Libby Page - Im Freibad / The Lido

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Im Freibad

4.6|9)

Verlag: Ullstein Taschenbuch

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783548290416

Termin: Mai 2019

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  • "Im Freibad" von Libby Page,

    ist ein wirklich berührendes Buch voller Leben. Dieses Buch hat mich wirklich in seinen Bann gezogen. Die Autorin hat das Buch in viele kleine Kapitel aufgeteilt, die teilweise Blickwinkel völlig Fremder dargestellt haben. Was aber sehr gut in die Geschichte gepasst hat, denn wir durften sie alle hin und wieder, wieder lesen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, so hat sich das Buch sehr fließend lesen lassen. Aus meiner Sicht hat es die Autorin geschafft uns als Leser das Gefühl und die Stimmung sehr gut zu vermitteln. Das Freibad zieht sich als starker Roter faden von der ersten bis zur letzten Seite, ansonsten durften wir nicht sehr viel von London kennen lernen, aber das ist nicht weiter schlimm, denn mit dem Freibad habe ich in diesem Buch das Gefühl die Welt der Protagonisten kennen gelernt zu haben.

    Dieses Buch hat eine klare Botschaft und die bringt die Autorin sehr deutlich hervor. Ohne Freunde ist man unglücklich. Doch öffnet man die Augen, findet Freunde und ein Zuhause, so kann man zusammen alles schaffen, auch wenn es nicht so scheinen mag.

    Ich kann das Buch nur empfehlen, viele Geschichten aus der Vergangenheit und Empfindungen sind sehr Gefühlvoll dargestellt und auch wenn es ein trauriges Ende nimmt, ist es ein wunderbarer Abschluss.

    Zum Inhalt:

    Kate lebt schon ein paar Jahre in einem Stadtteil Londons, doch sie fühlt sich nicht wohl, außer ihrem Job hat sie nichts und verkriecht sich in ihrer Wohnung. Als sie den Auftrag bekommt über die drohende Schließung eines Freibades einen Artikel zu schreiben beginnt sie sofort mit der Recherche. Als sie auf Rosemary trifft verändert sich einiges, denn sie bringt Kate dazu das Freibadgefühl in sich aufzunehmen. Schnell stehen beide Frauen mitten in dem Kampf um das Freibad und ihre eigenen Geschichten.

    1. Im Freibad

      (Ø)

      Verlag: Ullstein Taschenbuch


  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Libby Page - Im Freibad“ zu „Libby Page - Im Freibad / The Lido“ geändert.
  • Leseempfehlung!


    Viele schöne Stunden hat Rosemary Peterson im Freibad von Brixton verbracht. Fast 60 Jahre lang, war Rosemary ein gern gesehener Gast in dem Bad. Dort kennt sie viele Leute, und sie hat Freunde gefunden. Mit dem Bad, verbindet die 86 jährige auch viele Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann George. Und nun soll das Bad einem Fitnessstudio weichen.

    Kate Matthews, Journalistin beim Brixton Chronicle, soll einen Artikel über das Bad und seine neue Bestimmung schreiben. Ausgerechnet Kate, die seit Jahren keinen Fuss mehr in ein Bad, geschweige denn ins Wasser gesetzt hat. Nach und nach erkennt sie, dass das Freibad für die Menschen in der Gegend, nicht nur Schwimmen bedeutet. Sondern auch ein Ort der Begegnung ist. So, wie für Rosemary!


    Ich muss gestehen, dass mir der Einstieg in das Buch nicht leicht fiel. Es kam mir so vor, als lese ich viele kleine Kurzgeschichten, rund um das Freibad. Etliche Menschen, die regelmässig das Bad aufsuchen, werden skizziert und verlassen dann wieder die Bühne um anderen Platz zu machen. Diese Passagen können nur wenige Sätze, aber auch mehrere Seiten lang sein. Dadurch benötigte ich etliche Seiten, um in der Geschichte anzukommen.

    Und dann taucht Rosemary auf !!! Meiner Meinung nach, ist der Autorin mit dieser Figur ein ganz grosser Wurf gelungen. Die kämpferische, 86 jährige, die man kennen lernt, wandelt sich langsam und stetig zu einer Figur, die mit sehr viel Tiefe glänzt. Sie entwickelt sich laufend und wird immer "menschlicher". Immer wieder taucht man als Leser in die Vergangenheit ein, und man ist haunah dabei, als Rosemary ihren George kennen und lieben lernt. Häppchenweise wird diese Liebesgeschichte erzählt. Sehr viele Szenen haben mich tief im Herzen berührt, mich amüsiert und auch gefesselt.

    Nach und nach realisiert man, den grossen Verlust, den sie nach einem erfüllten Leben mit George einstecken musste. Und man begreift auch, weshalb das Freibad für Rosemary so wichtig ist. Doch Libby Page berührt auch sehr sensible Themen, die wir wohl alle kennen. Lieb gewordene Orte, die mit vielen Erinnerungen verbunden sind, müssen weichen. Aus Profitgier, aus Gedankenlosigkeit oder um zu modernisieren.

    Kate, die eigentlich nur ihren Job erledigen will, und sehr einsam ist, wird erst völlig überrumpelt von Rosemary. Schlussendlich entwickelt sich eine starke Freundschaft, zwischen der alten Frau und der 60 Jahre jüngeren Journalistin. Dieses Buch ist auch ein Lob an die Freundschaft. Der Altersunterschied, Aussehen und Lebensart egal ist. Mir wurde warm um das Herz.

    Der Schreibstil ist schnörkellos und auf den Punkt gebracht. Nie kitschig und stets voller Wärme. "Im Freibad" ist definitiv ein Buch, das noch eine Weile in mir nachklingen wird.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • "Im Freibad" ist ein liebenswerter Wohlfühlroman über eine ungleiche Freundschaft, über einen Reifeprozess, über Gentrifizierung und Kampf für den Erhalt kleiner Dinge gegen Kommerz und reines Gelddenken, Libby Pages Debütroman mag schlicht klingen, aber ihre Figuren wachsen dem Leser schnell ans Herz.

    Ein wenig ähnelt dieses Buch einem modernen Großstadtmärchen - wobei das Aschenbrödel in diesem Fall die junge Journalistin Kate ist, eine zutiefst verunsicherte und unter Panikattacken leidende junge Frau. Keine besonders günstigen Voraussetzungen zum Vorwärtskommen in einer Branche, die nicht dafür bekannt ist, ihre Leute in Watte zu packen und in der ein oft gnadenloser Konkurrenzkampf herrscht.

    In der Redaktion fallen für Kate denn auch nur die Art Artikel an, die eher als Textgarnitur um Werbeanzeigen benötigt werden und nicht gerade das berufliche Voirwärtskommen fördern. Bis sie auf einen eher unbeholfen gemachten Protestzettel stößt: Einwohner von Brixton wollen die geplante Schließung ihres Freibads nicht hinnehmen. Wo Generationen vor Kindern des Stadtteils schwimmen lernten, soll ein privates Fitnesscenter für die Bewohner exclusiver Eigentumswohnungen in einem neuen Apartmentblock entstehen.

    Als Kate nach den Organisatoren des Protestes sucht, lernt sie die 87 Jahre alte Witwe Rosemary kennen, die seit ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg Dauerbesucherin des Freibads ist, ihr ganzes Leben im Viertel verbracht hat und für die "kleinen Leute" steht, die durch Gentrifizierung den Verlust des Vertrauten hinnehmen müssten.

    Rosemary wird, um beim Märchenvergleich zu bleiben, so etwas wie die gute Fee für Kate: Sie öffnet ihr den Blick für die Nachbarschaft, vernetzt sie mit Menschen, erzählt ihr ihre Geschichte aus dem Freibad, die auch die Geschichte einer großen Liebe ist. Rosemary überredet Kate, mit ihr schwimmen zu gehen, und was begann, um ein Interview zu bekommen, wird zu einem Wendepunkt in Kates Leben. Sie erregt nicht nur Aufmerksamkeit mit ihrem Artikel, sie beginnt zu leben, statt sich von ihren Ängsten und Unsicherheiten dominieren zu lassen. Sie entwickelt Selbstbewusstsein, findet etwas, wofür sich zu kämpfen lohnt, und sie findet neue Freunde.

    Das könnte leicht kitschig geraten, aber Libby schafft es weitgehend, Klischees zu vermeiden. Es ist schwer, Rosemary und Kate nicht zu mögen und auch die vielen kleinen Randfiguren sind liebenswert und zum Gernhaben. Ein Mutmachbuch mit bittersüßem Ende

  • Zitat

    "Du machst das großartig", sagt Erin. "Vielleicht fühlt es sich nicht immer so an, aber das ist in Ordnung. Du darfst dich einsam fühlen, du darfst Panik haben. Es macht dich nicht zu einem weniger wertvollen Menschen."

    Im Freibad ist vor allem überraschend anders als erwartet. Das Cover suggeriert eine erfrischend leichte Geschichte mit offensichtlichem Handlungsverlauf. Prinzipiell bekommt man das auch, doch ist die Thematik nicht ganz so leicht.

    Kate hat mit Panikattacken zu kämpfen, die für eine etwas gedämpftere Stimmung sorgen. Ebenso die Rückblenden Rosemarys bringen etwas Melancholie in die Atmosphäre. Das hat mir sehr gut gefallen, denn dieser erste Unterton bringt eine angenehme Glaubwürdigkeit hinein.

    Eine weitere Überraschung ist der Schreibstil bzw die Art wie Libby Page die Geschichte erzählt. Es geht wirklich um das Freibad, immer wieder gibt es kurze Kapitel aus der Sicht eines Besuchers und was für ihn das Freibad bedeutet. So bekommt man ganz unterschiedliche Motivationen und Erinnerungen präsentiert. Ich konnte mich in vielem als Schwimmerin wiederfinden. Wirklich wundervoll!

    Fazit: 5/5 ⭐

  • Inhalt:

    Rosemary schwimmt seit 80 Jahrem im Brockwell-Freibad in Brixton, einem Stadtteil von London. Nun soll jenes aber an eine Immobilienfirma verkauft werden, die daraus einen exklusiven Fitnessclub machen wollen. Rosemary beginnt für das Freibad zu kämpfen. Dadurch lernt sie Kate kennen, die für die Lokalzeitung einen Bericht zu der Schließung schreiben soll. Kate ist nach London gezogen, um sich zu verwirklichen. Doch in Wirklichkeit ist sie hier einsam und hat Panikattacken. Die zwei Frauen freunden sich an und beschließen, das Freibad gemeinsam zu retten.


    Meinung:

    Zuerst einmal zum Cover: selten sieht man so ein gelungenes Cover, das so perfekt zum Inhalt des Buches passt. Allein beim dessen Anblick bekommt man schon Lust, schwimmen zu gehen.

    Für mich war es ein Genuss dieses Buch zu lesen. Ich habe es mir auf der Terrasse neben unserem Pool gemütlich gemacht und bin in die Geschichte versunken. Es ist ein sehr geruhsames Buch. Die Charaktere sind wunderschön entwickelt und auch die Gegend kann man sich super vorstellen durch die ausgiebigen Erklärungen. Das Buch hatte für mich einen gewissen Wohlfühlfaktor und war richtig entspannend.

    Das Hauptthema ist natürlich der Kampf um die Erhaltung des Freibads. Am Anfang hat nur Rosemary gekämpft, dann kam Kate dazu und nach und nach war dann plötzlich das ganze Viertel engagiert und half mit. Da entstand eine Hilfsgemeinschaft und es wurden auch viele Freundschaften geschlossen. Es wäre schön, wenn es das hier bei uns auch gäbe. Meistens kennt man hier nicht einmal seine Nachbarn.

    Rosemary und Kate lernen wir besonders gut kennen. Durch Rückblenden erfahren wir mehr von Rosemarys Leben, ihrer großen Liebe und den vielen Erinnerungen, die sie mit dem Freibad verbindet. Das Viertel hat sich sowieso schon sehr verändert, auch die Bibliothek, in der Rosemary gearbeitet hat, wurde geschlossen und auch sonst wurde vieles abgerissen, umgebaut, verändert. Das Freibad ist sozusagen ihr letzter Anker und den möchte sie auf keinen Fall verlieren.

    Kate ist nach London gezogen, um sich in der großen Stadt zu verwirklichen. Doch stattdessen schreibt sie Tieranzeigen in der Lokalzeitung, wohnt in einer WG, wo sie nicht einmal ihre Mitbewohner kennt, ist einsam und hat auch noch Panikattacken. Die Story über das Freibad ist der erste größere Artikel, den sie schreiben darf. So lernt sie Rosemary kennen, die ihr sagt, dass sie zuerst schwimmen muss, bevor sie ihr ein Interview gibt. Rosemary hätte es nicht besser machen können! Kate geht zum ersten Mal seit Langem wieder schwimmen und merkt, wie es ihr gut tut. Schnell wird es ihr zur Gewohnheit, jeden Tag schwimmen zu gehen und sie verändert sich immer mehr. Was natürlich nicht nur an der regelmäßigen Bewegung liegt, sondern auch daran, dass sie endlich wieder Freunde findet und auch Freude am Leben hat.


    Fazit:

    Ein geruhsames Wohlfühlbuch mit schön beschriebenen Charakteren.

  • Gemensam sind wir stark


    Im Freibad, Roman von Libby Page, 380 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.


    Zwei Frauen retten ein Freibad und gleichzeitig einander.


    Rosemary Peterson ist 86 Jahre alt und verwitwet. Die glücklichsten Erinnerungen hat sie an George, ihren verstorbenen Mann, sie denkt auch zurück an ihre Kindheit ihre Arbeit in der Bibliothek. Nie ist sie aus Brixton herausgekommen, sie hat dort aber viele Freunde und Bekannte. Es verbindet sie alle das örtliche Freibad. Viele wichtige Ereignisse in ihrem Leben sind mit diesem Freibad verbunden. Nun soll das Bad verkauft und zu einem Tennisplatz umgebaut werden. Kurzerhand beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Die junge Redakteurin Kate Matthews soll für das Lokalblatt Brixton Chronicle, über die Schließung des Schwimmbades berichten. Kate wohnt noch nicht lange in London, die schüchterne junge Frau hat dort keinen Anschluss gefunden, sie ist sehr einsam und leidet unter Panikattacken. Schnell werden die beiden Freundinnen und beschließen gemeinsam, das Bad zu retten, ist es doch der Mittelpunkt der Nachbarschaft.
    Das Buch teilt sich in 68 kurze Kapitel, lebhafte Dialoge, bildhafte Beschreibungen des Settings und auch die handelnden Charaktere sind hervorragend geschildert, so ist es ein Leichtes sofort in Lesefluss zu kommen. Die Artikel im Lokalblatt sind eingerahmt und mit einer großen Schlagzeile versehen, somit deutlich hervorgehoben. Die Autorin bedient sich der auktorialen Erzählweise, die Kapitel sind aus der Sicht der jeweiligen handelnden Person beschrieben. Kate, die von ihrer Schulzeit und Jugend erzählt, von ihren Panikattacken und von einer vergangenen Liebe. Abwechselnd mit Rosemary, aus ihrer Sicht erfährt der Leser die wunderbare Liebesgeschichte von ihr und George und deren glückliche Ehe. Libby Page ist es bestens gelungen großartige Gefühle, Romantik, Einsamkeit und Traurigkeit zu beschreiben, stets habe ich mit den beiden „Hauptdarstellerinnen“ geweint gelacht und mitgefühlt.

    Ein sehr einfühlsames und emotionales Buch, welches mich bestens unterhalten hat. Viele interessante Charaktere hat die Autorin hier erschaffen. Geoff, Jermaine und Frank, Hope, Jay und auch Ahmed. Sie alle habe ich liebgewonnen und am Ende konnte ich sie nur schwer gehen lassen. Die Freundschaft der beiden ungleichen Frauen wird mir unvergesslich bleiben, es ist schwer zu sagen, wer aus dieser Freundschaft mehr profitiert hat. Rosemary die einsam war und in der Vergangenheit lebte, sie hat wieder eine Aufgabe für die es sich zu kämpfen lohnt. Oder Kate die eine neue Liebe, Selbstbewusstsein, Mut und neue Freunde gefunden hat. Vor allem Kate war meine Lieblingsfigur, sie hat von allen Charakteren die größte Entwicklung gemacht. Dieses Buch beschreibt ruhig, aber sehr emotional was geschehen kann, wenn Menschen zusammen halten und nicht aufgeben, wie wichtig gute Nachbarschaft und Freunde sind und, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen, was einem am Herzen liegt. Das Ende war vorherzusehen, hat mich aber trotzdem überrascht.

    Libby Page hat in ihrem Werk so schöne Worte gefunden. Einige Sätze haben sich mir eingeprägt, z.B. auf S. 120: „Ein kleines Leben war groß genug für sie, wenn es George beinhaltete.“ oder auf S. 117 „Es ist so schwer, irgendetwas zu bemerken, wenn man immer zu Boden blickt“.

    Ein tiefgründiger Roman, eine Leseempfehlung von mir und 5 verdiente Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Seit mehr als 60 Jahren schwimmt die 86-jährige Rosemary Peterson nun schon im Lido, dem Freibad im Londoner Stadtteil Brixton. Auch nach dem Tod ihres Mannes George hält die Seniorin an diesem liebgewonnenen Ritual fest. Doch das soll sich ändern. Die Immobilienfirma Paradise Living will das unrentable Freibad aufkaufen und abreißen lassen, um Platz für ein exklusives Fitness-Studio und Tennisplätze zu schaffen. Das wollen sich Rosemary und einige andere aber nicht gefallen lassen. Über ein Flugblatt wird Kate Matthews, Journalistin beim Brixton Chronicle, auf die Sache aufmerksam. Die einsame 26-Jährige beginnt nicht nur, regelmäßig über die Ereignisse rund um die geplante Schließung des Bades zu berichten, sondern freundet sich auch mit Rosemary und den übrigen Mitstreitern an.


    „Im Freibad“ ist der Debütroman von Libby Page.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 68 meist recht kurzen Kapiteln. Erzählt wird vorwiegend im Präsens, allerdings gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Der Leser lernt zwischendurch unterschiedliche Perspektiven kennen. Zumeist wird aber im Wechsel aus der Sicht von Rosemary und Kate erzählt. Dieser Aufbau funktioniert sehr gut.


    Der Schreibstil ist unaufgeregt, aber warmherzig, anschaulich und geprägt von tollen, teils ungewöhnlichen Sprachbildern und Vergleichen. Schon nach wenigen Kapiteln hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und ich habe das Buch nur ungerne zur Seite gelegt.


    Eine große Stärke des Romans sind die Charaktere. Vor allem die beiden Protagonistinnen Rosemary und Kate sind sehr sympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Sie werden authentisch und mehrdimensional dargestellt. Dabei gelingt es der Autorin, die menschlichen Schwächen nicht zu verschweigen und dennoch mit liebevollem Blick ein Bild ihrer Figuren zu zeichnen. Gut gefallen hat mir insbesondere die Entwicklung, die Kate im Laufe des Romans durchläuft. Die Nebencharaktere sind ebenfalls interessant und realitätsnah.


    Auch das Hauptthema des Romans, die Schließung eines Freibades, hat mich angesprochen. Damit wird in der Geschichte ein aktuelles Problem aufgegriffen: der Verlust von Infrastruktur, deren Betrieb sich für die zuständigen Kommunen nicht rechnet. Der Aspekt der Gentrifizierung wird zusätzlich im Roman gestreift. Insofern beinhaltet er durchaus gesellschaftskritische Komponenten. Dass die Geschichte auf Tatsachen beruht und es ein real existierendes Vorbild für das „Lido“ gibt, ist unter anderem im Nachwort der Autorin erfahren. Ein weiterer Pluspunkt.


    Eine wichtige Rolle nimmt die wachsende Freundschaft zwischen Rosemary und Kate ein. Auch darüber hinaus ist die Geschichte sehr anrührend, besonders wenn es um die Episoden aus Rosemarys Vergangenheit geht. Dabei wird der schmale Grat zwischen Kitsch und Emotionalität hervorragend gemeistert. Obwohl der Roman mit fast 400 Seiten recht umfangreich und die Spannung nicht durchweg gegeben ist, habe ich ihn zu keiner Zeit als langatmig empfunden.


    Das Cover, das an die Optik der englischen Ausgabe angelehnt ist, gefällt mir. Der deutsche Titel weicht vom Original („The Lido“) ab, passt aber ebenfalls gut.


    Mein Fazit:

    Mit „Im Freibad“ ist Libby Page ein berührender Roman mit Tiefgang gelungen, der eine ungewöhnliche Freundschaft in den Vordergrund stellt. Die Geschichte hebt sich auf angenehme Weise von seichter Sommerlektüre ab und wird mir noch längere Zeit in Erinnerung bleiben. Schon jetzt steht fest, dass das Buch zu meinen Lieblingen in diesem Jahr zählen wird.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Kummer, Kitsch und Küsse


    “Im Freibad” ist ein Roman darüber, was eine Gruppe engagierter Menschen mit Unterstützung der Öffentlichkeit alles leisten kann, trotz großer Konzerne, mächtiger Leute und dem Geld, das die Welt regiert. Diese Utopie dreht sich hier um das titelgebende Freibad in einem Londoner Stadtteil.


    Wie überall wird auch dort gespart und so kommt es zu Schließungen von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Der ganze Stadtteil trauert und nimmt es hin. Der ganze Stadtteil? Nein! Eine Gruppe unbeugsamer Schwimmer überzeugt eine junge Journalistin, um ihre Freizeiteinrichtung zu kämpfen.


    Die Idee ist okay, die Charaktere großteils auch, zwischendrin gab es für mein Empfinden ein paar zu viele Klischees, die unbedingt bedient werden mussten. Kate und Rosemary, die beiden Hauptfiguren, werden ausgiebig beleuchtet (werden mir zu sehr durch ihre Probleme, ihren Kummer definiert), wodurch für manch andere Personen wenig Raum bleibt.


    Der einfache Schreibstil (oder die Übersetzung?) ist relativ Metaphern-lastig, wovon einige neu sind oder in gewissen Szenen durchaus überraschen können, aber durch die Häufigkeit verlierst sich dieser Effekt bald.


    Generell ist wenig Überraschung möglich, der Verlauf erwartbar sogar mit der einen oder anderen Wendung. Gute Momente, wo ein bisschen gegen das Klischee gekämpft wird (Teenager krempelt sein Leben um und kommt von der “schiefen Bahn” noch weg) werden leider oft mit kitschigen Dialogen oder offensichtlichen Entwicklungen (warum braucht es noch die Lovestory?) plattgewalzt.


    Alles in allem ein netter Sommerroman, der gerne etwas Tiefe hätte, aber meiner Meinung nach im seichten Nichtschwimmerbereich stehen bleibt.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Wer nicht kämpft, hat schon verloren!


    "Ich schwimme hier seit über achtzig Jahren." [S. 200] Das sagt Rosemary ihren Freunden aus dem Freibad anläßlich der Feier zu ihrem 87. Geburtstag. Fast ihr gesamtes Leben verbindet sie mit dem Brockwell-Freibad im Londoner Stadtteil Brixton.

    [S. 35] „Rosemary kann sich an keine Zeit erinnern, in der das Freibad nicht Teil ihres Lebens war“. Nun soll es geschlossen werden, weil die Kommunalverwaltung ein sehr großzügiges Angebot der Immobilien-Firma „Paradise Living" nicht ausschlagen möchte. Ein Tennisplatz für Reiche, ein Fitness-Center sollen entstehen und dafür der Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen zubetoniert werden! Das ist das Ende einer Ära, wie für viele andere Örtlichkeiten z. B. die Bibliothek, Cafés und Geschäfte im Stadtteil, die nach und nach schon geschlossen wurden und kapitalträchtigeren Einrichtungen weichen mussten.

    Kate, eine junge Journalistin von der Lokalzeitung, will Rosemary als treueste Schwimmerin interviewen. Über einen kleinen Deal mit ihr kommt sie dadurch zum Schwimmen und verliert ihre Ängste, ihre Panikattacken. Schließlich kämpft sie gemeinsam mit Rosemary und den Bewohnern des Stadtteils gegen die Aufgabe des Schwimmbades.


    Die Vorstellung des Buches mit dem hübschen hellblauen Cover bei Vorablesen verführte mich dazu, mir „Im Freibad“ zu kaufen. Ich habe es nicht bereut, denn es erzählt eine Geschichte, die viel Lebendigkeit, Herzenswärme und Optimismus ausstrahlt.


    Ich spürte über die rund 380 Seiten und 68 Kapitel, dass Libby Page von Ereignissen berichtet, bei denen sie sich auskennt. In einem feinfühligen, leicht zu lesenden Schreibstil erfährt der Leser von einem eigentlichen Kampf gegen Windmühlen, vom engen Zusammenhalt einer Interessengemeinschaft, von einer wunderbaren Freundschaft zweier Frauen, die Großmutter und Enkelin sein könnten, von einer langen Ehe, die eine tiefe Liebe und das Freibad zusammenhielt...u.v.m. Ich fühlte mich mit Rosemary total behaglich. So eine Freundin ist einfach toll. Da spielt der Altersunterschied überhaupt keine Rolle. Ich fand es wundervoll zu lesen, wie die gehemmte, etwas prüde Kate durch die lebenserfahrene, alte Frau sich aus ihrer Einsamkeit, aus ihren depressiven Phasen löst und tatsächlich selbstsicherer wird.

    Meine Gesamteinschätzung

    Ich las eine nette gefällige Geschichte, die aber größeren Auseinandersetzungen aus dem Wege geht. Ganz so geht es im wirklichen Leben leider nicht zu. Im Laufe des Geschehens fügte sich für mein Empfinden vieles zu leicht und zu schnell. Das positive Ende war voraussehbar.


    Es ist ein positives Buch, dass Mut macht, eine Lektüre zum Wohlfühlen. Von mir gibt es die Kauf-/Leseempfehlung und vier von fünf Sternen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Die 86jährige Rosemary Peterson ist fast ihr ganzes Leben im Freibad ihres Stadtteils geschwommen, jetzt soll es geschlossen und verkauft werden. Rosemary will das nicht zulassen und findet viele Menschen, die sie unterstützen.


    Klingt nicht besonders aufregend, oder? Dennoch bin ich froh, diesen Roman gelesen zu haben, auch wenn ich viel dabei geweint habe. Freundschaft, Zusammenhalt, Glück, Liebe, Entschlossenheit – das sind nur ein paar Begriffe, die mir einfallen, wenn ich an den Roman denke. Ich habe beim Lesen wunderbare Menschen kennengelernt, allen voran Rosemary, die ich gerne auch im realen Leben kennen würde. Sie trägt den Roman, und der Leser erfährt viel über ihr langes Leben, viele Erinnerungen, die oft mit dem Freibad zusammenhängen, und die oft sehr ans Herz gehen, aber auch Humor versprühen.


    Neben Rosemary spielt auch die Journalistin Kate eine Rolle, die beiden lernen sich kennen, als Kate damit beauftragt wird, über das Freibad und den Widerstand gegen die Schließung zu schreiben. Kate ist schüchtern und einsam und leidet an Panikattacken. Zwischen ihr und Rosemary entwickelt sich eine Freundschaft, wodurch sich Kates Leben ändert. Auch zu Kate gibt es Rückblenden, aber deutlich weniger. Sie kommt mir auch nicht so nahe wie Rosemary.


    Libby Page hat noch weitere gut gelungene Charaktere einfließen lassen, die alle besonders sind und in Erinnerung bleiben. Einigen Charakteren blickt man ein bisschen in die Seele, und es ist schön, dass man sie später wiedererkennen kann unter den Menschen, die sich dem Widerstand gegen den Verkauf anschließen. Und sogar der Fuchs, den man irgendwann zu Beginn kennenlernt, taucht später wieder auf.


    Die Geschichte lässt sich gut lesen, durch die kurzen Kapitel kommt man schnell voran, es gibt humorvolle, traurige und hoffnungsvolle Momente. Sehr gut gefällt mir, wenn Libby Page beschreibt, so bereits zu Beginn des Romans, wenn man mit der Autorin durch Brixton geht. Manche Sätze sind sehr originell, wenn z. B. Rosemary Stellen aus der Karte in ihrem Kopf kratzt um sie durch etwas Neues zu ersetzen, da sich in Brixton viel ändert. Das Ende hatte ich so zwar erahnt, und es passt auch zur Geschichte, trotzdem hätte ich es mir etwas anders gewünscht.


    Mir hat der Roman, der mich emotional sehr gepackt hat, gut gefallen, er wird sicher noch eine Zeit lang nachhallen. Und Lust darauf, wieder einmal ins Freibad zu gehen, habe ich auch bekommen. Ich wünsche dem Roman viele Leser und kann ihn uneingeschränkt empfehlen.

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