Inge Löhnig – Unbarmherzig

  • Buchdetails

    Titel: Unbarmherzig


    Band 10 der

    Verlag: Ullstein Taschenbuch

    Bindung: Broschiert

    Seitenzahl: 384

    ISBN: 9783548290973

    Termin: Neuerscheinung Mai 2019

  • Bewertung

    4.4 von 5 Sternen bei 25 Bewertungen

    87,2% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Unbarmherzig"

    Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.
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    Eine spannende Fortsetzung zu einem in der Vergangenheit liegenden, höchst brisanten Thema.
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    claudi-1963
    Ein Knochenfund katapulitiert uns in die Nazizeit. Tolle Geschichte, die wirklich so hätte passiert sein können

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  • Verlagstext

    Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.


    Die Autorin

    Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert und sich nach einer Karriere als Art-Directorin in verschiedenen Werbeagenturen selbstständig gemacht. Heute lebt sie als Grafik-Designerin und Autorin mit ihrer Familie bei München. So unselig schön ist der dritte Kriminalroman in der Serie mit Kommissar Dühnfort.


    Inhalt

    Bei Bauarbeiten für ein Gewerbegebiet werden im fiktiven Altbruck im Aushub Knochen von zwei Personen gefunden. Die unvollständigen Skelette müssen rund 70 Jahre im Boden gelegen haben und wären eher ein Fall für die forensische Anthropologie. Doch Gina Angelucci, frisch aus der Elternzeit zurück und inzwischen für ungelöste Altfälle zuständig, übernimmt den Fall. Dass Angehörige Vermisster endlich Gewissheit erhalten, ist der Münchener Ermittlerin ein Anliegen, seit in ihrer Jugend eine Freundin verschwand und nie gefunden werden konnte. Eine Isotopenanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine der toten Personen aus dem Baltikum stammte, die andere aus dem Ort. In unmittelbarer Nähe einer ehemaligen Heeresmunitionsanstalt liegt es nahe, dass die Tote dort vor 1945 als Zwangsarbeiterin eingesetzt war. Wo sind die restlichen Knochen, wie starben die Personen und in welcher Beziehung standen sie zueinander, fragt sich Angelucci nun. Mit der Recherche 70 Jahre zurück liegender Ereignisse muss nicht nur Gina sich beeilen; die wenigen Zeitzeugen haben nicht mehr lange zu leben.


    Gina sticht mit ihren Ermittlungen in ein Wespennest. In Altbruck wurde die Geschichte des Zwangsarbeiterlagers bisher offensichtlich nicht aufgearbeitet und die Eröffnung des Gewerbegebietes scheint den beteiligten Unternehmen dringender zu sein als alles andere. Ihre Ermittlungen über den jungen Benedikt führen Gina in einen seit Generationen verfeindeten Familienclan. Wer profitiert bis heute vom ungeklärten Tod des jungen Mannes, fragt man sich hier als Leser.


    Fazit

    Erzählt wird die Geschichte eines realen Knochenfundes mit fiktiven Personen am fiktiven Ort in mehreren Handlungssträngen und in Rückblicken ins Jahr 1944. (Vorbild für die Munitionsfabrik war laut Autorin die Heeresmunitionsanstalt Hohenbrunn.) Wer die junge Zwangsarbeiterin ist und wie sie nach Altbruck gelangte, wissen Leser des Romans bald. Die Handlung bis zur Überführung des Täters fand ich von diesem Punkt an historisch interessant, aber für einen Krimi wenig spannend. Das Zusammenführen aller Handlungsfäden zu einer plausiblen Lösung zeigt anrührend, wie Jahrzehnte zurückliegende Vermisstenfälle bis heute in die betroffenen Familien wirken und wie wichtig deshalb die Klärung dieser Schicksale ist. Dass Tino aus seiner Elternzeit mit Tochter Chiara bereits seine Fühler nach einer Stelle bei der Kripo ausstreckt, lässt hoffen, dass es mit Tino und Gina in irgendeiner Form weitergehen wird ...


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    :study:-- Mirow - Die Chroniken von Mistle End 3.

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    :musik: -- Disher - Barrier Highway (3.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Es ist Band 2 der Angelucci-Reihe nach "Gedenke mein", die beide in der Cold-Cases-Abteilung spielen. Dühnfort ist brav zuhause in Elternzeit ...

    :study:-- Mirow - Die Chroniken von Mistle End 3.

    :study: --

    :musik: -- Disher - Barrier Highway (3.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Inhalt: Nach zwei Jahren Elternzeit kehrt Gina Angelucci wieder zur Kriminalpolizei zurück. In der Abteilung für „Cold Cases“ befasst sie sich mit einem Knochenfund in einem kleinen Dorf.

    Die beiden bei Bauarbeiten gefundenen Skelette lagen wahrscheinlich seit 70-80 Jahren in der Erde und weisen Anzeichen von Schussverletzungen auf.


    Meine Meinung: In ihrem neuesten Krimi geht es Inge Löhning eher ruhig an.

    Es geht nicht nur um die reine Klärung der Identität und Todesumstände der beiden gefundenen Skelette, die Gina gegen die Anweisungen der Staatsanwaltschaft vorantreibt.

    Ihr ist es zuallerallererst ein Anliegen den Toten einen Namen zu geben und dadurch den eventuell noch lebenden Angehörigen endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Lieben zu geben.

    Auf ihrer Suche nach der Wahrheit stoßen die Ermittler rasch auf ein dunkles Kapitel in der Dorfgeschichte während des Zweiten Weltkrieges. Ein Jahrzehnte währender Familienstreit wirft zusätzlich Fragen auf.

    Eingebettet in das aktuelle Geschehen im Dorf geben in Kursivschrift eingeschobene alte Tagebucheinträge das damalige Drama wieder.

    Mir hat die Mischung aus Kriminalfall, Familiengeschichte und historischem Roman gut gefallen, auch wenn die Spannung meiner Meinung nach ein wenig zu kurz kam.

    Dafür taucht aber in Ginas privaten Umfeld eine plötzliche Bedrohung für ihre Familie auf…


    Fazit: Wieder einmal ein gut gelungener und lesenswerter Krimi aus der Feder von Inge Löhning, der diesmal verschiedene Elemente geschickt miteinander verbindet.

  • Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.

    Ein ungewöhnlicher spannender Krimi. Cold Cases tauchen mittlerweile öfter in Romanen auf meistens aber in Verbindung mit aktuellen Fällen. Hier steht der Fall fast für sich allein denn das Privatleben von Gina wird bedroht.

    Der Krimi spielt auf verschiedenen Ebenen die zwar miteinander zutun aber auch unabhängig sind. Es ist als ob man in einem Haus verschiedene Räume betritt. Man geht aus dem Flur ins Wohnzimmer und dann ins Schlafzimmer.

    Die Vergangenheit, 1944, in der die Morde geschehen. Die Gegenwart ist zum einem die Ermittlung und die betroffenen Familien die in einem Zwist leben. Zur einen gehört eines der Opfer, zur anderen der mutmaßliche Täter.

  • Die Elternzeit ist vorbei für Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo. Während ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort sich zuhause um die Tochter kümmert, bekommt es Gina mit einem alten Mordfall zu tun. Skelettteile in dem idyllischen Dorf Altbruck gefunden und die Tat liegt Jahrzehnte zurück. Die Ermittlungen in einem solchen Cold-Case-Fall sind natürlich nicht einfach. Die Identität des Mordopfers zu klären gestaltet sich schwierig. Dabei wird Gina auch noch vom Oberstaatsanwalt unter Druck gesetzt, der auf schnelle Erledigung drängt. Doch sie will den Fall auf jeden Fall klären.

    Dies ist nach „Gedenke mein“ der zweite Band um die Spezialistin für Cold Cases Gina Angelucci.

    Der Schreibstil von Inge Löhnig ist wie immer sehr angenehm zu lesen. Die Geschichte ist von Anfang an spannend und hat mich gefesselt. Die Rückblenden in die Vergangenheit bringen uns zurück in eine schlimme Zeit. Man steckte Verschleppte, Kriegsgefangene und Sträflinge zur Zwangsarbeit in kriegswichtige Fabriken. In diesem Fall geht es um eine junge Zwangsarbeiterin aus Riga. Doch warum wurde diese Frau ermordet?

    Die Charaktere sind sehr gut und glaubhaft dargestellt. Ich mag die sympathische Gina, die den Ehrgeiz hat, auch schwierigste Fälle zu klären. Auch wenn sie Druck bekommt, lässt sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Notfalls greift sie auch zu außergewöhnlichen Methoden, um zum Ziel zu kommen. Auch wenn es lange her ist, gibt es immer noch Personen, die die Zeit damals erlebt haben, aber niemand will darüber reden, was damals geschehen ist.

    Aber es gibt auch jemanden, der es auf Gina und ihre Familie abgesehen hat.

    Ein sehr spannender und vielschichtiger Krimi mit historischem Hintergrund, den ich nur empfehlen kann.

  • ...auch ernste Themen!


    In Altbruck werden bei einem Kiesablageplatz, die Überreste zweier Leichen entdeckt. Nach der Obduktion ist klar : Der Mann und die Frau, wurden vor rund 80 Jahren getötet. Ob die Identität der Toten nach so langer Zeit noch ermittelt werden kann? Und der Mörder?

    Für Gina Angelucci, Spezialistin für ungelöste Mordfälle der Kripo München, beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Und das, obwohl sie erst kurz nach ihrer Elternzeit, zurück bei der Kripo ist.


    An und für sich mag ich Bücher, in denen es um Cold Cases geht, unheimlich gerne. Ich finde es immer sehr spannend, von der zurückliegenden Zeit der Tat und den Ermittlungen in der Gegenwart zu lesen. Ich weiss nicht, woran es in " Unbarmherzig " lag … doch Spannung kam nicht so richtig auf. Ob es daran lag, dass mir die Identität der Toten relativ schnell klar war? Oder, dass die potentiellen Mörder bis auf eine Person, alle schon tot waren? Sehr gut gefallen hat mir, wie die Autorin die Zeit um 1944, in der die Morde geschehen sind, beschrieben hat. Gerade die Tagebucheinträge von einer jungen Frau, die zur Zwangsarbeit gezwungen wurde, sind eindrücklich und bedrückend. Diese kursiv geschriebenen Kapitel haben mir über so manchen Hänger in der Geschichte hinweg geholfen.

    Ebenfalls ein grosses Plus, sind Themen, wie der Pflegenotstand der heutigen Zeit in Deutschland. Und, der heute wie früher zelebrierte Nationalsozialismus, der immer wieder seine Fanatiker findet. Hier lässt Inge Löhnig, in einer Szene in einem Biergarten, die Figuren klar Stellung beziehen.

    Lobend muss ich erwähnen, dass der Ullstein Verlag, als wohl einer der einzigen, klar auf der Cover - Innenseite deklariert hat, dass " Gedenke mein " der erste Fall von Gina Angelucci war. So weiss man als Leser sofort, und noch vor dem Kauf, Bescheid, dass Details, dies vor allem auf privater Ebene der Ermittlerin hier in "Unbarmherzig " ihre Fortsetzung finden.

    Durch die 2jährige Tochter Chiara, die Gina Angelucci und Tino Dühnfort unendlich lieben, aber auch eine Herausforderung bedeutet, finden auch ernste Themen Platz. Chiara lebt mit dem Down Syndrom, und immer wieder drücken die Sorgen der Eltern durch. Wird sie ein normales und selbstbestimmtes Leben führen können? Weshalb starren Aussenstehende, Menschen mit einer Beeinträchtigung oft an? Auch diese Gefühle, Sorgen und Ängste sind sehr authentisch. Toll finde ich von der Autorin, dass sie dieses wichtige Thema in ihren Krimi eingebaut hat.

    Der Schreibstil von Inge Föhnig gefällt mir nach wie vor hervorragend. Sie erwischt stets die richtige Mischung zwischen Privatem und Ermittlungen ihrer Protagonisten.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Gina Angelucci kehrt in ihren Dienst bei der Mordkommission München, Abteilung Cold Cases, zurück. Tino Dühnfort bleibt mit Töchterchen Chiara zu Hause und nimmt jetzt seine Elternzeit. Die kleine Familie scheint rundum zufrieden und die Eltern bemühen sich zärtlich besorgt um das Wohlbefinden ihrer kleinen Chiara, die mit einem Herzfehler und dem Down-Syndrom geboren wurde.


    Aktuell wurden in dem kleinen Ort Altbruck Schädel und Skelettteile von zwei Personen gefunden, die scheinbar 70-80 Jahre alt sind. Gina und ihr Team ermitteln. Gina erinnert sich noch gut, daß ihre enge Freundin Hermine als Teenie verschwand und man niemals wieder etwas von ihr hörte. Das ist einer der Gründe, weshalb sie den Toten einen Namen geben möchte und auch die Angehörigen verständigen will. Durch eine Isotopenanalyse stellt sich heraus, daß es sich um einen einheimischen Mann handeln muß und um eine Baltin. Als Information erfährt Gina, daß es im Ort ein Heeresmunitionslager gab, in welchem Zwangsarbeiterinnen tätig waren. In einem weiteren Strang kommt die Baltin, Kairi zu Wort und man erfährt ferner wichtige Details über die jungen, einheimischen Burschen. Damit hat der Leser eindeutig einen Vorsprung gegenüber Ginas Ermittlungsarbeit. Ein geplanter Neubau, der am Leichenfundort erstellt werden soll, wird vorerst eingestellt.


    Einzelne Bewohner haben sich mit der Geschichte des Ortes befasst und können Gina weiterhelfen. Die Leichenteile wurden von der Witwe Ella gefunden, sie und ein Teil ihrer Familie sind seit vielen Jahren zerstritten. Eine Versöhnung ist gerade im Gespräch und die Alten können sich an diese Zeit noch sehr gut erinnern und etwas zur Aufklärung beitragen. Und eine Person in Altbruck kennt die Wahrheit! Wird Gina sie auch herausfinden?


    In München haben Gina und Tino das Gefühl von einer Frau gestalked zu werden und es kostet sie viele Nerven, dieses Thema abzuschließen.




    Ich habe tatsächlich alle bisherigen Krimis der Autorin gelesen und ihr Schreibstil ist wie immer sehr flüssig zu lesen, spannend und man legt das Buch erst aus der Hand, wenn es ausgelesen ist. Es ist wie ein Treffen mit guten Freunden, die man einige Zeit nicht gesehen hat, alles wird nach ein paar Seiten wieder lebendig und präsent.


    Sie beschreibt Gina, Tino und Chiara liebevoll und ihr Leben, sowohl privat als auch beruflich, sehr realistisch. Der Strang um die Stalkerin wurde gut aufgelöst. Auch die Ermittlungsarbeit und dieses Verbeißen von Gina konnte man gut mit verfolgen. Die Bewohner und ihr Verhältnis, ihre Streitereien untereinander und die Versöhnungsversuche wurden authentisch beschrieben und könnten überall so passieren. Die Auflösung hat sich schon vorher abgezeichnet, was aber der Spannung nicht geschadet hat. Auch das Verhalten von Gina am Ende fand ich sehr sympathisch.


    Von mir gibt es auf jeden Fall auch für den 2. Band um Gina eine eindeutige Leseempfehlung!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Kriminalromane um Tino Dühnfort und Gina Angelucci lese ich einfach gern. Ich mag die beiden Figuren, ihren familiären Hintergrund und den Schauplatz München, aber vor allem bewundere ich Inge Löhnigs Erzählstil, der mich noch in jedem einzelnen Fall in den Bann ihrer Geschichte gezogen hat. So auch hier wieder, obwohl ich nicht der große Fan von Cold Cases bin, insbesondere, wenn die Fäden bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen. Diese Themen sind wichtig und ganz sicher wert, immer wieder aufgearbeitet zu werden, aber wenn man so oft darüber gelesen hat, tritt (jedenfalls bei mir) irgendwann ein gewisser Sättigungsgrad ein.


    Aber egal welches Thema, ihre Art zu erzählen funktioniert bei mir immer *g*.


    Gina kehrt aus der Elternzeit zurück in den Job und hat nichts von ihrer unnachahmlich hartnäckigen, zielgerichteten Art verloren. Eigentlich stehen andere Fälle auf der Agenda, aber sie will das Rätsel um den Leichenfund von Altbruck unbedingt lösen. Und, verbündet mit der Gerichtsmedizinerin Ursula Weidenbach, gelingt es ihr – gegen den zunächst ausdrücklichen Wunsch und Willen ihres Vorgesetzten. Anfangs scheint es kaum möglich, nach so langer Zeit die Identitäten zu klären, doch Gina lässt nicht locker. Zusammen mit ihrem Kollegen Holger findet sie schon relativ bald heraus, um wen es sich bei den Toten handelt. Oberstaatsanwalt Poschmann zollt ihr entsprechende Anerkennung und will den Fall ad acta legen. Gina genügt das allerdings nicht, sie will die Zusammenhänge ergründen und lässt nicht locker:…ich werde herausfinden, wer du warst und dir auch deinen Namen zurückgeben. Ich werde dein Schicksal klären. Deine Familie wird deine Geschichte erfahren.“ Das treibt sie an. Dazu muss sie tief in eine über Generationen schwelende Familienfehde tauchen und fördert Dinge über die „Muna“ , die Heeresmunitionsanstalt Altbruck, zu Tage, die so mancher Bürger lieber hätte ruhen lassen…


    Die Sache mit der persönlichen Gefährdung ihrer Familie habe ich, ehrlich gesagt, als irgendwie aufgesetzt und nicht so recht zur Geschichte zugehörig empfunden. Um als zusätzlicher Spannungsaspekt zu fungieren, lief sie für mich zu sehr nebenher. Gestört hat sie allerdings auch nicht.


    Mit Gina, Tino und ihren Kollegen zu ermitteln ist für mich stets ein Lesevergnügen, weil mir bei Inge Löhnig Sprache und Stil so gut gefallen. Nicht zuletzt, wie sie immer wieder den Finger auf gesellschaftliche Probleme legt, subtil und ohne ausdrückliche Wertung, aber doch deutlich genug um zu verstehen, was ihr ein Anliegen ist.

  • Über die Autorin (Amazon)

    Schon als Kind verfügte Inge Löhnig über so viel Fantasie, dass ihre Geschichten noch heute in der Familie legendär sind. Neben dem Beruf als Grafik-Designerin war Schreiben lange ein Hobby. Erst mit dem Erscheinen der Reihe um den Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort wurde daraus die neue Profession. Die Kriminal-Romane von Inge Löhnig sind ebenso regelmäßig auf der Bestsellerliste zu finden, wie die spannenden Familien-Romane, die sie unter dem Pseudonym Ellen Sandberg veröffentlicht. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München

    Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert und sich nach einer Karriere als Art-Directorin in verschiedenen Werbeagenturen selbstständig gemacht. Heute lebt sie als Grafik-Designerin und Autorin mit ihrer Familie bei München.


    Produktinformation (Amazon)

    Format: Kindle Ausgabe

    Dateigröße: 2092 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe: 385 Seiten

    ISBN-Quelle für Seitenzahl: 3548290973

    Verlag: Ullstein eBooks (31. Mai 2019)

    Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.

    Sprache: Deutsch

    ASIN: B07K4518RP


    Ein Fall für Gina Angelucci

    Nördlich von München werden auf einem Kiesabladeplatz die Überreste von zwei Menschen gefunden. Gina Angelucci übernimmt den Fall auch wenn es ihrem Chef nicht recht ist. Die Spur führt in das neu ausgewiesene Gewerbegebiet von Altbruck. Die Analyse ergibt, dass es sich um einen jungen Mann aus dem Dorf und eine Zwangsarbeiterin aus der Munitionsfabrik handelt. Nicht alle in Altbruck sind von den Ermittlungen begeistert, und Gina reißt damit alte Wunden wieder auf.


    Meine Meinung

    Ein neues Buch von Inge Löhnig, das musste ich haben, du ich wurde auch nicht enttäuscht. Schon am Anfang, als die Morde geschahen. Und natürlich ging es genauso spannend weiter, als Gina Angelucci den Fall übernahm. Das Buch Durch den angenehmen Schreibstil der Autorin ließ sich das Buch leicht und flüssig lesen. Ich war schnell in der Geschichte drinnen und konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen. In Gina Angelucci, die ja in einer internen Abteilung für die Lösung von Altfällen arbeitete und diesen Fall unbedingt aufklären wollte. Und die Angst um ihre kleine Tochter hatte. weil sie merkte, dass sie beobachtet wurde. In Die Angehörigen des ermordeten Mannes, die ein Recht auf Aufklärung hatten, ebenso wie die Angehörigen der Frau. Auch wenn der Oberstaatsanwalt der Meinung war, dass der Mörder sowieso nicht mehr lebe, und man ihn deswegen auch nicht mehr belangen könne. Dann gab es da zwei Familien die schon seit Generationen zerstritten waren, und von denen endlich mal eine das einfach übersah. Die Versöhnung wollte. Dieses Buch hat mich wieder von Anfang an gefesselt, in seinen Bann gezogen und mich sehr gut unterhalten. Ich habe es mit Begeisterung gelesen und vergebe die volle Bewertungszahl und empfehle es gerne weiter. Für Inge-Löhnig-Fans ist es sowieso ein Muss. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Liebe Grüße
    Lerchie



    _______________________
    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • lter Hass, über Jahre gereift und vertieft - in Ingrid Löhnigs Kriminalroman "Unbarmherzig" trifft das gleich mehrfach zu. Eine Familienfehde in einem bayerischen Dorf, die Generationen überdauert, aber auch der lang gehegte Groll auf die Polizei begegnen Gina Angelucci von der Münchner Kripo bei ihren dienstlichen Ermittlungen sowie im privaten Umfeld.

    Die Spezialistin für ungelöste Fälle, frisch aus der Elternzeit zurück, bekommt mit ihrem ersten Fall seit der Rückkehr in den Kripo-Dienst mit einem jahrzehntealten Altfall zu tun: Nach Bauarbeiten werden in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei skelettierte Leichen gefunden. Die Kommissarin hat Mühe, ihre Vorgesetzten von der weiteren Untersuchung des Falls zu überzeugen - schließlich könnten der oder die Mörder selbst schon lange tot sein. Doch die Gerichtsmedizinerin findet bei der Analyse der Knochen heraus, dass eines der Skelette zu einer Frau aus dem Baltikum gehört, das andere zu einem Mann, der nie außerhalb der Region gelebt hatte.

    Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Altbruck eine Munitionsfabrik - war die tote Frau eine Zwangsarbeiterin? Handelt es sich um ein Kriegsverbrechen, das damit auch nicht verjährt wäre? Nicht nur bei der Kripo sind die Meinungen geteilt, ob der Fall weiterverfolgt werden soll, auch in Altbruck gibt es Menschen, die eine gründliche Aufarbeitung des Fundes und damit auch der Nazi-Vergangenheit des Dorfes fordern und solche, die die Vergangenheit buchstäblich begraben lassen wollen.

    Für Gina ist klar: sie will den unbekannten Toten ihren Namen zurückgeben. Irgendwo, so ist sie überzeugt, leben Angehörige in qäulender Ungewissheit, was aus ihren Liebsten geworden ist.

    Während die Ermittlungen in der Gegenwart fortschreiten, führt ein zweiter Erzählstrang in die Vergangenheit, zu Kairi, einer jungen Frau aus Riga, die in die Heeresmunitionsanstalt in Altbruck verschleppt wurde, die unter Schuldgefühlen wegen der Verhaftung ihres Vaters leidet und von einer Rückkehr nach Lettland träumt. Gleichzeitig erfährt der Leser von zwei verfeindeten Schwestern, von einem Failienkonflikt, der über Generationen getragen wird. Ist eine Versöhnung noch möglich, oder ist die Kluft unüberbrückbar?

    Vergangenheit und Gegenwart sind eng verbunden, das findet nicht nur Gina im Laufe ihrer Arbeit in Altbruck hinaus. Dass das menschenverachtende Denken aus der Nazizeit nicht einfach Teil der Vergangenheit ist, muss sie als Mutter einer kleinen Tochter mit Down-Syndrom ebenfalls erfahren. Zudem fühlt sich Gina von einer Unbekannten beobachtet - droht Gefahr im privaten Umfeld?

    Die Zeitsprünge, die Inge Löhnig ihren Lesern präsentiert, verwirren nicht, sondern helfen beim Verständnis, was einst in Altbruck passiert ist. Der Kriminalfall ist gut eingebettet in die Frage nach dem Umgang mit vergangenem Unrecht und der Verantwortung von Nachgeborenenen, ohne moralisierend daher zu kommen. Bei der Suche nach dem Täter präsentiert die Autorin ein paar Sackgassen und falsche Spuren - das Ende ist durchaus überraschend und versöhnlich, ohne in Kitsch abzugleiten,

  • Ein Cold Case, der einen nicht kalt lässt


    In dem idyllischen Dorf Altbruck werden die Gebeine eines Mannes und einer Frau gefunden, die wohl schon vor Jahrzehnten verscharrt worden waren. Offenbar sind die Knochen durch Bauarbeiten freigelegt worden.

    Gina Angelucci, Lebenspartnerin von Tino Dühnfort, den so mancher Leser aus der Dühnfort-Reihe der Autorin kennen wird, ist Spezialistin für alte, ungelöste Fälle und kehrt gerade aus der Elternzeit zurück. Voller Elan, aber auch voller Empathie für die Opfer und deren Familien, widmet sich Angelucci dem Fall, stößt dabei aber auf allerlei Vorbehalte seitens des Oberstaatsanwalts, aber auch einiger Dorfbewohner. Allen voran der Bürgermeisters und natürlich auch der Besitzers der beteiligten Baufirma versuchen, Gina Angeluccis Arbeit zu behindern. Immerhin müssen die Bauarbeiten für das örtliche Gewerbegebiet ruhen, bis die Ermittlungen angeschlossen sind.

    Durch spezielle Analysen kann die Gerichtsmedizin feststellen, dass es sich um die sterblichen Überreste eines jungen Mannes, der aus der Region stammt, und einer jungen Frau aus dem Baltikum handeln muss. Schnell rückt die ehemalige ,,Heeresmunitionsanstalt“, die sich zur Zeit des 2. Weltkriegs in Altbruck befunden hatte, in den Fokus. Dort wurden u.a. Strafgefangene, aber auch Zwangsarbeiter aus dem Baltikum eingesetzt. Diese Vergangenheit wollen aber die meisten lieber ruhen lassen.

    In relativ kurzen Kapiteln rücken immer wieder verschiedene Personen in den Fokus. Neben den Personen der Gegenwart wie z.B. Ella Loibl, die die Gebeine gefunden hat, gibt es zahlreiche weitere Familienmitglieder, die seit Jahrzehnten miteinander zerstritten sind. Diese Familiengeschichte wird geschickt mit dem Schicksal der baltischen Zwangsarbeiterin Kairi verknüpft. In einzelnen Kapitel darf auch sie, mit Hilfe eines aufgefundenen Tagebuchs, zu Wort kommen. Dadurch wird ihr Schicksal besonders eindrücklich und anrührend geschildert.

    Auch das Privatleben Angeluccis und Dühnforts mit ihrer Tochter Chiara, die das Down-Syndrom hat, kommt nicht zu kurz.

    Löhnig versteht es, Vergangenes anschaulich und spannend mit aktuellen Themen zu verknüpfen und dies durch einen lockeren, unanstrengenden Stil unterhaltsam zu vermitteln.

    Das Ende bleibt, nicht für den Leser, aber für einige Beteiligten, offen. Dies empfinde ich aber als durchaus realistisch.

    Mein einziger Kritikpunkt ist, dass manches aktuelle Thema etwas zu bemüht eingebaut wird, z.B. die Stalkerin, die an Gina Rache üben will, oder der der Opferschutz-Beauftragte Seidl, der nicht nur konservativ, sondern auch noch Anhänger der Identitären Bewegung ist. Diese Nebenstränge sind meiner Meinung nach unnötig.

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  • Beschreibung:

    Nachdem Gina Angelucci mit ihrem Mann die Rollen tauscht und nach der Elternzeit wieder den Dienst bei der Kripo München antritt, fällt ihr direkt ein sehr suspekter Fall vor die Füße. Auf einem Kiesablageplatz bei Altbruck werden zwei skelettierter Köpfe gefunden. Gina würde die Ermittlungen gerne sofort übernehmen, aber die Staatsanwaltschaft muss erst überredet werden, da sie den Fall für unlösbar hält. Wer kann schon eine Leiche nach über 80 Jahren noch identifizieren? Zudem sind nach dem Krieg etliche Unterlagen abhanden gekommen bzw. existierten nie.


    Meinung:

    Herrlich! Dieses Buch konnte mich richtig gut unterhalten. Obwohl es der zweite Teil einer Reihe war, hatte ich keine Probleme der Geschichte zu folgen. Natürlich fehlte wie immer ein bisschen die Vorgeschichte von Gina, ihrer Familie und dem dazugehörigen Kind, aber das war okay. Ehrlich gesagt hatte ich an den Krieg beim Lesen des Klappentextes damals gar nicht gedacht, auch bei dem Wort "Zwangsarbeiter" hat es bei mir so kein bisschen gefunkt. Irgendwie hatte mir einfach die Beschreibung und die Tatsache, dass es sich um einen Cold Case handelt den Kopf verdreht.


    Der Schreibstil von Inge Löhnig war richtig toll zu lesen. Ich war von der ersten Seite an in der Geschichte und mir war wirklich nie langweilig. Spannend fand ich vor allem die Rückblenden ins Jahr 1944. Lange Zeit schaffte die Autorin es, dass mir unsicher war wie sich das Ganze entwickeln könnte. Es gab massig Potential zum rätseln, raten und mitfiebern. Passend zum Cold Case wurde außerdem zur Sprache gebracht, dass sich die politische Orientierung vieler Orts stark nach rechts neigt, was ich gar nicht so verkehrt finde, denn man sollte es erwähnen, eben damit wir auch wieder daran erinnert werden wie wichtig es ist wählen zu gehen, denn ist durchaus ein aktuelles Problem. Doch das gehört nicht so ganz zum Thema. Weiter im Text.


    Die Geschichte von Gina Angelucci fand ich sehr bewegend, denn trotz ihrer Leidenschaft für den Beruf, hängt sie doch sehr an ihrer Tochter, die unter dem Down-Syndrom leidet. Auch hier wieder ein Problem der heutigen Gesellschaft: Wir predigen Toleranz und Akzeptanz, aber sobald wir etwas sehen, dass "nicht normal" scheint, zerreißen wir uns das die Schnute. Nicht jeder, aber leider zu viele. So war dieses Buch für mich eben doppelt interessant, da es diverse alltäglichen Probleme aufgriff, aber nicht auf eine belehrende Art; natürlich eben. Gina ist keine Übermutter, sonder recht normal. Es wird keine Idylle suggeriert, sondern ein typisches Familienleben.


    Die Ermittlungen als solches fand ich vor allem deswegen spannend, weil ich es immer interessant finde, wie die Ermittler es schaffen solch alte Knochen noch zu identifizieren. Zudem wurden auch viele Unterlagen gerade nach dem zweiten Weltkrieg vernichtet oder existierten schlichtweg nie. Da es sich in dem Buch mitunter um eine Anlage dreht, die Zwangsarbeiter beschäftigte, war genau dies zu erwarten. Das Ende hat mich richtig berührt und ich fand es ganz große klasse was Gina tat. Mehr verrate ich jetzt aber nicht. Das wäre dann doch zu viel des Guten.


    Für mich steht ganz klar fest, dass ich irgendwann auch den ersten Band lesen möchte und die Reihe sowie die Autorin im Auge behalten möchte, da es ein solider Krimi war, der mir alles bot was ich mir von einem Krimi wünsche.


    Fazit:

    Ein toller Cold-Case Krimi mit Spannung, tollen Charakteren und gelungener Atmosphäre.

  • In einem Ort nahe München werden die Überreste zweier Toter gefunden, die Knochen lagen dort seit ca. 70 Jahren. Gina Angelucci, gerade aus der Elternzeit zurück am Arbeitsplatz, will den Fall unbedingt bearbeiten, sie hofft, trotz der langen Zeit, die Toten identifizieren zu können, damit deren Angehörige endlich erfahren, was mit ihnen passiert ist, und, im besten Fall kann auch der Täter noch ermittelt werden.


    Gina Angelucci bearbeitet hier ihren zweiten Cold-Cases-Fall, während Dühnfort sie in der Elternzeit ablöst und sich um Töchterchen Chiara kümmert. Sie ist einerseits froh, wieder im Dienst zu sein, andererseits vermisst sie die Zeit mit Chiara – welche berufstätige Mutter kennt das nicht. Der aktuelle Fall, um den sie zunächst kämpfen muss, weckt Erinnerungen in ihr, womöglich werden hier die Weichen zu Band 3 gestellt? Er weckt aber auch Erinnerungen an eine schlimme Zeit und führt den Leser ins Jahr 1944 und eine Heeresmunitionsfabrik, in der osteuropäische Zwangsarbeiter arbeiten mussten. Über diese Zeit erfährt man einerseits durch Erinnerungen der noch Lebenden, andererseits durch Tagebuchaufzeichnungen eines der Opfer.


    Inge Löhnig hat einen sehr lebendigen Schreibstil, der den Leser schnell packt und ihn nur so durch die Geschichte fliegen lässt. Wer zudem den ersten Gina-Band und auch die Dühnfort-Bände kennt, wird sich schnell heimisch fühlen und sich über das Wiedersehen vor allem mit diesen beiden Protagonisten freuen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer gelungener Charaktere, die man zum Teil recht gut kennen lernt und die einen auch emotional berühren.


    Leider fand ich den Roman schnell sehr vorhersehbar, es gab für mich keine Überraschungen, keine Wendung, die ich nicht schon vorher geahnt hätte. Das ist ein bisschen schade, denn wirkliches Miträtseln war dadurch nicht möglich. Nicht sehr gelungen scheint mir auch ein Storystrang, der zum letzten Fall Ginas zurückreicht, und den ich eher störend fand, zumal er dann auch ziemlich schnell abgehandelt war. Mir hätte es besser gefallen, wenn der Fokus auf dem Cold Case geblieben wäre. Dessen Lösung, auch wenn vorhersehbar, ist logisch und zufriedenstellend. Mir hat auch gefallen, dass der Roman nach der Auflösung nicht gleich zu Ende war, sondern noch einen schönen kleinen „Epilog“ hatte.


    Es ist keine Frage, dass ich Inge Löhnigs Romane allen Krimifans empfehlen kann, es ist auch keine Frage, dass ich diesen gerne gelesen habe und die Thematik gelungen ist, ich hätte mir nur ein klein wenig mehr Spannung und Überraschungen gewünscht, dafür hätte der bereits erwähnte Erzählstrang gerne wegfallen können. Für volle Punktzahl reicht es daher leider nicht, ich vergebe „nur“ 4 Sterne.

  • Gina Angelucci ist Bearbeiterin von Cold Cases bei der
    Münchener Polizei. Als eines Tages in einem Kieshaufen menschliche Knochen
    gefunden werden, wird sie mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Es stellt
    sich heraus, dass es sich bei einer der Leichen um eine Frau aus dem Baltikum
    handelt. Schnell führen die Untersuchungen in dem kleinen Dorf Altbruck zu
    einer ehemaligen Munitionsfabrik, in der während des Zweiten Weltkrieges
    Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Zuständen leben und arbeiten mussten. Bei
    ihren Nachforschungen über die Identität der zweiten Leiche wird Gina in eine
    verzwickte Familiengeschichte verwickelt, die ihren tragischen Höhepunkt ebenfalls
    in den letzten Tagen des Krieges fand. Gibt es eine Verbindung zwischen beide
    Geschichten?

    Der Autorin ist hier nicht nur ein spannender Krimi
    gelungen. Sie hat es auch gekonnt
    verstanden, die geschichtlichen Hintergründe der Munitionsfabriken und der
    Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges mit der Geschichte zu verknüpfen.
    Durch eingestreute Tagebucheinträge des weiblichen Opfers erfährt der Leser viel
    über die damalige Zeit und die Zustände in den Lagern.

    Nicht nur die Hauptfiguren sind detailreich
    herausgearbeitet, auch den Nebenfiguren wird auf gekonnte Art Leben
    eingehaucht. Durch die kleinen persönlichen Fehler und Launen der Figuren,
    werden sie greifbar und lebensnah.

    Entstanden ist eine Geschichte, die den Leser sehr schnell
    fesselt und nicht mehr loslässt. Am Ende blieb ich nachdenklich zurück.
    Gleichzeitig bin ich aber auch gespannt auf die nächste Geschichte um Gina
    Angelucci.:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Kommissariat "Ungeklärte Altfälle"


    Unbarmherzig, Kriminalroman von Inge Löhnig, 384 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.


    Gina Angelucci ermittelt in ihrem zweiten Fall.


    Die Kommissarin Gina Angelucci ist nach ihrer Elternzeit wieder ins Kommissariat „Cold Cases“ für ungeklärte Altfälle, K12 zurückgekehrt. Dort gibt es jede Menge zu tun, doch Skelettfunde in Altbruck etwas nördlich von München lassen sie nicht los. Gegen den Widerstand des Oberstaatsanwalts beginnt sie zu ermitteln. Die erste Spur führt in das neu ausgewiesene Gewerbegebiet der Gemeinde, wo sich zur Zeit des Nationalsozialismus eine Munitionsfabrik befand. Das männliche Skelett scheint zu einem jungen Mann zu gehören der aus der Nähe kam und in den letzten Kriegsmonaten verschwunden ist, das weibliche Opfer jedoch, welches aus dem Baltikum zu stammen scheint, gibt Rätsel auf. Könnte es sich um die sterblichen Überreste einer jungen Lettin handeln die zeitgleich mit dem jungen Mann verschwunden ist? Gina will es sich zur Aufgabe machen, den Toten ihre Identität wieder zu geben. Doch nicht alle Bewohner des Dorfes sind an einer Lösung des Falls interessiert.
    Schon im Prolog ist der Leser dabei als ein Liebespaar erschossen wird, die Spannung setzt also unmittelbar bei Beginn des Buches ein. 51 Kapitel in angenehmer Länge, lebhafte Dialoge, zum Teil im Dialekt, was mir besondere Freude machte, bildhafter Schreibstil und hervorragend gezeichnete Charaktere waren der Grund, warum ich sofort in Lesefluss kam und ungern die Lektüre unterbrach. Bis der Fall geklärt und der letzte Satz gelesen war fiel es mir schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Die Autorin verwendete die auktoriale Erzählweise, der Leser ist also immer nah am Geschehen und etwas besser informiert als die ermittelnden Beamten. Es handelt sich um einen Plot in zwei Zeitebenen, zum einen kursiv geschrieben und somit deutlich hervorgehoben, der Rückblick ins Jahr 1944, als Tagebucheintrag der Lettin Kairi. Zum anderen die Gegenwart, die die Ermittlungsarbeit und das nicht minder aufregende Privatleben der Kommissarin aufzeigt. Gleichzeitig wird auch ein langjähriges Eifersuchtsdrama, und eine daraus resultierende, mir sehr zu Herzen gehende, Familienfehde erzählt. Löhnig hat mich mit diesem atmosphärisch dichten Kriminalroman hervorragend unterhalten, obwohl ich den Vorgängerband nicht gelesen habe hatte ich keinerlei Mühe der Geschichte zu folgen. Besonders anrührend fand ich die Bestrebungen der Protagonistin, den Familien der Opfer, nach so vielen Jahren noch die Gewissheit über das Schicksal ihrer Lieben zu geben. Das wurde auch im Buch zu einem zufriedenstellenden Abschluss gebracht. Die Charaktere sind gut gelungen. Gina war natürlich meine Lieblingsfigur, eine gute Polizistin und Mutter. Den beiden verfeindeten Cousinen Lisbeth und Toni gehörte meine Sympathie, wie auch der jungen Zwangsarbeiterin Kairi. Ihre Notizen im Tagebuch haben mich zu Tränen gerührt. Inge Löhnig gibt allen Figuren ihre Geschichte, selbst den eher unbedeutenden. Ein überaus ergreifender Plot aus der Nazi-Zeit und die Spannung aus den gegenwärtigen Ermittlungen ,dazu der private Stalker-Fall. Ich bin begeistert und der Vorgängerband steht nun ganz oben auf meiner Leseliste.
    Ich hoffe, dass es noch weitere Gelegenheiten gibt, Gina Angelucci, ihre sympathische Familie und die tüchtigen Kollegen, bei weiteren Fällen zu begegnen. Eine absolute Leseempfehlung für die Fans von Inge Löhnig. Ein mitreißender Krimi, der alles hat, was eine fesselnde Geschichte braucht, deshalb von mir 5 Sterne.

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Sehr guter Krimi, der vom Stil her typisch deutsch ist würde ich sagen - und meine das keinesfalls negativ!
    Trotzdem es sich um einen Cold Case handelt, schafft die Autorin es, auch im heutigen Zeitstrang eine gewisse Spannung in der Geschichte zu erzeugen. Und strickt dabei eine verzwickte aber wahrscheinlich gar nicht so unrealistische Familiengeschichte. Auf jeden Fall eine interessante!


    Die Ereignisse von damals werden in eingestreuten Rückblenden ebenfalls Stück für Stück offenbart. Und damit macht Inge Löhnig gleich auch noch auf das Schicksal von Zwangsarbeitern in Nazideutschland aufmerksam. Ein Thema, über das ich selbst im Grunde gar nichts weiß und zu dem man auch fast nie was in den Medien hört. Das Thema wurde erfolgreich verdrängt, insofern fand ich gut hier mal etwas darüber zu lesen.


    Irritiert hat mich einzig die häufige Erwähnung von Ginas alter Schulfreundin. Bis auf die Tatsache, dass Gina immer mal wieder an sie denkt, hat es sonst keinerlei Relevanz. Wahrscheinlich wird hier schon die Grundlage für einen nächsten Teil gelegt, aber es fühlte sich hier immer fehl am Platz an. Gut integriert in die Krimigeschichte fand ich hingegen das Privatleben von Gina und ihrer Familie, das war sehr authentisch dargestellt.

  • Die Spuren der Knochen

    Das Thema "Cold Cases" ist und bleibt ein spannendes Thema für Krimis und Thriller. Und so hat mich der neueste Fall von Gina Angelucci sofort in seinen Bann gezogen: Als eines Tages durch Zufall menschliche Knochen in einem Haufen Kies geborgen werden, führen die Spuren recht schnell zu einer ehemaligen Munitionsfabrik, die während des Zweiten Weltkriegs betrieben wurde. Bei den Recherchen und der Befragung der Dorfgesellschaft begibt sich Gina daher auf die Spuren jener Zeit.

    Das Schicksal der in der Fabrik zwangsweise eingesetzten Arbeiter tritt im Buch nicht nur durch die gefundenen Knochen, sondern auch durch die zahlreichen Tagebucheinträge zutage, die einen Einblick in das Erlebte des Opfers geben. Diese schlagen eine Brücke zur Gegenwart und zeugen von einer guten Recherche der historischen Fakten.

    Was mir gut gefallen hat, ist außerdem die umfassende Schilderung der Dorfbewohner und die der Hauptcharaktere. Man lernt sie gut kennen und gewöhnt sich auch an ihre Launen und Eigenheiten, die sie bisweilen an den Tag legen.

    Nett ist ebenfalls die kleine Nebenhandlung, die aber primär Ginas Privatleben betrifft. Daumen hoch für einen gut recherchierten Krimi.

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