Ian Mc Ewan - Maschinen wie ich / Machines like me

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Maschinen wie ich

3.5|6)

Verlag: Diogenes

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 416

ISBN: 9783257070682

Termin: Mai 2019

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  • Klappentext:

    Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen. – von der Diogenes-Verlagsseite kopiert


    Zum Autor:

    Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller. Zuletzt kamen Verfilmungen von ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson) in die Kinos. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences. – von der Diogenes-Verlagsseite kopiert


    Allgemeine Informationen:

    Originaltitel: Machines like me

    Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Robben

    Erstmals erschienen 2019 bei Jonathan Cape

    Zehn nummerierte Kapitel auf 416 Seiten


    Meine Meinung:

    1982.

    England hat den Falkland-Krieg verloren. Thatcher verliert die Wahl, ein populärer linksorientierter Demagoge namens Tony Benn wird Premier.

    Auf den Straßen sind fast nur autonom fahrende Autos unterwegs.

    Das Internet hat die Welt verändert.

    Man denkt an einen Brexit.

    Mit Alan Turing (1912-1954), einem Pionier der Informatik, führt Charlie Gespräche über seinen „Adam“.


    McEwan bedient sich also einiger tatsächlicher Motive aus der englischen Nachkriegshistorie, nimmt Erfindungen und Entwicklungen aus der Neuzeit dazu und schickt reale Personen auf die Bühne. Anschließend pappt er das Ganze mit viel viel Phantasie und Fiktion zusammen, und fertig ist die Grundlage von „Maschinen wie ich“.

    Aus diesem Grund habe ich das Buch von Anfang an als ironisches Bravourstückchen gelesen. Wenn McEwan reale Ereignisse auf den Kopf stellt – wie ernst kann ein Leser die Handlung generell nehmen?


    Charlies Android Adam kann alles, er ist vernetzt, lernt immer weiter und bildet sich fort. Merkwürdig allerdings, dass er sich als Automat sogar verlieben kann. Dennoch muss er seiner Programmierung folgen, kann also keine moralischen Entscheidungen treffen, kann nicht eine Problemlösung gegen eine andere abwägen oder einem – wie auch immer gearteten – Gewissen folgen. Die abgespeicherten Prinzipien verhindern die Wahl eines kleineren Übels oder die Gestaltung von Alternativen.

    Andererseits brilliert Adam mit seiner Intellektualität, und wenn er sich mit Charlie Wortgefechte um moralische und ethische Fragen liefert, so greift er in seinen großen Fundus an gespeicherten Informationen und Ableitungen daraus. Dass bei den philosophisch-akademischen Diskussionen gelegentlich ein Gemeinplatz abfällt, mag der Leser verschmerzen.


    Bekanntlich wirken tragische und komödiantische Elemente verstärkend, wenn man sie neben- oder gegeneinander setzt. Und so spitzt sich die Handlung in einer Geschichte zu, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen, und die dramatische Auswirkungen auf das Zusammenleben des Paares und seine Zukunftspläne hat.


    Im Vergleich zu anderen Büchern des Autors, die berühren und aufwühlen, hat dieser Roman mich „nur“ unterhalten. Doch das hat er ausgezeichnet gemacht.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Marie

    Hat den Titel des Themas von „Ian Mc Ewan - Maschinen wie ich“ zu „Ian Mc Ewan - Maschinen wie ich / Machines like me“ geändert.
  • Das Original


    Hypocritia , hast Du das Buch vielleicht zu ernst genommen? :-k

    Ich verstehe Deine Frage hier überhaupt nicht. Der Typ stellt sich im Buch dauernd die Frage, ob Adam ein Bewusstsein habe oder nicht. Die Frage kann man sich als Leser bereits nach den ersten Kapiteln beantworten, denn Adam spricht von sich in der ich-Form, er hat Emotionen, und er hat noch dazu einen freien Willen - da ist für jeden die Frage nach Bewusstsein längst beantwortet, nur für McEwan nicht, der wie immer entweder schlampig recherchiert oder sein eigenes Thema nicht auf die Reihe kriegt. Es wäre evtl. gut, wenn McEwan sich mal für ein Buch mehr Zeit ließe und nicht eines nach dem anderen lieblos rausklatschen würde.


    Er hätte sich mal ordentlich durch Hegel, Schopenhauer und modernere Konzepte wie bspw. Panpsychismus und dgl. mehr (künstliche neuronale Netze, wie sie aufgebaut sind, wie sie funktionieren, was jetzt schon möglich ist etc. pp.; auch die Gedanken von Menschen wie Elon Musk dazu oder zur Entwicklung in Videospielen und darüber mal ordentlich nachdenken hätte hilfreich sein können ...) durcharbeiten und dann sein Geschreibe ordentlich darauf abstimmen können. Statt dessen hunzt er sich einen Alan Turing zurecht, der von dessen Denken und Konzepten her voll in die Hose geht - aber klar, McEwan kann sich ja immer noch auf das Argument der schriftstellerischen Freiheit berufen, schon klar (gähn).


    Im Endeffekt geht es McEwan gar nicht um die Frage nach dem Bewusstsein oder um AI, sd. es geht, wie so oft bei diesem Schreiberling, um die Frage nach Moral und Ethik, aber um nichts anderes. Ich persönlich habe den Eindruck, dass McEwan sich das Konzept einer menschengemachten Schaffung von künstlichem Bewusstsein nicht zu eigen gemacht hat. Warum auch? Er kommt damit ja bei vielen Lesern durch, die sich noch weniger als er selbst dazu angelesen haben.

    Aber für mich persönlich ist das Buch bis auf den Teil des Plots, der um die moralisch-ethischen Differenzen herum kreist, idiotisch. Dieses moralisch-ethische Dilemma am Höhepunkt des Buches ist allerdings gut, das gebe ich zu. Für die Abhandlung dieser eigentlichen Frage im Buch hätte er sich jedoch nicht so einen unsinnigen Schwachsinn über KI als erzählerische Umgebung zusammenfabulieren müssen. Das hätte er auch in eine andere Umgebung, die er weniger dilettantisch daherbringt, einbauen können. Aber wenn es für seine üblichen Leser reicht, soll es mir recht sein ... (Du hast mich direkt gefragt, also hier direkt die Antwort)


    Noch eins: das Thema künstliches Bewusstsein hat auch Pelewin schon mal verarbeitet (in "SNUFF"), da aber mit höherem philosophischen Anspruch, eingebettet in eine richtig abgedrehte Mischung aus Fantasy, Sci-Fi und gesellschaftspolitischer Satire. Und Alan Turing wurde von Herrn Pelewin auch mit wesentlich mehr Respekt und Verständnis, und mehr Humor eingearbeitet (zumindest mein Humor, der sich allerdings nicht unbedingt immer mit Deinem deckt, Marie, muss er ja auch nicht, da ist unser Bewusstsein zu unterschiedlich, was an und für sich sehr gut ist).


    Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie Du überhaupt darauf kommst, dass ich jemanden, der mich jetzt schon zum dritten Mal (mindestens) mit seiner Oh-guck-mal-ich-weiß-was-Schreibe nicht so sehr überzeugt hat, überaus ernst nehmen würde - dazu langweilt mich Herr McEwan dann doch ein bisschen zu sehr, und zwar ziemlich genau wegen dieser Schreibweise.

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

  • Ich verstehe Deine Frage hier überhaupt nicht.

    Ich hatte mir Dein Fazit angesehen und festgestellt, dass Du Dich ernsthaft mit dem Buch / dem Autor / dem Thema auseinander gesetzt hast. Dein neuer Beitrag zeigt es ja deutlich. Das habe ich nicht gemacht, ich habe das Buch von Anfang an als Spielerei gelesen, als eine Art leichtes Geplänkel um die Fragen von Bewusstsein, moralischem, ethischen Denken und Handeln und mich gefreut, dass man diesen Komplex auch ohne die gewohnte Schwere zum Thema machen kann.

    Meiner Meinung nach gibt McEwan durch seine Nicht-Achtung von Realität und Historie diese Richtung vor.

    Charlies Art, sein Geld zu verdienen und zu verlieren, sein politisches Engagement mit seiner Inkonsequenz in der Vergangenheit, das Durchwurschteln - das trieft in meinen Augen vor Ironie.


    Gut, dass wir das Buch so unterschiedlich gelesen haben. Es gibt einfach zu wenige konträre Diskussionen hier (und - ich gebs zu - ich wollte Dich zu einer Stellungnahme provozieren :uups:).

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • um die Fragen von Bewusstsein, moralischem, ethischen Denken und Handeln und mich gefreut, dass man diesen Komplex auch ohne die gewohnte Schwere zum Thema machen kann.

    Meiner Meinung nach gibt McEwan durch seine Nicht-Achtung von Realität und Historie diese Richtung vor.


    Autsch! :eye:

    Könntest Du das anhand von Textstellen belegen?

    Das ist doch keine Nicht-Achtung von Realität, Marie, denn es geht mittlerweile schon ziemlich viel auf dem Gebiet der KI.


    Es erstaunt mich schon, dass Du bei Borges, der nun wirklich mit dem Leser ein intelligent-witziges Spielchen in "Tlön, Uqbar, Orbis Tertius" treibt, überhaupt keinen Humor aufbringen konntest und stattdessen hoch empört den Autor nach wenigen Seiten in die Ecke geworfen hast; dagegen glaubst Du ausgerechnet in der Schlaffheit der thematischen Abhandlung in der Hochfrequenz-Taktung eines im Buchakkord schreibenden McEwan Humor zu finden. Klingt irgendwie nach Böhmermann-Qualität in Sachen Humor.

    (Kann man aber unterschiedlicher Meinung sein, gebe ich zu. Und ja, ich wollte Dich auch provozieren :uups: - Mann, Marie, wir machen uns beide gerade ein bisschen lächerlich, oder?:friends:Ich glaube, ich brauche wieder mal eine ausgiebige Runde Thea Dorn gegen Philipp Tingler, dann brauchen wir zwei uns hier nicht in die Haare zu kriegen.)

    » Unexpected intrusions of beauty. This is what life is. «


    Saul Bellow, (1915-2005 ), U.S. author,
    in Herzog

  • Zitat von Hypocritia

    Mann, Marie, wir machen uns beide gerade ein bisschen lächerlich, oder?:friends:

    Nein mehr davon! Ich find das spannend!!!:lechz:

    :study: Bis ihr sie findet - Gytha Lodge

    :montag:Secret Keepers: Tage der Späher (1) – Trenton Lee Stewart

    :musik:

  • Zitat von Hypocritia

    Mann, Marie, wir machen uns beide gerade ein bisschen lächerlich, oder?:friends:

    Nein mehr davon! Ich find das spannend!!!:lechz:

    ich auch :loool:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Daniel Keyes - Blumen für Algernon

    :study: James Hawes - The shortest history of Germany

  • überhaupt keinen Humor aufbringen konntest und stattdessen hoch empört den Autor nach wenigen Seiten in die Ecke geworfen hast

    Gönn mir bitte, dass ich schlichtweg intellektuell überfordert war. :( Auch wenn es Dich enttäuscht. 8-[

    Könntest Du das anhand von Textstellen belegen?

    Geht leider nicht, ich habe das Buch gestern in die Bücherei zurückgebracht. War wohl zu voreilig. :wuetend:


    In meinem Kopf tauchte eine Verbindung auf zwischen McEwans Buch und "GRM:Brainfuck" von Sibylle Berg. Vielleicht wegen des Themas, was für den Menschen alles machbar ist an Technik, ideologischer und politischer Entwicklung, und der Frage nach den Folgen. Während Bergs Roman den Leser in eine düstere Atmosphäre runterzieht, sorgt McEwan für einen lockeren Ton. Das hatte mich sehr erleichtert.


    Thea Dorn gegen Philipp Tingler

    Was brauchen wir denn die beiden, wir haben doch uns. :friends::wink:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • He, geht es denn hier nicht weiter? Was ist denn mit Dorn und Tingler los? So schnell gibt doch sonst keiner von beiden klein bei. Ironisch gemeint oder nicht? Wir sitzen gespannt am Bidschirm. :wink::lol:

  • He, geht es denn hier nicht weiter?

    Ich warte darauf, dass Du das Buch liest und mitmachst. :loool:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • He, geht es denn hier nicht weiter?

    Ich warte darauf, dass Du das Buch liest und mitmachst. :loool:

    Darf ich dann Marcel Reich-Ranicki sein?:lechz:

  • Habe euren Plausch gerade mit Vergnügen gelesen :lol:

  • Ich habe jetzt erst Eure Diskussion gelesen, und jetzt trau ich mich kaum, meine Meinung wiederzugeben. Ich habe den Roman mehr als eine Art Salonstück der heiteren Art gelesen:pale:.


    Mir hat die besondere Mischung in diesem Roman sehr gut gefallen. Der Autor schreibt einen Science-Fiction- Roman, den er aber in die Vergangenheit (1982) verlegt. Er spielt mit tatsächlichen Ereignissen und Personen: so lässt er beispielsweise Argentinien und nicht England den Falkland-Krieg gewinnen, Kennedy überlebt das Attentat auf sein Leben, oder er schreibt die traurige Geschichte von Alan Turing um und lässt ihn die Gefängnisstrafe anstelle der hormonellen Kastration wählen. Damit wird Alan Turing quasi der Großvater des Roboters „Adam“, den sich die beiden Protagonisten anschaffen, und auch dieses Spiel mit Familiensituationen ist originell. Vor allem die Verbindung des alten Motivs der Automate (z. B. Pandora in der Antike oder die Figur der Olimpia in E. T. A. Hoffmanns Sandmann) mit dem neuen Motiv der künstlichen Intelligenz fand ich ausgesprochen erfrischend, weil sie durch den ironischen Ton so leichtfüßig daherkommt.

    Der Roman entwickelt jedoch seine ernsthaften Seiten. Der Androide legt, wie auch seine Kollegen, menschenähnliche Empfindungen und Gefühle an den Tag. Und insofern geht es in diesem Roman nicht nur um künstliche Intelligenz, um Familienmuster, Liebeskomplikationen, Zukunft, wissenschaftliche Arbeitsmethoden wie den Dekonstruktivismus, um Shakespeare etc., es geht nicht nur um die skurrilen Situationen, die das Zusammenleben mit einem Roboter mit sich bringt, sondern es geht auch um Moral und Ethik. Ob Roboter die besseren Menschen sind?

    Eines können sie auf alle Fälle nicht: sich mit den täglichen Widersprüchen so zu arrangieren, dass sie überleben können.


    Der Roman liest sich ausgesprochen leicht, allerdings haben mich die gelegentlichen halbscharigen wissenschaftlichen Exkurse gestört.

    :musik:Arno Geiger, Unter der Drachenwand.

    :study: Simon Beckett, Die ewigen Toten.

  • allerdings habenmich die gelegentlichen halbscharigen wissenschaftlichen Exkurse gestört.

    Jetzt musste ich doch tatsächlich erstmal nachschlagen, was "halbscharig" heißt. Man lernt nie aus.:lol:


    Das letzte Buch, das ich von Ian McEwan gelesen habe, war "Saturday" und es hat mir nicht so gut gefallen. Die Literaturkritiken zu diesem Roman sind ziemlich gemischt, auch hier im Thread herrscht keine Einigkeit. Ein guter Grund also, demnächst selbst nach dem Rechten zu sehen.:wink:

  • Jetzt musste ich doch tatsächlich erstmal nachschlagen, was "halbscharig" heißt.

    Das habe ich gerade auch gemacht und verblüfft gelesen, dass das ein bairischer Ausdruck ist.

    Na so was.

    Was man nicht alles übernimmt.

    :musik:Arno Geiger, Unter der Drachenwand.

    :study: Simon Beckett, Die ewigen Toten.

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