Das Leseverhalten in Eurer Familie

  • Meine Liebe zu Büchern kommt ganz eindeutig von meiner Mutter (mit der ich mir ja seit geraumer Zeit auch einen Kindle-Account teile). Ansonsten liest aus meiner Familie nur noch meine Tochter - und das auch erst seit ein paar Monaten. Ich bin also, sowohl in der Familie, als auch im Freundeskreis umgeben von Nichtlesern. :cry:


    Das Leseverhalten meiner Mutter, und auch mein eigenes, hat sich im Laufe der Zeit allerdings stark auseinanderdividiert:

    Mein allerliebstes Lieblingsgenre sind inzwischen historische "Backsteine" (je mehr Seiten, desto besser :lechz:) und meine Mutter ist mehr so der Göttin-in-Gummistiefeln-Typ. Da überkreuzt sich also nicht soooo viel (Ausnahmen bestätigen die Regel).


    Als Kind/Teenager haben meine Eltern es zwar sehr gern gesehen, wenn ich mit einem Buch irgendwo gesessen habe, waren da aber auch ziemlich eigen, was ich überhaupt lesen durfte.

    Stephen-King-Romane musste ich mir z.B. heimlich kaufen und noch viel heimlicher nachts, bei Taschenlampenlicht unter der Bettdecke lesen. Das war damals zwar echt nervig, hat mir im Nachhinein aber ein paar der schönsten Erinnerungen an meine Lesezeit beschert, denn das war natürlich gleich doppelt spannend:

    Erstens wegen der Bücher an sich und zweitens weil ich mich nicht erwischen lassen durfte. :mrgreen:


    Die Liebe zu Büchern an meine eigenen Kiddies weiterzuvererben ist mir leider nur bedingt gelungen (vielleicht, weil ich ihnen nie bestimmte Bücher verboten habe? :-k)

    Sohnemann hat mal die ganze Warrior-Cats-Reihe gelesen, aber auch nur als Lückenfüller in den Zeiten, in denen er nicht zocken durfte. Wirklich toll fand er Bücher leider nie. Er ist ein Vollblut-Gamer. :cry:

    Bei Tochterkind war das lange Zeit ähnlich - bis sie mit ihrem aktuellen Freund zusammengekommen ist, der ein wahrer Büchernarr ist. :mrgreen: Seitdem liest sie wirklich richtig viel und kauft sich sogar eigene Bücher, obwohl sie einen eigenen Kindle hat und sich am Buchbestand von meiner Mutter und mir gütlich tun könnte (gemeinsam haben wir immerhin inzwischen weit über 10.000 Bücher angehäuft O:-)).

    Aber Tochterkind möchte halt ausgerechnet immer die Bücher lesen, die noch nicht in unserem Fundus vorhanden sind. :-,

    Nuja, soll sie. Ich bin froh und happy, dass sie überhaupt zum Lesen gekommen ist und mir inzwischen sogar Tipps gibt, was ich mir noch vorknöpfen könnte ("Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells war z.B. so ein Tipp von ihr :love:.)

  • Die Liebe zu Büchern an meine eigenen Kiddies weiterzuvererben ist mir leider nur bedingt gelungen (vielleicht, weil ich ihnen nie bestimmte Bücher verboten habe? :-k )

    Das fehlende Verbot kann's nicht erklären. Meine Mutter hat mir klugerweise auch keine ihrer Bücher verboten und ich habe schon als Zehnjährige die von bekannten Bergsteigern verfassten Bücher meines Vaters verschlungen. Ich hätte mich zur absoluten Nichtleserin entwickeln müssen. Vielleicht gibt es verschiedene Vorlieben wie Menschen sich Geschichten erzählen lassen. Manche wollen sie sich buchstäblich erzählen lassen, manche vorgelesen bekommen, manche selber lesen und manche möchten sie visuell erzählt bekommen. Ähnliches gilt ja auch bei Sachthemen und Lernstoff.

    :study: Stefan Lehnberg: Durch Nacht und Wind

    :study: Hermann Parzinger: Die Kinder des Prometheus


    Man sollte Gott nicht nach dieser Welt beurteilen, das war nur ein Versuch, der nicht gelungen ist, aber es muß ein Meister sein, der solche Schnitzer macht (Van Gogh, zitiert von Harald Lesch)

    Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut! (Karl Valentin)

  • Meine große Leselust liegt aber auch an fehlenden Alternativen in meiner Kindheit. Hätte es damals schon Computerspiele gegeben, wäre ich ein Vollblutzocker geworden:-,. Gesellschaftsspiele haben mich schon immer fasziniert. Mit meiner Mutter habe ich stundenlang Halma gespielt. Später habe ich mit Schach angefangen. Als ein Freund Monopoly aus dem Westen bekommen hat, war er lange Zeit ein Treffpunkt zum Spielen. Meine Tochter tickt auch so. Als sie klein war, ist oft mit einer Spielekiste durchs Haus getigert, um ein Opfer zu finden, der mit ihr spielt. Wenn wir keine Lust mehr hatten, hat sich dann die Oma erbarmt. Später hat sie sich mit dem Gameboy stundenlang beschäftigt. Da bleibt keine Zeit zum Lesen.:roll:.

    Sub: 5363:twisted: (Start 2017: 5312)

    gelesen 2019: 11

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten

    gelesen 2017: 86 / 4 abgebrochen / 33551 Seiten
    gelesen 2016: 101 / 6 abgebrochen / 40098 Seiten
    gelesen 2015: 90 / 38733 Seiten

    :montag: Giulia Conti - Lago Mortale

    :study: Maria Adolfsson - Doggerland Fehltritt

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Zitat von Kapo

    Meine Oma hatte dann immer noch Zeitschriften wie Tina, Die Neue Post und ähnliches. Bei denen halt wahlweise Lady Di oder die neue 6-Kilo-weg-in-3-Stunden-Diät auf dem Cover war.

    Ach, ja, das war bei meiner Oma väterlicherseits genauso. Um genau zu sein, waren das „7 Tage“, „Neue Welt“, „Freizeit Revue“ und „Neues Blatt“. Daher kenne ich mich bestens mit den Königshäusern aus:wink:, zumindest bis Ende der 80er Jahre. Ich hatte als Kind wirklich das Gefühl, es handele sich bei Victoria von Schweden, Stephanie von Monaco oder Ali-Reza aus dem Iran um Kinder aus der Nachbarschaft. Politische Hintergründe, v.a. diejenigen aus dem Iran waren mir lange weniger im Bewusstsein als die neuste Frisur von Farah Diba...

  • In unserer Familie gab und gibt es einige Leser. Meine Oma (die beiden Opas waren schon vor meiner Geburt verstorben und die andere Oma starb auch sehr früh) las Romane und Romanheftchen. Meine Mutter und teilweise auch mein Vater lasen vor allem Romane, sie hatten eine Menge der gebundenen Readers Digest (jeweils vier verkürzte Romane unterschiedlicher Autoren in einem Sammelband), aber auch "Einzelromane" und Sachbücher zu verschiedensten Themengebieten im Bücherschrank. Mir wurde von frühester Kindheit an vorgelesen und ich ging in unserer Stadtbücherei regelmäßig ein und aus.

    Mein Bruder war total büchersüchtig, er las jedoch ausschließlich Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themengebieten.

    Mein Mann liest keine Romane, interessiert sich aber für Sachbücher (Mathematik, Physik, Wirtschaft), Zeitschriften liest er heutzutage online.

    Unser ältester Sohn liest leider so gut wie gar nicht (alle Jubeljahre mal ein Sachbuch), der mittlere Sohn las als Jugendlicher historische Romane, dann folgte eine Phase mit japanischer Literatur und jetzt sind Sachbücher (Wirtschaft) angesagt. Der jüngste Sohn liest von den drei Kindern am meisten: historische Romane und Fantasy. Allen drei Kindern wurde in ihrer Jugend regelmäßig vorgelesen, wie man sieht, ist trotzdem nicht bei allen dasselbe dabei herausgekommen.:wink:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich bin definitiv der größte Bücherwurm in der Familie. Habe das aber von meinem verstorbenen Opa. Der hat sehr sehr viel gelesen und viel Geld für Bücher ausgegeben (zum Leidwesen meiner Oma). Er hatte auch ein eigenes Bücherzimmer und hat mir oft erzählt, dass sein Hobby zu den damaligen Zeiten nicht gut ankam. Sein Traumberuf wäre auch Buchhändler gewesen, aber sein Vater hatte immer geagt, davon könne er keine Familie ernähren, also musste er Werkzeugmechaniker werden. Wann immer ihm Zeit blieb, las er. Vor allem aber im Zug als Pendler. Ich habe einiger seiner Schätze geerbt.

    Ich glaube die E-Book-Reader wären ein Segen für ihn gewesen, wegen der Schriftgröße. Er musste wegen den Augen irgendwann das Lesen aufgeben. Mein Vater liest keine Romane, Thriller o.ä aber Fachbücher und Fachzeitschriften. Außerdem liest er die Tageszeitung sehr ausführlich. Meine Mutter liest ganz gerne Romane. Meine Schwester liest Fantasy, aber sie liest nicht viel.

    Mein Partner liest Thriller und Krimis. Ansonsten wird in meiner Familie nicht so viel gelesen. Leider. Ich muss es also vom Opa haben.

  • Meine Oma hatte dann immer noch Zeitschriften wie Tina, Die Neue Post und ähnliches. Bei denen halt wahlweise Lady Di oder die neue 6-Kilo-weg-in-3-Stunden-Diät auf dem Cover war. :wink:

    :lol: Die hat meine Tante früher immer gelesen und dann an meine Mutter weitergereicht.

  • Meine Oma hatte dann immer noch Zeitschriften wie Tina, Die Neue Post und ähnliches. Bei denen halt wahlweise Lady Di oder die neue 6-Kilo-weg-in-3-Stunden-Diät auf dem Cover war. :wink:

    :lol: Die hat meine Tante früher immer gelesen und dann an meine Mutter weitergereicht.

    Bei uns waren es eher Bunte und Gala:wink:

    Isenhart musste grinsen, ihre Blicke begegneten sich. "Du hast nur tausend Mal", wisperte er.
    Konrads müdes Schmunzeln wuchs sich zu einem breiten Grinsen aus. "Ich verrat dir was", flüsterte er zurück, "das ist Mumpitz."


    Mein Angebot bei booklooker

  • :lol: Die hat meine Tante früher immer gelesen und dann an meine Mutter weitergereicht.

    Bei uns waren es eher Bunte und Gala:wink:

    Bei uns haben sie sich höchstens bei Westbesuchen eingeschmuggelt:loool:

    Sub: 5363:twisted: (Start 2017: 5312)

    gelesen 2019: 11

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten

    gelesen 2017: 86 / 4 abgebrochen / 33551 Seiten
    gelesen 2016: 101 / 6 abgebrochen / 40098 Seiten
    gelesen 2015: 90 / 38733 Seiten

    :montag: Giulia Conti - Lago Mortale

    :study: Maria Adolfsson - Doggerland Fehltritt

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Bei uns waren es eher Bunte und Gala:wink:

    Bei uns haben sie sich höchstens bei Westbesuchen eingeschmuggelt:loool:

    Ganz ehrlich: seid froh, dass Ihr so einen Mist nicht hattet...:-,

    Isenhart musste grinsen, ihre Blicke begegneten sich. "Du hast nur tausend Mal", wisperte er.
    Konrads müdes Schmunzeln wuchs sich zu einem breiten Grinsen aus. "Ich verrat dir was", flüsterte er zurück, "das ist Mumpitz."


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  • Ich habe immer schon gerne gelesen. Meine Mutterund meine Schwester lesen auch gerne und viel.


    Mein Mann liest ganz gerne, aber selten.

    Mein großer Sohn Lukas (11) liest sehr viel. Er hat sehr viele Bücher, außerdem geht regelmäßig in die Bücherei. Am liebsten liest er Harry Potter.

    Felix (10) dagegen liest überhaupt nicht gerne. Damit er überhaupt was liest lesen Lukas, Felix und ich jeden Abend zusammen "Gregs Tagebuch" (mittlerweile Band 6). Zusammen lesen macht ihm schon Spaß, aber alleine nicht.


    Mal gucken wie das bei Moritz (5) wird. Er kommt im Sommer in die Schule. Er liebt es etwas vorgelesen zu bekommen

    :study: Ich lese gerade: Stirb schön - Peter James

    :study: Gelesen 2017: 41 Bücher, 18.932 Seiten :study:
    :study: Gelesen 2018: 61 Bücher, 28.642 Seiten :study:

    :study: Gelesen 2019: 9 Bücher, 5.018 Seiten:study:

  • Ich habe auch schon immer gerne gelesen, zumindest seit ich lesen konnte.

    Meine Mama liest gar nicht mehr, früher hat sie mal das ein oder andere Buch gelesen. Mein Papa hat früher wohl viel gelesen, v. a. Karl May und die Harry Potter Reihe haben wir parallel gelesen, aber mittlerweile liest er auch gar nicht mehr.

    Mein Bruder hat noch nie gerne gelesen.

    Mein Mann hat damals lediglich die Harry Potter Reihe gelesen und sonst liest er halt ziemlich viel Sport.

    Mal schauen wie es mit meinem Kleinen ausschaut wenn er mal älter ist. Vielleicht wird der ja mal eine kleine Leseratte.

    "Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel. Und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen."
    (Walt Disney)









  • Ein schöner Thread!

    In meiner Familie wurde viel gelesen, mein Vater las gerne Krimis und Humoristisches, wie Robert Gernhardt oder Ringelnatz.

    Und meine Mutter las gerne Ortheil und andere zeitgenössische Literatur. Meine Schwester hat nicht soviel gelesen wie ich, wenn ich mich richtig erinnere.

    Zu Weihnachten, Geburtstag oder auch Ostern gab es immer ein Buchgeschenk.

    Eigentlich in jedem Zimmer stand ein Bücherregal, sowie eine ganze Regalwand auf dem zum Schlafzimmer ausgebauten Dachboden. Das bedeutet eine Menge an Büchern.

    Mein Mann liest zur Zeit gar nicht; vielleicht kommt ja wieder eine Lesephase. Aber er kommt aus einer Familie, wo nicht viel (vor-)gelesen wurde.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Meine Frau liest eher weniger, hört aber viele Hörbücher (meist historisch). Ich allerdings lese viel...meist in der Mittagspause, ansonsten auch abends oder am WE zwischendurch mal. Genres wechseln bei mir ständig. Mal Thriller/Krimi, mal Fantasy, mal was historisches oder wie gerade ein paar Stephen King Klassiker. Wobei ich die traditionellen Thriller/Krimis (Thema Serienmörder) immer weniger anziehend finde.


    Miene Kinder sind noch in der Kita, aber auch schon Bücher verrückt. ich hoffe, dass das so bleibt.

    Derzeit: Stephen King - Doctor Sleep :evil:

    ---------------------"If you can´t do the little things right, then you will never do the big things right."--------------------

  • Ich wurde in einem lesefreundlichen Haushalt geboren. Besonders meine Mutter liest viel Belletristik (heutzutage oft per Tolino) und besitzt eine recht umfangreiche Bibliothek. Diese Bücher haben auch meinen Geschmack als Jugendliche geprägt - vor allem Abenteuerliteratur und Science Fiction sowie den einen oder Klassiker und alte Kinderbücher meiner Mutter. Viele dieser Bücher habe ich immer wieder gelesen und so eine ziemlich intensive Beziehung zu ihnen aufgebaut. Lesen war damals einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Jetzt als Erwachsene hat das abgenommen, durch weniger Zeit und das Internet als Konkurrent in Sachen Freizeitbeschäftigung. Meiner Tochter habe ich früher regelmäßig vorgelesen, aus ihr ist aber nicht so der große Bücherfreund geworden. Zum einen hat auch sie andere Interessen, die sie zeitlich in Anspruch nehmen, außerdem ist sie auch ziemlich kritisch und schnell gelangweilt oder genervt von manchen Büchern. Ich war da früher deutlich toleranter, und hab (fast) alles lesbare verschlungen.

  • Darüber könnte ich ein Buch schreiben. :-,

    Ich habe sieben jüngere Geschwister, und wir alle sind Leseratten. Das haben wir von unsern Eltern, die beide Leseratten waren / sind. Man muss dazu sagen: Wir bekamen erst einen Fernseher, als ich 13 Jahre alt war. Ich erinnere mich, dass Lesen während meiner Schulzeit eine Selbstverständlichkeit war: Ein Kind, das Langeweile hatte, nahm ein Buch oder ging raus spielen. Bücher waren allgegenwärtig. Jedes Kind aus meinem Umfeld las. Wenn nicht eigene, dann Bücher aus der Schulbücherei oder vom Bücherbus.

    Zum Geburtstag oder zu Weihnachten waren Buchgeschenke bei uns obligatorisch. Wir Kinder schrieben eine Wunschliste, aus der das Christkind seine Geschenke auswählte.

    In der Auswahl unserer Bücher unterscheiden wir Geschwister uns bis heute stark. Es gibt unter uns die Mama-Fraktion, die gern leichte Unterhaltung, Liebesromane und "historische" Romane liest. Und die Papa-Fraktion.


    Dann gabs eine Leseratten-Oma (ausschließlich die roten Goldmann-Krimis) und einen Leseratten-Opa (ausschließlich volkswirtschaftliche und juristische Sachbücher). Als mein Opa in seinen letzten Lebensjahren blind war, musste ich drei-, viermal in der Woche rüber und ihm die FAZ vorlesen. Von vorne bis hinten. Nur die Todesanzeigen durfte ich auslassen. Es war nicht immer ein Vergnügen.


    Einen schlimmen Kulturschock in puncto Buch erlebte ich, als ich zum ersten Mal ins Haus meiner zukünftigen Schwiegereltern kam. Kein einziges belletristisches Buch, nur kirchliche Traktätchen, Heimatliches und alte Schulbücher. Meine Schwiegermutter, die als Kind gern gelesen hätte, bekam die Bücher von ihrer Mutter um die Ohren gehauen, denn Lesen = Nichtstun = Faulheit. Und Faulheit muss bestraft werden. Irgendwann muss sie wohl resigniert haben, jedenfalls liest aus dieser Familie niemand. (Außer Gutergatte, und woran das liegt, dürfte bekannt sein.)


    Als mein Vater starb, erbte ich ca. 1000 Bücher. angefangen beim 20-bändigen Lexikon für Theologie und Kirche (Ledereinband, Goldschnitt) bis zu einer Kiste voller Reclamhefte. Meine Mutter, inzwischen über 80 Jahre alt und immer noch selbstständig, liest täglich und wegen ihrer Schlaflosigkeit vor allem nachts. Weil sie ausschließlich neu gekaufte Bücher liest, türmen sie sich in Dreierreihen über- und untereinander in sämtlichen Zimmern ihres nicht gerade kleinen Hauses - immerhin haben wir dort einmal mit 10 Leuten gewohnt. Jetzt wohnt sie allein zusammen mit ihren Büchern dort.


    Leider hat sich die Leseleidenschaft in der Familie damit erledigt. Aus der Generation meiner Kinder, Nichten und Neffen liest nur eine Nichte. Wenn sie sich treffen, machen sie sich über ihre Tanten und Onkel lustig und rollen die Augen, wenn wir wieder bei unserm Lieblingsthema sind.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: Linus Geschke - Und am Morgen waren sie tot

    :musik: Arnaldur Indridason - Eiseskälte

  • Meine Großväter habe ich bewusst nie etwas anderes lesen sehen als die Tageszeitung und die Fernsehzeitschrift. Meine Großmütter haben beide gelesen, aber ich könnte nicht sagen was. Zumindest mütterlicherseits werden es vermutlich keine Groschenhefte gewesen sein, da sowohl meine Mutter als auch ihre Geschwister begeisterte Leser sind.

    Mein Onkel hat sogar eine richtige Bilbliothek die ziemlich randvoll mit schwerer Kost ist - oftmals zerlesene Taschenbücher aus Studententagen, Goethe und co stehen da also definitiv nicht der Optik wegen in den Regalen.


    Meine Mutter hat immer viel gelesen, allerdings stelle ich in den letzten Jahren erschreckend fest dass sie inzwischen eher zu den klassischen Frauenromanen und generell leichter Kost tendiert. Was früher überhaupt nicht ihre Art war. Inzwischen stehen etliche ihrer alten Bücher in meine Regal. Ich hoffe ja nur, dass das mit mir nicht auch mal so endet. :-?

    Mein Vater ist eher der Kandidat für Comichefte, wobei er einen auch überraschen kann. Irgendwann kam er auf einmal mit Marx' Kapital an und hat es auch tatsächlich gelesen. Bitte gerne, passt nur nicht so ganz zu Asterix? ?(

  • Ich erinnere mich, dass Lesen während meiner Schulzeit eine Selbstverständlichkeit war: Ein Kind, das Langeweile hatte, nahm ein Buch oder ging raus spielen. Bücher waren allgegenwärtig.

    Schade, dass sich das derart verändert hat. :cry:

  • Schade, dass sich das derart verändert hat.

    Das bedaure ich auch. Die Selbstverständlichkeit des Bücherlesens ist vorbei, dabei wäre es heute durch die Reader viel einfacher.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: Linus Geschke - Und am Morgen waren sie tot

    :musik: Arnaldur Indridason - Eiseskälte

  • In meiner Ursprungsfamilie gab es nur eine Tante, die wirklich viel gelesen hat. Ich denke, von ihr habe ich auch meine Liebe für Bücher "geerbt". Solange sie lebte haben wir uns auch rege Bücher ausgeliehen, da - zumindest in Teilbereichen - unser Lesegeschmack identisch war.


    Heute, in meiner eigenen kleinen Familie, bin ich (leider) der einzige Bücherwurm. An meinen Nachwuchs konnte ich dieses "Gen" leider nicht weitergeben. Da wird - wenn überhaupt - nur gelesen, wenn es sich nicht vermeiden lässt (Schullektüre), oder eben Fachliteratur. :cry:

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