Joan Weng - Das feine Fräulein / Das Fräulein von Berlin

  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Eine kurze Kriminalgeschichte, mit der ich leider nie ganz warm geworden bin.

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  • "Gute Informationen sind schwer zu bekommen. Noch schwerer ist es, mit ihnen etwas anzufangen." (Sir Arthur Conan Doyle)

    Berlin, Weihnachten 1926: Der ehemalige Soldat und Buchhändler Bernhard Greiff (Bambi) ist nicht gerade der allerbeste Verkäufer, das meint zumindest seine Chefin. Da man ihn als nicht geheilt aus der Nervenheilanstalt entlassen hat, gilt er für einige noch immer als Verrückter. Seit Monaten nun versucht er außerdem erfolglos, das Milchkaffeemädchen und Dienstmädchen, des schönen Fräulein Schienagels anzusprechen. Doch was Romantik anbelangt hat Greiff einfach kein feines Händchen. Dafür ist er als Detektiv sehr gut, den er wächst über sich selbst hinaus, als sein Freund in ein Wespennest voller geheimnisvollen Séancen, Mord und einem Diamantenraub taumelt. Dabei versucht Greiff sein detektivisches Gespür einzusetzen, um ihm zu helfen und kommt dadurch seiner Liebe näher.


    Meine Meinung:
    Im Zuge einer Adventskalenderaktion des Verlags, hatte ich die Chance täglich dieses Buch kennenzulernen. Der Klappentext versprach eine interessante Kriminalgeschichte, doch leider wurde ich mit dieser gar nie richtig warm. Vielleicht lag es auch daran, das ich sie nicht in einem Zusammenhang lesen konnte. Zudem ging mir diese Geschichte einfach nicht tief genug, was sicher auch an der Kürze, dieses Buches mit 115 Seiten lag. Für mich war es dann auch eher eine Liebesgeschichte, als ein Kriminalfall gewesen. Dabei konnte ich mich auch wenig in die Charaktere hineinversetzen, da es für die Kürze des Buchs zu viele waren und diese zu wenig Tiefe hatten. Der Schreibstil war einfach, gut geschrieben und unterhaltsam. Dabei konnte ich mich gut in die damalige Zeit Berlins hineinversetzen, vor allem durch den Berliner Dialekt, den manche Protagonisten hatten. Und doch fehlte mir bei den meisten Charakteren der Tiefgang, so das ich mich nicht zu hundert Prozent in sie hineinversetzen konnte. Den gerade die 20 er Jahre war eine Zeit, bei der es schön gewesen wäre mehr zu erfahren, vor allem über die Hintergründe Bernhard Greiffs. Vielleicht als Auftaktgeschichte für weitere Bücher mit Bernhard Greiff wäre sie in Ordnung gewesen, doch als abgeschlossener Krimi war es mir dann auf alle Fälle zu wenig. So ist es vielleicht auch gedacht, den in ihren anderen Büchern der Autorin geht es ebenfalls um das Berlin der 20 er Jahre. Zudem lernt man schon in "Die Frauen vom Savignyplatz" Bernhard Greiffs Schwester Vicky kennen. Vielleicht werde ich das Buch nochmals in einem Zusammenhang lesen, doch vorerst kann ich leider nur 3 von 5 Sterne dafür geben. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Es Weihnachten 1926 in Berlin. Bernhard Greiff, Bambi genannt, arbeitet nicht besonders erfolgreich im Buchladen seiner Schwester. Vicky ist bemüht um ihn. Denn aus dem Weltkrieg ist ihr Bruder traumatisiert heimgekehrt und nicht wenige Mitmenschen halten ihn für wahnsinnig, weil er viele Jahre in einer Nervenheilanstalt zugebracht hat und ihm eine endgültige Heilung nie bescheinigt wurde. Dabei versucht Bernhard völlig normal zu sein, er kommt nur nicht mit dem Tempo der Zeit zurecht.


    Täglich führt er wiederholende Tätigkeiten aus. Unter anderem sorgt er dafür, dass Vickys Hund Brutus an die frische Luft gelangt. Auf den Spaziergängen trifft er häufig das Dienstmädchen der Schauspielerin Schienagel und deren Spitz Leopoldine. Wegen ihrer Haut- und Haarfarbe nennt er sie Milchkaffeemädchen nennt und für ihn ist klar, dass er sie liebt. Leider ist Bernhard schüchtern, und so kennt er weder ihren Namen noch hat er den Mumm, um sie anzusprechen.


    Erst als bei Fräulein Schienagel eingebrochen, der Täter später tot aufgefunden wird, Bernhards Freund, der Leierkastenmann Karlheinz unter Verdacht gerät und das Milchkaffeemädchen ihn um Hilfe bittet, schlägt Bernhards große Stunde. Nicht nur als Detektiv.


    Außerdem hält die Stadt noch eine Verbrechensserie in Atem: Innerhalb von nicht ganz vier Wochen sind drei Edelhuren vergiftet worden, und Paul Genzer, Berlins jüngster Kommissar, und Bruder von Bernhards Schwager Willi, jagt den Mörder. Bisher erfolglos.



    Mit „Das feine Fräulein“ erzählt Joan Weng einen mit einer sanften Liebesgeschichte verknüpften erquicklichen Kriminalfall, der Schauplätze ihrer bisher erschienenen, in der Weimarer Republik angesiedelten Romane aufgreift und Bezug auf bereits aufgetretene Protagonisten nimmt. Trotzdem kann die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da sich ausreichend Erläuterungen im Verlauf der Begebenheiten befinden.


    Joan Wengs unkomplizierte Art zu schreiben, verleiht der Handlung Authentizität. Es gelingt ihr gut, das damalige Zeitgeschehen und Berliner Flair einzufangen und mit kleinen wendigen Momenten zu überraschen. Sie bietet genügend Raum für eigene Mutmaßungen, und oft lassen sich die mörderischen Ereignisse mit einem Schmunzeln verfolgen.


    Zur kurzweiligen Unterhaltung trägt auch die illustre menschliche und tierische Figurenschar bei, die vielleicht nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, aber gleichwohl mit greifbaren Eigenschaften ausgestattet wurde. Gegen ein „Wiedersehen“ ist daher nichts einzuwenden.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Kurz und knackig


    Buchmeinung zu Joan Weng – Das Fräulein von Berlin


    „Das Fräulein von Berlin“ ist ein historischer Kriminalroman von Joan Weng, der 2020 im dp Verlag erschienen ist. Dieses Buch ist eine überarbeitete Neuauflage des 2018 im dp Verlag erschienenen Werkes „Das feine Fräulein“.


    Zum Autor:
    Joan Weng (*1984) studierte in Stuttgart und Tübingen und promoviert aktuell über die Literatur der Weimarer Republik. Für ihre literarische Arbeit wurde sie mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.


    Klappentext:
    Berlin, 1926: Der Kriegsveteran Bernhard Greiff hat die Schrecken der Vergangenheit noch nicht ganz hinter sich gelassen. Doch als er zu seiner Schwester Vicky zieht und einen Job in der Buchhandlung annimmt, glaubt er endlich seinen Platz gefunden zu haben. Jetzt muss er sich nur trauen, das Dienstmädchen des schönen Fräulein Schienagels anzusprechen und sie zu einer Verabredung einzuladen.
    Als jedoch Bernhards einziger Freund in Gefahr gerät und ihn um Hilfe bittet, muss er sich wieder den Schatten einer längst vergangenen Zeit stellen und über sich hinauswachsen. Kann er seinen Freund retten oder landen sie am Ende beide in einem Wespennest aus Raub, Mord und Intrigen?


    Meine Meinung:
    Diese Erzählung lebt sehr gut von und mit der Hauptfigur Bernhard Greiff, der von seiner Umgebung als Kriegsirrer eingestuft wird. Heutzutage würde man wohl eine posttraumatische Belastungsstörung hervorgerufen durch erlittene Kriegsgräuel diagnostizieren. Er lebt in seiner extrem geordneten Welt und beginnt sich langsam der Welt zu öffnen. Bernhard fungiert meist als Ich-Erzähler, der auch seine Gefühle und Ängste reflektiert. Die Autorin beschreibt in einem humorvollen und einfühlsamen Stil die sich anbahnende Beziehung zu einem Dienstmädchen, dem Bernhard immer wieder begegnet, wenn er den Hund seiner Schwester ausführt. Fast nebenbei werden die Zustände im Berlin der damaligen Zeit eingebettet. Gefallen haben mir auch diverse Nebenfiguren, allen voran der Vorsitzende eines Ringvereins. Der Leser spürt die Liebe der Autorin zu ihren Figuren. Da das Werk wenig umfangreich ist, kommen die kriminalistischen Aspekte etwas zu kurz. Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt.


    Fazit:
    Handlung und vor allem die Figuren haben mich überzeugt. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Joan Weng - Das feine Fräulein“ zu „Joan Weng - Das feine Fräulein / Das Fräulein von Berlin“ geändert.
  • Dieses Buch ist eine überarbeitete Neuauflage des 2018 im dp Verlag erschienenen Werkes „Das feine Fräulein“.

    Daher hab ich Deine Rezension an den bereits bestehenden Thread von "Das feine Fräulein" angehängt :wink:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Yishai Sarid - Siegerin

    :study: Christoph Ransmayr - Die Schrecken des Eises und der Finsternis MLR


  • Oktober 1926 : Bernhard Greiff der den Schrecken des ersten Weltkriegs noch nicht überwunden hat , hat sich in eine junge Frau , die bei Fräulein Schiernagel als Dienstmädchen arbeitet , verliebt . Fast jeden Tag begegnen sie sich . Aber er ist zu schüchtern um sie anzusprechen . Eines Abends entdeckt er unter Lumpen und alten Kleidern einen toten Mann . Bernhard kennt ihn denn dieser Mann beobachtete das Haus in dem seine Angebetete arbeitet . Er soll dort eingebrochen und Wertsachen geklaut haben . Aber Bernhard vermutet etwas anderes dahinter ...


    Es wird aus Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt . Dabei ist der Schreib - und Erzählstil bildhaft und flüssig zu lesen . Nur auf den ersten Seiten kam mir der Stil etwas ungewohnt vor . Das gab sich aber mit der Zeit . Die Charaktere passen hervorragend in diesen Krimi , sie werden auch sehr gut beschrieben . Die Spannung erhöht sich meines Erachtens erst im letzten Drittel . Davor blieb sie auf gleicher Höhe . Daher zog sich die Story für mich etwas .


    Fazit : Die Handlung spielt in der Weihnachtszeit und ich konnte gut den Flair Berlins in den zwanziger Jahren nachvollziehen . Es gibt verschiedene Handlungsstränge die sich langsam ineinander verweben . Es kommt auch immer wieder der berlinerische Dialekt zum Vorschein . Es ist ein guter Cosy - Krimi der spannungsreicher und fesselnder sein könnte . Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und die Geschichte selbst hat Potential . Mir hat aber das gewisse etwas gefehlt . Es ist ein durchschnittlicher und leichter Krimi der mit seinen 133 Seiten nicht hat allzu lang ist . Daher eignet er sich gut für zwischendurch .

    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

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