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John Freeman Gill – Die Fassadendiebe / The Gargoyle Hunters

Die Fassadendiebe

4 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Berlin Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 464

ISBN: 9783827013200

Termin: September 2017

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  • Verlagstext

    Auch weil um ihn herum alles zu bröckeln beginn, seine Familie, genau wie seine Stadt, hilft der dreizehnjährige Griffin seinem Vater bei dessen Mission. Der schmale, wendige Junge bekommt die Aufgabe, steinerne Art-Deco-Skulpturen und Wasserspeier zu stehlen, ganz gleich ob von der Fassade eines unbekannten Mietshauses oder eines berühmten Wolkenkratzers. Denn, so der Vater, diese Zeugen Manhattans sind im Zeichen der Kahlschlagsanierung der Siebzigerjahre vom Aussterben bedroht. Dass sein Dad ihn dabei gelegentlich in Lebensgefahr bringt, verdrängt Griffin. So kann er mithelfen, das Geld für die überfälligen Hypothekenraten für ihr Zuhause zu verdienen. Vor allem aber kann er auf diesen Touren seinem Vater nah sein. Doch was als Spleen begann, wird zur Obsession; Griffins Freundschaften, seine erste Liebe leiden unter der kompromisslosen Sucht seines Vaters, immer neue Bestandteile des alten New York zu »bewahren«. Nachdem einer ihrer Raubzüge spektakulär schiefgeht, verschwindet sein Vater von der Bildfläche. Und Griffin beginnt zu verstehen, dass man nicht alles im Leben bewahren kann.


    Der Autor

    John Freeman Gill ist gebürtiger New Yorker. Er schreibt seit Jahren, auch als Spezialist für Architektur und Architekturgeschichte für Zeitungen und Zeitschriften, darunter die New York Times, The Atlantic, The New York Times Magazine, The New York Observer, International Herald Tribune, Premiere, Avenue und The New York Times Book Review. Der in Yale promovierte Autor lebt mit Frau, drei Kindern und einer Handvoll Wasserspeier in New York. »Die Fassadendiebe« ist sein erster Roman.


    Inhalt

    Griffins Vater ist offiziell Antiquitätenhändler und Restaurator, aber sein Herz hängt daran, vor dem Abbruch schnell noch Verzierungen von New Yorker Hausfassaden zu „retten“. Ob der Sammeltrieb seines Vaters ideellen oder materiellen Zielen dient, kann Griffin lange nicht einschätzen. Bei der Beute handelt es sich um steinerne Figuren, Schmuckelemente von Fensterlaibungen und vorgefertigte gusseiserne Fassadenelemente. Eine handwerkliche Ausbildung scheint der Stein-Retter nicht zu haben bis auf Erfahrungen in seiner Jugend in der Reparatur von Traktoren. Mit dreizehn Jahren schlank und wendig, ist Griffin der ideale Assistent, um die Objekte der Begierde auszukundschaften und auch selbst aus schwindelnder Höhe zu erbeuten. Ihm wird zwar gepredigt, dass er gefälligst Respekt vor der Stadtgeschichte und vor alten Dingen haben soll, die Methoden, mit denen Karyiatiden und Wasserspeier erbeutet werden, sind jedoch alles andere als respektvoll den Kunstwerken gegenüber. Einen Sinn würden die maßlosen Rettungsaktionen der beiden städtischen Strandgutsammler ergeben, wenn Objekte komplett geborgen und evtl. später wieder verbaut würden. Der Alte scheint jedoch eher zu horten und seinen Sohn bei waghalsigen Klettertouren an Hochhausfassaden in Gefahr zu bringen. Wie bei einer Schnitzeljagd kommt Griffin von seinen Alleingängen oft nur mit der Nase einer Figur zurück, die er aus einem Bild herausgeschlagen hat, und lässt seinen Vater raten, woher die Beute stammt.


    Dass die Familie dringend Geld braucht, um die Hypothek für ihr Brownstone-Haus zu tilgen, ist inzwischen auch Griffin klar geworden und er betrachtet den Lebenswandel seines Vaters als Robin Hood der Stadtarchitektur zunehmend kritisch. Warum haben sie eigentlich kein Geld mehr, warum wirkt Griffins Mutter so deprimiert und wohin verschwindet der Vater regelmäßig, fragt der Junge sich. Während im Jahr 2008 der Orkan Emma auf die amerikanische Küste zu rauscht und er sich besser selbst retten würde, versteigt der Vater sich noch einmal zu einer Rettungsaktion, dieses Mal ist es der berühmte Adler der Penn Station.


    Fazit

    In origineller Sprache bringt J. F. Gill seine Leser dazu, in Gedanken den Kopf in den Nacken zu legen und sich zu besinnen, welche Materialien an Manhattans Hochhäusern verbaut waren, die während der Kahlschlagsanierung der 70er Jahre dem Erdboden gleichgemacht wurden. Der Icherzähler ist inzwischen rund 60 Jahre alt; sein Übergang von Kindheitserinnerungen zur Gegenwart wirkt so mühelos, als würden auch Fiktion und Realität nahtlos ineinander übergehen. Von Gills Roman hatte ich unbewusst anstrengende Fachlektüre über Architektur erwartet und war von der Sprache und vom ungewöhnlichen Vater-Sohn-Verhältnis positiv überrascht.


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