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Kanae Minato - Schuldig / Ribasu

Schuldig

3.5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: C. Bertelsmann Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783570103678

Termin: April 2019

  • Kurzmeinung

    Ambermoon
    Ein ruhiger Roman über Freundschaft, Trauer, Schuld, die japanische Gesellschaft und viel Essen und Kaffee.

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  • Vier Freunde, ein tragisches Unglück und die Frage nach der Schuld.

    Fünf Studenten aus Tokio wollen in einem abgelegenen Dorf zusammen ein paar Ferientage verbringen. Einer von ihnen, Hirosawa, kommt bei einem Autounfall auf einer kurvenreichen Bergstraße ums Leben. Drei Jahre später holt das schreckliche Ereignis die ehemaligen Studienkollegen ein. Sie erhalten anonyme Briefe, in denen sie des Mordes an ihrem Freund beschuldigt werden. Raffiniert erzählt die japanische Erfolgsautorin Kanae Minato von den zahlreichen Verkettungen, die zu dem tödlichen Unfall geführt haben, lockt den Leser gekonnt auf falsche Fährten, bis schließlich die tragische Wahrheit ans Licht kommt... (Klappentext)

    ?????


    "FUKASE KAZUHISA IST EIN MÖRDER
    [...]
    Diese Worte kommen nicht unerwartet. In diesem einen Satz verdichtet sich alles: meine Kommilitonen, das Alumnitreffen, West-Pop, Regen, Kaffee, Honig..."
    (S. 59)


    Erzählt wird aus der Sicht von Fukase, einem kleinen Angestellten in einer Firma für Bürobedarf. Fukase war immer schon in gewisser Weise Außenseiter und daran auch nicht ganz unschuldig. In seiner Studienzeit lernte er Hirosawa kennen und dieser war sein bester und auch einziger Freund, bis er bei einem Wochenendausflug tödlich verunglückte. Doch war es wirklich nur ein tragischer Unfall oder hatte hier einer der teilnehmenden Studenten, inklusive Fukase, seine Finger im Spiel?

    Diese Frage zieht sich als roter Faden durch das gesamte Buch, ebenso die Außenseiterrolle von Fukase, sein ständiges Gejammere, aber auch Kaffee, Honig und Essen.


    Fukase ist nicht glücklich und war es auch nie. Er ist eher unscheinbar und sehr unsicher, außer wenn er seinen Kollegen auf seine spezielle Art Kaffee brüht. Kaffee war schon immer seine Leidenschaft und der einzige Weg Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen. In diesen Kaffee-Momenten drehte sich dann endlich alles um ihn und er genießt es. Doch plötzlich wendet sich das Blatt. Fukase lernt ein Mädchen kennen, es entwickelt sich eine Beziehung und alles scheint hervorragend zu laufen ... bis seine Freundin Mihoko einen Brief erhält und in diesem steht nur ein Satz: "Fukase Kazuhisa ist ein Mörder." Die Vergangenheit holt Fukase ein und somit auch die Schuldgefühle, welche er jahrelang verdrängte. Schuldgefühle, die mit diesem Wochenendausflug und dem Tod seines besten Freundes begannen.


    "Ich mache einen Kaffee. Damit kann ich uns etwas Gutes tun. Das Allerbeste, was ich vermag. Der einzige Lichtblick in der finsteren Welt der Schuldgefühle."
    (S. 63)


    Man darf hier keineswegs einen Roman voller Spannung erwarten. Die Story schleicht regelrecht dahin. Vor allem Kaffee und Essen nehmen sehr... sehr...viel Raum ein.

    Ja, auch der Kaffee ist hier ein roter Faden. Als Kaffeeliebhaberin störte mich das jedoch keineswegs. Mich umgab während des Lesens immer eine wohlige Kaffee-Atmosphäre und ich fühlte mich, vor allem Anfangs, in der Story wohl und heimelig, roch den Duft von frisch geröstetem Kaffee und habe sicher noch nie so viel Kaffee getrunken wie während des Lesens von "Schuldig". Die Story beginnt damit, dass Fukase von seinem Job, seinem Leben und vor allem von seiner Liebe zum Kaffee erzählt.


    Dieses Buch sollte man auch nicht unbedingt mit leerem Magen lesen, denn auch das Essen ist hier ein wichtiges Thema. Mir knurrte permanent der Magen und genauso oft lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ich esse normalerweise maximal 2-3 Mal im Jahr asiatisch, während ich "Schuldig" gelesen habe, hatte ich permanent Lust auf japanisches Essen und ich gab nur zu oft dem Drang danach nach. Dies ist auch ein Grund, weshalb es zu diesem Buch auf meinem Blog auch gleich zwei "Rezepte zum Buch" gibt.

    Doch auch wenn dies durchaus schön zu lesen war, bremste dieser Kaffee und all dieses Essen die Story. Ich schätze ohne diese beiden Elemente wäre das Buch nur halb so dich, sprich - es hätte dann wohl nur 150 Seiten. Es war einfach zu viel des Guten.


    Zudem war mir auch Fukase nicht wirklich sympathisch. Selbstmitleid und Jammerei am laufenden Band. Zwischendurch blitzen auch immer wieder Neid und Mißgunst gegenüber anderen auf, während er sich für andere jedoch überhaupt nicht interessiert. Ich hätte ihn am liebsten mehrmals durchschütteln wollen, ihm das Curry in das Gesicht klatschen oder ihn mit Soba-Nudeln erwürgen mögen. Er nervte mich von Anfang bis Ende.

    Doch auch wenn er dies tat, so kann man gleichzeitig an ihm erkennen wie die japanische Gesellschaft und Kultur funktioniert und was sie aus einem macht, wenn man nicht in dieses Bild passt. Wenn man meint man MUSS so sein, wie es erwünscht wird, um in das Gesamtbild zu passen es jedoch nicht schafft diesem Bild zu entsprechen, während alle anderen perfekt sind.


    "Die anderen vier hatte etwas verbunden, bei dem er außen vor geblieben war. Beinahe hätte sich Fukase gewünscht, als Hirosawas bester Freund verdächtigt zu werden, die anonymen Briefe geschrieben zu haben..."
    (S. 156)


    Die Story selbst ist durchaus interessant und lässt durch Fukase tief in die japanische Gesellschaft blicken, welche schon Kindern ein festes Bild einprägt wie man zu sein hat.

    Die Story regt auch zum Spekulieren an - was ist nun wirklich an diesem Wochenende passiert und ich hatte im Verlauf wirklich jeden der 4 Studenten im Visier.

    Die Auflösung selbst war dann wieder so gar nicht mein Fall, während andere LeserInnen gerade davon sehr begeistert sind. Mir entlockte das Ende jedoch nur ein gelangweiltes "Aha" mit einem enttäuschen Seufzer hinterher.


    Vom Schreibstil der Autorin bin ich aber nach wie vor begeistert und auch der eher ruhige Erzählstil einer Story, die so viel Message zwischen den Zeilen enthält gefiel mir. Leider jedoch zu wenig für mich, um am Ende begeistert das Buch zuzuschlagen.


    Fazit:

    Nachdem ich von Kanae Minato "Geständnisse" gelesen habe und mich dies absolut begeistert zurück ließ, hatte ich hohe Erwartungen an "Schuldig"....vielleicht waren diese jedoch zu hoch.

    "Schuldig" ist ein Roman über Freundschaft, Trauer, das Leben mit Schuld und vor allem über die japanisches Gesellschaft. Ein philosophischer und typisch japanischer Roman, der mich trotzdem nicht ganz von sich überzeugen konnte. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    © Pink Anemone (mit Leseprobe, Autoren-Info und zwei Rezepten zum Buch)

    1. Schuldig

      (Ø)

      Verlag: C. Bertelsmann Verlag


  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Kanae Minato - Schuldig - Reverse“ zu „Kanae Minato - Schuldig / Ribasu“ geändert.
  • Ich fange das Buch heute an und lass mich überraschen.

    Das Buch davor °Geständnisse° bekam 4 Sterne von mir 2017.

  • Inhalt

    Kazuhisa Fukase arbeitet für einen Büromaschinen- und Schulbedarfshändler und ist für den Kundenbereich Schulen zuständig. Ihm ist bewusst, dass seine Firma längst nicht mehr konkurrenzfähig ist und viele Kunden ihr trotz zu hoher Preise rein aus Nostalgie die Treue halten. Als Fukase auf dem Umweg über eine dritte Person einen Drohbrief erhält, kommen Ereignisse aus seiner Studentenzeit ans Licht, an die er ungern rührt. Vor drei Jahren hatten fünf Studenten einen Kurzurlaub in einer Hütte in den Bergen geplant. Murai, der Organisator der Fahrt, kann überraschend erst später anreisen und möchte vom Bahnhof abgeholt werden – im Auto seiner Mutter, das er seinen Freunden für die Fahrt großzügig überlassen hat. Auf der gefährlichen Bergstraße ins Tal verunglückt damals Hirosawa tödlich. Der Brief bringt die verdrängten Schuldgefühle wieder an die Oberfläche. Wer war dafür verantwortlich, dass der eher unerfahrene Hirosawa sich im Dunkeln ans Steuer setzte? Fukase begibt sich auf die Suche danach, wer sein Kommilitone früher eigentlich war - und wer heute ein Motiv für Rache an den Überlebenden haben könnte. Er muss feststellen, wie schwer es in der rituell hierarchischen Gesellschaft Japans ist, Wünsche und Träume offen auszusprechen. Er selbst gestand sich keine Träume zu und seine Harmoniebedürftigkeit ließ ihn immer wieder zurücktreten, um anderen nicht im Weg zu stehen. Der schüchterne, uncoole Fukase ist kein Sonderling, sondern das Zurücktreten zum Wohle der Gemeinschaft oder anderer Personen ist in seiner Gesellschaft unausgesprochene Norm, die er evtl. etwas stärker verinnerlicht als andere. Mit vergleichbaren Voraussetzungen war Asami Lehrer geworden, Fukase gibt sich mit dem Büroartikel-Handel zufrieden. Fukase bricht aus seiner Karriere des Hintenanstehens erst aus, als er sich für edle Kaffee- und Honigsorten interessiert und zum Kaffeespezialisten seiner Firma wird. Kaffee, Honig und teure Rindersteaks spielen im Roman eine wichtige Rolle und man könnte sich fragen, wie junge Männer am Anfang ihres Berufsweges ihre kostspieligen Schlemmerorgien eigentlich finanzieren.


    Fukases Recherche in Hirosawas Heimatort zeigt, wie schwer es auch dessen Freunden fällt, spontan und ohne feste Rituale über jemanden zu sprechen, mit dem sie ihre gesamte Schulzeit verbracht haben. Diese kulturell vorgegebene Sprachlosigkeit und ihre Folgen waren aus meiner Sicht das eigentliche Thema des Romans.


    Fazit

    So detailverliebt wie Kanae Minato die Ereignisse schildert, habe ich mich wie im klassischen Detektivroman gefühlt, in dem die entscheidende Spur theoretisch vom Leser entdeckt werden könnte. Auch wenn es hier keine Tatortspuren zu sichern gibt, entlarvt die Lösung des Falls doch ritualisierte Normen einer Gesellschaft, in der aus der Perspektive außenstehender Leser Konsens nicht immer die beste Lösung zu sein scheint.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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    #Autorinnenschuber

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  • Ich habs abgebrochen.

    Das Buch machte mir überhaupt keinen Spass.

    Schade !

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