Ivan Ertlov - Generation 23

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Generation 23: Geheiligt sei der Edlen N...

4.8|2)

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 198

ASIN: B07S7LKQCQ

Termin: Mai 2019

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  • Inhaltsangabe:

    (Quelle: Amazon.de)

    Seit beinahe 450 Jahren durchpflügt die Trappist die scheinbare Unendlichkeit des interstellaren Raumes. 23 Generationen sind vergangen, seit die Erde verlassen wurde. Die alte Heimat.


    Die todgeweihte Wiege der Menschheit, die nur wenige Jahre nach dem Exodus einem globalen Killer, einem alles vernichtenden Meteoriteneinschlag, zum Opfer fiel.

    Die Erde ist verloren - doch die Menschheit hat überlebt! In gigantischen Archen, mächtigen Generationenschiffen, die sich auf dem Weg zu neuen Welten befinden.

    Gebaut mit den finanziellen und logistischen Mitteln von visionären Unternehmern und Investoren, Wirtschaftskapitänen und Politikern. Deren Nachfahren sind es, die als Edle die Gesellschaft am Leben erhalten und das Schiff in Richtung seines Zieles kommandieren. Ihre Weisheit und Weitsicht hat unsere Spezies vor dem Aussterben gerettet.

    Maria Gomez ist keine Edle - aber als Justiziarin, als respektierte Unabkömmliche, genießt sie ein relativ luxuriöses Leben an Bord. Ihr Beruf vereint Kriminalpolizistin, Staatsanwältin und Richterin in Personalunion. Ihr unterstehen die einfachen Exekutoren, und nur der Judikator, der alte, verschlagene Alexey Romanov, hat ihr zu befehlen.


    Und das tut er auch - manchmal sogar mit Schadenfreude: Denn als er sie auf die Jagd nach einem Hühnerdieb schickt, ahnt die ehrgeizige Justiziarin noch nicht, dass der größte Kriminalfall ihres Lebens auf sie wartet...


    Über den Autor:

    (Quelle: Amazon.de und Autorenseite auf Facebook, zusammengefasst und gekürzt)


    Ertlov, Ivan: Ein 1978 in Prag (damalige CSSR) als "Johann Ertl" geborenes Unikat, das höchstwahrscheinlich der Spezies Homo Sapiens angehört.

    Absolvent des Francisco Josephinums, danach Studium der Publizistik, Politikwissenschafften, Psychologie und Parapsychologie (Ja, ernsthaft) in Wien, Eggenfelden und Edinburgh.
    Nach dem Studium Tschechisch-Lehrer an Hauptschulen, Gymnasium und HTL.

    2003 Wechsel in die Computerspielebranche, 2005 Gründung des eigenen Studios "Homegrown Games".
    Spricht fünf Sprachen flüssig mit furchtbarem Akzent und kann in 8 weiteren auf Unschuld plädieren und nach der Höhe der Kaution fragen.
    Lebt derzeit in Australien und will erst wieder zurückkehren, wenn ihn jedes giftige Tier dort zumindest einmal gebissen / gestochen / genesselt hat.

    Autor des mehrfach preisgekrönten "Onur-Zyklus" und der Comedy Space Opera "Mutation - Alte Freunde und profitable Kriege".



    Persönlicher Zugang und Eindruck:


    Vorweg - Ivan Ertlov zählt zu meinen Lieblingsautoren, seit mich der Onur Zyklus aus einer damals fast zweijährigen Leseflaute zurück ins Reich der Bücherwürmer geholt hat. "Mutation", knapp zwei Monate vor Generation 23 veröffentlicht, ist eines meiner Lieblingsbücher der letzten Jahre. Es wird auch in SciFi Blogs und Phantastik Portalen - meiner Meinung nach völlig zu Recht - auf eine Stufe mit Terry Pratchett und Douglas Adams gestellt. Vor allem aufgrund des Humors. Und genau deswegen habe ich mit diesem Buch hier gewisse Probleme. Es ist - man kann es kaum anders nennen - erschreckend spaßbefreit.

    Man folgt als Leserin ausschließlich der Perspektive der Justiziarin Maria Gomez, und erfährt durch ihren Alltag, wie das Leben an Bord des Generationenschiffes "Trappist" geregelt wird. Streng hierarchisch, nämlich. Es gibt die Edlen, die Nachfahren jener, die unsere Menschheit gerettet und die Fluchtschiffe finanziert hatten. Sie sind die politische Führungsebene, weitestgehend immun gegen Strafverfolgung und werden teilweise wie Halbgötter verehrt. Darunter stehen die Unabkömmlichen, all jene Personen, deren Fachwissen oder Aufgabengebiete für das Funktionieren des Schiffes und seiner Gesellschaft eben unabkömmlich sind. Mediziner, technische Spezialisten, die gesamte Exekutive. Sie haben gewisse Privilegien und politisches Mitspracherecht. Wieder darunter befinden sich die Arbeitskräfte - notwendig, aber austauschbar. Ein Auf- oder Abstieg von einer Kaste in die andere ist theoretisch möglich, aber sehr selten.
    Insgesamt eine auf den ersten Blick sehr logische Welt, die sich aber schleichend in eine grauenhafte Dystopie verwandelt.

    Und natürlich ist die Jagd nach dem Hühnerdieb nur ein Einstieg in einen viel größeren, bedrohlicheren Kriminalfall, der sich schlussendlich zu einer handfesten, alle Hierarchien an Bord erschütternden Verschwörungs-Story entwickelt. Eine Drohkulisse wird aufgebaut, die sich immer mehr verdichtet, beklemmender wird und schlussendlich in einem gewalttätigen und kurzzeitig auch sexuell expliziten Finale entlädt. Der Autor empfiehlt das Buch ab 16 - ja, das kommt hin.

    In vielen Punkten glänzt der Roman:


    • Spannung: Es ist ein Pageturner, was sowohl an der Handlung, als auch an der sprachlichen Eleganz liegt, mit der Ertlov seine Leser durch das Geschehen treibt.
    • Protagonisten: Jeder Hauptakteur hat seine eigene, glaubwürdige, konsequent durchgezogene Persönlichkeit.
    • Identifikation: Ich habe noch nie ein Buch eines männlichen Autors gelesen, in dem ich die Gefühlswelt - bis hin zu sexuellen Handlungen - der Protagonistin so glaubhaft und schlüssig fand.
    • Finale: Es baut bis zum letzten Drittel ein Spannungspotential auf, das dann in einem rasanten Finale entladen wird. Man beendet das Buch atemlos.


    Was mir weniger gefallen hat:


    • Die Gesellschaftskritik ist teilweise zu offensiv, zu drastisch, zu konkret auf unsere Zeit projiziert und wirkt dadurch stellenweise platt. Wenn die Edlen beispielsweise versuchen, Trickle-Down-Economy als das Allheilmittel gegen die Ungleichheit und latente Ungerechtigkeit an Bord zu verkaufen, dann hinterlässt das einen fahlen Nachgeschmack.
    • Der fehlende Humor: Es gibt - bis auf eine einzige kurze Szene - keinen lustigen Moment. Mag sein, dass dies der Dystopie geschuldet ist, aber der Autor hat schon bewiesen, dass er bitteren Ernst und feinsinnigen (oder auch abgefahrenen) Humor vereinen kann. Dies fehlt hier.


    Mein Fazit:


    Für Krimi-, Science-Fiction- und Thriller Fans eine beinahe uneingeschränkte Lese-Empfehlung. Tolle Dystopie, konsequent durchgezogen.
    Wer sich jedoch augenzwinkernde, humorvolle Satire und Anspielungen erwartet, wird enttäuscht. 4.5 Sterne von mir.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Wir hatten die Diskussion ja in deinem "Was lese ich gerade..." Thread, aber ich verstehe immer noch nicht, wie man hier weniger als die Höchstnote vergeben kann, nur weil ein nirgends versprochenes Element (der Humor) zu kurz kommt.
    Es wird als dystopischer Krimi - Thriller Mix verkauft, und macht da wirklich alles richtig.

  • Und ich bleibe bei meiner Meinung, dass dies...


    1. Absolut gerechtfertig ist.
    2. Ich meine eigene Wertung nicht begründen muss.
    3. Du das erst verstehen kannst, wenn du Mutation gelesen hast und dann darüber reflektierst, dass "Generation 23" direkt danach erschien:

      https://www.amazon.de/gp/product/B07QFNHZT1/

      Falls du Kindle Unlimited hast, kannst du es ja sogar gratis nachholen.
  • Habe ich, und ich werde es jetzt nachholen. ist ja ohnehin Wochenende. Vielleicht ändert sich meine Meinung ja.

  • Ich bedanke mich ganz herzlich für diese Rezension.
    Im Prinzip bin ich für jedes Feedback dankbar, von der himmelhochjauchzenden Lobeshymne bis zum konstruktiven Verriss.
    Lehrreich ist meistens eher das zweite Extrem.

    Was die hier diskutierte Humorlosigkeit angeht - ganz ehrlich, ich verstehe den Kritikpunkt inzwischen.
    Als die ersten Rezensionen eintrudelten, die dies als Makel beanstandeten, war ich etwas sauer. Immerhin hatte ich wirklich ÜBERALL darauf hingewiesen, von der ersten Ankündigung bis zum Vorwort im Buch.
    Allerdings konnte ich inzwischen gründlich darüber nachdenken und sehe ein, dass es eine gewisse Erwartungshaltung gibt, für die ich verantwortlich bin.

    Außerdem verkauft Generation 23 nur ca. die Hälfte der Onur Bücher und ein Viertel von "Mutation", also muss ich irgendwas falsch gemacht haben :lol:

  • IvanErtlov 

    Kritikpunkt ist es ja in Bezug auf das Buch nicht wirklich. Und :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: ist auch weit von einem Verriss entfernt :D

    Aber das Buch kam nicht einmal zwei Monate nach deinem "Mutation", das ernsthaft mit dem Anhalter verglichen wird - und diesen Vergleich besteht. Dann eine knallharte Dystopie ohne komödiantischer Abfederung zu liefern, ist zumindest gewagt.

    Sich von Verkaufszahlen leiten zu lassen halte ich übrigens für keine gute Idee :wink:

  • Du das erst verstehen kannst, wenn du Mutation gelesen hast und dann darüber reflektierst, dass "Generation 23" direkt danach erschien:

    https://www.amazon.de/gp/product/B07QFNHZT1/

    Falls du Kindle Unlimited hast, kannst du es ja sogar gratis nachholen.

    Ich bin eigentlich nicht der Typ, der gerne zugibt, wenn er sich geirrt hat. Aber du hattest recht. Ich werde versuchen, das mit einer eigenen Rezension gut zu machen :wink:

  • Sich von Verkaufszahlen leiten zu lassen halte ich übrigens für keine gute Idee :wink:

    Ich will mich nicht davon leiten lassen, aber sie sind eine guter Indikator, was meine Leser wollen.
    Und Generation 23 - auch wenn es jammern auf hohem Niveau ist - zählt da offenbar eher weniger dazu.

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