Elisa Shua Dusapin - Les billes du Pachinko

  • Kurzmeinung

    tom leo
    Sehr fein geschriebener Roman über klein(st)e Risse im Leben, in der Begegnung zwischen Kulturen...

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  • Original: Französisch, 2018


    INHALT:

    Claire hat eine koreanische Mutter, einen schweizer Vater (der Organist ist). Sie wuchs in der Schweiz auf und verbringt nun ihre Sommerferien bei ihren Großeltern, die seit nahezu sechzig Jahren in Tokio wohnen. Sie möchte jene gerne überzeugen, den verwalteten Pachinko-Betrieb (vertikale Flipperautomaten) mal zu verlassen und mit ihr eine kleine Reise in ihr Geburtsland Korea zu machen. Vorher kümmert sie sich um eine kleine Japanerin, Mieko, mit der sie Französisch üben soll...


    BEMERKUNGEN :

    Claire ist die Ich-Erzählerin, und sie tut dies im Präsenz. Ihr Großvater kümmert sich also um sein Pachinko-Geschäft (siehe auch : https://de.wikipedia.org/wiki/Pachinko ) das « Shiny », das zwar viele Leute anzieht, doch zur selben Zeit einen schlechten Ruf besitzt. Diese Geschäfte sind fest in der Hand der Koreaner, die in Japan wohnen. Das macht sie in mehrfacher Hinsicht zu Außenseitern und Fremdlingen in der japanischen Gesellschaft. Allerdings mischen sie sich auch nicht viel unter die japanische Bevölkerung, leben in « ihren » Vierteln und in ihrer Kultur, und bis heute sprechen die Großeltern nur radebrechend Japanisch, unter sich aber Koreanisch. Unter diesen Koreastämmigen gibt es die Zwangsexilierten unter der japanischen Diktatur und Kolonialherrschaft von vor 1945. Und Flüchtlinge nach Ende des II.Weltkrieges wie auch infolge des Bürgerkrieges von 1950-53. Die Großeltern von Claire kamen schon neunzehn-, zwanzigjährig 1952 ; nun gehen sie auf die 80 zu...


    Und Claire ? Mit ihrer Abstammung erscheint sie in der doch heimischen Schweiz als « Fremde ». Da Koreanisch dort kein Studienfach war, lernte sie Japanisch, und meinte somit, ihren Großeltern entgegenkommen zu können. Von wegen ! Die Kommunikation fällt schwer. Und hier in Japan? Ist sie "Europäerin"...


    Während ihres jetzigen Sommeraufenthaltes in Tokio wird sich die Dreißigjährige bei einer alleinstehenden Französischlehrerin anstellen lassen, um mit deren Tochter Mieko Französisch zu praktizieren. Diese soll, auf Wunsch ihrer Mutter, später unbedingt in die Schweiz zum Studium.


    Auf ganz verschiedenen Ebenen spielt dieser kleine Roman für direkt mehrere der Hauptpersonen mit dem Thema der Heimat, bzw dem bleibenden Eindruck der Fremde, des Fremdseins. Die Autorin malt sehr fein die kleinen Risse, Verschiebungen, Träume, Mißverständnisse infolge von Einfügung, bzw Nicht-Einfügung in ein anderes Milieu. Brüche zwischen Ländern, Kulturen, Sprachen, Generationen, und letztlich auch im Paar.


    All das ist toll geschrieben, beschrieben, mit einer gewissen Form der Zurückhaltung, der leisen Töne, die die großen Hammerschläge, das große Rumfichteln und Dramatisieren vermeidet. Dabei entdeckt man dennoch, dass es eben tatsächlich Parallelen zwischen Dusapins und Claires Leben gibt !


    Dicke Empfehlung für die entsprechend Interessierten !


    AUTORIN :

    1992 geboren, hat Elisa Shua Dusapin eine südkoreanische Mutter und einen französischen Vater. Sie wächst zwischen Paris, Séoul und Porrentruy auf, wo sie im Jahre 2011 das Abitur macht. Sie hat ein Diplom am Schweizer Literaturinstitut von Bienne (Heimatstadt Robert Walser!). Sie schrieb ein Musikereignis mit dem Sänger Thierry Romanens. 2014 arbeitete sie als Schauspielerin in der Kompanie « Sturmfrei » unter der Regie von Maya Bösch. « Elisa Shua Dusapin - Ein Winter in Sokcho / Hiver à Sokcho /Hiver à Sokcho/ » war im Jahre 2016 ihr erster Roman und wurde mit einigen Preisen bedacht.


    Hier ein interessanter ; deutschsprachiger, schweizer Artikel zu Dusapin :

    https://www.swissinfo.ch/ger/k…chen-buchdeckeln/44311380



    Bislang gerade erst auf Französisch erschienen :


    Broché: 144 pages

    Editeur : Editions Zoé (23 août 2018)

    Langue : Français

    ISBN-10: 2889275795

    ISBN-13: 978-2889275793

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