Christian Tielmann - Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

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Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

3.5|4)

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783423281881

Termin: Februar 2019

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  • Über den Autor:
    Christian Tielmann, geboren 1971 in Wuppertal, hat sich nach seinem Studium der Germanistik und Philosophie als Kinder- und Jugendbuchautor einen Namen gemacht. Bereits während des Studiums veröffentlichte er seine ersten Bücher und konnte seither davon leben. Insgesamt hat Tielmann um die 80 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in 24 Sprachen übersetzt wurden, und nun seinen ersten Roman geschrieben.


    Buchinhalt:
    Stellt Euch vor, Goethe und Schiller sowie ihr Verleger Cotta leben noch – als DIE lebenden Kulturdenkmäler Deutschlands. Auch Goethes Christiane weilt noch unter uns, was den ollen Schwerenöter nicht davon abhält, wie immer fremd zu gehen. Als das rauskommt, kommt ihm die von Cotta verordnete Lesereise gerade recht, um von zu Hause abzuhauen.

    Aber muss es ausgerechnet in den Harz gehen? :scratch:

    Auch noch auf Heines Spuren?? :roll:

    Und dann auch noch vor Schülern??? :shock::shock::shock:

    Das Buch umfasst 222 Seiten unterteilt in mehrere Kapitel, die jeweils mit dem Handlungsort überschrieben sind.


    Meine Meinung:
    Ich liebe schräge Geschichten und Christian Tielmann hat hier eine herrlich schräge Geschichte erzählt über unsere beiden hochverehrten Klassiker und wie sie denn heute zurechtkämen in Zeiten, in denen ihr Stern nicht mehr ganz so hell leuchtet und selbst die schulischen Lehrpläne nicht mehr zwingend ihre Werke beinhalten.
    Der Autor lässt seiner Fantasie freien Lauf und fabuliert herrlich schnodderig vor sich hin, so dass ich immer wieder laut lachen musste und ansonsten fett grinsend den beiden Literaten durch den Harz folgte. Die ganze Geschichte ist nicht ernst zu nehmen, wobei sie aber doch den ein oder anderen kleinen Seitenhieb auf Lokalpolitik enthält wann auch immer Goethe versucht, wie von früher gewohnt die Strippen im Hintergrund zu ziehen. Überhaupt kommt der olle Geheimrat nicht ganz so gut weg, während Schiller sich in der heutigen Welt ziemlich gut behauptet und sich als „Rampensau“ vor den unlustigen Schülern bewährt. Wer also Lust auf eine absolut skurrile Geschichte hat, dem kann ich dieses kurze, aber extrem unterhaltsame Buch nur empfehlen. Vielleicht würde es sich sogar gut als Schullektüre eignen, um einen modernen Einstieg zu den Klassikern zu schaffen?


    Ein kleines Manko gibt es, dass ich aber dem dtv-Verlag anlaste und nicht dem Autor: das Buch enthält zu viele Rechtschreibfehler, so etwas dürfte einem renommierten Verlag wie dtv einfach nicht passieren.


    Kleine Anmerkung:
    Wer die Gelegenheit haben sollte, zu einer Lesung von Tielmann zu gehen, dem kann ich nur zuraten. Ich bin auf der Leipziger Buchmesse über das Buch gestolpert und war auf der Lesung, und ich kann nur sagen, dass es sich lohnt. Tielmann kann wunderbar lesen, was er laut eigener Aussage bei einem Gespräch hinterher am Verlagsstand einem seiner Professoren verdankt, der seine Studenten zu einem Seminar über Vortrags- und Sprechtechnik verdonnerte.

  • Im Jahr 2014 bringt der krisengeschüttelte Buchmarkt auch die Absätze der deutschen Klassiker Goethe und Schiller zum Sinken, deshalb werden die beiden Herren (265 und 255 Jahre alt) von Verleger Cotta auf eine Lesereise durch den Harz geschickt. Krönender Abschluss soll die Lesung des ›Faust‹ auf dem Brocken sein. Nur widerwillig lässt sich Goethe darauf ein. Ärgerlich, dass Kollege Schiller ihm im Umgang mit verspäteten ICEs, desinteressierten Schülern und der attraktiven mitreisenden Buchhändlerin immer eine Nasenlänge voraus zu sein scheint. Und schließlich mit neuen Ideen zum Höhenflug ansetzt...(Klappentext)


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    "Aber Cotta glaubte ja, dass es seinen Büchern guttäte, wenn er sich mehr den Menschen zuwenden würde. Was für ein Blödsinn. Wann war je ein Stück wahrer Literatur entstanden, das nicht in der Einsamkeit der Studierstube geschrieben wurde?"
    (S. 15)


    Was wäre, wenn Goethe und Schiller noch leben würden? Zwar schon etwas in die Jahre gekommen, genauer gesagt 265 und 255 Jahre alt, mit so mancher verstaubten Ansicht, aber der modernen Zeit nicht gänzlich abgeneigt? In diesem Roman wird uns diese Frage auf sehr amüsante Weise beantwortet.

    Goethe und Schiller müssen von ihrem Verlag aus auf eine Lesetour durch Schulen tingeln, um für ihre eigenen Werke etwas Marketing zu betreiben. Diese werden nämlich so gut wie nicht mehr verkauft, geschweige denn gelesen. Die klassische Literatur ist dem Untergang geweiht und dem muss entgegengewirkt werden, um gleichzeitig den gesamten Buchmarkt wieder zu pushen. Während Schiller sich zu einer wahren Rampensau entwickelt und diese Aufmerksamkeit geniesst, ist Goethe todunglücklich, denn Schulen waren Goethes Sache nicht.


    Hier haben wir es mit zwei völlig verschiedenen Charakteren zu tun. Da wäre der extrovertierte Schiller, immer zu Späßen aufgelegt, manchmal etwas laut und immer in Flirtlaune. Er genießt den Rummel, lebt richtig auf und sonnt sich in der Aufmerksamkeit. Und dann haben wir den etwas arrogant wirkenden und griesgrämigen Goethe, der gerne im Stillen vor sich hin flucht, dabei kein Blatt vor den Mund nimmt und lieber zu Hause in seinem Studierzimmer hocken oder in den Armen einer jungen Frau liegen würde. Während wir die beiden auf ihrer Lesereise "Klassiker zum Anfassen" begleiten, sich Goethe in eine junge Buchhändlerin verliebt und Schiller auf einmal sein neuestes Werk, einen Fantasy, präsentiert, wird Schiller immer kränker und über Goethes Haupt braut sich ein Skandal zusammen ... wie wird diese Reise wohl enden?


    "Aber Schiller, die korrupte Sau, kannte nichts: Er las tatsächlich eine stümperhaft zusammengeschusterte Geschichte von Elfen und Einhörnern, Gnomen und vielen bösen, finsteren Mächten, die im Krieg mit einer Heerschar von aberwitzig abgedroschen gezeichneten umotiviert handelnden Figuren-Versatzstücken aus tausenduneinem Papierkorb lagen. Es war schaurig."
    (S. 91)


    Goethe und Schiller waren schon zu ihren Lebzeiten enge Freunde, so eng, dass sich Goethe nach seinem Tod sogar neben Schiller begraben ließ. Goethe sah in Schiller schon immer den jungen Konkurrenten und Schiller war immer schon ein aufgeweckter Mensch, wenn man den Geschichten glauben darf. Dies wird in diesem Roman sehr gut aufgegriffen, vom Autor weitergesponnen und in unsere Zeit transportiert.

    Zudem haben noch zwei weitere Figuren die Zeit überdauert. Johann Friedrich Freiherr von Cotta und Johann Peter Eckermann. Schon damals war Cotta der Verleger von Goethe und Schiller. Diese Tätigkeit führt er auch hier fort. Eckermann war ein enger Vertrauter Goethes und fungiert hier als so eine Art Sekretär von Goethe, ist quasi sein Mädchen für alles.


    Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Story enthält Witz und Humor. Auch die Idee die beiden Herren die Zeit überdauern zu lassen fand ich genial. Insgesamt habe ich mir aber wohl mehr von diesem Roman versprochen, als er geboten hat.

    Anfangs war es noch amüsant die beiden Literaten auf ihrer Reise zu begleiten und insbesonders die Darstellung von Goethe fand ich sehr gelungen und witzig, aus dessen Perspektive übrigens erzählt wird. Doch im Grunde passiert hier immer das Gleiche und es wird zunehmend langweilig.


    "Er suchte in seiner Tasche nach dem >Werther<. Den konnte er im Grunde auswendig. Aber er hasste ihn. Hätte er doch diesen Kitsch niemals geschrieben. Andererseits zog er noch immer."
    (S. 30)


    Es wird von einer Schule zur nächsten getingelt, Schiller freut's, Goethe motzt und ... ja, das war's auch schon. Und das Ende? Nun, es gibt irgendwie keines. Der Roman scheint mittendrin zu enden und lässt mich mit einem verdutzten und enttäuschtem Gesicht zurück.

    Fazit:

    Was habe ich mich auf diesen Roman gefreut, bin ich doch vor allem eine Bewunderin Goethes und lese seine Werke immer noch gerne, selbst den "Werther" finde ich toll.

    Anfangs war ich begeistert von diesem Roman und fand den griesgrämigen Goethe durchaus witzig, doch leider wurde es schnell langweilig. Diese Idee zwei uralte klassische Schriftsteller in die Gegenwart zu transportieren würde einiges hergeben, doch leider wurde dies nicht genutzt. Zum Schluß hin scheint der Autor selbst keine Lust mehr darauf gehabt zu haben und ließ den Roman irgendwie unvollendet. Schade. :bewertung1von5::bewertung1von5:


    © Pink Anemone

  • und ließ den Roman irgendwie unvollendet.

    Seltsam, dass Du das so empfindest - für mich ist die Geschichte genau auf den Punkt beendet in ihrem Konstrukt :-k

  • Squirrel Also ich hätte da noch mehr erwartet und nicht das auf einmal der Roman zu Ende ist. Aber so ist das eben mit den unterschiedlichen Leseeindrücken :wink:

    Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
    :twisted:

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