Heinrich Mann - Professor Unrat

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Professor Unrat oder das Ende eines Tyra...

3.9|20)

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 240

ISBN: 9783596903528

Termin: Juli 2011

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  • Autor: Heinrich Mann
    Titel: Professor Unrat, erschien erstmals 1905
    Seiten: 240 Seiten, unterteilt in 17 Kapitel
    Verlag: Rowohlt Taschenbuch
    ISBN: 9783499100352


    Der Autor: (von der Verlags-Homepage)
    Heinrich Mann war der älteste Bruder Thomas Manns und wurde am 27. März 1871 als Sohn eines Lübecker Senators, Großkaufmanns und Reeders geboren. Dem Spötter seiner Zeit, dem radikalen Demokraten und leidenschaftlichen Kämpfer gegen den Nationalsozialismus, wurde, wie vielen anderen Autoren, 1933 das bittere Schicksal der Emigration zuteil, in der er noch vor einer erhofften Rückkehr in die neugegründete DDR am 12. März 1950 in Los Angeles starb.
    Sein Werk umfasst zwanzig Romane, sechs Novellenbände, sieben Essaybände, mehrere Dramen und Hunderte von zeitkritischen Aufsätzen sowie den autobiografischen Band «Ein Zeitalter wird besichtigt». Berühmt wurde er nicht zuletzt durch seinen Roman «Professor Unrat», der unter dem Titel «Der blaue Engel» mit Emil Jannings und Marlene Dietrich verfilmt wurde. Heinrich Manns Werk ist durch Balzac, Stendhal, Zola und Anatole France beeinflusst. Seine schriftstellerische Entwicklung führte vom Spätimpressionismus seiner berühmten Satire auf die Berliner Gründerzeit und ihre Gesellschaft «Im Schlaraffenland» und dem Renaissance-Roman «Die Göttinen» schließlich zu seinem meisterlichen Spätwerk «Die Jugend des Königs Henri Quatre» und «Die Vollendung des Königs Henri Quatre», das an der Gestalt eines vorbildlichen Volkskönigs die Probleme Macht und Humanität diskutiert.


    Inhalt:
    Der verwitwete Gymnasiallehrer Raat, der in der Kleinstadt schon die Väter seiner jetzigen Schüler unterrichtet hat, wird seit jeher von allen Mitbürgern insgeheim «Professor Unrat» genannt. Der strenge Lehrer trachtet nach Rache für diese tief empfundene Verunglimpfung seines Namens und pocht auf Gehorsam und Respekt seiner Person gegenüber. Dem entsprechend lässt es ihn keine Ruhe, wenn er Schülern ihre Verfehlung nicht nachweisen kann, oder schlimmer noch, wenn ihm in der Stadt ehemalige Schüler begegnen, die ihm sozusagen entwischt sind. Solange die Peiniger noch Schüler sind, kann er ihnen das Leben schwer machen, sie vernichten, oder sonstwie am Erfolg des Lebens hindern.
    Einen ganz besonderen Gegner findet er im Sohn des Konsuls Lohmann, weil dieser ihn eben nicht «Professor Unrat» nennt, sondern auf andere Art und Weise verschlagen, intelligent, renitent ist. Zufällig entdeckt Unrat ein Gedicht, das Lohmann der «Künstlerin Fröhlich» widmet. In der Hoffnung, hier eine Möglichkeit zu finden, den Schüler Lohmann zur Strecke zu bringen, macht sich Unrat auf den Weg in den abendlichen Amüsierbetrieb. Er findet die Künstlerin und verfällt ihr nach und nach. Und nun beginnt der soziale und moralische Abstieg Unrats, und er reißt sozusagen auch das halbe Bürgertum der Kleinstadt mit in den Abgrund...


    Meinung:
    Manchmal kann ich es kaum glauben, dass es zu einem Buch keinen Rezithread gibt...
    Jedenfalls ist dies ein Klassiker, den vermutlich sehr viele Leser kennen, vielleicht auch während der Schulzeit damit traktiert worden sind... Ich hatte die Geschichte bereits vor gefühlt 30 Jahren schon mal gelesen, und es hatte mir damals schon gut gefallen. Und auch heute noch bin ich von der Geschichte begeistert!
    Es handelt sich hier um eine bitterböse Satire, eine Abrechnung mit der bürgerlichen Gesellschaft, die verlogen zu sein scheint. Vordergründig gesittet, auf Titel und sozialen Status bedacht, Zucht und Ordnung – und plötzlich erscheint die «Künstlerin Fröhlich», Animierdame für die gehobene Gesellschaft, die gemeinsam mit dem rachsüchtigen Unrat die hohen Beamten, Händler und sonstwie geachtete Bürger der Stadt ausnimmt. Ich wüsste nicht, welche der beiden Personen mir unsympathischer ist, aber Heinrich Mann schafft es wunderbar, alle Personen der Geschichte glaubhaft darzustellen. Nicht komplett teuflisch, sondern rachsüchtig, aus ihrer eigenen Sicht heraus vielleicht sogar nachvollziehbar. Das scheinheilige Bürgertum staunt zunächst über Unrats Anwandlungen, aber schließlich beginnt sogar der Pfarrer sich am Glücksspiel zu beteiligen, man beleiht sich bis zum Bankrott und wettet schließlich auf den Tod anderer Leute.
    Sehr unterhaltsam, glaubhaft erzählt und natürlich kann man es auch gut als Portrait und Kritik an die Untertanenmentalität der Deutschen verstehen, die 1933 den Nationalsozialisten den Weg ebnete. Ein zeitloser Klassiker, der auch heute noch stark aufzurütteln vermag.

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