Henriette Dyckerhoff - Was man unter Wasser sehen kann

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Was man unter Wasser sehen kann

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Verlag: Rütten & Loening

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783352009242

Termin: Februar 2019

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  • Luca hat sich in einem Lagerraum eines Berliner Lebensmittelgeschäfts eingerichtet und hilft im Laden, der ihrem Freund Vinz gehört. Sie hat ihr Studium abgebrochen und kaum Kontakt zu ihrer Familie. Der Anruf ihrer Mutter Marion, die ihren Besuch bei Luca ankündigt, lässt bei ihr alle Alarmglocken schrillen. Doch Marion taucht nicht auf, sie meldet sich auch nicht mehr, niemand weiß, wo sie geblieben ist, nur ihr Wagen wird auf einem Waldweg an der Ronnetalsperre gefunden. Luca macht sich Sorgen und reist kurzerhand in ihre alte Heimat Ronnbach, wo sie bei ihrer Großmutter Grete einzieht. Grete hat Luca aufgezogen, weil Marion ein unsteter Geist war und sich Mutter und Tochter nie verstanden haben. Luca wundert sich, dass Grete sich so gar keine Sorgen macht um das Verschwinden der eigenen Tochter und beginnt selbst, nach Antworten zu suchen über den Verbleib ihrer Mutter. Dabei trifft sie alte Bekannte und ehemalige Freunde aus ihrer Jugendzeit, es ist, als wäre die Zeit stehengeblieben. Aber es dauert, denn bis Luca Teilchen für Teilchen des Puzzles zusammensetzt, um das Verschwinden ihrer Mutter ansatzweise zu erklären, muss sie erst einmal in die Vergangenheit reisen…


    Henriette Dyckerhoff hat mit ihrem Buch „Was man unter Wasser sehen kann“ einen sehr berührenden und fesselnden Roman vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und packt den Leser von Beginn an, lässt ihn durch wechselnde Zeitzonen reisen, um sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit kennenzulernen. Durch kursiv eingestellte kurze Kapitel erhält der Leser zudem Einblick in die Legende der „Ronne-Marie“, die immer wieder anders erzählt wird, jedoch am Ende immer traurig endet, wobei der Ausgang der einzelnen Passagen immer gut zu der Handlung passt, die gerade erzählt wird. Mal in der Gegenwart an der Seite von Luca, mal in der Vergangenheit in den 60er Jahren im Schatten von Cord erfährt der Leser von der Entstehung der Talsperre und was die Menschen dafür aufgeben mussten. Lucas Suche nach ihrer Mutter ist gleichzeitig eine Suche nach sich selbst. Vieles wird Luca erst nach aufgeschnappten Gesprächsfetzen und Unterhaltungen mit Bekannten ihrer Mutter klar, was sie immer weitersuchen lässt. Je mehr sie sucht, umso mehr erfährt sie, warum die eigene Mutter und die Großmutter nicht miteinander ausgekommen sind. Der unregelmäßige Wechsel der Zeitzonen schraubt die Spannung immer weiter in die Höhe, gleichzeitig lässt die Autorin die Spannung auch durch ihre Protagonisten entstehen, die sich oftmals widersprüchlich verhalten. Die Beschreibung der Landschaft ist sehr bildgewaltig und zeichnen ein tolles Bild eines vergessenen Ortes irgendwo im Nirgendwo.


    Die Charaktere sind alle sehr individuell ausgestaltet, besitzen Ecken und Kanten und lassen das Bild von Bewohnern eines kleinen Ortes entstehen, wo jeder jeden kennt und über jeden eine Meinung hat. Nichts bleibt verborgen, doch keiner sagt was. Wunderbar gezeichnet lässt die Autorin den Leser immer wieder rätseln, wer wohl zu den Guten oder zu den Bösen zählt. Oder gibt es gar keine Bösen? Luca ist eine junge Frau, die noch nicht weiß, wohin es in ihrem Leben gehen soll. Sie kommt aus schwierigen Familienverhältnissen, ihre Mutter hat sich früh vom Vater getrennt und ist mit der Tochter bei ihrer eigenen Mutter eingezogen. Während Luca von Grete nur Zuwendung und Liebe erfuhr, war die Mutter ihr gegenüber oftmals gleichgültig. Marion war eine unstete Person, die immer das wollte, was sie nicht haben konnte. Sie tat immer das Gegenteil von dem, was von ihr erwartet wurde. Grete ist eine strenge alte Dame, die plötzlich allein ist und über die Vergangenheit schweigt. Dabei könnte gerade sie so einiges aufklären. Auch Protagonisten wie Cord, Jan oder Paul geben der Geschichte zusätzliche Spannung und lassen den Leser lange im Dunkeln tappen.


    „Was man unter Wasser sehen kann“ ist ein spannender Roman über das Schicksal von drei Frauen, welches eng miteinander verwebt ist. Gleichzeitig besitzt die Geschichte kriminalistische und historische Elemente, die sie rundum gelungen machen. Tolle Lektüre und mit einer verdienten Leseempfehlung ausgestattet!


    Einfach toll für :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2018: 326/ 128525 Seiten

  • Die fast dreißigjährige Luca ist vor fünf Jahren aus dem sauerländischen Ronnbach nach Berlin gezogen. Sie fühlt sich dort wohl. Dann will ihre Mutter Marion sie besuchen, aber sie kommt nicht an. Das Auto der Mutter stand auf einer Brücke bei Ronnbach, aber Marion ist einfach verschwunden. Oma Grete, mit der Marion zusammenlebte, ist besorgt. Also macht sich Luca auf ins Sauerland. Luca verbindet mit ihrem Heimatort nicht gerade glückliche Gefühle. Ihre Großmutter und ihre Mutter hatten ein schwieriges Verhältnis.

    Diese Geschichte dreht sich um Menschen, die entwurzelt wurden, als man ihnen ihre Heimat nahm, um eine Talsperre zu bauen. Wie sich Menschen fühlen, wenn sie alles aufgeben müssen, was seit langer Zeit im Besitz der Familie ist, was ihnen Heimat ist, das wissen wir in NRW rund um den Braunkohletagebau zur Genüge. Wie oft habe ich gehört, nur nicht darüber nachdenken, einfach weitermachen, sonst verzweifelt man. In den neuen Orten wohnen die ehemaligen Nachbarn und einige neue Bewohner, doch trotzdem sind die Dörfer seelenlos.

    Die Geschichte der Frauen geht zurück bis in die fünfziger Jahre, als der Ort geflutet wurde. Die Charaktere sind gut und authentisch ausgearbeitet, sie haben Ecken und Kanten und sind sehr menschlich. Dazu kommt ein gutes Stück der Sauerländer Mentalität.

    Erst jetzt, als sich Luca auf die Suche nach ihrer Mutter macht, versteht sie Marion und Grete besser. All die Jahre war da etwas präsent, aber es wurde geschwiegen. Daher war es für Luca auch nie fassbar. Nun aber begreift sie so nach und nach und das nimmt sogar Einfluss auf ihr eigenes Leben.

    Es ist eine spannende Geschichte über Verluste und traumatische Erlebnisse, über Heimat und Identitätssuche. Sie hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Am Ende klärt sich Vieles, aber nicht alle Fragen werden beantwortet.

    Ein fesselndes Familiendrama. Ich kann das Buch nur empfehlen.

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