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Joyce Carol Oates - Grenzüberschreitungen / Crossing the Border

Grenzüberschreitungen: Erzählungen

4 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 248

ISBN: 9783423016438

Termin: Januar 1981

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  • Inhalt

    Reneé und ihr Mann Evan haben die Grenze überschritten, die Staatsgrenze zwischen den USA und Kanada. Der US-Amerikaner Evan Maynard arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Erforschung chemischer und biologischer Kampfstoffe in Telford, Kanada. Mehrere Erzählungen des Bandes spielen im akademischen Mileu dieser Stadt (u. a. Vincent Scovilles Verwandlung). An Telfords durchschnittlichem College halten die Dozenten sich für etwas Besseres, obwohl sie alle inzwischen realisiert haben, dass es auch in Kanada eine Akademikerschwemme gibt und es mit der erhofften akademischen Karriere bald wieder zu Ende sein kann. Kanada wirkt in diesen Erzählungen wie eine diffus gefährliche Wildnis; erst nach Überschreiten der Grenze in südlicher Richtung können Oates Figuren sich wieder in Sicherheit fühlen. Nur weil sie sich nicht in den vertrauten USA befindet, entwickelt sich eine harmlose Alltagssituation mit einem - evtl. behinderten - Jugendlichen für Renée zur Bedrohung (Guten Tag schön heute nicht wahr?).


    In "Grenzkontrolle" wird Renées - leerer - PkW auf auf dem Weg zwischen Kanada und den USA vom amerikanischen Zoll durchsucht. In zunehmender Panik beantwortet Renée die Fragen des Zollbeamten nach ihren Absichten. Sie kann dem Mann nur schwer begreiflich machen, dass sie als Amerikanerin in Kanada lebt. Er muss die Autos nach Drogen, sowie Lebensmitteln und Pflanzen durchsuchen, mit denen Krankheiten über die USA-Grenze gelangen könnten. Gesucht wird auch nach Wehrdienstverweigerern oder Fahnenflüchtigen, die sich nach Kanada absetzen wollen. Darum befragt der Zöllner Renée so drängend nach ihrem Mann, der gar nicht dabei ist. Renée steht durch den Arbeitsplatz ihres Mannes in Kanada plötzlich auf der falschen Seite. Den feinen Unterschied zwischen gebürtigen und geduldeten Kanadiern hat sie zuvor nicht realisiert.


    In "Träume" betrachtet eine junge Frau ihre Ängste und Panikattacken wie eine neutrale Beobachterin. Sie fühlt sich vom Alltag allein stark beansprucht und verlässt schließlich ihre Heimatstadt, obwohl nur die ihr die nötige Sicherheit vermittelt. Die Frau macht sich klein, damit ein Mann sich ihr überlegen fühlen kann. Ausgelöst wird ihre Einstellung durch eine Gesellschaft, die Frauen danach beurteilt, welche Beziehungen zu Männern sie haben (S. 84).


    Das fragile Gleichgewicht, in dem Joyce Carol Oates ihre Figuren ins Wanken bringt, kann eine Ehekrise sein (Liebe), der Versuch einer Frau, ihren Neffen zu verführen (Goldene Drachen), die Grenze zwischen Alkohohlmissbrauch und Alkoholismus (Ein Zwischenfall im Park), die Heirat eines katholischen Priesters (Durch einen Spiegel) und diverse Krisen von Autoren u. a. Verliebt in Ashton). Renées fragiles Leben in Telford gerät durch einen Sturm völlig aus den Fugen, der den Wasserspiegel des Flusses bis in den Garten ihres Hauses ansteigen lässt. Beide Ehepartner reagieren hilflos, unfähig, Kontakt mit der Polizei oder der Feuerwehr aufzunehmen und sich zum Bleiben oder Verlassen des Hauses zu entscheiden.


    Fazit

    Oates zeigt sich in diesem Band wieder als Meisterin, banale Alltagssituationen in Horror-Szenarien für die Beteiligten abgleiten zu lassen.


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