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Charles Jackson - Das verlorene Wochenende / Fünf Tage / The Lost Weekend

Das verlorene Wochenende

4.8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Doerlemann Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 400

ISBN: 9783038200079

Termin: August 2014

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  • Klappentext

    Manhattan 1936, East Side. Don Birnam trinkt. Und der Schriftsteller hat längst jenen Punkt erreicht, an dem »ein Drink zu viel ist und hundert nicht genügen«. Seit dem letzten Absturz kaum wieder auf den Beinen, widersetzt er sich erfolgreich allen Versuchen seines Bruders Wick, ihn zu einem langen Wochenende auf dem Land zu überreden, und bleibt fünf Tage in der gemeinsamen Wohnung allein. Dort nimmt das Schicksal seinen Lauf: Don trinkt, beschafft sich Geld, verliert es, besorgt sich neues, landet auf der Alkoholstation, trinkt weiter. Schwankend zwischen Euphorie und Verzweiflung, Selbsterkenntnis und Selbsttäuschung, Inspiration und Panik, glasklarem Denken und tiefer Umnachtung, fällt Don zunehmend ins Delirium.


    Autor

    Charles Jackson wurde 1903 in Summit, New Jersey, geboren. Er wuchs in Arcadia, New York, auf.Sein Debüt Das verlorene Wochenende erschien 1944, wurde sofort ein Bestseller und 1946 von Billy Wilder verfilmt mit Ray Milland und Jane Wyman in den Hauptrollen. Der Film erhielt vier Oscars. Charles Jacksons Ruhm verblich rasch, und er starb 1968 an einer Überdosis Seconal (Secobarbital) im Chelsea Hotel in New York City. The Lost Weekend wurde mit großem Erfolg im vergangenen Jahr bei Vintage neu aufgelegt.


    Fazit

    Ich habe dieses Buch letztes Jahr gelesen und es gehörte definitiv zu meinen Jahreshighlights.


    Es klingt auf den ersten Blick eher langweilig: wir begleiten den Alkoholiker Don durch ein verlängertes Wochenende, und zwar auf seine Sauftouren, aber auch durch kurze nüchterne Phasen, in denen er sich seiner Situation sehr gewiss ist. Man kann sich in die häufig wirre, oft poetische und manchmal auch logische und selbstreflektierte Gedankenwelt des Protagonisten einfühlen, auch wenn man mit Alkoholismus keinerlei Berührungspunkte hat.


    Don hat selbstverständlich auch Geldsorgen, die ihn laufend plagen und einiges an Kreativität abverlangen. Er borgt sich Geld, er versetzt Eigentum, das ihm sehr wichtig ist, prellt die Zeche und versucht sogar zu stehlen. Auch die körperlichen Leiden eines Alkoholikers werden anschaulich geschildert. Zwischendurch landet er kurzzeitig im Krankenhaus.

    Er macht Pläne- wie er zu seinem nächsten Drink kommt, aber auch wie er davon loskommen könnte. Er erfindet Ausreden und Erklärungen, für sich selbst und für andere. Auch diese analysiert er eingehend, er fragt sich ob er glaubhaft ist oder nicht und wie vor allem sein Bruder und seine Freundin Helen reagieren werden. Auch überlegt er ständig, was wohl andere (fremde) Menschen über ihn denken könnten. Dabei wird deutlich, dass er zuweilen etwas paranoid ist.


    Besonders faszinierend fand ich seine Selbstanalysen, die laufend zwischen Erkenntnis und Selbstbetrug wechseln. Ein absolut beeindruckendes, eindringliches Buch, und man hat durchgängig das Gefühl, dass der Autor sehr genau wußte, wovon er spricht.

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Charles Jackson- Das verlorene Wochenende“ zu „Charles Jackson - Das verlorene Wochenende / Fünf Tage / The Lost Weekend“ geändert.
  • Vielen Dank für die neugierig machende Rezension Kolumbus ! Ich hatte mir daraufhin den Roman besorgt und bin ebenfalls begeistert.

    Es klingt auf den ersten Blick eher langweilig: wir begleiten den Alkoholiker Don durch ein verlängertes Wochenende, und zwar auf seine Sauftouren, aber auch durch kurze nüchterne Phasen, in denen er sich seiner Situation sehr gewiss ist.

    Ja, wer hätte gedacht, dass man darüber hunderte von Seiten schreiben kann, und es dennoch interessant bleibt, ohne nennenswerte Wiederholungen?

    Das Porträt eines Trinkers, der sein Delirium fest plant, dafür Familie und Freunde belügt und betrügt, sich voll bewusst ist, wie die nächsten Tage sich entwickeln, welchen Kummer er auslöst bei denen, die sich um ihn sorgen - und der dennoch nicht anders kann...

    Es ist ein protokollierter Absturz, mit allen Höhen und Tiefen, verzehrten Wahrnehmungen und Wunschträumen, Erinnerungslücken und Gedanken aus früheren Zeiten. Tatsächlich ein abwechslungsreiches Buch, eine offenbar sehr realitätsnahe Erzählung eines Alkoholabhängigen, und scheinbar wusste der Autor aus eigener Erfahrung, worüber er schreibt.

    Als Leser fühlt man sich ohnmächtig: man erfährt die Gedanken des Trinkers, weiß um seinen Vorsatz und auch, wie es weitergehen wird - hoffnungslos. Ein deprimierend machender Roman, aber leider - so kann das Leben auch sein...

    Es gibt auch einen Film, den ich allerdings nicht gesehen habe.

    Ich kenne den Film auch (noch) nicht, möchte das aber dringend nachholen.

    Die Verfilmung durch Billy Wilder mit Ray Milland in der Hauptrolle entstand 1945 und wurde mit vier Oscars prämiert.

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