Hwang Sok-Yong - Die Lotosblüte / Shim Chong - Yonkote Gil

Die Lotosblüte

3.8 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

Verlag: Europa Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 496

ISBN: 9783958902626

Termin: Mai 2019

  • Klappentext:

    Denkt man an ein märchenhaftes Schicksal, so kommt man nicht sofort auf Kurtisanen und Frauenhandel, doch es ist tatsächlich ein alter koreanischer Mythos, der diesem Meisterwerk zugrunde liegt. Darin entführt Hwang Sok-Yong den Leser in das Asien des 19. Jahrhunderts, in eine Welt des Opiumhandels und der Prostitution: Von der Stiefmutter verkauft, findet sich die 15 Jahre alte Shim Chong plötzlich als Zweitfrau eines alten Chinesen wieder. Lenhwa, Lotosblüte, heißt sie jetzt, und alles ist so furchtbar anders, als sie es gewohnt ist. Viel zu essen hatte sie nie, und Betteln war ihr täglich Brot, denn sie diente ihrem blinden Vater als Augenpaar, doch der Alltag in dem fremden Haushalt kommt ihr erst recht vor wie ein böser Traum.


    Autor:

    Hwang Sok-Yong, geb. 1943, wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sein Werk ist in Teilen auch in Deutschland bekannt. Während der Militärdiktatur infolge unerlaubter Reisen in den Norden kurzzeitig interniert, gilt er heute als wichtiger Vertreter Koreas und war als Unterhändler seines Landes in Nordkorea.


    Allgemeines:

    Erscheinungsdatum: 10. Mai 2019

    Seitenanzahl: 496

    Verlag: Europa Verlag:

    Originaltitel: Shim Chong – Yonkote Gil


    Eigene Meinung:

    Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was der Autor mit diesem Buch bezwecken wollte. Wollte er darauf hinweisen, wie schlimm und schrecklich die Schicksale der verkauften Mädchen sind? Dann war mir die Erzählung zu emotionslos und die Handlungen Chongs nicht nachvollziehbar, beziehungsweise auch ihre emotionale Welt hat kaum existiert. Sie hat alles mehr oder weniger hingenommen und es war einfach keine Möglichkeit da, sie zu greifen und sich mit ihr zu verbinden. Oder wollte der Autor mit dem Buch auf die politischen Situationen damals aufmerksam machen oder etwas lehren? Die Konflikte zwischen China, Japan Amerika und den Briten? Den Taiping-Aufstand? Dann war mir das zu wenig. Es waren zwar immer Informationen eingestreut in den Roman, aber gegen Ende ballte sich dann die ganze Politik. Da gab es dann nur einigen Bezug zu Chong selber. Warum hat der Autor das Ende so gewählt? Chong hätte andere Möglichkeiten gehabt. Wollte er damit begreiflich machen, dass wir zu dem zurückkehren sollten, was wir können? Traurig, auch wenn natürlich die Heime eine tolle Sache waren, aber Chongs Geschichte selber wäre dann sehr traurig.

    Was mir allerdings sehr gefallen hat war der Schreibstil selber. Zwar emotionslos, schafft es der Autor aber sehr gut die koreanische Kultur und die Rituale zu beschreiben.


    Fazit: Eine nicht greifbare Protagonistin, deren Handeln für mich auch nicht nachvollziehbar war, mit der ich auch nicht emotional verbunden war, haben mir das Lesen schwer gemacht. Auch die Intention des Autor, so es denn eine gibt, habe ich nicht verstanden. Aber die Beschreibungen des Autors haben mir sehr gefallen und mir die koreanische Welt ein wenig nahegebracht. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Der Thron der Finsternis (Dämonenzyklus 4) - Peter V. Brett

    :study: Mercy Seat - Elisabeth H. Winthrop

    :montag: Der Gesang der Flusskrebse - Delia Owens

    :montag: Conan the Barbarian (Complete Collection) - Robert E. Howard

    :musik: Der Kruzifix-Killer - Chris Carter

  • Ich hab zwar den Originaltitel herausgefunden, finde aber kein Buch im Original :scratch: Selbst über den Verlag, der im Buch steht, habe ich keinen Eintrag :scratch:

    Ich nehme da also gerne Hilfe in Anspruch:-,

    :study: Der Thron der Finsternis (Dämonenzyklus 4) - Peter V. Brett

    :study: Mercy Seat - Elisabeth H. Winthrop

    :montag: Der Gesang der Flusskrebse - Delia Owens

    :montag: Conan the Barbarian (Complete Collection) - Robert E. Howard

    :musik: Der Kruzifix-Killer - Chris Carter

  • (first published 2003)
    Original Title: Sim Ch'ŏng, 심청, 연꽃의 길
    goodreads zeigt keine koreanische Ausgabe an, das Buch ist schon älter und evtl. vergriffen.

    :study: -- le Clézio - Alma

    :musik: -- Jensen - Oxen 4.


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow


    --------------

    Reihen: dt. Titel später ergänzt:

    Kate Penrose
    Ben Kitto
    03. Kalt flüstern die Wellen (2019=Ersch.jahr d. Originals) Burnt Island--978-3596700011


  • Hier gibt es ein Cover

    Ridibooks



    :study: -- le Clézio - Alma

    :musik: -- Jensen - Oxen 4.


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow


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    Reihen: dt. Titel später ergänzt:

    Kate Penrose
    Ben Kitto
    03. Kalt flüstern die Wellen (2019=Ersch.jahr d. Originals) Burnt Island--978-3596700011


  • Chongs Mutter ist früh gestorben und das Mädchen wächst bei ihrem blinden Vater auf. Als dieser eine neue Frau kennen lernt, ist das Schicksal der Tochter besiegelt. Die Stiefmutter verkauft sie, fast noch ein Kind, als Konkubine an einen Greis in China. Aus Chong wird dort Lenhwa, die Lotosblüte, und ein Leben voller Leid und Schmerz beginnt für das junge Mädchen.


    Sprachlich ist der Roman des koreanischen Autors Hwang Sok-Yong durchaus gelungen; bildliche Beschreibungen und eingestreute Lieder und Gedichte unterstreichen die melancholische Grundstimmung. Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert in Ostasien. Es ist eine Zeit der politischen Unruhen und Kriege, die schließlich zu einer Öffnung Asiens für die europäischen Märkte führt. "Die Lotosblüte" erscheint gut recherchiert und authentisch, die Begrifflichkeiten sind jedoch, wenn man so wie ich kein profunder Kenner der asiatischen Neuzeit ist, recht sperrig. Alte Namen und Länderzugehörigkeiten machen Chongs Weg durch Korea, China, Taiwan und Japan nur schwer nachvollziehbar. Ein Glossar am Ende des Buches hilft hier nur begrenzt weiter.


    Gut beschrieben ist hingegen, wie unsicher und ausweglos die Situation für junge Frauen in dieser Epoche war. Als Sklavin verkauft, müssen sie oft ihr ganzes Leben eine finanzielle Schuld bei ihrem Peiniger abarbeiten, dabei sind sie es doch, denen die Freiheit genommen wurde. Rettung bringt auch hier wieder nur potenzieller Ehemann, der seine Geliebte freikauft. Ein grausames System, das sich als moderne Frau nur schwer nachvollziehen lässt - und vielleicht liegt auch hier das größte Problem des Romans. Chong erfährt, vor allem zu Beginn der Handlung, eine ganze Reihe an Vergewaltigungen und Misshandlungen. Dennoch liest sich gerade dieser Teil mehr wie ein erotischer Roman, als einer, der Gesellschaftskritik üben will. Erst als neben Chong die Figur von Lingling eingeführt wird, wird an diesem jungen Mädchen deutlich, wie sehr die Frauen unter dieser Arbeit seelisch und körperlich zu leiden haben.


    Mit dem Leid seiner Protagonistin hat der Autor es möglicherweise auch etwas übertrieben. Eigentlich zieht es sich durch ihr gesamtes Leben und glückliche Phasen sind immer nur von kurzer Dauer, bis die nächste Katastrophe eintritt. Vielleicht ist auch das wieder ein sehr westlicher Gedanke, aber ich hätte mir von der Figur mehr Entwicklung gewünscht - sie bleibt immer sehr abhängig von Männern, egal in welcher Form. Auch wenn sie sich aus manchen Zwängen im Verlauf der Handlung befreien kann, oft tauscht sie nur ein Gefängnis gegen das nächste.


    Fazit: Eine bedrückende Geschichte aus dem historischen Ostasien :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • 19. Jh. Asien. Shim Chong wächst bei ihrem blinden Vater in Korea in ärmlichsten Verhältnissen auf, nur durch die Bettelei hatten die Familie ein Auskommen. Im Alter von 15 Jahren verkauft ihre Stiefmutter sie an einen 80-jährigen chinesischen Greis, dem sie als Zweitfrau zu dienen hat und sich fortan Lenhwa rufen lassen muss. Als dieser bald darauf stirbt, landet Chong in einem Bordell in Chinchiang, das dem Sohn des verstorbenen Alten gehört, aber insgeheim kämpft sie dafür, sich unabhängig zu machen und diesem Leben zu entkommen. Erst als die Briten den Hafen erobern, kann Chong aus dem Bordell und ihrem alten Leben entfliehen…


    Der koreanische Autori Hwang Sok-Yong hat mit “Die Lotosblüte” einen sehr tiefgründigen und einfühlsamen Roman vorgelegt, der den Leser in das Asien des 19. Jahrhunderts mitnimmt, um dort nicht nur alte Traditionen einer unbekannten Welt kennenzulernen, sondern auch den Tee-, Drogen- und Frauenhandel, der dort betrieben wurde. Der Erzählstil ist flüssig, poetisch, packend und sehr detailliert, der Leser hat während der Lektüre nicht nur die äußerst farbenfrohe Bilder im Kopf, sondern muss sich ebenso mit der politischen Lage sowie der Misshandlung von Frauen auseinandersetzen. Die teils sehr erotischen Szenen sind manchmal hart an der Grenze des Erträglichen, umso mehr gilt die Bewunderung den Frauen, die diese Behandlung über sich ergehen ließen und dabei nicht all ihre Hoffnungen und ihren Mut verloren. Der Autor lässt den Leser eine Reise durch das Korea und China des alten Jahrhunderts erleben und gibt dabei Einblicke in das Leben und die Traditionen sowie die Gedankenwelt preis, aber ebenso legt er die rohe Gewalt, die Erniedrigung von Frauen sowie eine menschenverachtende Haltung offen, die damals herrschte und zum Teil noch heute verankert ist.


    Die Charaktere sind sehr lebendig und glaubwürdig ausgearbeitet. Aufgrund ihrer Individualität wirken sie authentisch und dem Zeitgeist entsprechend. Wer einmal längere Zeit in Asien war, findet die Protagonisten sehr gut präsentiert und kann sich in sie hineinversetzen und mit ihnen fühlen. Chong ist eine junge Frau, der das Schicksal schon früh böse mitgespielt hat. Ihr Leben gehörte nicht ihr selbst, sondern wurde immer schon von anderen bestimmt. Doch Chong hat eigene Träume und Wünsche. Sie ist geduldig, zurückhaltend und dabei eine gute Beobachterin. Sie bereitet sich im Hintergrund auf ihre Zukunft vor, während sie nach außen hin, die folgsame Frau ist. Mit den Jahren entwickelt sie immer mehr Selbstbewusstsein mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, um schwierige Situationen zu meistern und gibt nie auf, wenn sich das Blatt erneut wieder gegen sie wendet oder die politischen Umstände sich verändern.


    Hwang Sok-Yong zeichnet mit “Die Lotosblüte” ein wunderbares und spannendes Sittengemälde des alten Asiens, wobei er ungeschönt und mit doch poetischer Sprache dem Leser eine Welt eröffnet, die so fremd, so faszinierend und doch so erschreckend ist, wie man sie selten kennenlernt. Ein fesselnder Roman, der eine absolute Leseempfehlung mehr als verdient hat.


    Spannende :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten


  • Schicksal einer jungen Frau

    Asien, 19. Jahrhundert: Die 15 Jahre alte Shim Chong wird von der Stiefmutter verkauft, und landet als Zweitfrau bei einem alten Chinesen. Als Zweitfrau wird sie zum Lustobjekt des Alten - nach seinem Tod, landet sie bei seinem Sohn, der sie zu einer Prostituierten machen will.


    In diesem Buch taucht man in eine fremde Welt ein, in die Welt Ostasiens, und nimmt wirklich Anteil an dem Schicksal der jungen Frau. Der Schreibstiel ist sehr bildlich und flüssig - teilweise sind für mich persönlich aber zu viele Details enthalten; beim Lesen spielt normalerweise die Fantasie mit - und einige Teile sind geschrieben doch noch eine Spur heftiger...

    Gerne hätte ich noch mehr von Chongs Emotionen gelesen - um sich weiter in sie hineinversetzen zu können - in ihre schreckliche Situation.

    Den Roman finde ich gelungen - toll geschrieben und eine etwas andere Geschichte; von meiner Seite gibt es eine Empfehlung

    Es ist definitiv kein Buch für Zwischendurch, sondern es geht unter die Haut des Lesers.

  • Die 15jährige Shim Chong wird von ihrer Stiefmutter verkauft und wird so zur Zweitfrau eines alten Chinesen. Ihr Leben verändert sich damit. Nun heißt sie Lenhwa (Lotosblüte) und lernt es, ihre Reize einzusetzen. Doch als der Mann stirbt, verändert sich ihr Leben wiederum. Nach vielen furchtbaren Erfahrungen beschließt sie, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

    Es ist ein interessantes historisches Buch, mit dem man in eine fremde Welt eintauchen kann. Der Schreibstil ist klar und

    Die Verhältnisse, in denen Shim Chong aufgewachsen ist, waren sehr ärmlich. Sie musste betteln, um zu überleben und für ihren Blinden Vater da sein. Dann wird sie von ihrer Stiefmutter verkauft, was zu jener Zeit wohl nicht unüblich war. Sie bekommt zwar ein Leben im Luxus, muss aber die sexuellen Gelüste des alten Mannes befriedigen. Als er stirbt, beginnt für sie eine furchtbare Zeit. Wieder wird sie wie eine Ware weitergereicht und es ergeht ihr nicht gut. Aber sie ist entschlossen, ihren Weg zu gehen und nicht mehr andere über sich bestimmen zu lassen.

    Die vielen Sexszenen sind sehr ausführlich beschrieben, das hätte ich nicht unbedingt so haben müssen. Dafür fehlte mir die Beschreibung der Gefühle von Lotosblüte; ich konnte ihr daher einfach nicht nahekommen.

    Dem Autor ist es gut gelungen, diese uns fremde Welt lebendig und bildhaft zu beschreiben und uns die Kultur nahezubringen. Ein interessantes Buch!

  • Inhalt

    Die Koreanerin Chong Shim wird in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit 15 Jahren an Mädchenhändler verkauft und soll als Konkubine die Lebensgeister eines gesundheitlich angeschlagenen 80-jährigen Chinesen stärken. Nach dem Tod des Patriarchen lässt sein jüngerer Sohn das Mädchen in seinem Bordell ausbilden. So wie Shim Chong (Chong wird als Vorname dem Familiennamen nachgestellt) in der populären koreanischen Legende ins Meer eintaucht und dem Meeresgott begegnet, erlebt auch Chong ihre Reise über das Meer, ihren „Lotos Weg“. Sie taucht als andere Person wieder aus dem Meer auf. In Nanking in China erhält sie den Namen Lenwha/heute Linhua geschrieben/Lotosblüte, muss eine neue Sprache und neue Regeln lernen und wird für ihren Besitzer gebadet, enthaart, mit Bimsstein poliert und parfümiert. Ihre Alpträume und Visionen von ihren miteinander ringenden zwei Körpern vermitteln eindringlich, dass sie sich ihrem Körper nicht mehr zugehörig fühlt. Im weiteren Handlungsverlauf wird Chong geraubt, wieder verkauft, schafft es jedoch durch ihre Intelligenz stets, in Bordellen als Hwachia, eine Art leitende Geisha, besser davonzukommen als andere Frauen. Ihr Lotosweg führt die gerade erst 20-Jährige nach Formosa/Taiwan, Singapur, Nagasaki, auf die zu Okinawa gehörenden Ryukyu-Inseln und nach Kagoshima/Satsuma. Die Veränderungen werden wiederum durch Namenswechsel markiert, Ihr Namenswechsel durch Heirat zu Frau Toyomioya wird noch nicht ihr letzter sein. Chong passt sich wie ein Chamäleon gezwungenermaßen jeweils ihrer Umgebung und den Erwartungen an.


    Verfolgen lässt sich (in der Zeit kurz vor dem ersten Opiumkrieg 1839-42) wie Frauen in der Zwangsprostitution immer wieder hoffen, ihre angeblichen Schulden bei ihren Besitzern abzahlen zu können oder den einen „guten“ Freier zu treffen, der sie freikauft, auf sein Schiff schmuggelt und aus dem Land bringt. Am Beispiel der Waise Kiri stellt sich die Frage, ob Frauen wie Chong das System der Zwangsprostitution am Leben erhalten oder nach Auswegen für die nachfolgende Generation suchen. Im letzten Viertel der Handlung gerät Chong in die Begegnung zwischen Japan und der historischen Figur Matthew Calbraith Perry, der 1853 in Japan landet. Zunächst verhandelt Perry darüber, dass in Seenot geratene ausländische Schiffe Zuflucht in japanischen Häfen finden und erzwingt dadurch langfristig eine Öffnung Japans gegenüber ausländischen Einflüssen. Der Haken, den Hwang Sok-Yong hier mit seinem Plot schlägt, hat mich nicht überzeugt, auch wenn er damit eine historisch bedeutende Phase verarbeitet. Letztlich dient Chong hier wieder fremden Herren und Interessen – dem Autor und seinen Lesern.


    Wertung

    Es ist sicher kein Zufall, dass ein in Changchun unter japanischer Besetzung der Mandschurei geborener Autor sich mit dem Aufeinandertreffen der japanischen, chinesischen und koreanischen Kultur und dem Moment der von außen erzwungenen Öffnung Japans gegenüber anderen Kulturen befasst. Die Reiseroute und den historischen Hintergrund muss man sich als Leser des Romans allerding erst selbst erarbeiten. Eine Zeittafel, Landkarte des Lotoswegs und ein Who is Who (wer herrscht gerade über welche Gebiete) hätte die Lektüre gewinnbringender machen können. Auch die Übertragung chinesischer Ortsnamen nach der veralteten Form von Wade-Giles ist eine unnötige Hürde. Chong brauchte noch keine Umschrift, um Chinesisch sprechen zu können – und Leser von heute wissen meist, dass das Buch erst erschien, als bereits Pinyin-Umschrift üblich war. Hwang Sok-Yong beschreibt Dinge und Landschaften sehr genau, sachlich wie eine Dokumentation, allerdings finde ich diese Sichtweise in expliziten Sex- und Gewaltszenen unpassend. Ich habe mich gefragt, ob Hwang Sok-Yongs Beschreibung von Zwangsprostitution die Vorgänge nicht verharmlost – indem er Prostituierten Lustempfinden zuschreibt oder die Vorgänge relativiert, durch den einen ersehnten Ausnahme-Mann, der die Frauen gut behandelt und ihnen mehr bezahlt als von der Chefin des Etablissements gefordert. Für einen historischen Stoff kippt die Übersetzung m. A. gelegentlich zu stark in moderne Umgangssprache.


    Fazit

    Nachdem ich alle Ortsnamen und den historischen Hintergrund recherchiert habe, war der Roman für mich eine gewinnbringende Lektüre, da hier Männerfiguren, die eine Trostfrau, Zweitfrau oder Konkubine halten oder ins Bodell gehen, aus einer asiatischen Perspektive gezeigt werden. Dass das durch einen männlichen Autor geschieht, hat mich jedoch nicht überzeugt.


    Empfehlen kann ich den Roman Lesern, die Interesse haben, sich den historischen Hintergrund selbst zu erarbeiten. Wer diese Einbindung vom Romantext erwartet, wird mit dem Buch vermutlich nicht glücklich.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: -- le Clézio - Alma

    :musik: -- Jensen - Oxen 4.


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow


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    Reihen: dt. Titel später ergänzt:

    Kate Penrose
    Ben Kitto
    03. Kalt flüstern die Wellen (2019=Ersch.jahr d. Originals) Burnt Island--978-3596700011


  • Asien 19. Jahrhundert: 15jährig wird Chong, die schon von Geburt an kein leichtes Leben hatte, von der Stiefmutter an eine reiche chinesische Familie verkauft, als Zweitfrau für den alten Patriarchen. Als dieser stirbt beginnt eine Odyssee für Chong, durch mehrere Länder, Freuden- und Herrenhäuser.


    Ein koreanischer Autor schreibt einen historischen Roman, der in Korea, China und Japan spielt, das klingt sehr interessant. Leider gibt es lange kaum Anhaltspunkte, wann genau der Roman spielt, nur wenige Ereignisse lassen sich historisch einordnen, wie etwa die Opiumkriege. Ist zunächst wenig historischer Hintergrund zu spüren, wird er im letzten Viertel geballt eingesetzt, so dass fast schon Chongs Geschichte darin untergeht. Ich hätte mir eine Zeittafel und ein Nachwort des Autors gewünscht, leider ist aber außer einem Glossar kein Bonusmaterial vorhanden.


    Erzählt wird bildhaft und detailliert, aber auch sehr sachlich und wenig emotional. Wenn man bedenkt, was Chong alles mitmacht, hätte man sich mehr über ihre Gefühlswelt gewünscht. Vielleicht liegt das daran, dass ein Autor und keine Autorin schreibt? So kommt mir Chong auch nicht sehr nahe, zumal ich auch ihre Entwicklung nicht immer nachvollziehen kann. Auch das ist sehr schade, weil ich so kaum mit ihr mitleiden kann. Das klappt etwas besser bei anderen Charakteren, wie z. B. Lingling. Da Chong relativ häufig ihren Standort wechselt, und dann mit ihren früheren Gefährten keinen Kontakt mehr hat, muss man sich ständig an neue Nebencharaktere gewöhnen. Manch einer wird womöglich mit den vielen asiatischen Namen Schwierigkeiten haben, wenn man aber aufmerksam liest, sollte das aber kein allzu großes Problem sein.


    Mich hat der Roman leider weniger gut unterhalten als erhofft und ich konnte keine Beziehung zur Protagonistin aufbauen. Interessant war etwas über die gesellschaftliche Situation zu lesen und die diversen Anregungen zum Googeln. Ich denke, der Roman ist am ehesten geeignet für Menschen, die sich für asiatische Literatur interessieren und vielleicht auch schon ein bisschen über die historischen Hintergründe wissen. Von mir gibt es leider nur 3 Sterne.