Michelle Obama - BECOMING -Meine Geschichte /

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BECOMING: Meine Geschichte

4.4|10)

Verlag: Goldmann Verlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 544

ISBN: 9783442314874

Termin: November 2018

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  • BECOMING – Meine Geschichte von Michelle Obama ist eine faszinierende und sehr persönliche Biografie.


    Sie ist in drei Abschnitte eingeteilt.

    „BECOMING ME“ - ihre Kindheit und Jugend in einem ärmlichen Viertel in Chicago. Ihr Jurastudium in Harvard und anschließend ihre Arbeit als Juniorpartnerin in einer großen Kanzlei in Chicago.

    „BECOMING US“ - ihre Partnerschaft mit Barack Obama, mit dem sie sich so gut versteht und der doch ganz anders ist als sie. Von ihren verzweifelten Versuchen ein Kind zu bekommen und später von den Elternsorgen.

    „BECOMING MORE“ - ihr Leben im Weißen Haus. Die Kritik an ihr und ihrer Kleidung, ihre Kampagne Kinder gesünder zu ernähren und so die Fettleibigkeit zu stoppen/reduzieren. Bis hin zum Amtsabtritt und der Wahl von Trump.


    BECOMING ME

    Jeder der drei Abschnitte war in seiner Weise intensiv. Mich persönlich hat BECOMING ME am Stärksten berührt. Wie ehrgeizig die kleine Michelle war. Alles wollte sie perfekt beherrschen und es war schwer für sie persönlich, wenn sie etwas nicht so konnte, wie sie das wollte.

    Wie sehr ihre Eltern, ihr Vater ein einfacher Arbeiter, die Mutter Hausfrau, sie auf ihrem Weg und in ihrer Bildung unterstützen. Das hat mich tief beeindruckt.

    In diesem Abschnitt wurde mir auch deutlich bewusst, wie unterschiedlich Amerika und Deutschland alleine von der Größe her sind.

    In den 60er Jahren gab es schon ständig Tote durch Schießereien und zu ihrer Highschool musste sie 3 Stunden mit dem Bus fahren.

    Allein ihrem Ehrgeiz „Und ich schaffe es doch!“ ist es geschuldet, dass sie in Harvard aufgenommen wurde. Denn ihre Collegeberaterin sagte ihr, dass sie in Harvard keine Chance hat, weil sie nicht in das Bild von Harvard passt. Schwarze Haut, ärmliche Verhältnisse.

    Rassismus ist natürlich auch immer wieder ein Thema, wobei ich sie da zurückhaltend erlebt habe. Ich glaube, sie hätte da noch ganz andere Dinge zu sagen gehabt. Am deutlichsten spricht sie darüber in Teil 3.


    BECOMING US

    Ich fand es unglaublich spannend zu Lesen, wie sie Barack kennen gelernt hat. Es ging mir auch sehr nahe, dass ihre Versuche, ein Kind zu bekommen, einfach nicht geklappt haben. Sie griffen schließlich zu der Lösung der künstlichen Befruchtung. Sie sagte, sie redet darüber, weil es so vielen Frauen so geht, aber das Thema tabuisiert ist. Ich erlebe das in Deutschland gar nicht so, aber da ich nicht betroffen bin, habe ich da vielleicht auch eine andere Wahrnehmung.

    Barack ist ein sehr liebevoller Vater, aber leider fast nie daheim. Er arbeitet im Senat in Illinois. So ist sie unter der Woche quasi alleinerziehend, neben ihrem Job, der inzwischen nicht mehr in einer Kanzlei ist, da sie sich umorientiert hat. Ich glaube, viele Mütter werden sich hier wieder erkennen.

    Das Bild, dass sie von Barack zeichnet, finde ich sehr faszinierend. Ein hochintelligenter, einfühlsamer Mann, der seine Träume auf eine bessere Welt nicht aufgibt. Trotz der Differenzen beschreibt sie ihn mit so viel Liebe, was in mir das Gefühl ausgelöst hat, dass ich die beiden zu gerne mal kennen lernen würde.

    Baracks Erfolg im Senat und seinen Träumen, nach einer besseren Welt, führte ihn unweigerlich zu dem Wunsch, Präsident zu werden.

    Michelle war zu Anfang total dagegen. Schließlich machen sie einen Deal.

    Der Abschnitt des Wahlkampfs ist das Einzige, was mir nicht so sehr gefallen hat bzw. was mich persönlich nicht so interessiert hat. Es war mir ein bisschen zu lang, aber es gehört natürlich dazu.


    BECOMING MORE

    Der letzte Abschnitt war sehr interessant und am Ende kamen mir auch die Tränen.


    Dieser Teil machte auch nochmal deutlich, wie unterschiedlich die USA und Deutschland sind. Das Leben im Weißen Haus gleicht einem Leben im Goldenen Käfig. Auch wenn die Obamas versucht haben, gerade für ihre Töchter, einen möglichen Spielraum zu schaffen.

    Wie der Secret Service vor geht, war wirklich total spannend.


    Sie beschreibt ihre Kampagne, gegen die Fettleibigkeit bei Kindern anzugehen. Dabei erzählt sie, dass die meisten Amis keinen Zugang zu frischen Erzeugnissen haben. Das fand ich wirklich erschreckend und für uns kaum vorstellbar.


    Wie viele Menschen, Jugendliche, durch Waffen sterben, ist unglaublich. Sie war in einer Schule in einem Brennpunkt. Jeder der Kinder hatte schon eine Person durch eine Schießerei verloren. Doch im Senat bewegt sich einfach gar nichts.


    Es hat mich sehr bewegt und beeindruckt, wie sie sich immer wieder für die Schwächeren in der Gesellschaft eingesetzt hat. Wie sie mit Projekten im Weißen Haus Mädchen und schwarzen Jugendlichen versucht hat, Hoffnung auf Mut zu machen, einen guten Schulabschluss zu erreichen.

    Wenn sie es geschafft hat, sagt sie, dann kann es auch jeder andere.


    Leider wurde mir in dem Abschnitt auch wieder bewusst, wie sehr man das, was man in der Presse liest, hinterfragen sollte. Einmal wurde die Differenz deutlich, was die Obamas getan haben und wie die Presse davon berichtet hat, aber auch, was ich damals in den Medien hier gelesen habe und was sich in Wahrheit in Amerika abspielte.

    So konnte man hier immer lesen, wie entzückt alle von Michelles Kleidung waren. Dabei ist die Presse in Amerika oft über sie hergezogen. Als sie sich einen Pony schneiden lassen wollte, wurde ihr dringend geraten, Baracks Berater „um Erlaubnis“ zu fragen, da diese wegen der stark angespannten, wirtschaftlichen Situation darauf achteten, dass keine Bilder der Obamas frivol wirken könnten!

    Auch jetzt ging ja zu ihrem neuem Buch einiges durch die Presse. Als ob sie wer weiß was skandalöses über Trump gesagt hätte. Dabei war es genau umgekehrt. Und durch Trumps Aussage, er wüsste aus verlässlicher Quelle, dass Baracks Geburtsurkunde gefälscht sei, gab es sogar einen Angriff auf das Weiße Haus.


    Fazit:


    Eine sehr persönliche und bewegende Biografie, durch die man viel über die Gesellschaft, die Politik und über Amerika lernt.

    Sie hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich immer wieder tief berührt. In meinen Augen ist es eine ausgesprochen gute Biografie.


    5 :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    1. BECOMING: Meine Geschichte

      (Ø)

      Verlag: Goldmann Verlag


  • Ich kann Smartie s schöner Rezension in vielen Punkten zustimmen. :winken:


    Als ich „Becoming“ angefangen habe zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören, was mich sehr überrascht hat. Aus irgendeinen Grund habe ich mir eine Autobiographie nicht so spannend vorgestellt. Das kann natürlich auch an falschen Erwartungen meinerseits liegen, da ich nie Biographien lese.

    Michelle Obamas Buch ist wirklich gut geschrieben. Interessant, kurzweilig, informativ und flüssig zu lesen. Michelle als Kind, Schülerin, Studentin, Karrierefrau, Ehefrau, Mutter und First Lady: All diese Stationen ihres Lebens werden mal mehr, mal weniger detailliert geschildert. Es macht Spaß die Anekdoten und Erinnerungen zu lesen. Man bekommt ein sehr gutes Bild von der Person Michelle Obama. Man versteht, was für ein Mensch sie ist. Ich bewundere sie sehr für das, was sie erreicht hat und dafür, wie sie den, oft sehr schwierigen Weg, gemeistert hat. Michelle Obama ist ein Mensch, der sehr ordentlich ist und alles vorab plant. An einer Stelle nennt sie sich selbst „Kontrollfreak“. (Es ist auch der Grund, warum sie so wenig begeistert davon war, dass ihr Mann Präsident werden möchte. Das Politikgeschehen empfindet sie als unordentlich und unkontrollierbar.) Sie ist außerdem der Meinung, dass man persönliche Defizite mit Fleiß, harter Arbeit, Geduld und richtiger Unterstützung ausgleichen kann. Eine Frage, die sie sich selbst ständig gestellt: „Bin ich auch gut genug?“. Auf ein „Nein“ folgt logischerweise noch mehr harte Arbeit und Anstrengung. Ich habe das Gefühl, dass sie generell ein optimistischer und fröhlich-pragmatischer Mensch ist. Selbst als sie sich über Trump und seine Äußerungen aufregt und wütend wird, konzentriert sie sich kurz danach auf positive Dinge. Ich denke, dass ihr all diese Persönlichkeitsmerkmale auch sehr geholfen haben aus diesem Politik-Zirkus im weißen Haus unbeschadet (zumindest soweit wie möglich) herauszukommen.


    Michelle Obama gewährt natürlich auch einen Einblick in das Familienleben der Obamas. Am deutlichsten und offensten wird sie, wenn es um ihre Beziehung zu ihren Mann Obama geht. Viele Anekdoten zeigen den Menschen Obama und oft musste ich grinsen. Er ist so anders als seine Frau und hat eine bewundernswerte Einstellung. Wenn ich ihn nicht schon vorher gemocht hätte, dann wäre es spätestens jetzt der Fall.


    Trotz vieler Einblicke in ihr Leben und auch einiger Selbstreflexionen, war es mir im Ganzen doch zu wenig. An vielen Stellen fühlte es sich zu sehr nach einer Zusammenfassung an. Sie geht die Dinge durch, die ihr passiert sind, aber sie geht zu wenig auf ihre Gefühle dabei ein. Zurückhaltend, fast distanziert fühlte es sich manchmal für mich an. Fast so als würde es über die Erlebnisse von jemand anderen gehen. Mir kam es so vor, dass sie noch immer in dieser Rolle ist, in der sie auf jedes Wort achten muss, dass sie sagt bzw. schreibt, Vieles bleibt demnach ungesagt und vage. Manchmal auch zu aufpoliert, zu positiv, typisch amerikanisch. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich ihr das wirklich zum Vorwurf machen kann, wenn ich daran denke, wie die amerikanische Politik funktioniert. Wenn ich dieses Zitat lese, „Ich war inzwischen so oft verspottet und bedroht worden, niedergemacht, weil ich schwarz und eine Frau war, weil ich klar meine Meinung äußerte. Ich hatte den Hohn empfunden, der sich gegen meinen Körper richtete und damit buchstäblich gegen den Raum, den ich in dieser Welt einnehme.“, dann kann ich ihre Zurückhaltung verstehen.

    Trotz der Kritikpunkte hatte sich sehr viel Spaß diese kluge, starke und sympathische Frau näher kennen zu lernen.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "We need to sit on the rim of the well of darkness and fish for fallen light with patience" - Pablo Neruda




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