudor-Propaganda bedenkt.:lol:

    aber nur vor diesem Hintergrund kann man die Bedeutung von Victoria und Albert verstehen,

    Das sehe ich auch so, sie waren wohl das erste königliche Paar mit einem fast "bürgerlichen" Familienleben.

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  • Guten Morgen :D

    Die Kontinentalsperre fand ich sogar ganz interessant, weil mir aus den Unterlagen zu unserer Familiengeschichte bekannt ist, dass der Urgroßvater meines Urgroßvaters "ein berüchtigter Schmuggler zur Zeit der Kontinentalsperre" war. Die Vorfahren meiner Mutter waren allesamt Kapitäne und dieser Herr schmuggelte immer wieder Waren nach England.

    Oh, so wird Geschichte ja richtig spannend :loool:

    Ich finde es überaus bemerkenswert, dass sie diese Rumpelei in einer schlecht gefederten Kutsche ohne Frühgeburt überstanden hat. Heutzutage darf man zum Ende der Schwangerschaft nicht einmal mehr fliegen, obwohl das bequemer und sicherer ist als eine Kutschfahrt über Stock und Stein.

    Genauso interessant finde ich, dass man Victoire anscheinend in Deutschland während ihrer Schwangerschaft nicht so gequält hat wie die arme Charlotte in England. Vielleicht gibt es auch einfach keine Unterlagen darüber, wer weiß - aber sie ist körperlich ja derart fit, dass sie unmöglich einer derart rabiaten Diät unterzogen worden sein kann. Evtl. war sie so klug, sehr früh diese Ärztin als Ratgeberin kontaktiert zu haben?

    Das war übrigens ein hochinteressanter kleiner Ausflug neben raus, die Geschichte der Charlotte von Siebold :applause:

    Da kann ich Anfang September, wenn ich wieder in London bin, ein faules Ei drauf werfen. :totlach:

    Aber lass Dich nicht erwischen, Du würdest uns hier fehlen 8)

    Mich hat englische Geschichte, besonders um die Plantagenets und die Tudors, schon immer wesentlich mehr fasziniert als deutsche Geschichte. Besondere Highlights sind es für mich immer, den Tower und Westminster Abbey zu besuchen, nachdem ich weiß, was dort alles vorgefallen ist. :wink:

    Ich weiß, Du bist ganz stark England-affin. Ich finde aber auch die deutschen Dynastien, gerade im MA, sehr interessant.

    Genauso ging es mir mit der französischen Geschichte. Angefangen mit der Romanreihe Angelique (ich weiß, eigentlich eine Schmonzette), da hat der Königshof um Ludwig XIV. so sehr interessiert, dass ich mich gleich mit den verschiedenen Ludwigs beschäftigt habe. Und genauso war es für mich ein Highlight, als ich vor 32 Jahren in Paris war und dort Notre Dame besichtigt habe, den Louvre, Versailles, usw.

    Damit ergänzt Ihr beiden Euch perfekt - und wann immer ich auf dem Schlauch stehe, kann ich um Hilfe rufen :totlach:


    Ich finde es immer Schade, dass in Deutschland die Revolutionen von 1917 und die Abschaffung der ganzen Monarchien, Fürsten, usw. von den nachfolgenden Ereignissen (Weimarer Republik, 3. Reich) so überschattet wurden, dass kein richtiger Stolz auf diese Befreiung entstehen konnte.

    Das wird sich wohl kaum rückgängig machen lassen :-?

    Gerade aus diesem Grund habe ich mit den Erzählungen über Georg IV und Caroline so weit ausgeholt. Diese Geschichten gehören eigentlich nicht zum Thema "Coburg Darmstadt Windsor", aber nur vor diesem Hintergrund kann man die Bedeutung von Victoria und Albert verstehen, aber auch wie sehr in Victorias ersten Regierungsjahren die Monarchie am seidenen Faden hing.

    Ich finde diese Ausführlichkeit gut, denn nur so erschließen sich Hintergründe. Auch wenn Georg IV und Caroline nicht direkt in die angesprochenen Häuser gehören, so bildet ihre Geschichte doch die Grundlage für die nachfolgenden Ereignisse und Beziehungen. Sie sind die Basis, aus der heraus sich alles so und nicht anders entwickelt. Ich hätte bestimmt mehr Fragen im Kopf und mehr Recherchearbeit zu leisten, wenn Du hier nicht so ausführlich gewesen wärst. Und spannend ist es sowieso :lechz:

    Ich frage mich immer, wie man es als Mann (physisch) überhaupt schafft, eine Frau zu schwängern, die einem absolut zuwider ist - so wie z.B. Georg IV und Caroline. Es ist sicher keine Liebe erforderlich, aber eine gewisse körperliche Anziehungskraft ist doch wohl vonnöten?

    Bei Georg IV kann ich mir noch stark persönliche Machtausübung gegenüber der verhassten Frau vorstellen - das ist ja häufig ein Motiv. Generell hab ich mich das so manches Mal gefragt bei historischen Darstellungen von dynastischen Ehen, von Hochzeitsnächten etc. Wie haben die Hauptbeteiligten es überhaupt gepackt, die Ehe zu vollziehen und Kinder zu zeugen? Die wurden ja teils ins Bett gebracht und beobachtet und/oder belauscht :shock:

  • Ich finde es immer Schade, dass in Deutschland die Revolutionen von 1917 und die Abschaffung der ganzen Monarchien, Fürsten, usw. von den nachfolgenden Ereignissen (Weimarer Republik, 3. Reich) so überschattet wurden, dass kein richtiger Stolz auf diese Befreiung entstehen konnte.

    Weil die meisten Deutschen es nicht als Befreiung empfunden haben. Deutschland war nach deren Meinung "im Felde noch unbesiegt". Kaiser Wilhelm II. wurde zur Abdankung mehr oder weniger gezwungen, und die neue Regierung hat den als schändlich betrachteten Frieden geschlossen (Stichwort Dolchstoßlegende). Man kann kaum glauben, dass viele Deutsche den Krieg noch als etwas gutes empfunden haben!

    Deutsche sind nunmal obrigkeitshörig (vor allem zu der damaligen Zeit). Und die Revolutionen wurden nicht als Revolution, sondern als Meuterei gegen die "gottgewollte Ordnung". Und sowas geht gar nicht [-(.

    Da wäre es interessant zu wissen, ob die mittelalterliche Strafe für "Hochverrat" (hanging, drawing, quartering) im 18. Jahrhundert noch angewandt werden durfte, falls man die Weigerung eines Prinzen, zur Sicherung der Thronfolge standesgemäß zu heiraten oder eine unstandesgemäße Beziehung aufzugeben, als Hochverrat definieren konnte?

    Sie stand nur noch auf dem Papier und wurde 1870 abgeschafft, siehe hier.

    as war übrigens ein hochinteressanter kleiner Ausflug neben raus, die Geschichte der Charlotte von Siebold :applause:

    Das dachte ich mir, dass dir das gefällt :wink:.


    Die nächsten beiden Kapitel (bis einschließlich Karolines Rückkehr) waren ja richtig spannend. Dazu komme ich später, jetzt muss ich erstmal weg :D.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Geburt und Kindheit der Königin Victoria (S. 201 - 226)

    Wir sind ja teils schon in dieses Kapitel hineingerutscht beim Diskutieren. Bei ihrer Geburt war noch lange nicht raus, ob Victoria wirklich höher in der Thronfolge stehen oder eben einfach nur eine von vielen Prinzessinnen bleiben würde. Es dauerte noch einige Jahre, bis ihre Thronfolge eindeutig war, und sie selbst erfuhr es mit 12 Jahren, als im Parlament das Regentschaftsgesetz diskutiert wurde.

    Dieses Gesetz kam wohl nur auf den Weg, weil Wilhelm IV keine lebenden Nachkommen hatte - er und seine Frau taten mir in dieser Hinsicht echt leid. Wir haben ja schon einmal drüber gesprochen, wie fürchterlich es sein muss, seine Kinder so früh zu verlieren. Aber gleich 4 Kinder und noch ein Abort, das ist ein hartes Schicksal. Aber was mich am meisten an diesem Gesetz erstaunt ist der Fakt, dass man tatsächlich Victoire als Regentin diskutiert. Hätte man dafür nicht eine fähigere Person finden können? Ohne ihr wirklich zu nahe treten zu wollen, so war sie doch echt keine gute Wahl: sie fühlte sich nicht heimisch, sie sprach die Sprache sehr schlecht, ich vermute, sie wusste auch nicht wirklich viel über England - und so jemand soll als Regentin eingesetzt werden? Es gab doch etliche fähige Politiker, die diese Funktion besser hätten übernehmen können. :-k


    Sei's drum, war ja GsD nicht nötig. Auf der einen Seite hat Victoire ja vieles richtig gemacht: so lange Georg IV lebte, hat sie sich und ihre Tochter geschützt und vom Hof ferngehalten, sie hat sie gut erzogen (ihre Konsequenz bezüglich der Sprache fand ich gut) und war intelligent genug, sich darüber zwischenzeitlich offizielle Bestätigung einzuholen. Dass es dennoch nicht reichte, mag nur teilweise ihr Fehler gewesen sein - sie konnte nur von ihrer Erziehung ausgehen. So entwickelte sich Victoria offensichtlich zu einem liebenswerten, intelligenten offenen Kind, dem man aber schon anmerkt, dass es für sein Alter sehr erwachsen war. Dieses Gespräch mit ihrer Gouvernante, als sie über ihre Zukunft informiert wird, ist doch sehr erwachsen geprägt und nicht mehr kindlich.


    Aber ihre Mutter begeht dann doch zu viele Fehler in darauffolgenden Jahren, was ich so überhaupt nicht nachvollziehen kann. Klar war der Hof unter Georg IV quasi feindliches Gebiet - aber der ist tot und Wilhelm an der Macht. Und der scheint mir doch eine ganz andere Persönlichkeit als sein Bruder zu sein (schade, dass es nicht wenigstens ein Minikapitel über ihn gibt). Wieso hat Victoire weiterhin derartige Abschottung betrieben? Auf der einen Seite hat ihr Leben ihr doch schon vieles beigebracht, sie hat doch vieles bereits in jungen Jahren auf die harte Tour lernen müssen - hatte sie trotzdem so wenig Intelligenz, um die Chancen ihrer Tochter bei Hofe nicht zu erkennen? Und dann dieses undiplomatische Verhalten, z.B. bei der Geburtstagseinladung, die geschildert wird. Für diese Blödheit müsste man sie nachträglich noch ohrfeigen ](*,) Und es muss ja noch mehr vorgefallen sein, bis ein König bei einem offiziellen Bankett eine derartige Rede hält wie hier wiedergegeben.

    Bleibt die Frage, ob sie derart von sich überzeugt oder derart von anderen beeinflusst war. Vermutlich eine Mischung aus beidem... Mit diesem Wissen über ihre Kindheit muss man sich fast wieder wundern, dass Victoria als Königin derart erfolgreich war.


    Die Rückkehr der Königin Caroline (S. 227 - 250)

    Da ich mit einem weiteren Kapitel über Caroline nicht rechnete (nein, ich hab das Inhaltsverzeichnis nicht gelesen :uups:), hatte ich ja bereits über ihr weiteres Leben nachgelesen. Das, was ich bei Wikipedia gefunden habe, hast Du MarkG sogar alles deutlich belegen können. Mit welchem Hass wurde diese Frau von ihrem Mann bis ins Grab verfolgt, das ist echt nicht zu begreifen :shock: Warum hat er sie derart gehasst? Klar waren sie sich von Anbeginn nicht sympathisch und nein, sie entsprach sicher nicht seiner Traumfrau, aber dieses Schicksal teilten sich damals doch viele Adlige und Könige. Da gab es doch Mittel und Wege, um sich auf friedliche Art und Weise aus dem Weg zu gehen. Aber "friedlich" war ein Wort, das Georg in Bezug auf seine Frau eindeutig nicht kannte. War er vom Charakter her derart negativ? soll's ja geben :evil:

    Fast schlimmer finde ich dabei, wie willfährig sich sämtliche Königshäuser und Regierungen seinen abstrusen Wünschen und Befehlen unterwarfen. Da hatte echt keiner den A... in der Hose um zu sagen "hör mal zu: was Du in England machst, ist deine Sache, aber ich werde die Königin wie eine begrüßen und behandeln". Es ging doch nur um eine Durchreisen, meine Güte. Was für Waschlappen :wuetend: Auch das Oberhaus hat sich definitiv nicht mit Ruhm bekleckert, aber da kann man immerhin noch eine gewisse direkte Abhängigkeit und damit Angst vor Konsequenzen mit ins Feld führen. Aber das galt natürlich auch für das Unterhaus, und die hatten entschieden mehr Mumm in den Knochen.

    Auch der gute Leopold hat sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, auch wenn er es hinterher in seiner Autobiografie ganz anders darstellt. Das macht den sympathischen Eindruck, den ich im Belgien-Kapitel von ihm gewonnen hatte, doch wieder ein wenig zunichte.:roll:


    Das ist echt ein ganz trauriges Kapitel in der Geschichte des englischen Königshauses und seiner Regierung. :cry:

  • Ich weiß, Du bist ganz stark England-affin. Ich finde aber auch die deutschen Dynastien, gerade im MA, sehr interessant.

    Deutsche Geschichte ist auch interessant, vor allem, wenn sie von Rebecca Gablé (Ottonen-Romane) nahegebracht wird. Aber ich bin nun mal an chronischer und unheilbarer Anglomanie erkrankt, der jüngste Sohn hat sich schon angesteckt.:wink:

    Deutsche sind nunmal obrigkeitshörig

    Das kann man jetzt ja immer noch beobachten, die Bezeichnung "Schlafmichel" ist wirklich mehr als angebracht.

    Sie stand nur noch auf dem Papier und wurde 1870 abgeschafft, siehe hier.

    Danke für den interessanten Link. Eigentlich konnte man schon vermuten, dass eine solche Hinrichtungsart spätestens seit den Zeiten der Aufklärung nicht mehr unwidersprochen hingenommen wird, andererseits hätte ich es dem unsympathischen Georg IVzugetraut, sich so seiner feinde zu entledigen.

    Aber was mich am meisten an diesem Gesetz erstaunt ist der Fakt, dass man tatsächlich Victoire als Regentin diskutiert.

    Das fand ich auch völlig unverständlich, sie hatte sich weder in England integriert noch sprach sie Englisch. Zu Beginn konnte man vielleicht Mitleid mit ihr haben, aber mir ist sie schon lange unsympathisch, weil ich mehrere Bücher über Victoria gelesen habe und deshalb weiß, wie sie ihre Tochter drangsaliert hat : gemeinsames Schlafzimmer, bis Victoria Königin wurde, die arme Vicky durfte nicht mal allein die Treppe hinuntergehen - das ist ja schon krankhaft! Und dann noch dieser grässliche John Conroy, dem Victoire hörig (?) war...

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Geburt und Kindheit der Königin Victoria und Rückkehr der Königin Caroline (S. 201 - 251).


    Die Sterne standen ja nicht allzu gut für Victoria in den ersten Jahren. Erst stirbt der Vater, als sie gerade mal 8 Monate alt ist, sie ist zu dem Zeitpunkt noch recht weit vom Thron entfernt, Georg IV. kann man nicht gerade als liebevollen Großvater bezeichnen, und dann noch die Auswüchse ihrer Mutter.

    Allerdings war Auguste eine gute Großmutter, und sie hatte ein gute Verhältnis zu ihren Halbgeschwistern.

    In den ersten Jahren (also zu Lebzeiten Georg IV.) kann man Victoires Verhalten durchaus verstehen, siehe auch Seite 214. Da ist es verständlich, dass sie zu Conroy so ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt hat. Mir fällt es schwer, sie dafür zu verurteilen oder darüber zu urteilen, weil ich mir andererseits auch gut vorstellen, wie es für sie war, mehr oder weniger allein in dem fremden Land zu sein.

    Allerdings, wie gesagt, nur in den ersten Jahren und zu Lebzeiten Georg IV.

    Als dann Wilhelm IV. König wurde, hätte es sich durchaus ändern können. Schließlich bestand doch zu dessen Frau ein sehr gutes, vertrauenvolles Verhältnis. Aber da war das Kind ja schon in den Brunnen gefallen, Conroy konnte seinen Einfluss ausüben und die Stimmung vergiften. Siehe die Szene am Ende des Kapitels.

    ch vermute, sie wusste auch nicht wirklich viel über England - und so jemand soll als Regentin eingesetzt werden? Es gab doch etliche fähige Politiker, die diese Funktion besser hätten übernehmen können.

    Es wurde häufig ein enger Angehöriger als Regent eingesetzt (die ähnlich unbeliebte Anna von Österreich war jahrelang Regentin für den noch minderjährigen Ludwig XIV.), der jedoch von einem Regentschaftsrat beraten wurde. Oft hatte der Regent/die Regentin noch eine Vertrauensperson, die die "Amtsgeschäfte" übernommen hat. In dem obigen Beispiel, Anna von Österreich und Ludwig XIV. war es Kardinal Mazarin.


    Zwischendurch kam Caroline zurück nach England. Der Armen haben sie ja wieder ganz übel mitgespielt. Keine Einkünfte mehr als Prinzessin von Wales, und als Königin schon gar nicht. Ganz zu schweigen davon, dass sie gar nicht offiziell als Königin von England bestätigt wurde.

    Hättet ihr dieses "unmoralische Angebot", also 50.000,00 Pfund jährlich für den Verzicht auf den Titel als Königin und sowie das Nichtbetreten Englands, angenommen? 50.000,00 Pfund jährlich waren eine Menge Geld, sie war jahrelang nicht mehr in England gewesen und hatte dort auch niemanden mehr. Sie wird davon ausgehen können, dass ihr Mann sie auch nicht gerade begeistert um den Hals fallen wird.

    Ich muss gestehen, ich wäre stark in Versuchung gewesen.

    Aber bei ihr ist wieder ihr Sturkopf und "Eine Braunschweigerin kennt keine Furcht...".

    Und es war so klar, dass das nach hinten losgehen wird. Zwar war die Bevölkerung (von Prinzessin Lieven so liebevoll als "Pöbel" betitelt) begeistert von ihrem Einzug, aber kurz darauf gab es fast bürgerkriegsähnliche Zustände.

    Mich macht ihr Tod so kurz nach der - für sie missglückten - Krönung mehr als misstrauisch. Im Gegensatz zu dem Tod von Prinzessin Charlotte bin ich mir bei ihr sehr sicher, dass sie vergiftet wurde. Das passt einfach zu gut: Der Stinkstiefel (= Georg IV.) musste ja damit rechnen, dass sie immer und immer wieder Ärger macht. Dazu hatte sie einen großen Rückhalt in der Bevölkerung und im Unterhaus.

    Das Verhalten von Georg IV., als er von ihrem Tod erfahren hat, war mal wieder typisch für ihn :roll:. Jegliche Trauer wäre doch geheuchelt gewesen. Aber mit der Reaktion befeuert er natürlich die Gerüchte um ihren Tod.


    Übrigens war ich sehr erfreut zu lesen, dass ihr Sarg auf dem Weg zu ihrer letzten Ruhestätte auch hier in Celle haltgemacht hat. Das erwähnte Grab der Königin Caroline Mathilde bzw. ihren Sarkophag habe ich vor vielen Jahren besichtigt, als wir mal unvermuteterweise in die Fürstengruft unter der hiesigen Stadtkirche gekommen sind. Im Schloss kann man immer noch die Caroline-Mathilde-Räume besichtigen, die sie damals bewohnt hat.


    Und dann ist er selbst gestorben, der Prince of Whales (genialer Spitzname übrigens :totlach:). Also ich weine ihm keine Träne nach.

    Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
    Lucinda Riley, Die Schattenschwester


    Der Himmel gewährt uns nur ein einziges Leben, aber durch Bücher erleben wir Tausende.

    Jay Kristoff, Nevernight - Das Spiel

  • Aber ich bin nun mal an chronischer und unheilbarer Anglomanie erkrankt, der jüngste Sohn hat sich schon angesteckt. :wink:

    Gott sei Dank sind die Symptome sehr angenehmer Natur, so dass man damit sehr alt werden kann :loool:

    Das fand ich auch völlig unverständlich, sie hatte sich weder in England integriert noch sprach sie Englisch.

    Es wurde häufig ein enger Angehöriger als Regent eingesetzt (die ähnlich unbeliebte Anna von Österreich war jahrelang Regentin für den noch minderjährigen Ludwig XIV.), der jedoch von einem Regentschaftsrat beraten wurde.

    Ein enger Angehöriger ist ja nachvollziehbar und es gab doch genügend Auswahl. Aber ihre Mutter war nun definitiv für diesen Posten nicht geeignet - Regentschaftsrat hin oder her.


    wie sie ihre Tochter drangsaliert hat : gemeinsames Schlafzimmer, bis Victoria Königin wurde, die arme Vicky durfte nicht mal allein die Treppe hinuntergehen - das ist ja schon krankhaft! Und dann noch dieser grässliche John Conroy, dem Victoire hörig (?) war...

    Krankhaft trifft es bestimmt gut. In den ersten Lebensjahren von Victoria war Angst bestimmt ein Lebens-bestimmender Faktor in Victoires Leben: Angst um ihre Tochter und um deren Leben. Ich hätte Georg ja auch nicht über den Weg getraut. Insofern kann ich diese krankhafte Überwachung tatsächlich noch nachvollziehen. Was nicht bedeutet, dass ich es gut heiße. Victoria konnte einem echt leid tun.

    In den ersten Jahren (also zu Lebzeiten Georg IV.) kann man Victoires Verhalten durchaus verstehen, siehe auch Seite 214. Da ist es verständlich, dass sie zu Conroy so ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt hat. Mir fällt es schwer, sie dafür zu verurteilen oder darüber zu urteilen, weil ich mir andererseits auch gut vorstellen, wie es für sie war, mehr oder weniger allein in dem fremden Land zu sein.

    Das hab ich selbst ja auch geschrieben. Aber sie ist eine erwachsene Frau, sie hätte lernen und sich adaptieren können, gerade auch für ihre Tochter und deren Zukunft. Aber sie hat sich (meiner Meinung nach) bewusst dagegen entschieden, erst recht nach Georgs Tod, und das kann ich nun wieder nicht nachvollziehen. Da gab wohl ihre Abhängigkeit von Conroy den Ausschlag. Aber auch gegen diese hätte sie - wenn sie sich mehr für England interessiert hätte - etwas tun können, diese Abhängigkeit minimieren können.

    Ich bin gespannt, was wir darüber noch erfahren werden. :wink:

    Hättet ihr dieses "unmoralische Angebot", also 50.000,00 Pfund jährlich für den Verzicht auf den Titel als Königin und sowie das Nichtbetreten Englands, angenommen?

    Ich kann es nicht sagen. Aber die Annahme dieses Angebots hätte auch als Eingeständnis eines Fehlverhaltens interpretiert werden können und Georg hätte das garantiert so in aller Öffentlichkeit und an allen Höfen Europas kolportiert. Caroline hätte sich nirgends mehr sehen lassen können, ähnlich wie Julchen. Ich kann also verstehen, dass sie das nicht getan hat.

    Mich macht ihr Tod so kurz nach der - für sie missglückten - Krönung mehr als misstrauisch.

    Sie war aber schon vorher krank gewesen, und wie schnell man früher an Krankheiten sterben konnte, wissen wir ja. Wenn bekannt ist, dass sie an Gelbsucht litt (ich gehe davon aus, dass MarkG dafür Belege hat), dann war es ein Wunder, dass sie überhaupt so lange lebte. Eine versagende Leber ist auch heute noch ein Todesurteil, wenn sich kein Spender findet.

    Prince of Whales

    Sehr passend, ich hab auch fett gegrinst :totlach:


    MarkG Wieso hast Du Carolines weitere Geschichte eigentlich so spät wieder aufgenommen? Ich hätte sie viel früher erwartet. Und ich finde es etwas schade, dass wir nicht ein wenig mehr über Wilhelm IV erfahren, ich wär schon neugierig. Aber diesmal hab ich ins Inhaltsverzeichnis geschaut und werde wohl selber mal ein wenig nachlesen. :wink:

  • Aber was mich am meisten an diesem Gesetz erstaunt ist der Fakt, dass man tatsächlich Victoire als Regentin diskutiert.


    Es wurde häufig ein enger Angehöriger als Regent eingesetzt

    Ein Politiker als Regent wäre, glaube ich, nicht gegangen. Das wäre ein Interessenkonflikt. Die Politiker (insofern wie sie einen Ministerposten innehaben) haben die Aufgabe, den Monarchen zu beraten. Sie stehen sozusagen auf der anderen Seite. Deshalb war ein enger Angehöriger, wie Castor richtig sagt, die einzige Möglichkeit. Und mindestens zwei Männer haben darauf spekuliert, die Schwäche der Victoire für ihre eigenen Zwecke auszunützen. Einmal Conroy, der seit dem Tod seines Dienstherrn Eduard fast 18 Jahre lang geduldig auf diese Chance gewartet hat, selbst wie ein König zu sein. Und, so wie es aussieht, auch Leopold, der angeblich die griechische Krone schnell hat fallen lassen, als abzusehen war, dass Wilhelm IV nicht lange zu leben hatte, und dann er (Leopold) durch seine Schwester fast König von England hätte werden können.

    Und es muss ja noch mehr vorgefallen sein, bis ein König bei einem offiziellen Bankett eine derartige Rede hält wie hier wiedergegeben.


    Und ich finde es etwas schade, dass wir nicht ein wenig mehr über Wilhelm IV erfahren, ich wär schon neugierig

    Ja, Squirrel, ich weiß, Wilhelm IV ist etwas zu kurz gekommen. Aber eigentlich spielt er keine große Rolle in meiner Geschichte - und ich bin nicht so sicher, ob er überhaupt eine große Rolle spielte. Er war der Seemann ("The Sailor King", auch "Silly Billy" genannt): trinkfest, kumpelhaft, bodenständig. Er war für seine langen abschweifenden nichtssagenden Reden bekannt, fand als König nie den richtigen Ton. Aber seine Tirade gegen Victoire hat es wirklich in sich (und ich denke, auf Charles Greville können wir uns verlassen, dass es sich so zugetragen hat), damit hat er dann doch ein paar Pluspunkte verdient.


    Wieso hast Du Carolines weitere Geschichte eigentlich so spät wieder aufgenommen?

    Ja, ursprünglich hatte ich dieses Kapitel gleich nach "Carolines Reisen" gesetzt, aber das ging nicht, weil ich vor ihrer Rückkehr erst Leopold vorstellen musste, dann den Tod der Charlotte, und dann, auch den Tod von Eduard (weil Caroline nach ihrer Rückkehr Victoire zum Tod ihres Mannes kondoliert hatte), und wenn ich das Kapitel schon so weit nach hinten schiebe, dann am besten die zeitliche Reihenfolge einhalten, denn Victoria war ja schon geboren, als Caroline zurückkam.

  • Ein Politiker als Regent wäre, glaube ich, nicht gegangen. Das wäre ein Interessenkonflikt.

    Aber der Interessenkonflikt scheint mir bei Leopold und Conroy größer als bei einem Politiker. Der stünde ja stets unter scharfer Beobachtung der anderen Politiker, Leopold und Conroy viel weniger. Aber durch Victoire als Regentin waren beide unkontrollierbar und Victoire sehr manipulierbar. Wir müssen ja froh sein für das englische Volk, das Wilhelm noch lange genug durchhielt. :wink:

    Wilhelm IV ist etwas zu kurz gekommen. Aber eigentlich spielt er keine große Rolle in meiner Geschichte - und ich bin nicht so sicher, ob er überhaupt eine große Rolle spielte.

    Nein, eine echte Rolle spielt er nicht, die hat ihm Victoire ja vorenthalten. Dabei hätte er, so burschikos wie er war, ja Victoria zeigen können, dass eben nicht alle der königlichen Familie so schlecht waren wie z.B. Onkel Georg. Und sie wäre bei Hof eingeführt gewesen und mit den wichtigen Familien bereits ein wenig vertraut. Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass es ihn wirklich kränkte, dass man ihm und seiner Frau das Kind so vorenthielt. Wenn er wirklich so "volksnah" und raubeinig war und in Anbetracht des Verlusts all seiner eigenen Kinder, hätte er Victoria vermutlich verwöhnt und beschützt und geliebt. Das ist natürlich nur Spekulation, aber vorstellbar.

  • Hättet ihr dieses "unmoralische Angebot", also 50.000,00 Pfund jährlich für den Verzicht auf den Titel als Königin und sowie das Nichtbetreten Englands, angenommen?

    Ja, ich hätte das an ihrer Stelle angenommen, nicht mal so sehr aus Geldgier, sondern weil sie nichts mehr an England band. Die einzige Tochter war schon verstorben und der stinkstiefelige Ehemann war sicher auch kein Pull-Faktor. Caroline war Deutsche und hätte in ihrer Heimat einen schönen und vermutlich längeren(!) Lebensabend genießen können.


    Solltet Ihr mir allerdings 50 000 € dafür anbieten, nie wieder nach England zu reisen, so könnt Ihr diesen Deal gleich vergessen. :mrgreen:

    Zwar war die Bevölkerung (von Prinzessin Lieven so liebevoll als "Pöbel" betitelt) begeistert von ihrem Einzug, aber kurz darauf gab es fast bürgerkriegsähnliche Zustände.

    Prinzessin Lieven ging mir zunehmend mehr auf die Nerven, das war eine ganz arrogante Giftspritze.

    Mich macht ihr Tod so kurz nach der - für sie missglückten - Krönung mehr als misstrauisch. Im Gegensatz zu dem Tod von Prinzessin Charlotte bin ich mir bei ihr sehr sicher, dass sie vergiftet wurde.

    Bei Caroline dachte ich auch, dass ihr Tod ein bisschen zu unerwartet und zu passend kam. Es wäre doch interessant, sie zu exhumieren. Hat man bei Napoleons Leiche nicht noch Gift nachweisen können?


    Zitat aus Wikipedia:

    1961 wurde eine Haarprobe von Napoléon mittels Neutronenaktivierungsanalyse untersucht. Dabei wurde nachgewiesen, dass er sukzessive Arsen aufgenommen hatte. Durch die Segmentanalyse einer 130 mm langen Strähne wurde zudem ermittelt, dass er während einer einjährigen Phase Arsen mit Unterbrechungen aufgenommen hatte. Außerdem konnte man die ungefähren Zeitpunkte rekonstruieren.[9] Ob es sich dabei um eine vorsätzliche Vergiftung oder aber um die Lebensumstände auf St. Helena handelt, wird bis heute kontrovers diskutiert.[10]

    Aber ihre Mutter war nun definitiv für diesen Posten nicht geeignet - Regentschaftsrat hin oder her.

    Das meine ich auch!

    Aber sie hat sich (meiner Meinung nach) bewusst dagegen entschieden, erst recht nach Georgs Tod, und das kann ich nun wieder nicht nachvollziehen. Da gab wohl ihre Abhängigkeit von Conroy den Ausschlag. Aber auch gegen diese hätte sie - wenn sie sich mehr für England interessiert hätte - etwas tun können, diese Abhängigkeit minimieren können.

    Wilhelm IV kam mir durchaus friedlich vor, nicht so ein Ekel wie sein verstorbener Bruder, deshalb hätte Victoire ihn nicht gegen sich aufbringen müssen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Prinzessin Lieven ging mir zunehmend mehr auf die Nerven, das war eine ganz arrogante Giftspritze.

    Und eine manipulativen dazu :wuetend:

    Bei Caroline dachte ich auch, dass ihr Tod ein bisschen zu unerwartet und zu passend kam. Es wäre doch interessant, sie zu exhumieren. Hat man bei Napoleons Leiche nicht noch Gift nachweisen können?

    Arsen und andere giftige Stoffe fanden früher in vielem Verwendung - v.a. in Farben und in Arzneien. Ich hab jetzt nur mal 2 Minuten nach Arsen gegoogelt und diese beiden interessanten Fakten gefunden:

    Giftige Tapeten

    Arsen

    Im Wikipedia-Artikel ist der Teil Geschichte interessant, beginnend beim 17. Jh (neben dem Symbol). Arsen wurde selbst damals noch als Arzneimittel eingesetzt und vieles mehr. Es braucht also nicht viel, um sich selbst damit zu vergiften. Deshalb bin ich immer sehr vorsichtig, wenn in Körpern der damaligen Zeit Gifte nachgewiesen werden.

    Bis ins 20. Jh wurde auch Quecksilber als Arzneimittel eingesetzt - gegen die Syphilis. Da war dann prinzipiell auch egal, was einen umbrachte :roll:

    Wilhelm IV kam mir durchaus friedlich vor, nicht so ein Ekel wie sein verstorbener Bruder, deshalb hätte Victoire ihn nicht gegen sich aufbringen müssen.

    Eben, da hat ihre Menschenkenntnis echt versagt. Der war doch wohl der normalste der ganzen Brüder und hätte ihr Leben echt erleichtern können.


    Hey, wir haben fast die Hälfte bereits gelesen, ich bin selbst ganz baff :cheers: Kompliment an Dich, MarkG - ich hätte nicht gedacht, dass sich dieser Wälzer derart leicht und flüssig lesen lässt und uns dabei doch mit vielen Fakten flutet. :)

  • ich hätte nicht gedacht, dass sich dieser Wälzer derart leicht und flüssig lesen lässt und uns dabei doch mit vielen Fakten flutet. :)

    Ich komme auch gut voran, zumal es jetzt um Persönlichkeiten geht, die mir schon gut bekannt sind.



    Ernst und Albert von Sachsen-Coburg & Gotha (bis S.274) / Luise Lehzen (bis S. 280)


    Ich war etwas überrascht, dass es im vorliegenden Buch so wirkt, als sei gleich eine Ehe zwischen Albert und Victoria geplant gewesen. Aus anderen Büchern zu diesem Thema hatte ich den Eindruck, dass einer der Brüder Victoria heiraten sollte und dass man sich erst für Albert entschied, als ersichtlich wurde, dass Victoria ihn bevorzugte. Hier kommt die Sprache auch nicht auf Ernsts lasterhaften Lebenswandel, der Ernst für Victoria ungeeigneter macht als seinen hochmoralischen jüngeren Bruder. MarkG Oder wird das noch in späteren Kapiteln angesprochen?

    Ich fand schon immer die Mutter der beiden Jungen, Luise, der leider nur ein sehr kurzes Leben beschieden war, sehr interessant und habe schon ein Auge auf ein Buch speziell über sie (siehe unten) geworfen.

    Inzwischen ist auch Victorias Erzieherin, Luise Lehzen, aufgetreten, an der sie sehr hing und zu der sie ein extrem vertrautes Verhältnis - viel mehr als zu ihrer Mutter - hatte. Wie man später in den Kapiteln über Victorias Ehe noch lesen wird, blieb Lehzen im Machtkampf mit Albert auf der Strecke und musste nach Deutschland zurückkehren, aber Victoria erhielt den Kontakt zumindest aufrecht und traf sie auch noch einige Male.

    1. (Ø)

      Verlag: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)


    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Der war doch wohl der normalste der ganzen Brüder und hätte ihr Leben echt erleichtern können.

    Ja, das stimmt, und zumindest die Prinzessin Victoria scheint er aufrichtig gemocht zu haben. Aber, wie es im englischen Sprichwort so schön heißt: "Once bitten, twice shy." (Für die meisten englischen Sprichwörter gibt es ein deutsches Gegenstück – oder umgekehrt – aber für dieses fällt mir momentan keins ein.)


    Oder wird das noch in späteren Kapiteln angesprochen?

    Nein, leider nicht. Zum angeblichen schlimmen Lebenswandel von Ernst II konnte nur Gerüchte finden, keine Fakten, keine Belege. Viktoria beklagt sich zwar in ihrem Journal ständig über die Zustände in Coburg (als Ernst II Herzog war), gibt aber keine Einzelheiten preis. Möglicherweise meinte sie nur die enormen Schulden, die Ernst II aufgehäuft hatte. Ernsts Kinderlosigkeit soll angeblich auf eine Geschlechtskrankheit zurückzuführen sein, Albert soll ihn auch deswegen gerügt haben, aber dafür konnte ich keine Belege finden. Und einfach Gerüchte weitertratschen wollte ich nicht, zumal diese Erklärung für seine Kinderlosigkeit ohnehin nicht zu den unehelichen Kindern passt, die ihm zugeschrieben wurden. Was immer er angestellt hat, seine Frau Alexandrine scheint das alles mit Gleichmut ertragen zu haben - aber sie bleibt eine recht farblose Figur.

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