G. Cebadal - Goethe, Schiller und die verschleierte Wahrheit

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  • Kleiner Überblick
    Der Titel "Goethe, Schiller und die verschleierte Wahrheit. Ein kleiner Beitrag zur Mysterienkultur in Goethes 'Faust'-Dichtung und der Weimarer Klassik" überrascht vor allem indem er die antiken Mysterien als eine wesentliche Grundlage von Goethes "Faust"-Dichtung darstellt. Das kleine Büchlein zeigt hier vor allem wie antike Texte über die Mysterien dem Start von Doktor Fausts Reise in "Faust I" gleichen und dann zum entsprechenden Schlusspunkt am Ende von "Faust II" führen, wo Doktor Faust der Mater Gloriosa "Geheimnis schauen" möchte – also im Sinne der Mysterien das höchste Ziel erlangen möchte: die Schau (Epoptie) der Gottheit und ihrer geheimnisvollen Wahrheit. Neben weiteren Mysterieninhalten im "Faust", wie dem "Helena"-Akt in "Faust II", wird auch noch Schillers Beschäftigung mit den Mysterien vorgestellt, der sich mit seiner Ballade "Das verschleierte Bild zu Sais" ebenfalls einem Protagonisten verschrieb, der sich ebenso wie Doktor Faust auf der Suche nach der großen Wahrheit befindet und am Ende das Schauen der Gottheit bzw. Wahrheit begehrt und auch wagt. Interessante Einblicke in Schillers Mysterienverständnis gibt der Buchtitel auch noch über Schillers theoretische Schrift "Die Sendung Moses", in welcher Schiller ganz offen seinen Blick auf die ägyptischen Mysterien darlegt; und darüber hinaus eine steile These zur jüdischen Religion aufstellt, die demnach nämlich auf den ägyptischen Mysterien aufbaut – wie es dann auch folgerichtig die christlichen und muslimischen Religionen würden. Auch werden noch die Mysterien in der Zeit, in der Aufklärung (z.B. Kant) und Freimaurerei ganz kurz beleuchtet. Doch es ist tatsächlich ein "kleiner Beitrag", der vor allem durch die Mysterien in Goethes "Faust" überrascht.


    Pro/Contra

    Besonders überraschend und anregend hinsichtlich der Darstellung der Mysterien in Goethes "Faust". Allerdings handelt es sich um ein kleines Büchlein, um einen wirklich kleinen Beitrag, der erstens nicht alle Mysterieninhalte der "Faust"-Dichtung anspricht und sich zweitens auf die Mysterieninterpretation beschränkt – also viele andere Deutungsmöglichkeiten und Sichtweisen bleiben ebenfalls unangesprochen.


    Empfehlung

    Mit Goethe, Schiller und der "Faust"-Dichtung berührt das Buch Themenbereiche, die für einen breiteren Leserkreis interessant und anregend sein könnten. Allerdings hat das Buch schon eher einen forschenden, einen wissenschaftlichen Charakter und wäre entsprechend vor allem an literaturwissenschaftlich interessierte Leser zu empfehlen.

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