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Robert Jackson Bennett - Die Stadt der träumenden Kinder / City of Miracles

Die Stadt der träumenden Kinder

4.8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Band 3 der

Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 656

ISBN: 9783404208906

Termin: März 2018

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  • Großartiges Finale, das die Trilogie perfekt abrundet: Highlight!


    Ein Attentat in Ahanashtan bringt den Dreyling Sigurd wieder zurück in sein altes Leben. 13 Jahre nach seiner Verbannung, die ihn in ferne Einöden gebracht und mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hat. Doch er hat nichts eingebüßt von seinen Erfahrungen und in diesem letzten Band um die Göttlichen Städte steht er dieses Mal im Mittelpunkt.


    Robert Jackson Bennett hat hier eine großartige Trilogie geschrieben, von der mich dieser Abschlussband am meisten begeistert hat. Seine Welt, die er hier hat aufleben lassen, befindet sich immer wieder im Kampf gegen die Götter, in den Machtkämpfen der Länder und den vielen kleinen Intrigen, die sich aus den Rangeleien der Machthaber ergeben.

    Wie oben erwähnt steigt dieser Band 13 Jahre nach den Ereignissen aus dem Vorgänger ein - und es hat sich viel getan.


    Es ist kein typischer Weltenentwurf wie man ihn aus dem High Fantasy Genre kennt. Kein mittelalterlicher Flair, sondern der Beginn wachsender Städte, fortschrittlicher Technik und Wissenschaften. Es gibt Strom, Züge, Telefone, Autos, und die schwindende Macht der Mirakel, der göttlichen Zauber, die ihre Wirksamkeit immer mehr verlieren.

    Dabei nutzt der Autor einen anspruchsvollen, feinmaschigen Schreibstil - recht nüchtern auf der einen Seite, schafft damit aber eine sehr eindringliche Atmosphäre, die jede Szene sehr bildhaft rüberbringt. Dabei geht er auch oft ins Detail, ohne aber zu langatmigen Erklärungen auszuschweifen und hat damit einen ganz besonderen Leseeindruck geschaffen.

    Besonders gut hat mir auch gefallen, dass er so untypische und teilweise unbekannte Begriffe benutzt, wie "Grus", "Fisimatenten", "Manierismen", "Isthmus", "atavistisch" oder "ausbaldowern", die man in aktuellen Romanen kaum mehr findet. Manche musste ich tatsächlich nachschlagen :)


    "Zu hassen", antwortet Sigrud, "ist ebenso töricht, wie glühende Kohlen aufzuheben,

    um sie nach jemandem zu werfen, von dem man glaubt, er sei ein Feind.

    Wen brennen sie mehr?" S. 418


    Sigrud ist ja schon eine irgendwie tragische Figur und ich habe im letzten Band sehr mit ihm mitgelitten. Auch dieses Mal bleibt ihm nicht viel erspart und es stehen wieder actionreiche Verfolgungen und verzwickte Rätsel an, die er auf seine Art zu lösen versucht. Als langjähriger Begleiter und Mann fürs Grobe von Ashara Komayd ist er es gewohnt seine Ziele mit Waffengewalt zu erreichen, verdeckte Operationen durchzuführen und knifflige Schwierigkeiten in stoischer Manier zu erledigen. Teilweise hat es dadurch an manchen Stellen den Charakter eines Agententhrillers - verwoben mit den Fantasyelementen ergibt das aber ein aufwühlendes und phantastisches Erlebnis.


    Die Ideen hinter diesem großartigen Finale sind ausgefallen und mit viel Raffinesse mit den Vorgängern verbunden, die man auch unbedingt vorher lesen sollte! Dabei verarbeitet er auch einige tiefgängige Gedanken über die Gesellschaft und auch des Einzelnen, über Kriege und Frieden und das Streben nach Macht, das schon immer der Kern aller Konflikte war. Es wird wieder mystisch und sehr abenteuerlich - alles auf mehreren Ebenen und ich bin wirklich beeindruckt von den vielen Spannungsmomenten, in denen sich die Figuren aus den unzähligen prikären Lagen herauswinden müssen.


    Außerdem haben mich auch die Schauplätze begeistert, die ein kolossales Bühnenbild abgeben und ich würde mir wirklich wünschen, dass diese Reihe verfilmt würde. Aber auch die Charaktere sind jeder für sich etwas besonderes und keiner von ihnen strahlt als der ewige Held heraus, sondern hat seine Ecken und Kanten, Wünsche und Hoffnungen, die ihn vorantreiben und weitermachen lassen. Sigurd selbst hat seit langen Jahren den Schmerz als Triebfeder benutzt, dessen Quelle jetzt auch endlich offengelegt wird. Sein Schicksal verbindet alles miteinander und ergibt ein rundum stimmiges Bild und einen absolut gelungenen Abschluss - ein pompöses Finale und einen ruhigen Ausklang, bei dem ich direkt traurig war, dass das letzte Kapitel damit beendet ist.


    Wer mal etwas neues in der Fantasywelt lesen mag, sei diese Reihe sehr ans Herz gelegt!


    "Veränderung ist eine Blume, die sich langsam entfaltet. Die meisten von uns werden

    sie nie in ihrer voll erblühten Pracht sehen. Wir pflanzen sie nicht für uns, sondern

    für kommende Generationen, aber es lohnt sich, sie zu pflegen und zu hüten.

    Sie ist der Garant für eine bessere Zukunft." S. 96


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

    1. (Ø)

      Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)


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