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Chris Offutt - Fern der Wälder / Out of the Woods

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Fern der Wälder

4.5|2)

Verlag: Goldmann

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 154

ISBN: 9783442446513

Termin: 2001

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  • Der Autor (nach Wikipedia): Christopher John "Chris" Offutt ist ein am 24. August 1958 in den Appalachen als Sohn des Science-Fiction-Autors Andrew J. Offutt geborener US-Autor vor allem von Kurzgeschichten,. Geburtsort: Lexington, Kentucky, File Under: Country Noir / Southern Gothic. Nach dem College trampte er durch das Land und finanzierte seinen Lebensstil mit mehr als 50 Jobs, bevor er zu schreiben begann. An der Morehead State University schloss er in den Fächern Theater und Englisch sein Studium ab. Außerdem besuchte er den Iowa Writers' Workshop. Seit 1992 veröffentlicht er Kurzgeschichten, verfasst aber auch Memoirs und Romane und arbeitete für Fernsehserien wie True Blood und Weeds.


    Werke (Auswahl):
    Kentucky Straight (1992, Short Storys)
    The Same River Twice (1993, Memoir, dt. Wo der Fluß mein Herz berührt)
    The Good Brother (1997, Roman)
    Out of the Woods (1999, Short Storys, dt. Fern der Wälder)
    No Heroes: A Memoir of Coming Home (2002, Memoir)
    Another Man's Escape (2005, Comicstory, enthalten in: Michael Chabon Presents: The Amazing Adventures of the Escapist, Vol.3)
    My Father, the Pornographer: A Memoir (2016, Memoir)
    Country Dark (2018, Roman)


    Klappentext: Ob sie Ihre Heimat Kentucky verlassen haben oder nicht - immer sind Offuts Helden Suchende und Sehnende, getrieben von einem großen Freiheitsdrang. Es hält sie nie lange an einem Ort, und doch tragen sie alle den Wunsch im Herzen, irgendwann anzukommen ...
    Wundervoll erzählte Geschichten von Abschied und Wiederkehr, Heimat und Fremde und der Flüchtigkeit des Glücks.

    „Offut ist einer der besten Autoren der kurzen Form in seiner Generation - wenn nicht aller Zeiten.“ (Tobias Wolff)
    „Geheimnisvoll und herzzerreißend - Offuts Naturschilderungen sind von diamantener Brillanz. Diese Geschichten klingen in der Erinnerung nach wie ein Vogelruf, klagend und wunderschön.“ (Houston Chronicle)


    Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel „Out of the Woods“ im Jahr 1999 im Verlag Simon & Shuster in New York. Im Jahr 2001 wurde die deutsche Übersetzung von Barbara Heller unter dem Titel „Fern der Wälder“ als Taschenbuch beim Wilhelm Goldmann Verlag in München verlegt. Diese Ausgabe umfasst 156 Seiten. Enthalten sind alle acht Erzählungen der Originalausgabe:

    • Fern der Wälder (Out of the Woods)
    • Melungeons (Melungeons),
    • Moscow, Idaho (Moscow, Idaho)
    • Zwei-elf komplett (Two-Eleven All Around)
    • Hochwasser überall (High Water Everywhere)
    • Der Streifenkauz (Barred Owl)
    • Zielübungen (Target Practice)
    • Harte Leute (Tough People)


    Dem Buch ist folgendes Motto aus dem Roman "Die Weisheit des Blutes" von Flannery O'Connor vorangestellt:

    Zitat

    Woher du kommst, das gibt es nicht mehr,

    wohin du zu gehen glaubtest, das hat es nie gegeben,

    und wo du bist, das taugt nicht,

    wenn du nicht fort kannst.


    Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verließen. Geschichten, die sich nach außen hin einfach geben, in denen aber denkbar viel auf dem Spiel steht: ganze Lebensentwürfe. Figuren, deren Freiheitsdrang immer wieder an Grenzen stößt, weil sie immer auf ihre Heimat zurückgeworfen werden, sei es, weil man ihnen ihre Herkunft anhört, sei es, weil sie zu tief in ihnen steckt. Ein Mann soll einen Verwandten, der in der Ferne angeschossen wurde, nach Hause holen. Vor Ort stellt er fest, dass er gestorben ist. Er überführt die Leiche in die Heimat und beschließt, die wahren Ereignisse hinter einer Lüge zu verbergen. Ein anderer Mann holt sich mittels des Polizeifunks ein Quentchen Genugtuung gegenüber der Frau ab, die ihn aus ihrem Haus und ihrem Leben rausgeworfen hat. Ein Trucker wird in der Fremde während eines Hochwassers irrtümlicherweise einer kriminellen Tat verdächtigt. Als der auf Vorurteilen fußende Ermittlungsfehler ausgeräumt ist, zeigt das Gespräch mit dem übereifrigen Cop die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Männern auf. Ein weiterer Mann schafft es schließlich, seinen missgünstigen Vater, vor dem er trotz allen Hasses, der zeitlebens zwischen ihnen stand, bestehen will, zum ersten Mal ohne Angst anzusehen. Ein Pärchen, das durch die Teilnahme an einem Amateur-Schauboxen versucht, Geld für ihre Weiterreise zu bekommen, wobei sich der weibliche Teil besser schlägt als der Erzähler, und sei es nur, da weniger Frauen an der Veranstaltung teilnehmen. Die Schmach, seiner boxunkundigen Freundin diese Schmach nicht erspart zu haben, wird den Erzähler nicht so schnell loslassen...


    Manchmal erscheinen die acht Geschichten fast wie Variationen einer einzigen Geschichte, erzählt von immer der gleichen männlichen Hauptfigur. Was aber überhaupt nicht einfallslos ist, sondern eher wie ein Gefühl, wie eine Stimmung wirkt, das von verschiedenen Seiten aus literarisch beleuchtet wird, ein Lebensgefühl, das nicht innerhalb einer Geschichte abschließend behandelt werden kann, allerdings sehr wohl anhand eines bestimmten Menschenschlages: Männer um die Dreißig, die noch nicht so sesshaft geworden sind, wie man es ihrem Alter gemäß vielleicht erwarten kann. Menschen auf der Suche, angetrieben von Sehnsüchten und noch nicht angekommen in „einem Leben“. Männer, die sich mehr Gedanken machen, als es ihre ökonomische Lage zulässt. Figuren, zu derem großen Bedauern die Erfüllung ihrer Sehnsüchte nicht die Befriedigung liefert, die sie sich erhofft haben. Die aber bei all der Ma­lai­se, in der sie stecken, eine Ahnung haben, was sein wird: eine eigene Wohnung, ein eigener Job, ein eigenes Leben. Und das Wissen, dass sich in der Heimat die Dinge nie ändern werden, dass die Bäume, die Häuser, die Menschen immer unverändert gleich bleiben werden, ist dann weniger schrecklich.


    Sehr eindrückliche Geschichten, bei aller Härte und Trübsal sehr fragil und von trotzigem Lebensmut. Keine pathetische Überdramatisierung, wo das Leben aufregend genug ist. Wirken daher manchmal vielleicht etwas schmucklos: Eher wie ein Ausschnitt. Offutt hat einen sehr fließenden Stil. Seine Art zu schreiben wirkt völlig natürlich und unverstellt, irgendwie organisch und aufrichtig und einfach, was ja oft das Schwerste ist.

    William H. Gass "Der Tunnel" (574/1093)

    Helen Macdonald "H wie Habicht" (151/412)


    Jahresbeste: John Berger (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 37 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: David Streeter & Rosamond Richardson "Hecken. Lebensadern der Landschaft" (24.4.)

  • Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel „Out of the Woods“ im Jahr 1999 im Verlag Simon & Shuster in New York.

    William H. Gass "Der Tunnel" (574/1093)

    Helen Macdonald "H wie Habicht" (151/412)


    Jahresbeste: John Berger (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
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    Letzter Buchkauf: David Streeter & Rosamond Richardson "Hecken. Lebensadern der Landschaft" (24.4.)

  • Eine französische Übersetzung von Philippe Garnier erschien unter dem Titel "Sortis du bois" 2002 im Verlag Gallimard in Paris in der Reihe "La Noire".

    William H. Gass "Der Tunnel" (574/1093)

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    Jahresbeste: John Berger (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
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  • Zusammen mit Deiner jetzigen Rezi und nach meiner ebenfalls heute beendeten und auch schon kommentierten Lektüre seines neuen Romans 'Country Dark" rückt dieser Autor ziemlich weit hoch auf der Liste weiter zu erforeschender und zu entdeckender Autoren! Danke für Deine Rezi

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