Bücherwichteln im BücherTreff

Andreas Eschbach - NSA (ab 01.04.2019)

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  • Na wir mit der Rundfunkgebühr.

    Und das, obwohl ich seit über dreißig Jahren weder Radio noch TV besitze. Aber die Gebühr betrifft ja auch die Nutzung eines PCs, den ich ja habe. Grrrrr. Eigentlich müsste man die Gebühr für PCs nochmals hinterfragen, nachdem das EU-Parlament abgestimmt hat.

    Auf jeden Fall macht das Buch auch als Printmedium Spass!

    Das freut mich für Dich. Ich hoffe, Du findest genügend Zeit, das Buch auch wirklich zu genießen, da Dein Medium normalerweise ja das Hörbuch ist. Ich lese erst einmal die fünf Kapitel in meiner anderen Leserunde, bevor ich hier weiterlese. Unterbreche dafür auch meinen Richard Schwartz auf dem ebook.

  • da Dein Medium normalerweise ja das Hörbuch ist

    nur bedingt und in erster Linie aus Zeitgründen. Ich muss beruflich oft recht viel Auto fahren und da kann man so schlecht im Print lesen. Jedenfalls, wenn sich die suizidalen Absichten noch in Grenzen halten :twisted:

    Ansonste bevorzuge ich das gute alte Papier, Ebook ist nur solala was für mich.

  • Jedenfalls, wenn sich die suizidalen Absichten noch in Grenzen halten

    Hoffe, dass es nicht nur Grenzen sind, sondern erst gar nicht vorhanden. Die Welt hat viel zu bieten, z. B. Bücher :) auch wenn ich es nicht so weit treibe wie der Protagonist (und Büchersammler) Peter Kien in Elias Canettis Roman "Die Blendung". Das reale Leben gibt uns die Erfahrungen die gelesenen Bücher zu "verstehen". Und da ich noch das ein oder andere Buch erleben, äh erlesen will ...


    Ansonste bevorzuge ich das gute alte Papier, Ebook ist nur solala was für mich.

    Irgendwo hier im BT gibt es eine Signatur, dass nur der Inhalt zählt und nicht die Darreichungsform. Dem stimme ich zu mit dem Titel eines Bluessongs "Don't jugde a book by the cover", aber trotzdem ist eBook für mich auch nur eine Notlösung, wunderbar praktisch im öffentlichen Nahverkehr, wenn die Lichtquellen im Bus nicht so dolle sind, aber sinnlich ist anders: Papier, Einband, Haptik, Geruch, Knistern, Gewicht, ...

  • Und da ich noch das ein oder andere Buch erleben, äh erlesen will ...

    Alles gut, ich doch auch. Das vorhin war nur mein üblicher Sarkasmus. Der Wahnsinn auf den Strassen ist schlicht beeindruckend. Seit ich darauf achte, fällt mir auf, wie viele der entgegenkommenden Fahrer nicht auf die Strasse schauen und das gepaart mit zunehmender Aggression. Keine Ahnung, was die da machen - wischen vermutlich. Da wundere ich mich, dass es nicht viel öfter rappelt 8-[

  • Keine Angst. Habe ich doch genau so aufgefasst. :wink:

    Mein Busfahrer hat mir Anekdoten von Unfallfahrern im Fern(last)Verkehr erzählt, vom zeitungslesenden Fernfahrer, bis hin zum Fahrer, der von der Feuerwehr aus seiner Kabine geschnitten werden musste und mit seiner Hose in den Kniekehlen vorgefunden wurde. Er hatte sich während des Fahrens einen Film aus der Fleischbeschau-Abteilung genossen und deshalb nur eine Hand frei.

    Aber die zunehmende Aggressivität der Fahrer nehme ich auch verstärkt war. Diese Ungeduld, diese erzürnten Stimmproben, meist gepaart mit anregenden Handbewegungen, dann all diese Überholmanöver, denn nur wer wagt, gewinnt den Preis für die längste überholte Autokolonne und dann die eingebaute Vorfahrt in all den Autos, die das Drängeln an Kreuzungen legitimiert.

    Also da würde mir ein Hörbuch auf der Fahrt definitiv keinen Spaß mehr machen. Lieber ein Buch oder eBook mit Chauffeur im öffentlichen Dienst.

  • Er hatte sich während des Fahrens einen Film aus der Fleischbeschau-Abteilung genossen und deshalb nur eine Hand frei.

    :totlach:ich hoffe, ihm ist sonst nichts passiert...


    Lieber ein Buch oder eBook mit Chauffeur im öffentlichen Dienst.

    ich gönne Dir diesen Luxus :friends:

  • Hallo liebe Mitleser,


    ich habe eine Bitte. Vielleicht kann mir jemand, der schon über Seite 134 hinaus ist (vermutlich alle ausser mir :totlach:) die im Spoiler versteckte Frage beantworten. Ich bin im Print direkt mit dem Abschnitt von dieser Woche eingestiegen, um nicht gleich schon alle auszubremsen, aber das Thema wurde im Hörbuch komplett ausgespart, so dass mir da ein bißchen Info fehlt.


    Danke für Eure Hilfe und liebe Grüße :winken:

  • Eugen war in seiner Jugend mit einer "Bande" unterwegs, die in Wohnungen eingebrochen ist. Bei der Aufnahme in diese Bande gab es einen Initiationsritus. Ein Kartenspiel. Wer verliert, muss ein Kleidungsstück ablegen. Es waren auch drei Mädchen dabei. Die Bandenmitglieder haben mit gezinkten Karten gespielt, so dass Eugen zum Schluss nackt war. Und eines der Mädchen wollte, dass er nackt eine Aufgabe erfüllt. Dies musste Eugen dann aber doch nicht machen und er wurde darüber aufgeklärt, dass sie das mit jedem machen, der das erste Mal dabei ist. Für Eugen war dies aber sehr demütigend und er hat sich geschworen, sich irgendwann dafür zu rächen.

  • Vielen Dank Lucivarsadi .

    Ich nehme an, Eugens Liste sind die Teilnehmer*innen der Runde. Mieser kleiner Charakter der Typ. Wenn alles gut läuft, schaffe ich heute das Pensum für diese Woche und kann dann nochmal vorne reinlesen.

    Und wenn mir dann immer noch Info fehlt, gibt es ja hier diese supernette Runde :D

  • Es waren auch drei Mädchen dabei.

    Waren die drei Mädchen nicht zu viert? :wink: Eine hatte er am Ende von Abschnitt 1 durch die beobachteten Diebstähle zu sexuellen Handlungen gebracht - Blieben vor dem Wochenabschnitt noch 3 (Und deshalb im Spoiler weiter)



    Ich bin seit gestern Mittag durch mit dem Pensum, komme gerade aber nicht so zum schreiben. Das Buch ist bisher Klasse, es fiel mir echt schwer es bis Montag liegen zu lassen (Auch wenn ich natürlich auch wie alle anderen hier ein Zweitbuch habe :-) )

  • Waren die drei Mädchen nicht zu viert?

    Wird wohl so sein. In unserem Abschnitt 1 hatte er sich erst einmal die Dralle gefügig gemacht. War mir aber nicht mehr sicher, ob es drei oder vier Mädchen beim Kartenspiel waren und das Buch liegt zu hause. Mein Pensum habe ich noch gar nicht angefangen. Hoffe, dass ich heute noch das Pensum meiner anderen Leserunde fertig gelesen bekomme und unser Pensum dann direkt nachschieben kann. Sind ja nur noch jeweils hundert Seiten :pray:

  • Ich hatte heute viel Zeit und bin mit unserem Wochenpensum durch - Juhuu! Ich werde dann demnächst mit "Nachsitzen" anfangen.

    Mir geht es wie Dir Hörbuch-Freak , ist mir gerade extrem schwer gefallen, das Buch wegzulegen. Obwohl mein Zweitbuch mindestens genauso gut ist. Luxusproblem also :wink:.


    Ich habe sogar schon einen längeren Beitrag in meinen Rechner gehauen, werde den aber lieber noch nicht posten, da offensichlich nicht alle durch sind.

    Wie wird das eigentlich üblicherweise gehandhabt, gibt es einen Stichtag oder irgendwie eine Art Startsignal, ab wann die Diskussion eröffnet wird? Oder sollen wir alle Beiträge erstmal spoilern, was aber vielleicht mühsam zu lesen sein wird...:-k Sorry für meine vielen Fragen, ist halt meine erste Leserunde :pale:

  • 2. Woche: Kap. 7 - Kap. 17


    Ich hab im Moment gerade ein bisschen viel um die Ohren, deshalb fasse ich mich dieses mal kurz. Wie erwähnt gefällt mir das Buch nach wie vor hervorragend und es ist mir richtig schwer gefallen das Buch bis Montag liegen zu lassen. Es ging diese Woche so weiter wie es letzte Woche aufgehört hat: Helenes und Eugens Geschichte wird weitererzählt. Zwei Menschen die sehr unterschiedlich sind, die sich aber wohl bald über den Weg laufen werden...


    In Helenes Geschichte spielen Komputer erstmal keine große Rolle (Es tut echt weh Komputer zu schreiben). Sie findet eine neue Freundin, ist in einer NS Organisation wo eben alle Mädels sind, was sie aber eher langweilig und durchaus pragmatisch sieht. Erst als sie in der Schule Probleme in Hauswirtschaft hat und nach Beratung mit ihrem Onkel, der aus dem Lager zurück ist, entschließt sie sich in Zukunft dieses Fach zu Gunsten von dem Programmstricken sausen zu lassen. Trotz anfänglicher Bedenken eine gute Entscheidung - Sie entpuppt sich als Naturtalent, gewinnt sogar Preise und avanciert zum Star der Schule. Tatsächlich musste ich trotz der ernsten Thematik in Helenes Teil sogar 2x lachen. Das erste mal als erwähnt wurde das (Gedächtniszitat): "Das Programmstricken den Frauen vorbehalten sei, vor allen dingen denjenigen die keinen Mann abbekämen" - Ein wunderschönes Vorurteil das es auch noch heute gibt, nur eben mit anderen Geschlechterrollen (Was später ja noch ausgiebig erklärt wird wie es dazu kam). Das zweite mal musste ich bei dem Geschichtsstudenten grinsen der darüber schreibt und spekuliert wie die Geschichte wohl erlaufen wäre wenn der Komputer eben nicht erfunden worden wäre - Da schafft es Eschbach das man sich als Leser mal so richtig Überlegen fühlt :lol:


    Eugen hingegen entwickelt sich auch weiter- und zwar noch negativer. In Woche 1 sah es anfangs noch aus als ob er aus Überlebenswille handelt, wobei am Ende klar wird das er aus Rache zu noch viel mehr fähig ist. Diese Woche geht er noch weiter - Rache ist zwar weiterhin sein Antrieb um die Mädels vom Pokerabend zu finden, aber er nutzt die Daten auch um andere Frauen gefügig zu machen - einfach weil er es kann. Nachdem wir letzte Woche gezeigt bekommen haben wie die Daten im großen vom System genutzt werden können, wird dieses mal klar was die Daten in der Hand eines einzelnen bewirken können - eindrucksvoll und bedrückend, vor allem durch die Gewissenlosigkeit mit der die Daten genutzt werden.


    Soweit erstmal von mir :wink:


    Ich habe sogar schon einen längeren Beitrag in meinen Rechner gehauen, werde den aber lieber noch nicht posten, da offensichlich nicht alle durch sind.

    Wie wird das eigentlich üblicherweise gehandhabt, gibt es einen Stichtag oder irgendwie eine Art Startsignal, ab wann die Diskussion eröffnet wird? Oder sollen wir alle Beiträge erstmal spoilern, was aber vielleicht mühsam zu lesen sein wird... :-k Sorry für meine vielen Fragen, ist halt meine erste Leserunde :pale:

    Den kannst du direkt und ohne Spoiler posten - Schreibe einfach als Überschrift irgendwie Fett drüber das es sich um "2. Woche: Kap. 7 - Kap. 17" handelt - Dann kann jeder selbst schauen ob er schon soweit ist und weiterlesen will :lol: - und schön das du dich gleich bei der ersten Leserune so einbringst :wink:

  • 2. Woche: Kap. 7 - Kap. 17


    So wie ich den zweiten Abschnitt gelesen habe, dient er neben der Darstellung des geschichtlichen Hintergrundes in erster Linie der Entwicklung und Herausarbeitung der Charaktere von Helene und Eugen. Diese beiden scheinen die Hauptakteure des Romans zu werden und ich nehme aufgrund der völlig unterschiedlichen Charakterzüge an, dass sie sich als die wichtigsten Gegenspieler des Romans herausstellen werden.


    Eschbach bleibt in diesem Abschnitt wie auch schon im ersten ganz nah an den historischen Fakten und verstrickt diese geschickt mit der fiktionalen Entwicklung der Technik als Ausgangsbasis für die persönliche Geschichte seiner Hauptakteure.

    Fiktional ist in diesem Zusammenhang in erster Linie der Zeitpunkt, nicht die Entwicklung der technischen Möglichkeiten an sich. Auch hier bleibt Eschbach für mein Verständnis sehr nah an der Realität, was das Szenario so beklemmender wirken lässt.


    "Scientia Potentia est" scheint mir eines der Schlüsselzitate des Buches zu sein. Dieses Gedankenspiel treibt Eschbach mit verschiedenen Facetten:

    • allgemein politisch
    • im Zusammenhang mit den verschiedenen Ämtern und Organisationen aber auch
    • ganz für die eigene Person, wie z. B. in Eugens Fall.

    Am Beispiel von Helenes Onkel wird gezeigt, welche massiven Auswirkungen auf die Einzelperson die staatliche Machtausübung hat. Sicher hat er noch Glück gehabt dahingehend, dass er das Lager überlebt und sogar wieder freigelassen wird. Dennoch hat die Umerziehung gefruchtet, er ist ein gebrochener Mann, ein Schatten seiner selbst und kann im Grunde erstmal nichts mit seinem Leben anfangen. Trotzdem motiviert er Helene zu dem für sie entscheidenden Schritt Programmiererin zu werden.

    Eschbachs anschließende Interpretation der männlichen und weiblichen Fähigkeiten, fand ich wirklich erheiternd. Superironisch in meinen Augen, wie Frauen sich selbst programmieen können und müssen, was bei Männern evolutionsbedingt völlig kontraproduktiv sei. Daraus resultierend dann die jeweilige Berufswahl. Ich habe wirklich herzlich lachen müssen!


    Auf der persönlichen Ebene wird Eugens Versuch, sein mangelndes Selbstwertgefühl durch Machtausübung zu kompensieren beeindruckend klar herausgearbeitet. Er offenbart sich als mieser Erpresser und Vergewaltiger, der im "öffentlichen Leben" den fleißigen Saubermann abgibt. Ein echtes Herzchen!


    Helene wird als braves Mädchen beschrieben und verkörpert zunächst den Typus "graue Maus". Sie ist bis sie Marie kennenlernt viel alleine und bekommt auch danach gemeinschaftliche Aktivitäten wie Feiern oder Treffen nicht wirklich mit. Marie ist hier die treibende Kraft, die sie mitschleppt.

    In einer der Schlüsselszenen ihrer Entwicklung trifft Helene zusammen mit Marie im Festzelt eine Studentengruppe und verliebt sich Hals über Kopf in Arthur Frey. Genau genommen, weiß sie gar nicht wie ihr geschieht. Mitnichten ist sie hier wie sonst das Mauerblümchen, sondern ganz im Gegenteil die einzige Gesprächspartnerin Arthurs, die auf Augenhöhe mit ihm diskutieren kann.

    Sehr faszinierend fand ich auch den Ansatz von Arthurs Dissertation über "spekulative Geschichte" – raffiniertes Stilmittel von Herrn Eschbach, denn genau das betreibt er für mein Verständnis in dem Roman.


    Gegen Ende des zweiten Abschnitts prophezeit Adamek den Beginn des zweiten Weltkriegs. Hier steigert sich nun die Brisanz der Datenüberwachung durch das NSA dahingehend, dass durch den Versuch der außenpolitischen Einflussnahme in den USA bei gleichzeitiger Unterstützung der militärischen Aktionen Deutschlands eine neue Dimension der Kriegsführung erreicht werden soll.

    Zu diesem Zweck wird ein kleiner Führungskreis im NSA etabliert, in dem Eugen voraussichtlich eine tragende Rolle spielen wird. Das verlogene Spiel mit Fake-Identiatäten als Meinungsbildner ("Influencer"?!?) kommt seinem Charakter sicher sehr entgegen. Ich erwarte, dass er brilliert.


    Insgesamt bleibt der Roman für mich auch im zweiten Abschnitt sehr spannend. Der Autor macht mir den geistigen Transfer des Romans ins Hier und Jetzt sehr leicht, so dass das mulmige Gefühl, das er seit Beginn bei mir ausgelöst hat, ständig präsent bleibt.

    Ich freue mich schon aufs Weiterlesen.

  • aber trotzdem ist eBook für mich auch nur eine Notlösung, wunderbar praktisch im öffentlichen Nahverkehr, wenn die Lichtquellen im Bus nicht so dolle sind, aber sinnlich ist anders: Papier, Einband, Haptik, Geruch, Knistern, Gewicht, ...

    Ich kann mich mittlerweile mit beidem sehr gut arrangieren, ebooks hat man unterwegs auch immer auf dem Handy oder Tablet dabei, falls es mal Wartezeiten zu überbrücken gibt. Aber ich lese genau so gerne Print-Bücher. Mir passiert es nur manchmal, wenn ich mehrere ebooks hintereinander gelesen habe, dass ich beim Printbuch die Seiten mit Wischen umblättern will. #-o :totlach:



    Vielen Dank für eure Zusammenfassungen Hörbuch-Freak und Heuschneider. :thumleft: Ich komme gerade auch weniger in den BT als gewollt und das wird sich nächste Woche nicht ändern, aber nach Ostern hole ich wieder auf. :)


    Es tut echt weh Komputer zu schreiben

    Na und ich muss es sogar jedes Mal lesen. :totlach: Obwohl man sich irgendwann daran gewöhnt. Selbst NSA lese ich mittlerweile gedanklich mit den deutschen Buchstaben.

    Sie findet eine neue Freundin,ist in einer NS Organisation wo eben alle Mädels sind, was sie aber eherlangweilig und durchaus pragmatisch sieht.

    Ich fand den Alltag als BDM-Mädel wieder sehr interessant und anschaulich, so dass man sich wieder mittendrin im Geschehen fühlt. Oder auch wie ihre Familie alles Schlechte ausblendet (Onkel Siegmund in Dachau) und sich mit Brot und Spielen für das Volk (die elitäre Volks-KdF-Kreuzfahrt :loool: der Eltern oder die Olympiade in Berlin) bespaßen lässt.

    "ScientiaPotentia est" scheint mir eines der Schlüsselzitate desBuches zu sein. Dieses Gedankenspiel treibt Eschbach mit verschiedenen Facetten:

    allgemeinpolitisch
    im Zusammenhang mit den verschiedenen Ämtern undOrganisationen aber auch
    ganz für die eigene Person, wie z. B. in Eugens Fall.

    Sehr gute Analyse und insgesamt eine echt tolle Zusammenfassung. :applause:

    Eschbachs anschließende Interpretation der männlichen und weiblichen Fähigkeiten, fand ich wirklich erheiternd. Superironisch in meinen Augen, wie Frauen sich selbst programmieen können und müssen, was bei Männern evolutionsbedingt völlig kontraproduktiv sei. Daraus resultierend dann die jeweilige Berufswahl. Ich habe wirklich herzlich lachen müssen!

    Ich musste bei folgenden Sätzen zu dem Thema auch so lachen, S. 146: "Er hatte nur so viel verstanden, dass es dabei um eine Abfrage aus der Tabelle der Einwohner ging, aber alles danach war ihm zu kompliziert gewesen. Weiberkram eben. Für einen Mann so undurchschaubar wie der Inhalt einer Damenhandtasche." :totlach:

    Auf der persönlichen Ebene wird Eugens Versuch, sein mangelndes Selbstwertgefühl durch Machtausübung zu kompensieren beeindruckend klar herausgearbeitet. Er offenbart sich als mieser Erpresser und Vergewaltiger, der im "öffentlichen Leben" den fleißigen Saubermann abgibt. Ein echtes Herzchen!

    Was für ein Ekel, das sich den Frauen aufzwingt. :puker: Vor allem können die Frauen sich noch nicht mal wappnen, wenn er eine auf dem Kieker hat, ist sie eigentlich schon verloren. Ich hoffe, dass er sich an der hochnäsigen Rothaarigen, die er auf den letzten Seiten des Wochenabschnitts sucht, die Finger verbrennt.

    Sie ist bis sie Marie kennenlernt vielalleine und bekommt auch danach gemeinschaftliche Aktivitäten wieFeiern oder Treffen nicht wirklich mit. Marie ist hier die treibendeKraft, die sie mitschleppt.

    Marie Scholz und ihre Familie fand ich sehr interessant: Marie mit ihrem verdrehten Hitlergruß ("Drei Liter" :totlach:) oder mit dem ehemaligen jüdischen Viehhändler zu Gast auf dem Hof. Ich glaube, dass die Interessen der Familie Scholz eher in ihrem katholischen Glauben und ihrer Hingabe an ihr Land und Hof liegen und sie gar keine Zeit für Nationalsozialismus und Antisemitismus haben.

    GegenEnde des zweiten Abschnitts prophezeit Adamek den Beginn des zweitenWeltkriegs. Hier steigert sich nun die Brisanz der Datenüberwachungdurch das NSA dahingehend, dass durch den Versuch deraußenpolitischen Einflussnahme in den USA bei gleichzeitigerUnterstützung der militärischen Aktionen Deutschlands eine neueDimension der Kriegsführung erreicht werden soll.

    Den Abschnitt mit den ganzen historischen Zusammenhängen und Hintergründen fand ich super spannend, z. B. als Adamek über die Rezession in den USA spricht und dass ein Kriegseintritt für eine Konjunktur im Land sorgen würde. Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und fand es umso interessanter. Auch zeigt Adameks sehr anschauliche Einschätzung der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Weltlage, dass er ein sehr schlauer Kopf ist. :thumleft:

    Zudiesem Zweck wird ein kleiner Führungskreis im NSA etabliert, in demEugen voraussichtlich eine tragende Rolle spielen wird. Das verlogene Spiel mit Fake-Identiatäten als Meinungsbildner ("Influencer"?!?) kommt seinemCharakter sicher sehr entgegen. Ich erwarte, dass er brilliert.

    Das erwarte ich auch, da Eugen bei aller Ekelhaftigkeit sehr scharfsichtig ist und die Situation äußerst gut durchschaut. Das zeigt auch der Anfang des Wochenabschnitts, als über seine Ansichten zum fortschreitenden Antisemitismus, zur NSDAP und zum Judentum erzählt wird. Er durchschaut, dass der Antisemitismus durch die NSDAP zum Stimmenfang geschürt wird oder dass viele Juden sehr intelligent sind und somit auch zu Reichtum kamen. Seine Motivation zum Parteieintritt ist nicht der Antisemitismus sondern die Macht über andere - sehr umsichtig, brillant und einfach nur mordsgefährlich.


    Mir geht es wie euch, ich finde das Buch einfach total super und bin gespannt, wie es weitergeht. :lechz:

    Liebe Grüße,
    Tine



    :study: Eric-Emmanuel Schmitt - Die Träumerin von Ostende

  • Guten Morgen liebe Mitleser, ich freu mich schon, heute darf ich im Eschbach weiterlesen und da ich nächste Woche frei habe, werde ich ich zusammenreissen müssen, mein stündliches Pensum von 0,6 Seiten nicht zu überschreiten :totlach:.


    Studentine , ich unterschreibe alle Deine Totlacher, Däumchen und sich übergebende Smileys. Du bringst viele Gedanken, die mir auch so durch den Kopf geschossen sind super auf den Punkt!

    Ich hoffe, dass er sich an der hochnäsigen Rothaarigen, die er auf den letzten Seiten des Wochenabschnitts sucht, die Finger verbrennt.

    JA-HAAAAA!!! Das hoffe ich auch, ich würde es ihm richtig gönnen, dass er eins auf die Mütze - oder auch in andere Körperteile bekommt :P!


    Marie Scholz und ihre Familie fand ich sehr interessant: Marie mit ihrem verdrehten Hitlergruß ("Drei Liter" :totlach: )

    Bei dieser Familie sehe ich großes Widerstandspotential, zumindest passiver Art. Dies allein schon aus dem tiefen Glauben heraus, der von Dir erwähnte Zeitaspekt ist allerdings auch echt interessant, bin ich gar nicht so drauf gekommen.

    Jedenfalls widerspricht Hitlers Politik und sein Regime für die Familie Scholz bestimmt viel zu sehr dem christlichen Wertegefüge, als dass sie ihn unterstützen. Hoffe ich jedenfalls, es muss ja auch noch ein paar andere als die folgsame Horde geben...


    Seine Motivation zum Parteieintritt ist nicht der Antisemitismus sondern die Macht über andere - sehr umsichtig, brillant und einfach nur mordsgefährlich.

    Mordsgefährlich im wahrsten Wortsinn. Eugen ist mit Sicherheit einer, der über Leichen geht, dem traue ich alles zu. Und jetzt will er auch noch Programmieren lernen...

    Ich brenne förmlich darauf, dass den einer einbremst.


    - und schön das du dich gleich bei der ersten Leserune so einbringst :wink:

    Sehr gute Analyse und insgesamt eine echt tolle Zusammenfassung. :applause:

    Vielen lieben Dank für Eure Blumen :uups:. Es macht mir einen Riesenspass, das Buch mit Euch zu lesen und mich dann mit Euch allen drüber zu unterhalten.

    Danke für Eure nette Gesellschaft und all die spannenden Beiträge :thumleft:

  • Hallo, liebe Mitleser, melde mich nun endlich auch wieder. Das Lesen hat sich bei mir zeitlich verzögert, habe es aber geschafft und freue mich auf das Wieterlesen.

    Ich bin außerdem noch spät dran, weil ich noch ein bisschen die historischen Hintergründe betrachten wollte.

    Hier erst einmal zwei Links, auf die ich bei meiner Recherche gestoßen bin, die den Zeitraum, finde ich sehr gut und anschaulich zusammenfassen:

    @Hitlers Machtergreifung

    @Errichtung der NS-Diktatur

    Einiges überschneidet sich mit dem, was ich schon in vorherigen Beiträgen genannt habe, aber schaut es Euch ruhig trotzdem an.


    Auf der persönlichen Ebene wird Eugens Versuch, sein mangelndes Selbstwertgefühl durch Machtausübung zu kompensieren beeindruckend klar herausgearbeitet. Er offenbart sich als mieser Erpresser und Vergewaltiger, der im "öffentlichen Leben" den fleißigen Saubermann abgibt. Ein echtes Herzchen!

    Ja was für ein Herzchen. Da kann ich Dir nur zustimmen. Aber auch Herr Eschbach hat hier die Story gut recherchiert und passend angelegt. Ich bin über folgende Sätze (in Kapitel 7) gestolpert: "Dann kam die Machtergreifung. Nun galt es, aufzuräumen, mit anderen Worten, all die Kommunisten und Sozialisten zu jagen, die seiner Partei noch im Weg standen. Sie hatten, was das betraf, mehr oder weniger freie Hand. Initiative war gefragt und gern gesehen." Ich habe mir die Frage gestellt, ist das Eugen selbst oder nutzt er nur die historischen Gegebenheiten für sich aus. Also habe ich mal nachgeforscht und herausgefunden, dass es tatsächlich eine Aufforderung gab, dass die "Hilfspolizisten" auch "von der Waffe Gebrauch" machen. Müsste oben in einem der beiden Links erwähnt sein. Eugen nutzt es aus und geht darüber hinaus: anstatt zu schießen, vergewaltigt er lieber deren Frauen. Und auch dies scheint historisch gesehen, vorgekommen zu sein.


    Ich breche hier ab, da ich jetzt gleich weg muss. Melde mich aber später wieder.

  • "ScientiaPotentia est" scheint mir eines der Schlüsselzitate desBuches zu sein. Dieses Gedankenspiel treibt Eschbach mit verschiedenen Facetten:

    Herr Eschbach verknüpft historische Gegebenheiten wunderbar in den Plot ein. Aber er kann auch anders, wenn er aus seiner Roman-Historie sich das Gedankenspiel "Was wäre wenn" gestattet.

    Sehrfaszinierend fand ich auch den Ansatz von Arthurs Dissertation über"spekulative Geschichte" – raffiniertes Stilmittel vonHerrn Eschbach, denn genau das betreibt er für mein Verständnis indem Roman.

    Fakt ist, dass Charles Babbage seine Diferenzial-Machine Nr.1 als auch die Analytische Maschine nur theoretisiert hat, sie wurden aber zu seinen Lebzeiten nie gebaut. Erst 1989 bis 1991 wurde die Diffenzial-Maschinen Nr. 2 (nicht die Nr. 1) nachgebaut und für die Analytische Maschine gibt es wohl ein zehnjähriges Projekt, das die Funktionstüchtigkeit belegen soll. Zu Babbage Zeiten war die Feinmechanik noch nicht soweit. Und die Finanzierung wurde tatsächlich eingestellt. Also wenn Arthur darüber spekuliert, was gewesen wäre, wenn Babbage seine Maschine nicht gebaut hätte, sind wir möglicherweise in unserer realen Welt. Cooler Schachzug von Herrn Eschbach.

    Ada Lovelace gilt als erste Programmiererin (Männlein wie Weiblein) generell, die weit über die Intentionen Babbage hinausdachte. Während Babbage nur an eine Rechenmaschine dachte, die Zahlen abarbeiten sollte, sprach Lovelace von der Möglichkeit "Objekte" zu berechnen, sobald sich diese in ihren Zusammenhängen und Zuständen mathematische beschreiben ließen, also auch Textverarbeitung, Bildbearbeitung, komplexere Berechnungen von astronomischen Bahnkurven usw.


    In diesem Zusammenhang finde ich die Programmiersprache faszinierend, die SAS (Strukturierte Abfragesprache). Diese hat es so nie gegeben. Aber es gibt SQL (Structured Query Language, also eine wortwörtliche Übersetzung). Nur dass die Grundlagen erst in den 1960er und 1970er Jahren durch den Mathematiker Edward Frank Codd (angestellt bei IBM) geschaffen wurden. Herr Eschbach gibt ja ein Beispiel, als Eugen im NSA für seine erste Recherche nach "Cäcilia" Frau Brunhilde in den Daten suchen lässt (S.145). Hier hat Herr Eschbach SQL strikt eingedeutscht. SELECT Vorname, Name, Straße, Ort, GebDat FROM [Einwohner] WHERE Year(GebDat) >= 1913 AND Year(GebDat) <= 1917 AND Ort = "Berlin" AND Vorname = "Cäcilia" (so ähnlich könnte der Befehl heutzutage lauten).


    Eine weitere Halbwahrheit, aber dennoch historisch belegt, waren Frauen bis in die 1970er Jahren Programmiererinnen. Nicht weil Frauen einfach besser dafür geeignet sind als Männer, wie es Herr Eschbach beschreibt. Nein, es war einfach so, dass Männer eine Aufgabe beschrieben haben und Frauen als typische Schreibkräfte die Programmzeilen eingegeben haben. (Hierzu sei der Film @Hidden Figures empfohlen, der zeigt wie Frauen im Rahmen der ersten Mondlandung diese durch ihre Arbeit erst möglich gemacht haben.) Beim Programmieren muss die Trennung zwischen Hardware und Software betrachtet werden. Diese Trennung hatte auch Ada Lovelace schon in ihren Arbeiten beschrieben. Eigentlich gibt es in der Programmierung sogar eine Dreiteilung: die Hardware, die im Prinzip nichts anderes als technische Schaltpläne sind und je Schaltung einen bestimmten Maschinenbefehl ausführen (CPU, Chip) und die Software, ein Programmcode, der in einer bestimmten Sprache Befehle definiert. Da sich Programmbefehle und Maschinenbefehle nicht gleichen, muss es einen Übersetzer geben, den sogenannten Compiler. Und hier waren es wieder Frauen, die den ersten Compiler geschrieben haben. Dies führte weg von der frühen Datentypistin hin zur "echten" Programmiererin.


    Ein weiterer Zug von Herrn Eschbasch "Scientia Potentia Est" anzusprechen, wenn auch sehr weit hergeholt, ist die Szene, in der Helene den Film @Gold mit dem Schauspieler Hans Albers in einem UFA-Palast anschaut. Der Film ist 1934 herausgekommen, also gerade zu der Zeit als Helene im BDM war. Aber auf was ich raus will, ist der (wenn auch vage) Verweis auf das Wissen des Spät-Mittelalters, als es viele alchemistische Versuche gab Blei zu Gold umzuformen und als DAS Wissen schlechthin galt, sollte es gelingen. Denn wer dies kann, beherrscht die Welt.

    Was Helenes Zugehörigkeit zum BDM angeht, hat ihre Mutter eine (für diese Zeit) richtige Entscheidung getroffen. Denn sicherlich ist es von Vorteil, schon früh dazugehört zu haben, als später dazu verpflichtet zu werden. Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat 1933 alle konkurrierenden Jugendverbände aufgelöst oder verboten und mit dem "Gesetz über die Hitlerjugend" vom 1. Dezember 1936 wurde die Mitgliedschaft zum Zwang. (@wiki BDM und @ZDF HJ und BDM) Und allgemein verpflichtend im BDM war auch der vier- bis sechswöchige Einsatz der Mädchen als Haushaltshilfen auf Bauernhöfen (später das Landfrauenjahr), speziell nach dem Polen-Feldzug 1939, als die Polen vertrieben wurden und die Höfe von neuangesiedelten sogenannten Volksdeutschen (Polen, die sich das Deutschtum bewahrt haben) geführt wurden.


    Aber wie alle hier schon geschrieben haben, geht es mir genauso: Ich will weiterlesen :lechz::lechz::lechz:

  • Aber er kann auch anders, wenn er aus seiner Roman-Historie sich das Gedankenspiel "Was wäre wenn" gestattet.

    Genau das meinte ich im Zusammenhang mit Arthurs Diss über die "spekulativen Geschichte" auch - und er kann es sehr perfekt! Eschbach muss ein penibler Rechercheur sein, so eng wie Fakt und Fiktion bei ihm zusammen liegen.

    In diesem Zusammenhang finde ich die Programmiersprache faszinierend, die SAS (Strukturierte Abfragesprache). Diese hat es so nie gegeben. Aber es gibt SQL (Structured Query Language, also eine wortwörtliche Übersetzung). Nur dass die Grundlagen erst in den 1960er und 1970er Jahren durch den Mathematiker Edward Frank Codd (angestellt bei IBM) geschaffen wurden. Herr Eschbach gibt ja ein Beispiel, als Eugen im NSA für seine erste Recherche nach "Cäcilia" Frau Brunhilde in den Daten suchen lässt (S.145).

    Eigentlich gibt es in der Programmierung sogar eine Dreiteilung: die Hardware, die im Prinzip nichts anderes als technische Schaltpläne sind und je Schaltung einen bestimmten Maschinenbefehl ausführen (CPU, Chip) und die Software, ein Programmcode, der in einer bestimmten Sprache Befehle definiert. Da sich Programmbefehle und Maschinenbefehle nicht gleichen, muss es einen Übersetzer geben, den sogenannten Compiler. Und hier waren es wieder Frauen, die den ersten Compiler geschrieben haben. Dies führte weg von der frühen Datentypistin hin zur "echten" Programmiererin.

    Vielen Dank für all Deine Erläuterungen zu den technischen Hintergründen, das ist total spannend! Von so was habe ich echt keinen Plan - dämlicher User halt, "Shit in - Shit out " und so :totlach:

    Jetzt weiß ich endlich was unsere Verwaltungssoftware macht, wenn neben der Sanduhr SQL auftaucht. Wirklich erhellend.

  • Ich komme gerade auch weniger in den BT als gewollt und das wird sich nächste Woche nicht ändern, aber nach Ostern hole ich wieder auf.

    Sowas in der Art wollte ich auch gerade schreiben - Lesetechnisch bin ich voll auf dem laufenden, aber wegen der Ostertage und vor allem weil so ein Kindergeburtstag einfach nciht von alleine organisiert, werde ich wohl auch erst nächste Woche wieder so richtig hier sein - Euch allen aber erholsame Ostertage :D

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