Johanna Alba, Jan Chorin - Jubilate!

Affiliate-/Werbelink

Jubilate! (Ein Papst-Krimi, Band 5)

4.3|4)

Verlag: Rowohlt Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 400

ISBN: 9783499275012

Termin: März 2019

Anzeige

  • Nicht nur humoristisch ein Highlight


    Selten habe ich mich über die Fortsetzung einer Buchreihe so sehr gefreut! In diesem Band haben sich Unterhaltung, Wiedererkennungswert, Humor und Kriminalhandlung (!) auf nahezu perfekte Weise verbunden. Wie oft ich gelacht habe, kann ich schon nicht mehr zählen! Und dennoch konnte mich das Ende mit einem unerwarteten „Täter“ überraschen. Meine einzige Kritik, wenn man es denn so nennen will, wäre die, dass es schon Sinn gemacht hat, die vorigen Bände zu kennen. So konnte man manche „running gags“ und ein zentrales Element der Handlung einfach besser verstehen.


    Doch zu den Einzelheiten. Papst Petrus ist in diesem Band gleich in zwiefacher Mission unterwegs. Einerseits wird er von seinem Freund, Kardinal Federico, auf dessen Landsitz, ein Schloss, eingeladen. Der Kardinal möchte, anlässlich seines nahenden Todes, sein Testament eröffnen. Erben soll ausgerechnet Giulia, die Pressesprecherin von Petrus. Doch nur unter der Bedingung, dass sie binnen einer Woche heiratet! Kaum ist dies bekannt, wird auch schon ein Anschlag auf Giulia verübt. Und Petrus hat seinen zweiten Grund, sich auf dem Schloss aufzuhalten…


    Mich hat begeistert, wie hier verschiedene Handlungen und Nebenhandlungen miteinander verbunden werden. Einerseits wäre da natürlich die Auflösung der Frage, wer Giulia nach dem Leben trachtet, und warum. Es bildet sich ein Team, und die Nachforschungen werden kollegial aufgeteilt. Petrus, Giulia, Francesco, Tante Eugenia, und ja, auch Immaculata, der Hausdrachen, jeder steuert seinen Teil zur Ermittlung bei. Abends trifft man sich, und Petrus bekocht die Ermittlungsrunde. Hier lief mir oft das Wasser im Munde zusammen!


    Ein wichtiger Punkt für altgediente Fans der Reihe ist natürlich die Frage, wen Giulia eigentlich zu heiraten gedenkt. Und ob überhaupt! Als „Strohmann“ während der Ermittlungen erwählt sie ausgerechnet den Mönch Francesco. Als Leser weiß man, dass da schon seit dem ersten Band „etwas läuft“. Und man fragt sich das ganze Buch über, wie es nun ausgehen wird. Ich will nicht zuviel verraten – aber das Ende ist ein wahrer Knaller!


    Zweites wichtiges Handlungselement: die Familiengeschichte der Santinis. Giulia und ihre Freunde haben über Jahrzehnte die Sommerferien auf diesem Schloss verbracht. Im Laufe der Ermittlungen wird nun ein neues Licht auf manches geworfen, was sie dort erlebten. Alte Rivalitäten oder Scharmützel brechen wieder auf. Und man fragt sich, was „Familie“ wirklich bedeutet. Und wer eigentlich dazugehört… hier gibt es so manche Überraschung!


    Dritter Punkt: Immaculata und ihr Orden der „bußfertigen Begoninnen“. Immaculata verfolgt heimlich den Plan, neue Äbtissin zu werden. Doch hierbei geht ziemlich viel ziemlich komisch schief…! Doch man lese selbst! Immaculata war für mich ein echtes Highlight in diesem Buch. Neben dem äußerst schlitzohrigen Petrus natürlich!


    Und als Sahnehäubchen gab es immer mal wieder theologische Gespräche, die nicht ohne Tiefgang waren. Über die Rolle von Gott, Liebe und Reue beispielsweise. Francesco „spricht“ ab und an mit einer kleinen Figur des Heiligen Franziskus. Allerliebst auch: ein Epilog im Jenseits!


    Ich kann das Buch wirklich nur rundum empfehlen! Selbstredend auch für neue Leser. Mit dem kleinen Vorbehalt, dass sie wahrscheinlich anschließend alle vorigen Bände werden lesen wollen. Salve Petrus! Und – natürlich Salve Immaculata…!

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)

  • Kardinal Federico Santini, ein guter Freund Papst Petrus' und Großonkel von dessen Pressesprecherin Giulia, lädt seine Angehörigen und Petrus auf den Familiensitz ein und verkündet eine Überraschung bzgl. seines Erbes, die vor allem Giulia vor Probleme stellt, sie kann die Bedingung ihres Großonkels nicht erfüllen, und wird auch noch Opfer eines Anschlages, der sie fast das Leben kostet. Petrus muss einmal mehr ermitteln.


    Hinaus aus Rom, hinein in die Albaner Berge geht es in diesem, dem fünften Roman der Reihe, doch keine Angst, das beliebte Romanpersonal ist vollständig an Bord, inklusive Monsignores, des Katers.


    Petrus ist ein sympathischer und sehr weltlicher Papst, den man einfach mögen muss. Immaculata, seine Haushälterin verurteilt das des Öfteren, zeigt aber, gerade in diesem Roman, oft genug, dass sie auch nicht so gottgefällig lebt und denkt, wie sie glauben machen will. Francesco, Petrus' Privatsekretär und seine Pressesprecherin Giulia, die aus altem Adel stammt, vervollständigen das Figurenensemble und unterstützen Petrus bei seinen Ermittlungen.


    Wer die bisherigen Romane verfolgt hat, kennt die Charaktere bereits gut, und hat gewisse Erwartungen an diese. Was veranstaltet Immaculata dieses Mal, um Petrus in „die richtigen Bahnen“ zu bringen, wie geht es mit Giulia und Francesco weiter, welcher Kriminalfall beschäftigt unsere Ermittler in diesem Roman. Wie man schon oben lesen konnte, wird es dieses Mal sehr persönlich für Giulia, persönlicher, als man zunächst vielleicht vermutet hat, und hier wird auch ein Endpunkt gesetzt, wofür und wie, das verrate ich natürlich nicht, aber den Fans der Reihe steht viel emotionales Auf und Nieder bevor. Dass Immaculata auch mit von der Partie ist, und sogar einen gewissen Anteil an der Geschichte hat, hat mich zwar etwas überrascht (dafür war ein kleiner Kniff nötig), aber letztlich geht es ohne sie auch gar nicht, immerhin bringt sie den Leser öfter zum Lachen (und manchmal auch zu einem kurzen Wutschnauben).


    Ein neuer Charakter wird eingeführt: Eugenia, Giulias Großtante, die wunderbar in unser Ermittlerteam passt und hoffentlich auch in weiteren Romanen mitspielen darf. Neben Petrus ist sie hier meine Lieblingsfigur, sie ist herrlich unkonventionell und hat ihren Part zur Aufklärung beigetragen.


    Der Fall lässt ebenso keine Wünsche offen, er ist kniffelig, es gibt mehr als einen Verdächtigen, der Leser kann schön mitraten und die Auflösung ist nachvollziehbar. Petrus läuft wieder zu Hochform auf, und hat einige kuriose Abenteuer, ich denke z. B. daran, wie er in Rom (ein Abstecher nach Rom ist auch hier nötig) einer Verdächtigen hinterher spioniert und alles Mögliche dafür tut, in deren Wohnung zu gelangen. Auch er bringt mich regelmäßig zum Schmunzeln.


    Lesen lässt sich der Roman wunderbar leicht, man fliegt nur so durch die Seiten, amüsiert sich, rätselt, wird überrascht, drückt die Daumen und ist am Ende traurig, dass es (bis zum nächsten Band) vorbei ist. Daneben hat man als Leser ständig Appetit, weil Petrus gerne isst und auch gerne kocht, und das anschaulich beschrieben wird. Ein Kochbuch á la Petrus wäre eine guter Bonus zur Reihe.


    Was soll ich sagen, ich bin begeistert, habe mich köstlich unterhalten und freue mich schon auf den nächsten Band. Wer gerne Krimis mit einer (mehr oder weniger großen) Prise Humor liest, sollte unbedingt einmal in die Reihe hineinschnuppern, aber auch Nicht-Krimifans könnten Spaß daran haben. Man muss nicht unbedingt mit Band 1 anfangen, es empfiehlt sich aber für den vollen Lesegenuss. Von mir gibt es absolut verdiente volle Punktzahl und selbstverständlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Anzeige