Ewald Arenz - Alte Sorten

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Alte Sorten

5|1)

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 256

ISBN: 9783832183813

Termin: März 2019

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  • Verlagstext

    Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie ist wütend auf alles, hasst alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem nach ihrem Aussehen.

    Liss bewirtschaftet allein einen Hof zwischen Weinbergen und Feldern. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für eine, die nie über sich spricht, die allein das Haus bewohnt, in dem doch die frühere Anwesenheit anderer zu spüren ist? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten, Bienen zuckern und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, nähern sich die beiden Frauen einander an. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die sie beide erfahren haben.


    Der Autor

    Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Fürth.


    Inhalt

    Sally ist aus einer Klinik weggelaufen und findet sich zwischen Weinbergen wieder. Dort kämpft gerade Liss ihren Anhänger aus einer schlammigen Spur heraus. Spontan bietet sie Sally an, bei ihr auf dem Hof zu wohnen. Sally/Sarah hatte ein Problem mit Erwachsenen und mit dem Essen, das wird schnell klar. Bei Liss stellt das Mädchen verwundert fest, dass der Druck vom Anspruch anderer gefesselt und gegen ihren Willen festgehalten zu werden, in Liss Haus nicht zu spüren ist. Der Hof, auf dem Wein, Obst und Kartoffeln angebaut werden, ist ein guter Ort für Sally. Die titelgebenden alten Obstsorten wachsen im Obstgarten, der noch immer die Handschrift des Vorbesitzers trägt. Liss wartet geduldig ab, wie es eine Tante tun würde, der man für einen Ferienaufenthalt eine schwierige
    Nichte angekündigt hat. Vielleicht ist die Nichte bei Tante Liss ja gar nicht schwierig … Liss erkennt sich in Sally, besonders ihren eigenen Hass, den sie als Jugendliche empfand, auf alles, das Dorf, den Hof, ihren Vater, darauf, dass sich nie etwas ändern würde.


    Nachdem Sally einige Tage ungestört mit der Seele gebaumelt hat, wird ihr deutlich, wie schwer die Hofarbeit für eine einzelne Person ist. Ernten, Keltern, Schnapsbrennen, Brotbacken, Hühner und Bienen versorgen, Sally hat von diesen Dingen und den Wörtern dafür noch nicht gehört. Sie begreift als absoluter Neuling jedoch sofort die Abläufe und bringt genau die beiden Hände mit, die Liss bisher auf dem Hof gefehlt haben. Dass Sally diese Stärke noch niemand bewusst gemacht hat, scheint mir ein aktuelles Problem unserer Gesellschaft zu sein, die zu viel über Defizite und zu wenig über Stärken spricht. Die gemeinsame Arbeit der beiden Frauen wirkt wie ein Museum für Kompetenzen, mit denen eine Familie früher autark leben konnte. Für Sally sind die Abläufe zugleich Erinnerungen an
    den Zwang, den sie als Jugendliche stets fühlte, wenn ihr Vater Fachwissen in sie hinein füllte.


    Wie ein roter Faden durchzieht Sallys Frage die Geschichte, warum Liss allein auf dem Hof lebt und warum die Dorfbewohner deutlich Distanz zu ihr wahren.


    Fazit

    Ein guter Roman spricht seine Leser individuell an. Ich habe mich hier stark von den handwerklichen Abläufen fesseln lassen. Deshalb war mein Highlight der Moment, als Liss erkennt: All das, gegen das ich mich als Jugendliche gewehrt habe, fliegt Sally einfach so zu, niemand muss sie zwingen. Zwei Frauen, die sich als Jugendliche ungeheuer ähnlich sind im Hass auf Zwang und Routine, nähern sich hier behutsam einander an. Ein starker Roman vom Überleben – im Dorf und in der Familie.


    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


    :study: - Wulf - Die Abenteuer des Alexander von Humboldt: Eine Entdeckungsreise. Graphic Novel

    :musik: - Historische Reisen um den Globus


    Reihen neu/ergänzen

    01. Buchtitel dt. (Jahr)--ISBN

    02. Buchtitel dt. (Jahr), Buchtitel engl.--ISBN

    1-3 (Jahr) (Sammelband)--ISBN

  • Dieses Buch würde ich schon allein aufgrund des Titels und des Covers kaufen... :lol: Ist also sofort auf die Liste gewandert.

    Danke für die neugierig machende Rezi! :D

    Lg Sarange :cat:



    :study: Maryse Condé: Segu

    :study: Bella Chagall: Erste Begegnung

    :study: Ofir Raul Graizer: Ofirs Küche. Israelisch-palästinensische Familienrezepte

  • Dieses Buch würde ich schon allein aufgrund des Titels und des Covers kaufen... :lol: Ist also sofort auf die Liste gewandert.

    Danke für die neugierig machende Rezi! :D

    Es ist Lackoptik ...

    :bounce:

    Und hier gibt es noch mehr Entschleunigendes

    :study: - Wulf - Die Abenteuer des Alexander von Humboldt: Eine Entdeckungsreise. Graphic Novel

    :musik: - Historische Reisen um den Globus


    Reihen neu/ergänzen

    01. Buchtitel dt. (Jahr)--ISBN

    02. Buchtitel dt. (Jahr), Buchtitel engl.--ISBN

    1-3 (Jahr) (Sammelband)--ISBN

  • Eine Liste... :lol:

    Lg Sarange :cat:



    :study: Maryse Condé: Segu

    :study: Bella Chagall: Erste Begegnung

    :study: Ofir Raul Graizer: Ofirs Küche. Israelisch-palästinensische Familienrezepte

  • Von alten Birnensorten und dem Finden eines Weges in die Welt


    Als Liss in ihrem Weinberg der 17jährigen Sally begegnet, braucht sie Hilfe. „Bist du stark?“, will sie von Sally wissen, und diese packt überrascht mit an. Liss stellt kaum Fragen, nimmt das Mädchen bei sich auf und gewährt ihr Unterschlupf. Im Gegenzug hilft Sally bei den täglichen Arbeiten auf dem Hof.

    Liss erkennt sehr schnell, dass Sally ohne Halt, wütend und gegen jeden und jedes ist. Aus ihrer Sicht versteht sie niemand, nicht ihre Eltern, die Lehrer in der Schule. Sie lehnt sich gegen Normen und Regeln auf, denen sie bislang ausgesetzt war. Sie will nirgendwohin, sondern vielmehr von allem weg. Darum ist sie aus einer Klinik abgehauen, in die ihre Eltern sie wegen ihrer psychischen und angeblichen Ess-Probleme gebracht hatten.

    Hier auf dem Bauernhof verläuft das Leben in einem anderen Tempo. Der Alltag ist ein anderer als der, den Sally aus der Stadt gewohnt ist. Liss, eine Mittvierzigerin, wirtschaftet allein, backt ihr eigenes Brot, hat Hühner, Bienen und einen Garten mit alten Birnenbäumen, aus den Früchten brennt sie selbst Schnaps. Die Gelassenheit, mit der sie Sally behandelt, irritiert diese zunächst. Doch Sally beginnt sich hineinzufinden und lernt eine unbekannte Seite des Daseins kennen, mit der sie bisher wenig in Berührung gekommen ist. Sie entdeckt die Erfüllung in der Arbeit auf dem Feld, im Weinberg, dem Obstgarten und mit den Hühnern und Birnen. Sie hat wieder Freude am Essen. Und deshalb verschwinden mehr und mehr ihr Misstrauen und ihre Protesthaltung.

    Indes haben Sallys Eltern die Suche nach ihrer Tochter nicht aufgegeben. Und außerdem gibt es einen Grund dafür, dass Liss den anderen Dorfbewohnern fern bleibt und nicht gern gesehen ist. Sowohl Liss als auch Sally werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert...


    „Alte Sorten“ ist ein leises Buch, wenn auch vor allem dessen junge Heldin Sally laut(stark) ihren Unwillen und ihren Frust zum Ausdruck bringt. Der Roman wirft einen Blick auf das Exstienzielle, und Ewald Arenz lässt den Leser in einer stimmungsvoll wechselnden Wortgewandtheit und mit atmosphärisch dicht beschriebenen Naturbildern teilhaben an einem entschleunigten Leben auf dem Land, wo vieles noch so abläuft, wie es schon immer gewesen ist.

    „Im sattgrünen Laub leuchteten die Äpfel wie Farbtupfer. Wie gut es sich manchmal anfühlte, einfach am Leben zu sein. Nichts sonst. Einfach nur am Leben zu sein.“ (Seite 63)

    Er erzählt von den Mühen der Arbeit, der Schinderei, des Eingebundenseins in einem Rhythmus, der Teil der Natur ist und sich dieser anpasst, außerdem von der Glückseligkeit, mit dem von eigener Hand Geschaffenen zufrieden zu sein, weil es einen Grad der Unabhängigkeit ermöglicht. Von den Momenten der Stille. Den Blick auf das verschwindende Licht des Tages. Dem Hinsetzen. Miteinander reden. Schweigen. Zuhören. Verstehen. Auch die ungesagten Dinge.

    „Das Schweigen um sie wurde tiefer, aber nicht schwerer. Es war gut, dass sie beide nichts sagen mussten.“ (Seite 47)

    Es ist ein Geschichte, die Gerüche, Geräusche und Geschmäcker bis zum Leser transportiert. Es ist eine Geschichte, die vollgepackt mit aufwühlenden und reichhaltigen Emotionen ist und mehr als eine Seite im Inneren zum Klingen bringt.

    Ewald Arenz erstes Bild seiner Protagonistinnen Liss und Sally kann nicht gegensätzlicher sein. Auf der einen Seite die wortkarge, verschlossene Bäuerin auf ihrem Hof auf dem Land, die geringen Kontakt zu den anderen Dorfbewohnern hat. Auf der anderen Seite das aufmüpfige Mädchen aus der Stadt, das schnell aus der Haut fährt und sich von seinen Eltern verfolgt fühlt.

    Gleichwohl offenbaren sich im Laufe des Geschehens, das sich lediglich auf wenige Wochen beschränkt, viele Gemeinsamkeiten.

    „Sie dachte an die Bienen. Manchmal fühlte es sich gut an, zusammenzuarbeiten. Weil der andere bewirkte, dass man einen eigenen Platz im Ganzen erkannte. Dass man auf einmal Bedeutung in einem Ganzen hatte und nicht einfach nur existierte.“ (Seiten 81 f.)

    Beide sind einsam, empfindsam, glauben sich von ihrer Umwelt missverstanden. Besonders Sally reagiert oft grob und unflätig. Aber Liss nimmt bezüglich Sally Parallelen zu dem jungen Mädchen wahr, das sie einmal gewesen ist. Sie empfand sich einst ebenfalls als gefangen auf dem Hof ihres Vaters, weil sie nicht der gewünschten Norm entsprach, wurde enttäuscht von ihr nahe stehenden Bezugspersonen. Was folgten, waren Verletzungen und innere seelische Konflikte, die bis in die Gegenwart reichen.

    Und während Liss Sally mit mildem Gleichmut und Respekt behandelt, vertieft sich das Band der Freundschaft zwischen ihnen, und darüber hinaus vermag es Sally, die Liss' einschnürenden Knoten zu lösen und den Weg aus dem Schweigen und für Verzeihen und Vergeben freizumachen. Liss und Sally werden aufeinander aufpassen...


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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