Ulinka Rublack – Der Astronom und die Hexe: Johannes Kepler und seine Zeit / The Astronomer and the Witch: Johannes Kepler´s Fight for his Mother

Der Astronom und die Hexe: Johannes Kepl...

3.8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Klett-Cotta

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 409

ISBN: 9783608981261

Termin: Februar 2019

Klappentext / Inhaltsangabe: »Ein klarsichtiges, niemals reißerisches Buch, das sich streng an den Quellen orientiert.« Freie Presse, 15.02.2019 »Die Historikerin Ulinka Rublack hat mit 'Der Astronom und die Hexe' ein bewegendes Buch im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Aberglaube geschrieben. [...] Ein klarsichtiges, niemals reißerisches Buch, das sich streng an den Quellen orientiert.« Hamburger Abendblatt, 12.02.2019 »Das lehrreiche und intelligente Buch ist sehr eingängig geschrieben und lädt dazu ein, sich mit diesen fernen und oftmals fremden Zeiten näher zu beschäftigen.« Heike Talkenberger, Damals, Ausgabe 2/2019 »'Der Astronom und die Hexe' gehört ohne Übertreibung zu den lehrreichsten, spannendsten, lesenswertesten historischen Sachbüchern der letzten Jahrzehnte. Denn Rublack erweist sich hier nicht nur als exzellente Kennerin und Interpretin der Quellen, sondern auch als meisterhafte Erzählerin.« Olaf Schmidt, Der Sonntag, 13.01.2019 »Rublack schildert [...] nicht nur dieses bewegende historische Familiendrama, sondern zeichnet in prägnanten Exkursen das Sittenbild einer Gesellschaft, die an der Schwelle zu einer vernunftgeleiteten, aufgeklärten Epoche steht« Anja Leuschner, Zeit Wissen, Januar/Februar 2019 »Ulinka Rublack [...] schafft mit der vorliegenden exemplarischen Zeitreise zu Aufbruch und Abgründen einer Zeitenwende ein Meisterwerk historischer Spannung und Vermittlung, das an den großen Namen Umberto Eco erinnert« Walter Pobasching, Literatur Outdoors, 13.12.2018 »Es sind diese sich langsam verschiebenden Grenzen einer Gesellschaft im Umbruch, denen Rublack von Kapitel zu Kapitel nachgeht - so dass sich die einzelnen Aspekte des Leonberger Falls allmählich zum Panorama einer ganzen Epoche zusammensetzen« Claudia Mäder, Neue Züricher Zeitung, 07.12.2018 »So verschwimmen in diesem beeindruckenden Buch wie in der von ihm beschriebenen Epoche dauernd die Grenzen - was gut und was schlecht ist, kann plötzlich ändern, vom kleinsten Dorf kommt man unvermittelt zu den größten Fragen der Zeit, und aus einer Mikrogeschichte erwächst maximale Erkenntnis« Claudia Mäder, Neue Züricher Zeitung, 07.12.2018 »Die Autorin versteht es, den Lesern ein Gefühl für die Denkweise und sozialen Umstände im Mitteleuropa des 17. Jahrhunderts zu vermitteln. Sie zeigt, wie in dem damaligen Spannungsverhältnis zwischen neuen Erkenntnissen und tief verwurzeltem Aberglaube allmählich die empirische Wissenschaft entstand« Thorsten Naeser, spektrum.de, 01.12.2018 »Ulinka Rublack erzählt filmreif, warum der Astronom Johannes Kepler vor 400 Jahren seine Mutter vor Gericht verteidigte [...] Beim Lesen meint man die Stimmen der Hauptfiguren sprechen zu hören.« Elisabeth von Thadden, Die Zeit, 22.11.2018 »Ausgiebig beleuchtet Ulinka Rublack die Familie Kepler und deren Umgang mit der Anklage. Ebenso plastisch nimmt sie die Lebensumstände der Menschen um 1600 in Leonberg und Umgebung in den Blick. Dabei rücken die Beziehungsgeflechte der beteiligten Personen ebenso in ihren Fokus wie das Bild alter Frauen in der damaligen Gesellschaft, der Stellenwert von Alchemie und Kräuterkunde, die verschiedenen Rechtsauffassungen zum Umgang mit 'Hexen' oder Keplers Karriere als Gelehrter.« Gerrit Stratman, Deutschlandfunk Kultur, 09.11.2018 »Rublack baut [...] ihr Werk wie einen Kriminalroman auf; sie verrät erst am Ende, wie der Prozess ausging. Zum anderen nutzt die Autorin die Hexenanklage, um ein ganzes Panoptikum des 17. Jahrhunderts aufzufächern und das Sittengemälde einer Gesellschaft zu zeichnen, die im beginnenden 30-jährigen Krieg ins Chaos schlitterte.« Thomas Fallin, Stuttgarter Zeitung, 13.11.2018 »Rublack dokumentiert den Prozess, in dem der Sohn [Johannes Kepler] die Verteidigung unternimmt. Sie präsentiert ihn gekonnt im Spannungsfeld seines Denkens und des Aberglaubens der Leute - nicht unähnlich unserer Zeit von Wissenschaftsskepsis und Verschwörungstheorien.« Daniel Arnet, SonntagsBlick, 28.10.2018
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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Keplers Kampf um seine Mutter – ein historisches Familiendrama zwischen Hexenverfolgung und moderner Wissenschaft
    Deutschland, 1615. Die Mutter des berühmten Astronomen Johannes Kepler wird als Hexe angeklagt. Vor der faszinierenden Kulisse einer Welt im Wandel zwischen Magie und Naturwissenschaft beschreibt Rublack fesselnd und bewegend, wie der Vorwurf der Hexerei Familien entzweite.
    Die Entdeckung der ellipsenförmigen Umlaufbahnen der Planeten machte Johannes Kepler zum Mitbegründer der modernen Wissenschaft. Ulinka Rublack entfaltet auf Basis einer einzigartigen Quellenlage eine weitaus weniger bekannte Episode in Keplers Biographie: Im Jahr 1615 wird seine verwitwete Mutter der Hexerei bezichtigt und angeklagt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere übernimmt Kepler ihre Verteidigung vor Gericht und kämpft für ihre Freisprechung. Was bedeutet der Vorwurf der Hexerei für die Beschuldigten und ihre Angehörigen in einer Welt, in der Volksglaube und Wissenschaft nebeneinander existieren? So ergreifend wie schockierend zeugt Rublacks souveräner Bericht von einer Epoche, die sich hundert Jahre nach der Reformation und an der Schwelle zum Dreißigjährigen Krieg im Aufbruch befindet – zwischen vernunftgeleiteter Moderne und dem Terror der Hexenverfolgung.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Ulinka Rublack, geboren 1967 in Tübingen, lehrt seit 1996 Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St John‘s College in Cambridge. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Genderstudien, Materialitätsgeschichte und Fragen der kulturellen Identität. Neben eigenen Büchern schreibt die Mitbegründerin des Cambridge Center for Gender Studies für »Die Zeit« und ist Fellow der British Academy.


    Allgemeines
    Titel der Originalausgabe: „The Astronomer and the Witch: Johannes Kepler´s Fight for his Mother“, ins Deutsche übersetzt von Hainer Kober
    Erschienen am 16.12.2018 bei Klett Cotta als HC mit 409 Seiten
    Gliederung: Zeitleiste – Anmerkung zu den Daten – Liste der Abbildungen – Liste der Abkürzungen – Karten – Prolog – Einleitung – 13 Kapitel – Epilog – Endnoten – bibliographische Empfehlungen – Danksagung – Register


    Beurteilung
    Das Sachbuch „Der Astronom und die Hexe“ befasst sich intensiv mit dem Leben und den Werken des berühmten Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler (1571 – 1630). Dabei wird besonderes Augenmerk auf Keplers Beziehung zu seiner Mutter Katharina (1546 – 1622) gelegt, die 1615 beschuldigt wurde, eine Hexe zu sein. Die Bedeutung einer solchen Anschuldigung für die Beklagte und ihre Familie veranschaulicht die Autorin sehr eindrücklich vor dem Hintergrund der Zeit: Hundert Jahre nach der Reformation und kurz vor dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges wird die Gesellschaft sowohl von noch mittelalterlich anmutenden Vorstellungen (Magie, Hexenglaube) als auch von neuzeitlichen Entwicklungen (Naturwissenschaften, festgelegte Regeln im Justizwesen, Fürsorge für die Armen aus einer „Sozialkasse“) geprägt. Trotz der wachsenden Bedeutung der Naturwissenschaften ist eine Anklage wegen Hexerei immer noch äußerst gefährlich und endet größtenteils mit Todesurteilen, was nicht zuletzt an der Durchführung der peinlichen Befragung (Folter) liegt, die zu falschen Geständnissen führt. Als Kind seiner Zeit zweifelt auch Johannes Kepler – trotz seiner naturwissenschaftlichen Betätigung – nicht daran, dass es den Straftatbestand der Hexerei gibt und er ist auch von der intellektuellen Überlegenheit des männlichen Geschlechts gegenüber den Frauen überzeugt. Dennoch widmet er sich entschlossen der Verteidigung seiner Mutter, die er für eine gute Christin hält. Er macht seinen ganzen Einfluss geltend, verklagt seinerseits die Denunzianten als Verleumder und erreicht durch zahllose Eingaben, dass seine Mutter auch in Gefangenschaft anständig untergebracht und vergleichsweise „gerecht“ und unvoreingenommen behandelt wird. Insgesamt zieht sich der Prozess gegen Katharina unglaubliche sechs Jahre hin.


    Die Darstellung von Keplers Persönlichkeit sowie seinen Beziehungen zu seinen Familienmitgliedern und seinem gesellschaftlichen Umfeld ist gründlich ausgearbeitet und hochinteressant, auch die Schilderung des Lebens in der Gesellschaft des frühen 17. Jahrhunderts ist sehr anschaulich und gibt dem Leser einen intensiven Einblick. Der flüssige Stil der Autorin macht die Lektüre zu einem Vergnügen. Allerdings springt die Erzählung des Öfteren zwischen verschiedenen chronologischen und thematischen Ebenen hin und her, was gelegentlich die Orientierung ein wenig beeinträchtigt.
    Das Buch ist reich bebildert, auch das Zusatzmaterial (Zeitleiste, Karten) ist für den Überblick des Lesers hilfreich.


    Fazit
    Ein sehr lesenswertes Sachbuch, das nicht nur anhand guter Quellenlage (erhaltene Prozessakten) einen Einblick in das Leben und die Persönlichkeit Johannes Keplers sowie den Hexenprozess gegen seine Mutter Katharina gibt, sondern auch einen anschaulichen allgemeinen Eindruck von der Gesellschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts vermittelt!

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Autorin: Ulinka Rublack

    Titel: Der Astronom und die Hexe - johannes Kepler und seine Zeit

    Seiten: 409

    ISBN: 978-3-608-98243-5

    Verlag: Klett-Cotta

    Übersetzer: Hainer Kober


    Autorin:

    Ulinka Rublack wurde 1967 in Tübingen geboren und lehrt seit 1996 Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit in Cambridge. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Genderstudien, Materialitätsgeschichte und Fragen der kulturellen Identität. Sie schreibt für zeitungen und Zeitschriften und ist Autorin mehrerer Sachbücher.


    Inhalt:

    Deutschland, 1615. Die Mutter des berühmten Astronomen Johannes Kepler wird als Hexe angeklagt. Vor der faszinierenden Kulisse einer Welt im Wandel zwischen Magie und Naturwissenschaft beschreibt Rublack fesselnd und bewegend, wie der Vorwurf der Hexerei familien entzweite. (Klappentext)


    Rezension:

    An der Schwelle zum Dreißigjährigen Krieg befand sich die Welt im. Größen wie Galileo Galilei begründeten den Weg zu den modernen Wissenschaften, gleichzeitig hatte die Kirche immer noch große Macht, wenn auch nach der Reformation die Glaubensgemeinschaft gespalten war. Immer noch gab es Hexenprozesse, denen hunderte Menschen zum Opfer fielen. In dieser Zeit lebte auch Johannes Kepler, der entdeckte, dass die Planeten des Sonnensystems sich auf ellipsenförmigen Umlaufbahnen bewegten. Ulinka Rublack nun, analysiert ein wenig bekanntes Kapitel aus Keplers leben.


    Schon die Geschichte von Johannes Kepler selbst ist interessant genug, ganze Bücher zu füllen. Wie sieht es jedoch aus, wenn man sich nicht mit seinem wissenschaftlichen Beitrag beschäftigt, der den Horizont der damaligen Zeit ungemein erweiterte, sondern den Astronomen und Mathematiker im Spiegel seines Jahrhunderts einordnet, und ferner sein Familienleben betrachtet, welches turbulenter nicht hätte sein können? Die Geschichtswissenschaftlerin Ulinka Rublack hat diesen Versuch unternommen und kleinteilig historische Archive durchstöbert.


    Vor den Lesern liegt nun ein weniger bekanntes Kapitel von Keplers Leben, welches sowohl Kepler selbst, als auch die Familie in der Zeit einordnet, in der sie lebte. es ist die Zeit großer Veränderungen, in einer schon glaubenstechnisch gespaltenen Gesellschaft, an den Schwellen zu einem langanhaltenden Kriege stehend. Gleichzeitig ist die moderne Wissenschaft am Entstehen. Große Entdeckungen werden gemacht. Und doch, die Kirche hat immer noch viel Macht. Aberglauben ist weit verbreitet, die Verfolgung und Folterung vermeintlicher Hexen in vollem Gange.


    Die Autorin beschreibt, wie selbst Keplers Mutter in diesem, für damalige Zeit bedrohlichen Verdacht gerieht und wie die Familie des Astronomen damit umging. Ein jeder für sich, ganz unterschiedlich. Sie hat recherchiert, wie eine Behauptung zu einem Selbstläufer mit ungeheuerlicher Dynamik wurde, gleichzeitig, wie die unmittelbare Nachbarschaft darauf reagierte.


    In diesen Punkten zeigt Rublack ihre enorme Kenntnis der damaligen Zeit und legt ausführlich dar, wie verbreitet Aberglaube und die Angst vor Hexerei noch waren, jedoch auch, dass nicht immer und überall jeder Vorwurf der Hexerei zu Folter und Tod führen musste. Eine Gesellschaft noch im Griff vieler Traditionen und nicht zuletzt des Glaubens, gleichzeitig in den Städten ein enormer Wissensschub durch den Fortschritt der Wissenschaft. Die Autorin legt verständlich dar, wie Johannes Kepler seine Reputation und seine daraus folgenden Kontakte für sich und die Seinen zu nutzen wusste, nicht zuletzt seiner Mutter.


    Wie weit gingen Familienbande zur damaligen Zeit? Wie weit reichte der Horizont der Menschen? In welchen Denkmustern waren selbst auf natur-wissenschaftlichen Gebieten fortschrittliche Männer wie Kepler gefangen? Auch diese Fragen beantwortet Rublack ausführlich, jedoch ohne sich mit längeren Exkursen aufzuhalten. Ein wenig bedauerlich ist, wenn auch der Schwerpunkt schon titelmäßig woanders liegt, dass Keplers wissenschaftliche Arbeit ein wenig zu kurz kommt. Da hätte ich mir noch ein wenig mehr Ausführungen gewünscht, jedoch ansonsten hilft dieses historische Sachbuch die Zeit des Astronomen und die gesellschaftliche Dynamik einer Kleinstadt im Spätmittelalter zu verstehen.


    Ergänzt wird das Werk durch mehrere erläutende Karten und zahlreichen Abbildungen und Fotografien.


    Insgesamt lesenswert.