Charles Dickens - Eine Geschichte aus zwei Städten / A Tale of Two Cities (Start: 1. Februar 2019)

  • Zitat

    Und entweder sind sie zu gut oder zu böse / abgedreht dargestellt

    Was die Guten angeht, hatte Dickens in seinen Romanen den bevorzugten Weiblichkeitstypus - "jung, schön und gut". Diesen Typus suchte

    er wohl auch in der Realität. In Ellen Ternan glaubte er sie gefunden zu haben. Er verließ seine Frau und Ellen wurde seine Geliebte, was er

    allerdings vor der Öffentlichkeit immer verbergen wollte, weil man ihm das übel genommen hätte.

    Das habe ich kürzlich in einem Text über Dickens und sein Frauenbild gelesen.

    Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind und unser kleines Leben umfasst ein Schlaf.

    William Shakespeare

    :study:Charles Dickens - A Tale Of Two Cities (MLR)

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  • Was die Guten angeht, hatte Dickens in seinen Romanen den bevorzugten Weiblichkeitstypus - "jung, schön und gut".

    Dem sind wir ja auch stets zuverlässig begegnet - ich denke nur an David Copperfield und die junge Agnes, die sich Uriah Heep opfern wollte :wink:

    Diesen Typus suchte er wohl auch in der Realität. In Ellen Ternan glaubte er sie gefunden zu haben. Er verließ seine Frau und Ellen wurde seine Geliebte, was er allerdings vor der Öffentlichkeit immer verbergen wollte, weil man ihm das übel genommen hätte.

    Das habe ich kürzlich in einem Text über Dickens und sein Frauenbild gelesen.

    Die Liebschaft ist ja bekannt. Und warum sollte eigentlich Dickens nicht genauso ticken wie so viele Männer auf der Welt, die Frau und Familie für eine jüngere, hübschere verlassen. Ich glaub, man hat so leicht die Idee im Kopf, dass ein Mensch wie Dickens, der so vehement gegen das Schlechte anschrieb, selbst im Privatleben immer tadellos gewesen sein muss. Nein, leider ist das ein Sockel, auf den wir solche Menschen nur zu gerne erheben. :uups:


    Wo findet man den Text über Dickens? Das würde mich schon tiefer interessieren als nur der Eintrag bei Wikipedia. :wink:


    Book 2 / Kapitel 17 bis 19


    Auch wenn wir nun gar nichts über Darnays Brautwerbung erfahren haben (ist vielleicht auch gut so und ist für die Geschichte auch nicht von belang), steht also die Hochzeit an. Die Szene am Abend zuvor gibt einen tieferen Einblick in Manettes Gefühle und Erinnerungen. Wobei ich nicht so ganz verstanden habe, was er mit den unterschiedlichen Bildern der jungen Frauen meinte - ich kam mir vor wie Lucie, die auch den Unterschied der geschilderten Erscheinungen nicht ganz versteht. Kann mir jemand helfen? :ergeben:


    Sehr passend fand ich die kleine Zeremonie, passend zu Darnays Inkognito und zur Gesamtsituation von Manette. Wobei die beiden Männer irgendetwas besprochen haben müssen vor der Zeremonie. Oder ist Manette nur deshalb so weiß, weil er befürchtet was nun kommt?

    Intensiv schildert Dickens hier den Zusammenbruch eines Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung - anders kann man das wohl nicht benennen, auch wenn der Begriff an sich Dickens sicher unbekannt war. Und genauso intensiv kommen zum ersten Mal Mr. Lorry und Miss Pross zum Tragen, die beiden Käuze der Konstellation, die ja in ihrer Darstellung immer Dickens Hang zur Komik in sich tragen. Aber von Komik keine Spur, weder in der Beschreibung der neun Tage, in denen die beiden wohlüberlegt handeln und ihren Schützling behutsam niemals aus den Augen lassen, noch in dem Gespräch danach, dass die beiden Freunde führen. Hier wiederholt sich ja die Situation aus Kapitel 4: der "man of Business" Mr. Lorry benutzt den imaginären Freund und somit wieder einmal eine "Geschichte", um eine Botschaft zu überbringen. Aber erschien uns Lorry in Kapitel 4 noch fürchterlich steif und eigentlich unerträglich in seiner Art, so ist er hier extrem einfühlsam in der Art, wie er mit Manette umgeht und diesem erzählt, was die letzten Tage vor sich ging.


    Die Komik kehrt allerdings am Ende von Kapitel 19 zurück, wenn Miss Pross und Mr. Lorry nachts in aller Heimlichkeit die "Werkstatt" zerstören. Mal schauen, ob ich für Euch die wunderbare Zeichnung von Phiz dazu finde. :lol:


    Edit: hier ist sie :)

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Sy Montgomery - Rendezvous mit einem Oktopus
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

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