Joseph Cassara - Das Haus der unfassbar Schönen / The House of Impossible Beauties

Das Haus der unfassbar Schönen

3 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Kiepenheuer&Witsch

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783462051698

Termin: Neuerscheinung April 2019

Klappentext / Inhaltsangabe: Es gibt Familien, in die wir nicht hineingeboren werden. Die Xtravaganzas sind so eine Familie: glamourös, humorvoll und voller Temperament – trotz aller Widrigkeiten. New York, 1980. Eine gerade aus heutiger Sicht extrem interessante Subkultur formiert sich: die Ballroom-Szene. Junge Menschen, die endlich ihre wahre Identität ausleben wollen, finden in ihr ein neues Zuhause. Doch der Preis dafür ist extrem hoch. Angel, eine frischgebackene Dragqueen, trifft auf Hector, der davon träumt, Profitänzer zu werden. Die beiden verlieben sich ineinander und gründen zusammen das »Haus Xtravaganza«, die erste Latino-Familie in der Ballroom-Szene, in der Kids aus ärmsten Verhältnissen Zuflucht finden und in aufwendig gestalteten Bühnenshows ihre extravaganten Outfits präsentieren. Hinzu kommen Venus, ebenfalls eine Dragqueen, die davon träumt, einen reichen Mann zu finden; Juanito, ein stiller Junge, der seine Zeit ausschließlich an der Nähmaschine verbringt, und Daniel, der sich weder als Mann noch als Frau versteht. Sie sind zwischen 14 und 19 und damit alle noch Teenager, die ihren katastrophalen Familienverhältnissen entfliehen und sich ihre eigene kleine Familie aufbauen. Die Charaktere, deren Vorbilder in der preisgekrönten Dokumentation »Paris is Burning« (1990) zu sehen sind, müssen überleben in einer Welt, die sie nicht anerkennt. Sie kämpfen mit allen Mitteln um Anerkennung und nicht zuletzt ums blanke Überleben, denn ein grausames neues Virus namens AIDS macht die Runde.
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  • Autor: Joseph Cassara

    Titel: Das Haus der unfassbar Schönen

    Seiten: 444

    ISBN: 978-3-462-05169-8

    Verlag: Kiepenheuer & Witsch

    Übersetzer: Stephan Kleiner


    Autor:

    Joseph Cassara ist in New Jersey geboren und aufgewachsen. Er studierte zunächst an der Columbia University und schloss einen Schreibworkshop ab, bevor er selbst seinen ersten Roman "Das Haus der unfassbar Schönen" veröffentlichte. Für diesen erhielt er bereits mehrere Preise. Parallel unterrichtet er selbst Kreatives Schreiben.


    Inhalt:

    New York, 1980: Die Stadt platzt fast vor Glamour und Energie und keine Subkultur könnte diesen Zeitraum besser verkörpern als die aufkommende LGBTQ-Ballroom-Szene. Neu in diese schillernde Welt kommt angel, eine gerade mal siebzehnjährige Dragqueen, schwer traumatisiert von ihrer eigenen Vergangenheit und auf der Suche nach einer Familie für Menschen ohne Familie.


    Sie begegnet Hector, der davon träumt, Profitänzer zu werden. Die Beiden verlieben sich und gründen das Haus Xtravagaanza, in dem sie ausschließlich Latino-Queens aufnehmen, um in sogenannten Bällen gegen die anderen Häuser anzutreten. Zur Familie der Xtravaganzas gehören bald noch Venus, Juanito und Daniel; zusammen kämpfen die Xtravaganzas um Anerkennung und Respekt vor ihren Lebensentwürfen – und nicht zuletzt ums blanke Überleben, denn ein grausames Virus macht die Runde. (Klappentext)


    Rezension:

    Ein Roman, wie ein Schrei. So in etwa kann man die Geschichte aus der Feder Joseph Cassaras beschreiben, die uns Kiepenheuer & Witsch hier in der deutschen Übersetzung vorlegt. In seinem Debüt erzählt der aus New Jersey stammende Schriftsteller vom Wandel der Gesellschaft, einem flirrenden Jahrzehnt, Rausch und Extremen und Extremsituationen, denen sich die Protagonisten ausgesetzt sehen.


    In handlichen Kapiteln begleiten wir die Figuren, die alle ihre Lebensgeschichte als schweres Paket mit sich herumtragen, durch das schillernde New York, jedoch in seine Schattenseiten hinein. Angel ist die Hauptprotagonistin, die ob ihrer Geschlechtsidentität aus den vorgegebenen engen Grenzen der Gesellschaft zunächst ausbricht, später anderen dabei hilft. In Zeiten von Diversity ein hochaktuelles Thema, welches noch vor wenigen Jahren weniger offen gehandhabt wurde, heute immer noch auf Barrieren stößt.


    Vertiefend steht am Anfang der Einführung zunächst die Lebensgeschichte, eingebunden in die Romanhandlung, der Figuren, die zusammen einen Weg suchen, ihre eigene Identität zu finden, zu wahren und zu verteidigen. Das ist anfangs etwas anstrengend zu lesen. Man muss sich in Schreib- und Erzählstil, immer aus wechselnder Protagonisten-Sicht übrigens, einfinden. Die eingeflochtenen hispanischen Redewendungen und Ausdrücke, der Slang des Buches macht das selbige nicht gerade zu einer einfachen Lektüre, zumal Joseph Cassara seine Protagonisten quält und sie von der einen in die andere Extremsituation wirft. Es geht ums Leben, die Liebe, den Tod, Gesellschaft und Ausgrenzung, Selbstfindung, Drogen und Sexualität. Auch das damals aufkommende HIV-Virus ist ein immer wiederkehrendes Thema.


    Ziemlich viel für eine Geschichte. Es klappt, wenn es auch an einigen Stellen hakt. Übergänge zwischen einzelnen Handlungen hätte ich mir an mancher Stelle etwas sanfter gewünscht, rein vom Lesefluss her, Brüche dramatischer und in bestimmten Zeitebenen, zum Beispiel Rückblicke, wäre ich gerne ein wenig länger verharrt.Wer sich ein wenig mit neuerer Zeitgeschichte, Subkulturen und LGBTQ auskennt, wird sich vielleicht leichter einfinden, andere werden neue Facetten entdecken und ein Jahrzehnt im Schnelldurchlauf durchleben, aus Sicht einer damals sehr weit ausgrenzten Gruppe von Menschen.


    Josep Cassara hat mit diesem Roman gezeigt, dass er das Zeug dazu hat, in einer Reihe mit großen amerikanischen Schriftstellern, etwa Jonathan Safran Foer, genannt zu werden, die ein fortschrittliches und nachdenkliches, kritisches Amerika repräsentieren und den Finger auf die Wunden legen. Dafür hat sich dieses Werk, wenn auch mit kleineren Abstrichen, gelohnt. Und da kann man auch mal das extrem ablenkende Cover übersehen, welches ich jetzt jedoch als verlegerische Entscheidung werte.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Joseph Cassara - Das Haus der unfassbar Schönen / The Hous of Impossible Beauties“ zu „Joseph Cassara - Das Haus der unfassbar Schönen / The House of Impossible Beauties“ geändert.