Martin Schäuble - Endland

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Endland

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Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783446257023

Termin: Juli 2017

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  • Endland - Martin Schäuble


    Hanser/dtv Verlag

    224 Seiten

    Endzeitroman

    Einzelband

    31. Januar 2019 (TB)


    Inhalt:


    Der junge Soldat Anton bewacht die Grenzmauer, die Deutschland umschließt.

    Er ist begeistert von der Nationalen Alternative, der neuen Regierungspartei, und vom Selbstbewusstsein seines Landes.

    Seinem besten Freund Noah dagegen ist diese Politik verhasst.

    Er ist weder für Atomkraft und die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, noch findet er es richtig, dass Flüchtlingen kein Schutz geboten wird.

    Menschen wie Fana, die nach ihrer Flucht aus Äthiopien im letzten Flüchtlingslager Deutschlands auf Anton trifft und sich mit ihm anfreundet.

    Als Anton einen tödlichen Anschlag ausführen soll, ist er gezwungen, sich zu entscheiden:

    für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde – und ein freies Leben.


    Meinung:


    Zuerst einmal: Ich lese gern hin und wieder mal Bücher mit krassen politischen Themen, wenn sie denn gut verpackt sind.

    Mich hat die Extreme zwischen Rechts- und Linkspopulismus schon immer interessiert.

    Nein, ich bin nicht politisch engagiert, aber eine Meinung zu gewissen Themen habe ich schon. So auch zu dem hier vom Autor aufgearbeiteten Szenario.

    „Endland“ erschien erstmalig im Sommer 2017, wo die „Alternative für Deutschland“ kurz AfD, gerade im Aufschwung war.

    Dass der Autor genau diese Situation genommen und verarbeitet hat, wurde mir bereits durch den Klappentext klar.


    Die Geschichte wird aus drei unterschiedlichen Sichten erzählt, von denen zwei überwiegen, die man schon namentlich kennt.

    Anton, ein Elitesoldat an der Grenzmauer.

    Und Fana, angehende Medizinerin in Äthopien, ihrem Heimatland.

    Ich muss gestehen, ich habe meine Zeit gebraucht, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Ich kannte diese Art des Schreibens.

    Aber eher von Liebesgeschichten, die Tiefgründigkeit vermitteln wollen.

    An dieser Stelle ging es dem Autor wohl eher um Authentizität - was bei mir leider komplett ins Gegenteil umschlug.

    Abgehackte Sätze, die Gedanken darstellen sollen. Wörter, geschrieben wie gesprochen. Nicht, dass Rechtschreibfehler drin sind, nein.

    Es ist viel eher so, dass naja, dass es mir vorkam, als würde der Autor die tatsächlichen Gedanken der jeweiligen Charaktere aufschreiben wie sie kommen.

    Nach dem Motto „Oh, ein Schmetterling... ach warte. Ich wollte duschen. Geh jetzt ins Bad! Los. Auf, auf!“ Schwierig.

    Nichtsdestotrotz kam ich irgendwann klar und hätte theoretisch in die Tiefe der Materie eintauchen können. Hätte.


    Wisst ihr, wenn ich Bücher über kritische Themen lese, dann können die ruhig sachlich und erzählend sein, so als wenn man außen vor steht. Aber dann sollten sie auch nicht als naja, Zukunftsszenario aufgemacht sein. Bei solchen Dingen will ich mitgerissen zu werden. Ich muss die Hoffnungslosigkeit fühlen.

    Will ganz in die Gedanken der jeweiligen Protagonisten eintauchen und fühlen was sie erleben und durchmachen.

    Das ist bei „Endland“ leider nicht eingetreten. Die Ideen, die der Autor eingebracht und entwickelt hat, die Themen, für die er einstehen wollte, fühlen sich an wie dahin geklatscht. Nicht, dass es ihm nicht wichtig gewesen wäre, aber sie sind gefühllos heruntergeschrieben.

    Sie sind einfach da und man denkt sich: „Aha, mhm. Ja okay.“

    Man akzeptiert und wird nicht zum Nachdenken angeregt.


    Natürlich ist das mit den Flüchtlingen eine brisante, schlimme Sache, die nicht totgeschwiegen werden sollte. Aber man hätte sie mit viel mehr Leben füllen können. Hier ein Detail mehr, da ein bisschen weniger vage sein - das hätte das Lesen und Verstehen einfacher gemacht.

    Die Protagonisten Fana und Anton laufen in einer Zickzacklinie aufeinander zu und treffen sich in der Mitte. Dass es beim Zusammenprall kracht, war mir klar.

    Der Fremdenhass, das, was der Autor bei seinem Szenario in den Vordergrund stellen wollte, ist greifbar. Atmosphärisch gesehen ist diese Geschichte gut aufgemacht. Man spürt den militärischen Drill, man weiß, dass in Fanas Heimatland eine gewisse Hilflosigkeit herrscht, das Leben stagniert und sie muss dort ausbrechen, wenn sie voran kommen will. Genauso wie Anton etwas tun muss, um seine Dienstzeit durchzustehen.


    Das Land in dem Anton seinen Militärdienst antritt will sich retten.

    Muss sich retten. Doch leider macht es das auf die völlig falsche Weise und die Parallelen zur Gegenwart sind erschreckend.

    Vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Europawahl.


    Fazit:


    Ich sehe in „Endland“ ein mahnendes Beispiel, eine mögliche Perspektive, etwas das eintreten kann, sollten rechtspopulistische Parteien mehr Macht erhalten.

    Die Gegensätze sind hier recht gut dargestellt, aber die Umsetzung des Ganzen, sowie der Schreibstil sorgen dafür, dass nichts im kollektiven Gedächtnis hängen bleibt - was sehr schade ist, denn dieses Ausrufezeichen in der Geschichte könnte so viel mehr.

    Andere Zielgruppen aufrütteln zum Beispiel. So aber ist „Endland“ leider nur ein emotional unausgereiftes Endzeitszenario mit minimalem Warneffekt.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️(3/5)

    1. (Ø)

      Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG


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